Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1913)
- Date
- 1913-11-28
- Page
- Seite 570 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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570 ähnlich denen der Marrenburg, ruhen, was dieser Halle eine unvergleichliche aufstrebende Leichtigkeit und Anmut verleiht, und sie höher und größer erscheinen läßt, als sie es in Wirklichkeit ist. Nach Osten schließt sich die halbkreisförmige Bimah mit dem Allerheiligsten an. Den Hintergrund darüber füllt der mächtige Orgelchor mit einem Prachtwerk von Terletzki. Ueber dem Vorraum erhebt sich, hoch ansteigend, der Frauenchor, der sich in Galerien zu beiden Seiten der Halle fortsetzt. Reiche, zum Teil vergoldete Holzschnitzereien und Ornamentierung im Stil unserer baltischen Renaissance schmücken das Allerheiligste, in dem naturgemäß die Wirkung des inneren Ensembles gipfelt. In dem mit rotem Tuch ausgeschlagenen, von einem reichgestickten Vorhang verhüllten Tabernakel aus edlem Holz sind die mit wahrhaft gleißender Pracht ausgestatteten Thorarollen. der Gemeinde aufgestellt. Uralte.Decken, die einst als Vorhänge in den alten Synagogen gedient, füllen neben den von Den Frauen der Gemeinde gestifteten die Felder zwischen dem Schnitzwerk der Bimah, die an den Aufgängen von zwei mächtigen vergoldeten Säulen mit Kandelabern flankiert wird. Kronen und Leuchter sind in edelster Form dem Charakter der Synagoge entsprechend angesertigt.« Wände und Gewölbe des Tempels sind mit Sgrasfit'omalerei geschmückt. Ueberaus reich wirken die Fenster, die inmitten eines Architekturaufbaues in strahlenden Farben symbolische Darstellungen und Teppichmuster tragen. Alttestamentarische Sprüche füllen die Unteren Bogenfriese. Bemerkenswert sind die Inschriften in hebräischer und deutscher Sprache über den Eingängen: „Heilig dem Ewigen". —' „Sind wir nicht alle Kinder eines Vater?" — „Hat nicht ein Gott uns alle erschaffen? da kommt". .. In diesem Geiste war auch die Weiherede des Oberrabbiners Dr. Werner bei der Einweihung der Synagoge vor 25 Jahren gehalten. Unter Dortritt der Spitzen aller Behörden, der Generalität und Geistlichkeit, nahmen auch die Vertreter der anderen Bekenntnisse an der Feier teil. Ausführende . des Prachtbaues waren die namhaften Meister Ende und Vöckmann, denen Danzig auch die Prachtbauten des Landhauses und der Sparkasse verdankt. Sie schufen den Tempel im Anschluß an den Danziger Baustil mit Anklängen an die Alhambra. . . Unter der Leitung des Baumeisters Seel wurde dieses großartige Gotteshaus mit einem Kostenaufwande von nur einer halben Million Mark in zwei Jahren errichtet. Die neue Synagoge inManzig. „Gesegnet sei, der u der stattlichen Anzahl wissenschaftlich hervorragender Werke, welche die. Gesellschast zur Förderung der Wissenschaft des Judentums im Lause der Jahre ihres. Bestehens herausgegeben hat, kommt jetzt ein neues hinzu: „Der jüdische Gottesdienst in seiner geschichtlichen Entwicklung" von I. Elbogen, das bereits gedruckt ist und in wenigen Wochen zur Ausgabe gelangen wird. Wir freuen uns, auf dieses großangelegte Werk, das als eine wissenschaftliche Leistung ersten Ranges bezeichnet zu werden verdient, .schon heute aufmerksam machen zu können, und zweifeln nicht, daß es in allen Kreisen der gebildeten Judenheit die freundlichste Ausnahme finden wird. Was der geehrte Verfasser uns hier bietet, ist das Produkt jahrelanger ernster Forschung aus dem Gebiete unserer Liturgie, eine mühevolle, mit nicht unerheblichen Schwierigkeiten verbundene Arbeit, deren bedeutenden Wert nur derjenige zu beurteilen und zu würdigen vermag, der einmal versucht hat, die verschlungenen Wege des rabbinischen Schrifttums zu durchqueren, auf welche der Verfasser bei dieser seiner Arbeit in erster Reihe angewiesen war und die er sich erst ebnen mußte, um zu dem erstrebten Ziele gelangen zu können. Um so bewunderns- und anerkennenswerter ist nun das Endergebnis: die erschöpfende, streng wissenschaftliche und dabei kläre Darstellung der Entstehung und Entwicklung der Gebete sowohl als insbesondere des Gottesdienstes seit seinen Uranfängen, die nicht nur dem gebildeten Laien, sondern auch dem Fachmann die Lektüre des Buches zu einem seelischen Genuß gestaltet und ihn zur Vertiefung in die behan- Das. Buch zerfällt in drei eine „Beschreibung des jüdie einzelnen Gedelte Materie anregt. Abschnitte. Der erste bietet bischen Gotesdienstes" und behandelt bete und die Schriftvorlesung in ihren geschichtlichen Wandlungen und lokalen Veränderungen. Der zweite Abschnitt behandelt die „Geschichte des Gottesdienstes" von den ersten Anfängen bis in unsere unmittelbare Gegenwart mit ihren Reformbestrebungen. Der dritte Abschnitt saßt unter dem Titel „Organisation des Gottesdienstes" die Nachrichten .über die dem Gottesdienste dienenden Gebäude, ihre Bauart, über die Leitung und die Beamten, über den Vortrag der Gebete zusammen. Mit gütiger Erlaubnis des Verfassers, der die Liebenswürdigkeit hatte, aus unser Ersuchen uns einige Aushängebogen zu übersenden, bringen wir aus dem überaus instruktiven Buche folgendes Kapitol zum Abdruck: