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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-12-05 · Heft 49 (5.12.1913) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 49 (5.12.1913)
Date
1913-12-05
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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sich allein unterhalten. Die Gemeindebehörden müßten mindestens 100 000 Mark mehr als bisher bewilligeu,ünd wenn man deswegen die Steuern erhöhen müsse, sv fürchte er sich auch davor nicht/ Die Frage der Behandlung jüdischer Armer seitens der öffentlichen städtischen Armenpflege wurde von Herrn Dr, L e v y besprochen, desgleichen von Herrn Direktor M i nd en, während Jüstizrat Meyer, der Leiter der gemeindlichen Wohlfahrtseinrichtungen gegenüber Herrn Emil Pincus betonte, daß die Wünsche zwar sehr schön feien, man sich , aber doch , auf den Boden der gegebenen Tatsachen stellen.müsse und mit dem rechnen solle, was vorhanden ist. Rabbiner Dr. E s ch e l b a ch e r wünschte, daß man über die Fälle, in denen Bittsteller Täuschungs- Versuche unternehmen, weniger breit berichten möge; weil das den Sinn für Wohltätigkeit schwäche, dagegen sollte man besonders ergreifende Fälle der Öffentlichkeit unterbreiten. Es sei lebhaft zu beklagen, daß das persönliche Verhältnis, das früher zwischen dem Wohl- ' täter intib dein Bittsteller bestand, nicht mehr existiere. Daher müsse man alles tun, um den Wohltätigkeitssinn anzuregen. Herr Pincus wünscht, daß man lieber Geld für die Armen gebe als zu opulenten Synagogenbauten. Schließlich bemängelt Herr H e i n r i ch F r ä n k e l, - daß in allen Waisenhäusern der Gemeinde nur 260 Kinder untergebracht werden könnten. Hier sollte die Gemeinde mehr tun, zumal die Genwinde selbst überhaupt keine Waisenhäuser begründet, sondern nur eines der bestehenden übernommen habe. Schließlich sprach noch die Leiterin der Fürforgestelle beim Polizeipräsidium, Fräulein W i tm a r, dorn Verband -und den jüdischen Behörden, mit denen sie beruflich zu tun habe, den Dank aus für die außerordentlich angenehme Art und , die schnelle Bereitwilligkeit im Verkehr mit ihr. Dann wurde die * Versammlung geschlossen. N. C. Berlin, 2. Dezember. Der vor kurzen: veröffentlichte Artikel „Der Volksverein" hat in all den Kreisen, in denen wahrhaft soziales Empfinden vorhanden ist, lebhaftes Interesse erregt. Mit Genugtuung kann konstatiert werden, daß sich den alten Freunden und Gönnern des gemeinnützigen Vereins eine Reihe neuer angeschlossen hat, die diesem teils als Mitglied beitrat, teils durch einmalige Zuwendung ihr Einverständnis mit den Zielen der Institution betätigt hat. Noch schwerer wie in den Sommermonaten, wird - naturgemäß in denen des Winters die Obdachlosigkeit von den armen, durchreisenden Glaubensgenossen empfunden. Der Verein hat es sich angelegensein lassen, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln dieser Notlage zu steuern. Mit wahrer Befriedigung wird es das Herz jedes Menschenfreundes erfüllen, wenn mitgeteilt wird, daß im Monat Oktober 602 Männern, 268 Frauen, 103 Kindern, zusammen 073 Personen, kostenlose Ausnahme und Verpflegung in der „jüdischen Herberge", Auguststraße 20, gewährt worden ist.. Es ist zu tvünschen, daß die Zuwendungen für die Zwecke des Vereins an dessen Schatzmeister, Herrn Hermann Aron, Charlottenbürg, Bismarckstraße 105, so reichlich fließen, daß es in absehbarer Zeit keinen armen Durchwauderer mehr gibt, der obdachlos, hungernd und frierend in den Straßen der Großstadt herumzuirren braucht, wenn er weiß, daß die „jüdisch^ Herberge" ihm ihre gastlichen Pforten ohne weiteres, das heißt, unentgeltlich öffnet.