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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-11-28 · Heft 48 (28.11.1913) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 48 (28.11.1913)
Date
1913-11-28
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Tätigkeit der Zöglinge zum Unterhalt des -Hauses etwas beizutragen, da die Zöglinge vollauf beschäftigt seien.' Zur Frage des Neubaues äußert sich Frau Direktor Mankiewicz zustimmend. Sie selbst sei bereit, einen Betrag hierzu zur Verfügung zu stellen und für einen solchen Fonds zu wirken. Von anderer Seite wird die dringende Notwendigkeit eines Neubaues in Abrede gestellt. Schließlich wird beschlossen: Ein Fonds für den Neubau soll geschaffen und zu diesem Zwecke ein Komitee eingesetzt werden, in welches Frau Direktor Mankiewicz, Herr Th. P i n c u s und Herr Direktor M a y gewählt werden. — Die ausscheidenden Vorstandmitglieder Herr Direktor M a y und Frau Gertrud Mosse werden einstimmig wiedergewählt und nach Erstattung des Nevisionsberichtes durch Herrn Pariser, Vorstand und Schatzmeister entlastet. Die Herren Schiff und Pariser werden auch für das nächste Jahr zu Revisoren gewählt. Nachdem sodann den Schutzdamen Frau Direktor M a n k i e w i c z, Frau A n n a Reich, Frau Saul mann und Fräulein Lotte Stiebel der Dank ausgesprochen worden war für ihre mühevolle und segensreiche Tätigkeit und der Prämiierungsakt an die Zöglinge erfolgt war, wurde die Versammlung geschlossen. 6. T. Berlin, 25. November. Im Logenhaus, Kleiststraße 10, tagte am 18. d. M. abends die gut besuchte Jahresversammlung des Vereins zur Abwehr des A n t is e m i t i s m u s. Sie wurde vom Reichstagsabgeordnet-en G o t h e i n mit einer Ansprache eingeleitet. Zwar haben, führte der Redner aus, die letzten Wahlen bewiesen, daß der politische Antisemitismus abgeslaut, aber leider in der konservativen Partei einen Nährboden gefunden hat. Diese Partei hat jetzt den Antisemitismus als populäres Agitationsmittel ausgenommen, und ihre Zeitungen, namentlich in Pommern und Mecklenburg, strotzen geradezu von Anwürfen und Roheiten gegen die Juden. Tief bedauerlich ist, daß jetzt diese Ju-denhetze auch aus die Jugendbewegung ausgedehnt wird, die sich immer mehr in den ausschließlichen Dienst der Antisemiten stellt. Das Organ der Wandervvgelbowegnug hat wiederholt die Juden beschimpft und angedeutet, daß es solche nicht in der Vereinigung dulden will. Aufgabe der Schule müßte es sein, zu verhüten, daß die Rassenhetze nicht in» die Jugend hmei«getragen werde. (Lebhafter Beifall.) Hierauf hielt Professor Dr. Jastrow einen Vortrag über das Thema: „Der Toleranzgedanke in Vergangenheit und Gegenwart." Er zeigte, wie sich der Toleranzgedanke in verschiedenen Zeiten und bei den einzelnen Völkern allmählich entwickelt hat. Dabei verwies er auf die Tatsache, daß unter der Beschuldigung, Menschenblut zu rituellen Zwecken zu verwenden, im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung nicht die Juden, sondern die ersten Christen zu leiden hatten, als sie beim Abendmahl den Wein tranken unter den Worten: „Das ist das Blut Christi, für mich vergossen." Die Blntbeschuldigung gegen die Juden trete erst in der zweiten Hälfte des Mittelalters aus. — Landtagsäbeordneter, Landgerichtsdirektor a. D. Kanzow verbreitete sich in längeren Ausführungen über „Ritualmorde" und besonders über den Kiew er Prozeß. Er gab zunächst ein juristisches Bild des Vorverfahrens, wie er es ans seiner -amtlichen Tätigkeit als ehemaliger StqatsonwÄt und Richter kennt. Bei den Ritnalmorden zeigt sich, sührte'Ä aus, stets das gleiche typische Bild. Es wird eine Leiche gesunden, und die Behörde sucht vergeblich nach dem Mörder. Nun tauchen die Antisemiten ans mit der allgemeinen Beschuldigung: das haben die Indengetan. Ihre Presse greift ein, der 'Ritualmvrdgedanke gewinnt an Boden, und das Judenverfolgungssieber beginnt. Dazu treten nun die sogenannten Ermittelungskomitees, die den Vorwurf -gegen die Behörde erheben, daß diese nicht gegen die Inden vorzugehen wage. Gleichzeitig greisen diese Komitees durch Vernehmung von Zeugen in das Vorverfahren ein. Dann entwickelt sich der Prozeß, und dauert oft zwei Jahre. Der Vortragende ging dann näher ans den Kiewer Prozeß ein und wandte sich mit. Schärfe gegen die dort befolgte Taktik des Staatsanwalts und Gerichtshofs. Seine Ausführungen. fanden reichen Beifall. An der sich anschließenden Debatte beteiligten sich die Abgeordneten Professor v. Liszt und Pfarrer Heyn, die beide den . Ritnalmordg-edanken entschieden bekämpften und lauten Beifall ernteten. 