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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-12-05 · Heft 49 (5.12.1913) · p. Seite 582

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 49 (5.12.1913)
Date
1913-12-05
Page
Seite 582 (sequence 6)
Language
German
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582 'allein habe Vertrauen"; diese Worte schrieb Dr. Weiß auf seine.Photographie, die er seinem Sohne Max als Vermächtnis hinterließ. ' , Das war der Fonds, den Max Weiß von seinem Vater auf seinen weiteren Lebensweg mitbekommen, und aus dem er später mit so glücklichem Erfolge zu schöpfen gewußt hat. An sich ja gewiß nicht sehr viel. Nur bis zur beendeten Gymnasialzeit wurde er vom Vater ausgehalten. Dann mußte er aus eigener Kraft sich seine Stellung im Leben ünd in ‘bei' Gesellschaft^ erringen. Aber es war ein unverlierbarer und unversiegbarer Quell von Hoffnung, Vertrauen und Zuversicht, der ihm ewig zufloß und in. immer neuer Stärke für ihn zum Ansporn und zur Leitung wurde . . . v Wie sein Vater lenkte auch Max Weiß, das Elternhaus verlassend) seinen Schritt nach Berlin. Hier trat er in ein Getreidegeschäft ein und sparte , als Lehrling und dann als junger Mann Pfennig um Pfennig und Mark um Mark, bis >es ihm in Gemeinschaft mit einem Freunde gelang, die Getreidesirma „Weiß & Kaphan" zu begründen. . Später übernahm er die alleinige Leitung des Geschäfts, dessen einziger Inhaber er jetzt ist, und das er durch emsige Arbeit zu großer Blüte brachte. Ungeachtet aller Erfolge ist Max Weiß nach wie vor in seinem Wesen einfach, bescheiden, fromm. Die Lehren, die er von seinem Vater empfangen hatte, die Liebe zu Gott, zu seinen Glaubensgenossen und seinen Mitmenschen, die . ihm im Elternhause mit der Erziehung eingeimpst worden war, behielt er als Leitstern seines Lebens bis auf den heutigen Tag. So dürfte es kaum einen jüdischen Wohltätigkeitsverein, kaum ein jüdisches gemeinnütziges Unternehmen geben, dem Max Weiß nicht seine Unterstützung, sei es durch Geldzuwendungen, sei es durch direkte Mitarbeit, angedeihen ließe. Am liebsten freilich übt er Mildtätigkeit im stillen, wo er die Ueberzeugung hat, daß nichts an die große Glocke kommt, wie er überhaupt allem Aeußeren völlig abhold ist. Deswegen ist er auch von jeher allen Ehrungen aus dem Wege gegangen und hat stets, so weit es möglich war, die Armahme von Ehrenstellungen zu vermeiden gesucht. Nur drei Ehrenämter bekleidet er, die aber für ihn weit weniger Ehre als Amt und Arbeit und viel mehr Bürde als Würde bedeuten. Er ist Vorstandsmitglied des Brüdervereins, in dem er das Dezernat für die Unterstützung hilfsbedürftiger Witwen und Waisen unter seiner Hand hat. Ferner gehört er er dem Synagogenvorstande der neuen Synagoge in der Oranienburger Straße an. Und dann ist er seit 1899 Mitglied des Kuratoriums der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, wo er im Jahre 1901 das Schatzmeisteramt übernahm. — Am innigsten verbunden fühlt er sich mit der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, die ihm ganz ans Herz gewachsen ist. Durchdrungen von der Ueberzeugung, daß die Zukunft des Judentums auf dem Gedeihen seiner Wissenschaft beruht, beherrscht von dem Gedanken, daß im harten, immer heißer werdenden Kampfe das jüdische Volk nur aus der Höhe des geistigen Lebens stehende Männer