— lieber die fernere Wirksamkeit des Vereins wird in regelmäßigen Zwischenräumen berichtet werden. Für heute soll noch mitgeteilt werden, daß am 20. Oktober , die ordentliche Mitgliederversammlung des Vereins' stattgefunden hat. Die neue Satzung wurde verlautbart, die Eintragung des Vereins in das Vereinsregister beschlossen, und in den „geschäftssührenden Ausschuß" einstimmig gewählt: die Herreu S. Kirschstein, Vorsitzender; Bernhard Casparius, 1. stellvertretender Vorsitzender; Hertmann, 2. stellvertretender Vorsitzender; Hermann Aron, Schatzmeister; Kommerzienrat Jacob Mandelbaum, stellvertretender Schatzmeister; Rechtsanwalt Dr. Lamm, Schriftführer; Paul Blachstein, stellvertretender Schriftführer. Beisitzer die Herren: Dr.. Marcus, Dr. Mühsam, Smnuel, Jacob, Cohen, Dr. Kahn, Nathan Cohn, Julius Brnunspahn'. - . (V7D Ratibor, 30. November. Aus Anlaß des hundertjährigen Jubiläums ihres Bestehens veranstaltete, die hiesige jüdische Gemeinde ain 27. d. M. einen erhebenden Gottesdienst, an dein fast die ganze Gemeinde und auch eine große Anzahl -Ehrengäste teilnahmen. Es waren .erschienen: Oberstleutnant und Bataillonskommandeur R ö h l, ' Erster. Staatsanwalt R ein e ck e , Laudrat W e l l e n k a m p, Oberbürgermeister. B e r n e r t, Bürgermeister W e st r a m, Stadtverordnetenvorsteher Justizrat Stilber, Stadtverordnetenvorsteher-Stellvertreter Jüstizrat Lust, Mitglieder des Magistrats und des Stadtverordnetenkollegiums, Pastor Dr. G u h l off , Gyipnasialdirektor Professor Dr. Schwarz, Realgymnasialdirektor Dr. Knape, die Rektoren der.Volksschulen, Mitglieder des evangelischen und des katholischen Gemeindekirchenrats.. Der oberschlesische Synagogenverband war durch Justizrat Berger (Königshütte) vertreten, ferner war eine große Anzahl Vertreter der 'oberschlesischen Synagogengemeinden anwesend. Der Gottesdienst wurde mit Chorgesang eröffnet; diesem folgte das Ausheben der Thorarollen, der Umgang, mit denselben und Einheben. Hierauf hielt Rabbiner Dr. Dienemann die Festpredigt, die sich aufbaute auf dem Satze aus Jesaia Kapitel 14 Vers 13: „Ich, der Ewige, fasse dich an deiner rechten Hand, ich bin es, der zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich bin dein Beistand." Einleitend wurde daraus hingewiesen, daß die Gründung der neuen Gemeinde, nachdem die alte, aus dem - frühen Mittelalter ' stammende, im 16. Jahrhundert vernichtet worden war, im Zusammenhang mit den großen geschichtlichen Veränderungen in der Zeit der Vorbereitung der Freiheitskriege stand, jenen Veränderungen, die alle den Zweck - hatten, die Kräfte aller Bürger für das Vaterland nutzbar zu machen. Es wurde dann mit Dank aller derer gedacht, die für die Gemeinde gewirkt haben, sowie derer, die aus der Gemeinde herausgegangen . sind und anderwärts rühmlich im Dienste der Allgemeinheit wirken. Es sei in der Feststunde die wesentliche Aufgabe, die Ziele der Gemeinde zu messen an dem Ideengehalt und der Gesamtrichtung der ganzen