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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-12-12 · Heft 50 (12.12.1913) · p. Seite 593

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 50 (12.12.1913)
Date
1913-12-12
Page
Seite 593 (sequence 5)
Language
German
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platz von Parteikälnpfen. zu machen, bekämpfen. Als? er davon spricht, daß organisierte Unruhestifter sich, auf den früheren Gemeindetagen breit gemacht hätten, kommk^es zu lebhaften Protesten. Herr Dr: Cohn weist im weiteren Verlauf seiner Ausführungen darauf hin, daß man mit Annahme der Resolution formell anerkenne, daß es Richtungen innerhalb des Gemeindebundes gäbe. Dr. Victor- Wandsbek empfiehlt die Annahme der Resolution und auch Herr Landgerichtsrat Loewe würde in der Annahme dieser Resolution nichts schlimmes sehen. Mit knapper Majorität wird dann durch einfache Abstimmung, die Resolution angenommen. Sodann erstattet Herr Pros. Kalischer den Geschäftsbericht. Er gab dabei einen kurzen Rückblick aus die Zeit vom letzten ordentlichen Gemeindetage bis zum heutigen. Im wesentlichen ist aus den in der Nummer 85 der „Mitteilungen des D. I. G. B." abgedruckten Bericht zu verweisen. Die Hauptsachen sind in den. jüdischen Blättern, bereits veröffentlicht. Der Herr Vorsitzende , gedachte der Entwicklung des Geineiirdebundes und aller seiner Institutionen und sprach seinen warmen Dank aus für die Förderung, die ihm seitens der angeschlossenen Gemeinden und auch sonst in der Berichtszeit zuteil geworden ist. Er beklagte aber, daß zur Förderung des Religionsunterrichts und der Unterstützung leistungsfähiger Gemeinden, leider so wenig Mittel vorhanden seien. Auf seine Initiative hätte man sich an eine Reihe von Stellen, die hierfür in Betracht kommen könnten, gewandt, das Resultat aber sei ein klägliches. In der Debatte wünscht Herr M. A. Löb nach einigen kritischen Bemerkungen über die vom Gemeindebund veranstaltete Schulenquete eine Ergänzung derselben,-um ein lückenloses Material über den Stand dieser Angelegenheit zu beschaffen. Herr Pros. Kulischer erklärt, daß man den Anregungen gern Folge geben werde. Wünsche in gleicher Richtung bringt auch Herr Dr. Victor vor, der ferner anregt, daß im Gemeindebund eine Auskunstsstelle in Fragen des Gemeinderechts eingerichtet werden möge. Herr Direktor Minden verweist darauf, daß juristische Auskünfte in. solchen Fragen auch schon bisher in zahlreichen Fällen von ihm erteilt worden sind. Den Kassenbericht erstattete dann für Herrn Oscar Tietz, der zu jener Stunde abberufen war, Herr Stadtrat Giemkiewicz. Er gedachte der verblichenen Kassenrevisoren Siegmund B e r g e l und Oscar B erlin und erklärte weiter, daß die Prüfung der Bücher und der Kasse er- » geben habe, daß alles in bester Ordnung sei. Es müsse der Geschäftsführung warme Anerkennung ausgesprochen werden, und er beantragt zugleich die Entlastung. Dieselbe erfolgt einstimmig. Zu Kassenrevisoren werden/sodann die Herren Direktor Leszynsky, Oscar Tietz und Kommerzienrat M a n d e l ba u m wiedergewählt. Hieraus erfolgten die Ausschußwahlen. Dazu liegt ein Antrag Löwe vor, die Versammlung möge nur 43 Mitglieder heute wählen und zwei Plätze frei lassen. Nach dem Statut