als Führer gebrauchen kann, hat er in der Förderung der Lehranstalt eine seinen inneren Anschauungen * ganz entsprechende Aufgabe zu finden geglaubt. Was er. sich da von Anfang' an als Ziel Max Weiß geb. 24. November 1848. gesetzt hat, war die materielle Ausgestaltung des Instituts, dessen Fundierung in der Tat' seitdem ganze bedeutende Fortschritte aufzuweisen vermag. Eharakteristtsch ist folgende Gegenüberstellung der -Finanzverhältnisse der Lehranstalt aus dem ersten Jahrzehnt der Weißschen Kassenführung. Während dieser Zeit haben sich folgende Veränderungen ergeben: V e r mögen der Lehranstalt 1. Januar 1901: 229 936.75' Mark; 1. Januar 1911: 730541.57 Mark; — Stiftungen 1. Januar 1901: 32 564.95 Mark; 1. Januar 1911: 300492 Mark. Dabei sind zwei bedeutende Stiftungen nicht miteingerechnet: die Gustav Oppertsche Stiftung,. deren Nutznießung der Lehranstalt noch nicht zusteht, und die vom verstorbenen Bruder des Jubilars, Arnold Weiß, gegründete Dr.-Bernhard-Weiß- Stiftung, welche zwar sich im Besitze der jüdischen Gemeinde befindet, von deren Zinsen indessen ein namhafter Betrag all-, jährlich der Lehranstalt zufließt. An neuen Mitgliedern hat außerdem die Lehranstalt in den zehn Jahren 785 mit einem Jahresbeiträge von 13161 Mark gewonnen, so daß die Beiträge von 8440 Mark im Jahre 1901 auf .36 659 Mark im Jahre 1911 gestiegen sind. Seitdem hat die Finanzlage des genannten Instituts, vornehmlich durch die von Moritz Manheimer ins Leben gerufene Moses - Mendelssohn-Toleranz - Stiftung, die von der Familie Philippsohn begründete Ludwig-Philippson-Stiftung sowie der von Siegfried Brünn gestifteten Hermann-Cohen-Lehrstube, eine weitere Entwicklung erfahren —. wenn auch freilich lange noch nicht in dem Maße, um allen Anforderungen wirklich völlig gerecht zu werden. Halt man sich aber vor Augen, welch beträchtlichen Äufschwung die Tätigkeit der. Lehranstalt, sowohl durch Heranziehung neuer Lehrkräfte als auch durch Vermehrung der Lehrstuhle, inzwischen genommen hat, dann kann man erfassen, wie groß die Verdienste Max Weiß' um i das moderne Judentum sind. Kurz vor seinem Geburtstage ist der Jubilar verreist. Niemand, auch von seinen nächsten Angehörigen keiner weiß, wohin, und auf wie lange. Er zog sich in alle Stille zurück, um den zahlreichen Ehrungen, die. seiner harrten, zu entgehen. Das ziert ihn und charakterißert ihn zugleich. Lkjtungsltimmrn aus dem Jahre 1812 über Iudknkmsnupslmn: Von Landesrabbiner Dr. Silberstein. m Anhang zu einer Kopie des Gutachtens, welches der. H Rostocker Universitätsprofessor Kanzleirat Oluf Ger- -^^^hard Tychsen im 78. Lebensjahre am 15. April 1812 über die Erweiterung der bürgerlichen Rechte der Juden in Mecklenburg an die Herzogliche Regierung nach Schwerin abgesandt hat, finden sich Auszüge aus den neuesten Journalen (1812), in welchen über die Aufnahme der Juden zu Staatsbürgern Urteile gefällt worden sind. — Diese Kopie liegt in den Bürgerrechtsakten des Rostocker. Landesarchivs als Nr. 150. Da 149 vom 16. Juni 1816 datiert ist, so wird klar, daß diese Abschrift mit dem Anhang, der natürlich'in dem an die Regierung abgegebenen Gutachten (infolge des früheren Zeittermins) sich noch nicht findet, während der Zeit des Kampfes der Ritter und Landschaft gegen die Bürgerrechtserteilung an

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