22 Berlin, 25. November. Die Delegierten)) er sammln ng des „Deutschen Verbandes jüdischer Krankenpfleg e r i n n e n v e r e i n e" fand am Montag, den 10. dieses Monats, in den Räumen des Israelitischen Schwesternheims im Anschluß ■ an den Verbandstag der deutschen Juden in Hamburg Die Tagesordnung galt in der Hauptsache der Propaganda für die größere Verbreitung des Berufes der Krankenpflegerin in jüdischen Kreisen sind deren Versorgung. Sie wurde in eingehender Beratung, welche erst lim 6% Uhr abends ihr Ende erreichte,. erledigt. Die Versammlung, welche die Herren Stadtverordneten Louis Sachs- Berlin zum Vorsitzenden, Theodor H. S ch l e s i n g e r - Frankfurt am Main, Landgerichtsrnt Goldfeld- Breslau zu Stellvertretern desselben. Geheimen Sanitätsrat Maretzky-Berlin, Dr. Sielm an n-München zu Schriftführern, Dr. K o r a ch - Hamburg, Dr. Auerbach- Köln zu Beisitzern wählte, war von etwa 40 Delegierten besucht. Der Vorsitzende gedachte in seinem Bericht zunächst der in der Zeit seit der letzten, 1911 stattgehabten, Delegiertenversammluug verstorbenen Herren Landgerichtsrat W oll st ein-Breslau, Kommerzienrat Galling e r°Nürnberg und Ingenieur Hermann Grün w a l d - Beuthen O.-S., welche sich um die Schwesternsache große Verdienste erworben haben. Bezüglich der Propaganda für die Verbreitung des Berufes der Krankenpflegerin wurde von der größeren Mehrheit der Schwesternvereine' gewünscht, daß tunlichst überhaupt seitens der einzelnen Vereine davon abgesehen werde, zu inserieren. Dagegen soll der Verband von Zeit zu Zeit in geeigneter Weise, sei es durch gemeinschaftliche Inserate oder entsprechende redaktionelle Hinweise auf die Ausbildungsmöglichkeiten usw. innerhalb des Verbandes aufmerksam machen. Es soll den einzelnen Vereinen, wenn sie es in ihrem eigenen Interesse nicht entbehren zu können glauben, jedoch gestattet sein, Inserate zu erlassen, in welchen aber jede Reklame zu vermeiden ist. In bezug aus die Erhöhung des Gehalts wurde eine Einigung dahin erzielt, daß das bisherige Höchstgehalt von 600 Mark ans 720 Mark erhöht werden kann. Ferner können die Vereine das bisher auf höchstens 1000 Mark festgesetzte Ruhegehalt auf 1200 Mark erhöhen. Hierbei ist.es den Vereinen anheimgestellt, aus die Anrechnung der den Schwestern aus der Invalidität?- und Altersversicherung zufallenden Rente zu verzichten. Wenn die Schwestern zu der Angestelltenversicherung (Gesetz vom 20. Dezember 1911) Beiträge geleistet haben, soll auch diese Rente auf das Ruhegehalt nicht angerechnet werden. Nach 25 jähriger Dienstzeit haben die Schwestern im Alter von 55 Jahren Anspruch auf Ruhegehalt, auch wenn sie noch dienstfähig «sind. Die staatliche Prüfung der Schwestern ist nach Beendigung oder während der Lehrzeit, welche 1)4'Jahr beträgt, abzulegen. Zum Vorort wurde bis zur nächsten Delegiertenversammlung der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen zu Berlin wiedergewählt, welcher den Vorstand sowie drei Kassenrevisoren wählen wird. So kam trotz der verschiedensten zum Ausdruck gekommenen Anschauungen eine Einigkeit zustande, welche geeignet ist, allen beteiligten Vereinen zu ihrem Rechte zu verhelfen und den ihnen angehörigen Schwestern ein -auskömmliches Einkommen sowie ein ausreichendes Ruhegehalt zu sichern. Unter diesem Eindruck trennte man sich mit bestem Dank für die gastfreundliche Aufnahme der Tagung in den Räumen des Israelitischen Schwesternheims an den Vorstand desselben — Berlin, 25. November. Der Rabbiner . Dr. Hirsch As.ch k.fi na.s.Y aus Buenos Aires, der sich aus einer Inspektionsreise durch das Land befand, wurde in der jüdischen Kolonie Moiscv i l l e plötzlich vom Tode überrascht. In der Kolnidrenacht wurde er vorn Herzschlage getroffen. Erst gegen Mittag, als der Rabbiner noch immer nicht in der Synagoge erschien, begab man sich nach seiner Wohnung und fand ihn anscheinend schlafend, in Wirklichkeit entseelt vor. Der Arzt der Kolonie konnte nur seststellen, daß der Tod um Mitternacht eingetreten war. Bei der Trauerseier nach dem Feste sprachen vier Redner. Sämtliche Kolonisten geleiteten die Bahre zur Bahn. Die Leiche traf mit dem Schisse am 20. d. M. in Hamburg ein, wurde dann nach Berlin befördert und am letzten Sonntag auf dem Friedhof der Gemeinde „Adaß Jisroyl" beigesetzt. Der Entschlafene hat ein Alter von nur 36 Jahren erreicht. L. Graridenz, 21. November. Der W e st p r e u ß i s ch e Nabbin er Verb and hielt am 7. v. M. in Marienwerder seine Jahresversammlung ab. Der Vorsitzende, Nosenberg-Thorn, begrüßte die Erschienenen und erstattete den Jahresbericht. Er legte hierbei dar, wie im Ausschüsse des westpreußischen Gemeindeverbandes die gemeinsame Arbeit der Rabbiner Westproußens anerkannt wurde, und hob hervor, daß in der letzten Ausschußsitzung auch beschlossen sei, bei der Negierung dahin vorstellig zu werden, daß .die Kosten für den jüdischen Religionsunterricht an den höheren Schulen ganz vom Staate-übernommen würden. Nach erfolgtem Kassenbericht durch

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