find mindestens 25 und höchstens 45 Mitglieder für den Ausschuß von der Versammlung zu wählen. Man wisse, daß die Herren Direktor Adler und Direktor Feiner wegen der bekannten Differenzen mit dem Lehrerverband ihre Aemter niedergelgt hatten. Es seien Verhandlungen im Gange, die diese Differenzen ausgleichen und den Status guo ante schaffen sollten. Da möge man dem Ausschuß freie Hand lassen, die beiden Herren eventuell zu kooptieren, falls auf der Generalversammlung des Lehrerverbandes in Breslau die Friedensverhandlungen zu einem befriedigenden Abschluß gelangen. Steinhardt- Magdeburg will nicht auf die Vergangenheit eingehen, und möchte nur darauf verweisen, daß Herr Direktor Adler nicht etwa lediglich als Vertreter der Lehrer in den Ausschuß gewählt sei, er auch nicht als Lehrervertreter betrachtet werden darf. Wenn man ihn hier heute wiederwühle, so glaube er, daß er die Wahl annehmen werde. 1 (Lebhafter Widerspruch.) Ich bitte, hören Sie meine Ausführungen an, sie sollen dem Frieden dienen. Man hat auch von den anderen Verbänden keine Gegenleistungen verlangt, man hat nicht verlangt, daß man ein Mitglied in deren Vorstand wählen soll, nur bei den Lehrern macht man diese Ausnahme. Ich empfehle Ihnen, einen Vertreter des Lehrerverbandes in den Ausschuß Hineinzuwählen und diese Wahl nicht von Gegenleistungen abhängig zu machen. Dr.' Cohn-Dessau: Wir sind alle Freunde des Lehrerverbandes, wir wollen alles tun, um die berufliche Stellung der Lehrer zu fördern und in diesem Bestreben werden wir uns auch nicht irre machen lassen. Wir werden nach wie vor für die berechtigten Wünsche der Lehrer Sorge tragen. Wir müssen-dies woraus-, schicken, denn unsere Stellung zu den Lehrern ist nicht identisch mit derjenigen zum Lehrerverband. Wenn der Lehrerverband zum Frieden reden will, hätte ich lieber einen anderen Redner gehört als Herrn Steinhardt. Unsere ganzen Verhandlungen wären nicht nötig gewesen, wenn» nicht Herr Steinhardt in dem öffentlichen Organ des Lehrerverbandes den Anstoß zu unserer Stellungnahme gegeben hätte. Wenn wir weiter wirken wollen, dann müssen wir vor allem dem Gemeindebund Autorität zu verschaffen wissen: Man hat versucht, uns für den Beschluß des Verbanvstages verantwortlich zu machen. Wenn zwei Verbände in Streit geraten sind und sie sollen Frieden schließen, dann muß erst einmal der alte Zustand wieder hergestellt werden. Dann muß jedem von beiden Satisfaktion gegeben werden. Als der Lehrerverband dem Vertrauensmann Türck den Stuhl vor die Tür gestellt hat, hat er ein schweres'Unrecht begangen. Erst muß der Lehrerverband zustimmen, daß ein Vertretet des Gemeindebundes im Vorstand des Lehrerverbandes sitzt. Diese Vertretung im Lehrerverband darf nicht gleichgestellt werden mit dein Verhältnis zu anderen Verbänden. Man darf solche Personalsragen und Differenzen nicht in der Öffentlichkeit abmachen. Der Redner empfiehlt schließlich die Annahme des Antrages Löwe. Herr Sanitätsrat Dr. Apfel verweist auf den Segen der bisherigen gemeinsamen Arbeit zwischen Gemoindebund und Lehrerverband. Der Lehrerverband müsse von allen guten Geistern verlassen sein, wenn er nicht den Weg zum Gemeindebund zurücksände. Nachdem noch Herr Direktor Minden aus die Entstehung des Lehrerverbandes hingewiesen hatte, aus der das Verhältnis zum Gemeindebunde sich entwickelte, wurde der Antrag Löwe mit großer Majorität angenommen. Dann trat die Mittagspause ein. Der Gemeindebund hatte in opulenter Weise ein Frühstück für alle Teilnehmer in den unteren Räumen des prachtvollen Logengebäudes gegeben. In der Zwischenzeit wurden die Ausschußwahlen per Stimmzettel vollzogen. Gewählt wurden die Herren Pros. Dr. Philipps o n, Prof. Dr. K a l i s ch e r, Prof. Dr. S o b e r n h e i m, Louis Sachs, Prof. Dr. T ü r k, Prof. Dr. A p t, Emil Cohn, Prof. Dr. Blaschke, Geheimrat Dr. Boas, Siegfried Brünn, L. K r e s l a w s k i, Prof. L a n d s b e r g? Landgerichtsrat Loewe, Direktor Dr. Minden, Justizrat Dr. Salomo n, Prof. Dr. Schaeser, Geheimer Sanitätsrat Dr. E. Stern, sämtlich in Berlin, Geh. Hofrat Joseph th al, Nürnberg', Sanitätsrat Dr. Apfel, Köln a. Rh., Landtagsabgeordneter Geh. > Kommerzienrat Aronsohn, Bromberg, Justizrat B e r g e r> Köngshütte, Justizrat Dr. Blau, Frankfurt a. M., Lippmaun Bloch, Breslau, Landtagsabgeordneter Rechtsanwalt Dr. Lohn, Dessau, I. Dülken, Köln a. Rh., Stadtrat Eichelbaum, Insterburg, Kommerzienrat Elb, Dresden, Lehrer und Kantor Fa bi sch, Göttingen, Bernhard Feilchenfeld, Köln a. Rh., Senator Leopold Fischer, Hannover, Ignatz Goldschmidt, Posen, Rabbiner Pros. Dr. Guttmann, Breslau, Dr. E. Hirsch, Halberstadt, I. Landsberger, Glogau, Alfred Levh, Hamburg, M. Liebe n s e l d, Bochum, D. Mag n u s, Leipzig, Justizrat Mark, Breslau, Rabbiner Dr. Nobel, Frankfurt a. M., Sanitätsrat Dr. P e y s e r, Köngsberg NM., S. R o s e n b a u m, Grebenstein, Rechtsanwalt Dr. Victor, Wandsbek und Justizrat Dr. L e w i n, Stettin. Der vorletztgenannte Herr Rechtsanwalt Victor erklärte bereits vor der vollzogenen Wahl, daß er eine Wiederwahl nicht annehmen werde. — Den Bericht der Gemischten Kommission über die Verhältniswahl, die vom vorigen Gemeindetag zur Prüfung der Frage eingesetzt-war, erstattete Herr Landgerichtsrat Löwe. Die Kommission ist nach eingehender Beratung zu dem Anträge gelangt,' das Proportionalwahlsystem für die Wahlen zum Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes abzulehnen. Einnml hat dieses System sich noch nicht überall bewährt, ferner eignet es sich nur für Wahlen von Körperschaften, in denen politische Parteien oder religiöse Richtungen in Frage kommen, es ist aber nirgends eingeführt für reine Verwaltungsköperschaften. Ueber die Beschlüsse der Kommission ist im übrigen bereits früher in der jüdischen Presse berichtet worden. In der Debatte ergreift Herr M. A. Löb das Wort, der den Nachweis zu führen sucht, daß es doch tatsächlich Richtlmgen innerhalb des Gemeindebundes gäbe und man dieser Tatsache Rechnung tragen müsse. Er geht eingehend aus die Vorteile dieses Wahlsystems ein, dessen Einführung doch nur eine Frage-der Zeit sei, wie immer der Beschluß heute laute. Rechtsanwalt Cohn- Dessau betont, der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes werde vom Gemeindetage gewählt, die Vertreter der Gemeinden, die den Gemeindetag bilden, aber von ihren Gemeinden. Die Wahl des Ausschusses muß daher indirekt der Autonomie der Gemeinden überlassen bleiben: Auch er verweist daraus, daß der

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