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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-11-28 · Heft 48 (28.11.1913) · p. Seite 572

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 48 (28.11.1913)
Date
1913-11-28
Page
Seite 572 (sequence 8)
Language
German
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mittlere Teil enthielt die Bitten, der -letzte, wie man zu sagen Pflegt, -den Dank, in Wirklichkeit hat auch er neben -dem Dank zwei Bitten, beide Reste der im Tempel beim Gebete der Priester üblichen Liturgie. Der Inhalt der Bitten war neben den bereits in den.Gebeten der Maamadot nachgewiesenen Gegenständen hauptsächlich nationalen Charakters, er betraf die Zukunft des Volkes, das messianische Heil. Die einleitenden und abschließenden Stücke habenbereits ihren Namen (R. h. Sch. IV, 5), sie werden an allen Tagen des Jahres Leibehalten und niemals verändert, die mittleren Bitten hingegen sind nur.an Wochentagen im Gebrauch. Der Halbfeste wird durch eine besondere Einschaltung gedacht, an Fasttagen wird die Tefilla, wie es von alters her üblich ist, durch eine , größere Anzahl von Bitten ergänzt. -An Sabbaten hingegen und an Festtagen sind die Bitten innerhalb der Tefilla aus eine einzige, um rechte Weihedes Festes, beschränkt; eine Ausnahme bildet das Neujahrsfest, an ihm erhält die Tefilla eine Erweiterung und hat statt der einen drei mittlere Benediktionen, am Versöhnungstage wird das Sündenbekenntnis angeschlossen. Die Schulen Hillels und Schammais sind verschiedener Meinung über das Vorgehen beim Zusammentreffen eines Sabbats mit einem Festtage, ob dann die Bitte um die Weihender beiden Feiern vereint oder geteilt werden soll, aber über die Sieben- und Neunzahl selbst herrscht völlige Übereinstimmung, sie ist aus beiden Seiten geläufig und anerkannt, man verweist im Schulstreite auch bereits auf die langjährige Handhabung in der Praxis (Tos. Ber. III, 12 f., S. 7 10 ff.; das. R. h. Sch. IV, 11, S. 214,1 ff.). An den Festtagen, den ganzen und , den mittleren, sowie am Neumondstage gibt es ferner ein Musasgebet, das ebenfalls die Tefilla verwendet; es wurde, wie es scheint, nicht überall, sondern nur in größeren Orten mit einem Kommunalverbande (-pp isn Ber. IV,' 4), den Hauptstädten der Maamadbezirke, verrichtet, sein Wortlaut dürfte sich von..dein der anderen Gebete nicht unterschieden haben. Josua b. Lhananja berichtet aus seiner Jugendzeit (um 60), wie er am Hüttenfeste den Gottesdienst zum Morgen-, Musaf- und Mittagsgebet aufgesucht hat, von denen das erste nach, die beiden anderen vor den entsprechenden Opfern verrichtet wurden; zugleich ein lehrreiches Beispiel, wie Gebet und Opfer nebeneinander hergingen (Tos. Sukk. IV, 5, S. 198 16). Wie weit auch Psalmen in die Liturgie ausgenommen waren, ist aus der Mischna nicht zu ersehen, nur von den Hallelpsalmen -erfahren wir, daß sie an achtzehn Tagen, im Jahre Verwendung fanden, und zwar im Anschluß an das Morgengebet; es gab eine eigene Benediktion, die den Vortrag der Psalmen, einleitete oder abschloß (-pttfil DD^D)- Soweit nicht Bibelstellen zur Rezitation kamen, war von. den Gebeten nur der Gedankengang fixiert, nicht der Wortlaut. Ein Bibelvers, durfte, ohne daß er einen Zusatz erhielt, als Gebet, nicht Verwendung finden. Die Gebete können mit "p-O anfctngen oder auch nicht, die meisten haben eine-abschließende Eulogie, ürrta die zugleich den Gedanken angibt, diese kann jedoch auch fehlen. Die Gebete werden vom Vorbeter von Anfang bis zu Ende laut vorgetragen, während die Gemeinde nur die Responsionenspricht. Jedes Gebet wird für sich gesondert verrichtet, es tritt auch jedesmal ein besonderer Vorbeter auf. Die Richtung bei der Tefilla war nach Osten, der Beter dem Allerheiligsten des Tempels in Jerusalem zugewandt. Am Abend fand ein Gemeindegottesdienst nicht statt. . Der Gottesdienst ist im allgemeinen kurz, ein solcher