Glaubensgemeinschaft. Die Gemeinde habe ihren Zusammenhang mit der Vergangenheit und der Glaubensgemeinschaft dadurch zu wahren sich gemüht, daß sie ihren Mitgliedern ein unerschütterlich festes Gottvertrauen einflöße, ein Gottvertrauen, das ihnen die Kraft geben soll, in ernster Arbeit die mancherlei Schwierigkeiten zu besiegen, die der Gemeinde in Zukunft erwachsen werden. Die Gemeinde habe des weiteren die überlieferten Lehren dadurch gewahrt, daß sie Gott predigt als den Quell der Sittlichkeit und ihre Glieder anleiten will, durch die sittliche Bewährung im täglichen Leben Zeugnis von dein Geiste ihrer Religion abzulegen, dadurch ferner, daß sie ihre Glieder nicht im Heute versinken läßt, sondern in ihnen die unaustilgbare Sehnsucht des Herzens, das Gefühl für die Kostbarkeit der menschlichen Seele weckt. Durch den Hiniveis auf Gott, den Vater aller Menschen, habe sie den Sinn für Wohltätigkeit wachgehalten und den Frieden mit allen Andersgläubigen Pflegen wollen. Nach einem Gebet für Kaiser- und Reich und die Stadt Ratibor schloß die Predigt mit den: Segen. Der Festpredigt folgte der Festgesang „Aus jeglichem Munde erschallet der Ruf zum Lobe des Ewigen." Das Baritonsolo sang- Referendar K o p l o w i tz.. Rabbiner Dr. Dienemann sprach hierauf das Gebet für Kaiser und Reich. Frau Fabrikbesitzer Fröhlich sang sodann „Dir, Herr, sei dieser Tag geweiht." Chorgesang beschloß die Feier. Am Abend fand im Bruckschen Saale ein Festessen statt, an dem über 260 Personen teilnahmen. Nach dem vom-Vorsitzenden des Gemeinde-... Vorstandes, Fabrikbesitzer Hugo Schück, ausgebrachten Kaisertoast sprachen Nepräsentantenvarsteher K r a e m e r auf . die anwesenden Ehrengäste^ Rabbiner Dr., Dienemann auf die Gemeindekörperschasten. Als Vertreter des Deutsch-Jsraelitischen Gemeindebundes und des Oberschlesischen Gemeindeverbandes beglückwünschte Jüstizrat Berger (Königshütte) die Synagogengemeinde, namens des Oberschlesischen. Rabbinerverbandes sprach Rabbiner. Dr. L ö w e n st a m m (Pleß). Frau S taub überreichte im Namen des jüdischen Frauenvereins dem Vorstandsvorsitzenden Hugo Schück eine Adresse mit der Ernennung zum Ehrenmitglied. Das gleiche geschah durch Dr. Eisner im Namen des.Armenunterstütznngsvereins, der neben Herrn Schück auch die Herren Hirsch und P i n c z o w e r zu . Ehrenmitgliedern ernannte. Nach der Tafel wurde ein Festspiel, das die Entstehung der Gemeinde zum Gegenstände hatte, aufgesührt. Hierauf trat der Tanz in seine Rechte. 2/D Gleiwitz, 28. November. Die seit 1890 bestehende israel i t i s ch e K i n d e r h e i l st ä t t e im Solbad Königsdyrff-Jastrzemb (Verwaltung zu Gleiwitz) hat in der vergangenen Saison (1913) 164 Pfleglingen, und zwar 75 Knaben und 89 Mädchen, Aufnahme gewährt. Bei allen Kindern war ein günstiger Kurerfolg, zu verzeichnen. Als geheilt wurden entlassen 70, als sehr gut gebessert 36, als gut gebessert 40, als gebessert 18. Die durchschnittliche Gewichtszunahme betrug 4^ Pfund.— Insgesamt hat die Anstalt feit ihrem Bestände.2354 Pfleglinge beherbergt. Infolge dieser ausgedehnten, Humanitären und sozialen Wirksamkeit ist die Kinderheilstätte in weiten Kreisen als eine wahre Wohltat empfunden worden. — Die Erhaltung des segensreichen Werkes geschieht durch Stiftungen

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