Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1913)
- Date
- 1913-12-12
- Page
- Seite 592 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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sondern aus die Zionisten (vgl. die zweite Korrespondenz Berlin in der letzten Mlnuner. des „Gemeindeboten", S. 1> SP.' 2.) ■ - *; Ferner wird uns .über die „befremdliche Notiz" aus Dänemark von einem - Kopenhagener Freunde unseres Blattes geschrieben: Woher die Antisemiten die S. 581 der A. Z. d. I." erwähnte blöd-' s i n n.t geLüge haben, ist mir ganz unerfindlich. Hier stand ü b e r - h an pt kein Antrag über Militärärzte o. ä. znr Verhandlung. Der oberste Arzt, der dänischen Armee war übrigens von 1873 an bis zu. seinem Tode 1886 e i n I n d e: Nota Sa l o m o n (Bruder des Malers Hachel Salomon und des Komponisten Sigsr. Salomon, die in Schweden lebten). ' * Sonst ist die Woche arm an Nachrichten. I n t e r v i e w s mit B e i l i s, die von manchen. Blättern gebracht werden, drücke ich nicht ab, weil es wirklich geratener ist, dem Armen seine Ruhe zu gönnen, und weil diese Berichte nur eine nicht neue Illustration zu der sattsmm bekannten, unmenschlichen Behandlung russischer Gefangener liefern. * . Dagegen haben folgende zwei Nachrichten aus der „N. I. K." wohl Anspruch darauf, einem weiteren Kreise bekannt zu werden: Eine jüdische Volksbank in Bulgarien. Der „N. I. K." wird aus Rustschuck geschrieben: Hier wurde vor kurzem eine Jüdische Volksbank A. G. mit einem Aktienkapitale von mehreren hunderttausend Frank ins Leben gerufen. Das Unternehmen ist rein geschäftlicher Natur und dürste zur wirtschaftlichen Kräftigung des jüdischen Kleinbürgertums in Bulgarien erheblich beitragen. Die Leitung der Bank setzt sich aus angesehenen Persönlichkeiten zusammen, die auch aus anderen Gebieten jüdischer Wohlfahrtspflege mit Erfolg tätig sind und sich namentlich um die Verbreitung des Zionismus im Lande verdient gemacht haben. D i e E n t r e ch t u n g der Juden indem n e u e r wordenen rumänischen Gebiete. Aus B u d a p e st wird der „N. I. K." gemeldet: Ein Mitarbeiter des „Pesti Naplö" wurde dieser Tage von dem rumänischen Minister des Aeußern Grainiceanu empfangen. Bei dieser Gelegenheit äußerte sich der Minister auch über die Haltung der rumänischen Regierung gegenüber den jüdischen Bewohnern des neuerworbenen, früher bulgarischen Gebiets. Bekanntlich hatte die rumänische Negierung vor der Einverleibung dieses Territoriums, als von jüdischer Seite auf die drohende Entrechtung seiner jüdischen Bevölkerung hingewiesen wurde, emphatisch erklärt, es sei selbstverständlich, daß sämtliche Bewohner des p annektierenden Grenzgebiets im Sinne der völkerrechtlichen Bestinunungen in dem neuen Staatsverbande die gleichen Rechte genießen' würden, die sie vorher als bulgarische Staatsbürger besaßen, daß also auch die jüdische Bevölkerung im Vollgenusse aller bürgerlichen und politischen Rechte bleiben sollte. Wie sehr recht man in jüdischen Kreisen hatte, diesen Versicherungen' der rumänischen Regierung zu mißtrauen, geht aus den nunmehrigen Erklärungen des Ministers Grainiceanu klar hervor. Der Minister sagte dem ungarischen Journalisten: „Was die früheren jüdischen Untertanen Bulgariens betrifft, so wird die Regierung nicht nur alle die Rechte, die ihnen bisher zukamen, anerkennen, sondern sie wird ihnen die gleicher Rechte wie allen anderen rumänischen Bürgern gewähren, jedoch mit folgenden Einschränkungen: in einer Dorfgemeinde soll nicht mehr als eine jüdische Familie wohnen dürfen und die Juden des neuen Gebietes sollen nicht mehr als zwei Vertreter ins Parlainent entsenden." Ferner meinte der Minister, es werde sich wohl als notwendig erweisen, den Erwerb von Grund und Boden seitens der Juden des neuerworbenen Gebiets auf ein gewisses Höchstmaß zu beschränken . . . Und eine derartige Rechtsstellung wagt die rumänische Regierung als Gleichberechtigung zu bezeichnen! Man darf gespannt sein, wie sich die europäischen Kabinette zu diesem neuesten flagranten Rechtsbruch der rumänischen Regierung verhalten werden. Der XIV.Deutkch-IlrselltllcheGemrindktsg. - y. Berlin, den 7. Dezember, er ■ Ijeute hier abgehaltene Deutsch-Israelitische Gemeindetag war '3J außerordentlich gut'besucht. Es waren über 1300 Stimmen auf ihm vertreten. Sein ganzer Verlauf stand unter dem sichtlichen Bemühen aller Richtungen und Parteien, ihn vor den tumultuösen Szenen früherer Gemeindetage zu bewahren. Abgesehen von ein paar kleinen heftigeren Zusammenstößen, boten die Verhandlungen das würdevolle einstige Bild, das die Tagungen des Gemeindebundes früher auszeichnete. Herr Prof. Kali sch er, der Vorsitzende des Aus- , schusses des Gemeindebundes, eröfsnete die Sitzung .mit herzlichen Begrüßungsworten und dann folgte die Konstituierung des Bureaus. Zu Vorsitzenden wurden die Herren Pros. K a l i s ch e r, Justizrat B r e s l a u e r-Berlin und Rabbiner Dr. M u n k-Marburg gewählt. Dann erstattete Herr Justizrat Salomon das Referat über bas dem Gemeindetag zur Genehmigung vorliegende Reglement für die Mandatsprüfungskommission und Zugleich über die Prüfung der Mandate für den heutigen Gemeindetag. Bei den außerordentlich langen und stürmischen Debatten über die Gültigkeit der Mandate auf dem letzten Gemeindetag war es ein verdienstliches Werk, diese Frage der Mandatsprüstmgen ganz vorn Plenum des Gemeindetages möglichst fernzuhalten und sie von einer durch den Gemeindetag aus Vertretern aller Richtungen zusammengesetzten Kommission lösen zu lassen. Dr. Victor- Wandsbek wendet sich gegen das Einsammeln von Blankomandäten, das auch diesmal wieder zu verzeichnen sei, obwohl man als Begründung der letzten Statutenänderung auch den Wunsch nach Beseitigung dieses Verfahrens angeführt hat. Herr Justizrat Salomon verweist auf die bezüglichen Bestimmungen der neuen Satzungen und konstatiert, daß sich unter den vorschriftsmäßig an den Vorsitzenden des Gemeindebundes gesandten Mandaten kein ^Blankomandat befunden hat. Die sämtlichen Mandate zum Gemeindetag werden darauf entsprechend dem Anträge der Wahlprüsungkommissivn für gültig erklärt. Herr Dr. Jacobson-Lüneburg beantragt zum Reglement für die Wahlprüfungskommission, daß demjenigen, dessen Mandat als ungültig erklärt wird, einmal der Rekurs an das Plenum des Gemeindetages zustehen solle und sodann, daß ihm vor der Ungültigkeitserklärung Gelegenheit gegeben werde, sich vor der Prüfungskommission 31t äußern. Herr M. A. Löb beantragt, die Zahl der Mitglieder der Wahlprüfnngskommission statt auf 12 aus 15 festzusetzen und die Beschlußfähigkeit von der Anwesenheit von mindestens acht Mitglie-. dern, statt wie bisher von der Anwesenheit nur eines Drittels der Mitglieder abhängig zu machen. In der Kommission selbst müßten auch die „opponierenden Richtungen" genügend berücksichtigt sein. Herr Justizrat Salomon erwidert, daß, soweit das irgend ersordeAich und nötig, auch jetzt schon die Kommission vor Ungültigkeitserklärung von Mandaten die Mandatsinhaber befragt und in zweifelhaften Fällen Ermittelungen angestellt. Herrn Löb teile er mit, daß an der Sitzung der Wahlprüfungskommission neun Herren, darunter eine ^Anzahl auswärtiger, teilgenommen hätten, leider Herr Victor-Wandsbek nicht, der verhindert gewesen sei. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn er in der Kommission wegen der Blankvmandate usw. gesprochen hätte und nicht damit jetzt den Gemeindetag belasten. Herrn Löb gegenüber betont er, daß in die Kommission nicht etwa Männer von „Richtungen" hineingehören, sondern nur sachkundige Herren, ganz gleich, welcher Richtung. Opponierende Richtungen aber gebe es im Gemeindebund überhaupt nicht. Nachdem noch Herr Landgerichtsrat Löwe die Wahl der vorgeschlagenen Herren für die Wahlprüfungskommission empfohlen hatte, wurden die Anträge Löb und Jacobson abgelehnt, das Reglement genehmigt und .in die Prüfungskommission folgende 12 Herren gewählt: Justizvat Mack 0 w e r, Mendel, Salomon, Rechtsanwalt Dr. Löb, Rechts-' anwalt Lamm, Justizrat Feilchenseld I-Berlin, Markus- Pinne, Louis Sachs-Berlin, Justizrat L e v i n - Stettin, Dr. R. L e s z y n s k y, Stadtrat G i e m k i e w i c z - Berlin und Rechtsanwalt Dr. Kn m p s e r - Posen. Beantragt ist ferner die folgende Resolution: Es ist dem Gemeindetag zu empfehlen, bei der Wahl der Mitglieder der Wahlprüsungskommission tunlichst alle auf ihm vertretenen Richtungen zu berücksichtigen. Sanitätsrat P e y s e r spricht sich gegen die Resolution aus, die den Grundbestimmungen des Gemeindebundes, der keine Parteien und Richtungen kennt, widerspreche. Auch Landtagsabgeordneter Cohn-Dessau empfiehlt die Ablehnung der Resolution, man müsse das Bestreben, den Gemeindebund zum Tummel-