von besonderer Art ist der des Versöhnungstages; da wird der. ganze Tag der Gebetverrichtung geweiht, die Liturgie ist ungewöhnlich ausgedehnt, so daß ihre , Länge sprichwörtlich geworden ist. 5. Zum Gottesdienste gehörte ferner die Schriftvorlesung. An den beiden Markttagen, Montag und Donnerstag, am Sabbatmorgen urrd -nachmittag sowie an den Festen. und Hälbsesten wurde aus der Thora vorgelesen, an den Sabbaten und Festen außerdem aus den Propheten. Der Schriftabschnitt war an den Wochentagen, Festen und Halbsesten kurz, nur au Sabbaten länger, aber keineswegs übermäßig lang. An den Festen wurden aus sie bezügliche Abschnitte verlesen, während man an den Sabbaten schon früh dazu überging, der Reihe nach zu lesen, ohne an einen festen Zyklus gebunden zu sein. Die Vorlesung wurde von Gemeindemitgliedern, die einander ablösten, und überall, auch in der Diaspora, wenn es irgend angängig war, in hebräischer Sprache gehalten, im Notfälle war auch die Landessprache zugelassen. An die Vorlesung schlossen sich die Uebertragung und Auslegung. des Schriftabschnittes an. Ursprünglich wären beide aller Wahrscheinlichkeit nach identisch, die Uebertragung war nicht wörtlich', sie enthielt zugleich die.Auslegung, in unserer Epoche aber waren beide bereits voneinander getrennt, die Auslegung war selbständig geworden, die Schrifterklärer Hielten sich nicht mehr immer an den Wortlaut der vorgelesenen Perikope, sondern knüpften daran -freie, unabhängige Betrachtungen über ein ihnen naheliegendes Thema an; Gegenstand der Erörterung waren Einzelheiten der religiösen Praxis, vornehmlich aber die Religionsanschaunngen und Zukunftshoffnungen. 6. In den hellenistischen - Ländern standen nach Philos Schilderung, die sich allerdings auf die Sabbate beschränkt und offenbar von dem Bestreben geleitet ist, dem Bilde einen möglichst philosophischen Anstrich zu geben, Vorlesung und Auslegung der Bibel im Vordergründe; sie füllten den ganzen Sabbat bis zum späten Abend aus, sie machten die Synagogen zu Lehrstätten der Aufklärung und Tugend. Wie die Gebete dort beschaffen waren, wissen wir nicht, wir dürfen voraussetzen, daß zumindest die Bekenntnisstücke ebenfalls vorgetragen wurden. Von den Therapeuten hören wir, daß sie jeden Morgen und Abend ein Dankgebet für das physische und das geistige Licht an Gott richteten, daß sie am Sabbat, insbesondere aber.an ihrem großen Feste, in der Nacht des siebenten Sabbats, Dankgebete, Psalmen und -selbstverfaßte ' Hymnen sangen. Die Sprache der Diasporasynagogen war die griechische, selbst in Palästina verwendeten die Hellenisten in den Synagogen das Griechische als Gebetsprache. Der Vortrag der Gebete geschah in derselben Weise wie in Palästina, ein Vorbeter sprach sie laut, die Gemeinde verhielt sich im allgemeinen ruhig und fiel nur bei den Responsionen ein. A. K. Lriek aus London Von I. L h o tz n e r. n einem der hiesigen vorzüglichsten Theater, das unter H dem Namen „His Majestys Theatre“ weit, bekannt ist, wird jetzt ein Theaterstück gespielt, dessen Sujet'in der Bibel, oder vielmehr im Alten Testament sich'vorfindet. Das fragliche Theaterstück ist Josepht and his Brethern“ (Joses und seine Brüder) tituliert, und behandelt somit eine der anziehendsten Episoden, die im späten Lebensalter des Patriarchen Jakob stattgefunden haben. :; Der Jude wird bekanntlich häufig auf der Bühne als lachenerregende Karikatur dargestellt, und dieser Umstand ist es wohl, der allgemein den Eindruck hervortreten läßt, daß der- . selbe nur Eigenschaften besitzt, die spottwürdig sind. In einem ganz anderen Lichte aber erscheint er in dem besagten Schau-, spiel. Sir Herbert Tree repräsentiert darin den Patriarchen Jakob als liebreichen pater kam Ilias, der das Wohl der Seintgen stets zu fördern strebt, und an ihren Freuden oder Leiden die innigste Teilnahme bekundet.

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