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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-12-05 · Heft 49 (5.12.1913) · p. Seite 588

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 49 (5.12.1913)
Date
1913-12-05
Page
Seite 588 (sequence 12)
Language
German
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588 der Parochie von St. Elisabeth eingesehen und aus denselben sestgestellt habe, daß am 6. August 1850 dem Kgl. Stadtrichter Dr. jur. utr. Edmund Berg und seiner Ehefrau Eäcilie Juliane Elfriede geborene Freiin v. Spitzau ein Sohn geboren worden, welchem in der heiligen Taufe die Vornamen Eduard Wilhelm Heinrich beigelegt wurden. Als Taufpaten fungierten: der Kgl. Kreisgerichtsrat Friedrich Ludwig Müller, der Kgl. Justizrat Rechtsanwalt und Notar Heinrich Berthold Förster. Aus den nämlichen Büchern habe ich ferner ermittelt, daß der Kgl. Stadtrichter vr. zur. utr. Eduard Berg am 20. März 1852 und seine Ehefrau Eäcilie Juliane Elfriede geb. Freiin v. Spitzau am 13. September 1853 hierorts verstorben sind und auf dem hiesigen Friedhof am 23. März 1852 respektive 16. September 1853 beerdigt wurden. Ich habe auch aus den Repertorien der hiesigen I. Abteilung des Kgl. Stadtgerichts für Vormundschaftssachen konstatiert, daß über den am 6. August 1850 geborenen Eduard Wilhelm Heinrich Berg die Vormundschaft am 15. September 1853 eingeleitet, aber schon im Januar 1854 zufolge Adoption des Pupillen seitens des Freiherrn Maximilian v. Felseck zu Schwarzenberg wieder aufgehoben worden ist. Ich füge die drei kirchlichen Atteste bei und zeichne Hochachtungsvoll Euer Hochwohlgeboren ergebenster Justizrat Franz Heinrich Schmidt. Rechtsanwalt u. Notar im Bez. des Kgl. App.-Gerichts Breslau." Der Kreisrichter griff sich an die Schläfen, in denen das Blut ungestüm hämmerte. Er war aufgesprungen und stürmte durch das Zimmer. Undenkbar, unmöglich! Seine Vornamen, der Geburtstag, der Name der Mutter, alles stimmte; aber der Vater! Berg? Stadtrichter Berg? Nicht Freiherr v. Felseck? War es ein tückischer Traum, der ihn folterte? Nein, die Dokumente waren unweigerlich beweisend. So hatte der alte Oberst doch nichts verwechselt. Der Boden schwankte unter ihm, die Wände des Zimmers schienen sich um ihn zu drehen; die Krankheit, die fehlende Bewegung in frischer Lust möchten die Schuld tragen. Mühsam hielt er sich an dem Tisch fest und erschöpft sank er in den Lehnstuhl. Berg, Berg? Wer war dieser Stadtrichter Berg? Er mußte Licht, Licht haben. Auf dem Gericht, so fiel ihm ein, mußte ja das Justizministerialblatt sein. In dem mußte doch über Berg etwas stehen. Da konnte er hoffen, etwas über die Herkunft seines Vaters, ja es war nun einmal sein Vater, zu finden. Und der Freiherrntitel? Hatte ihn nach dem Tode der Mutter der Onkel adoptiert, so gab chm das doch nicht den Adel. Dazu bedurfte es noch einer Königlichen Kabinettsorder. Die konnte, mußte in der Gesetzsammlung stehen; auch die Gesetzsammlung durfte in keiner Gevichtsbibliothek fehlen. Er klingelte; doch niemand erschien; der Kellner Fritz und das Zimmermädchen mochten de.s Sonntags wegen zur Kirche sein. Aergerlich läutete er scharf und schärfer. Endlich klopfte es, und auf sein herrisches Herein erschien ein ältliches Fräulein von über vierzig Jahren in der Tür. Sie trug ein lichtblaues Kleid; eine pfropfenzieherartige graumelierte Locke hing über das Ohr hinab; ein Veilchenbukett war an der Brust vorgesteckt, während sie ein zweites in der Hand trug. „O Verzeihung, Herr Baron," flötete sie, ihn anschmachtend, „Verzeihung, wenn eine Unberufene erscheint. Aber ich hörte Sie läuten, wiederholt läuten, und so dachte ich, da alles Dienstpersonal ausgegangen ist, Ihre Wünsche entgegennehmen zu dürfen." Denn Ihre Wünsche sind für mich Befehl, Ich mache daraus nie und nimmer Hehl." „Sie sind, mein Fräulein?" „Des Adlerwirtes Schwesterkind, Ulrike Müller, die Dichterin Müller: Mir schenkte des Gesanges Gabe, Der Lieder süßen Mund Apoll, Auch gab mir Gott zu sagen, was ich leide. Und auch zu sagen, was mir Augenweide." (Fortsetzung folgt). Syrechssal. Sehr geehrte Redaktion! Herr Dr. Paul Nathan, der Gefchästsft'chrer des Hilssvereins der deutschen Inden i. E., hat eine Reise nach Palästina angetreten, um sich persönlich von den Fortschritten des Baues des Technikums in Haifa zu überzeugen. Seine Ankunft traf mit dem Ausbruch von Unruhen in zwei Anstalten des Hilfsvereins — im Lehrerseminar in Jerusalem und in der Knabenschule in Jaffa —.zusammen, welche durch maßlose Agitationen zugunsten der Forderung, daß künftig die hebräische Sprache die ausschließliche Unterrichtssprache werden soll, entstanden sind. Herr Dr. Nathan ist daher zuerst nach Jerusalem gegangen. Er hat dort den wärmsten Empfang gefunden, und es ist aufs neue von den berufenen Vertretern weiter Kreise die Bedeutung des Schulwerks des Hilfsvereins der deutschen Juden dankbar anerkannt worden, insbesondere auch, weil er bahnbrechend für die Einbürgerung der hebräischen Sprache im heiligen Lande gewirkt hat. Die offizielle Zeitung Jerusalemer Gemeinden „Moriah" widmet der Ankunft des Herrn Dr. Nathan zwei Artikel. Der Gegensatz in Schulfragen, der in Palästina gegenwärtig zutage tritt, wird folgendermaßen beleuchtet: Es sei Lüge, daß in den Hilfsvereinsfchuleu das Hebräische zurückgesetzt wird. Der Hi lfsverein habe mehr für He b r ä i s ch ge l ei st et als das I affa e r Gymnasium. Die Verbreitung, die das Hebräische im täglichen Leben in Palästina gefunden hat, sei das Werk der zahlreichen Hilfsvereinsanstalten. In einem zweiten Artikel der „Moriah" wird der Empfang des Herrn Dr. Nathan geschildert. Auf dem Bahnhof waren Rabbinats- und Gemeindevorstände und Vertreter der Kaufmannschaft und Handwerker zur Begrüßung anwesend. In einer Ansprache an Herrn Dr. Nathan wurde der gleiche Standpunkt wie in obigem Artikel vertreten. Es wurde die dringende Bitte ausgesprochen, daß der Hilfsverein auch ferner Hebräisch pflegen möge, ohne die Religion zu vernachlässigen und ohne auf Parteiagitationen kleiner Kreise Rücksicht zu nehmen. Herr Dr. Nathan antwortete darauf, daß der Hilfsverein der deutschen Inden auch in Zukunft an seinen Prinzipien festhalten werde. Im Sinne des „Moriah"-Artikels haben sich, nach weiteren Mitteilungen, durch Deputationen und Adressen noch geäußert: das Beth-Din der Sephardim, der Peruschim und Chassidim, der Chacham Baschi, die Gemeindovorstände, Vertretungen der Kaufmannschaft und Handwerker von Jaffa und Hebron. Alle Adressen und Ansprachen atmen den gleichen Geist, der in dem Schriftstück der Mitglieder des Beth-Din folgendermaßen, zum Ausdruck kommt: Israel soll wissen, daß wir, die gegen den zersetzenden' Geist, der in unsere Mitte getragen wurde, erregt sind, daß wir, die auf dem Boden der Tradition stehen, den Hilfsverein für sein löbliches Streben segnen. Die Tatsache, die hier noch verzeichnet sei, daß zahlreich Beitritte neuer Mitglieder in Deutschland erfolgt find, davon in Berlin allein etwa tausend, beweist, daß die Sympathien für den Hilfsvereiu dauernd im Wachsen sind. In vorzüglicher Hochachtung Berlin, 1. Dezember 1913. ' Dr. James Simo n. * In bezug auf die Erklärung in Nr. 45 dieses Blattes erhalten wir solgende Zuschrift. Die Red. „Wir möchten nicht verfehlen, darauf hinzuweisen, daßes sich hier wiederum um eine jüdischnationale Gründung handelt. Die Verhältnisse in den Wandervogelvereinigungen sind nicht derartig geklärt, daß man sämtliche Gruppen der verschiedenen Wandervogelorganisationen als antisemitisch bezeichnen kann. Wie aus den Artikeln der zionistischen Presse hervorgeht, will aber der jüdische Wanderbund „Blau-weiß" nichts anderes, als die Juden nach Tunlichkeit auch aus denjenigen Wandervogelvereinigungen heraustreiben, wo sie gern gesehen werden, um sie in seinen Reihen als Nationaljuden zu erziehen."

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