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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-11-28 · Heft 48 (28.11.1913) · p. Seite 567

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 48 (28.11.1913)
Date
1913-11-28
Page
Seite 567 (sequence 3)
Language
German
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567 gebracht iborben, gegen diese Mächte der Finsternis wollen wirv.ankämpsen mit den Waffen des Geistes nnd der Wahrheit, voll tiefer Entrüstung, aber ohne jede Gehässigkeit. Unser Kampf erinnert an den Kampf, den die Huinanisten gegen die Dunkelmänner führten. Iw 20. Jahrhundert mag es uns ein Trost sein, daß aus allem Düstern, das der Beilisprozeß gebracht hat, wiederum aufleuchtet die Morgenröte der Wahrheit und echter menschlicher Gesittung. Pros. Falken heim deutete die Beifallsstürme, die jeden Redner belohnten und besonders lebhaft nach den Ausführungen von Dr. Vogelstein waren, um zu herzlichen Worten des Dankes. In ein paar kurzen Schlußworten sprach er die Hoffnung aus, daß alle diejenigen, die von ihrer eigenen Glaubenslehre unberechtigte Angriffe zurückweisen, darauf achten werden, daß auch die religiöse Ueberzeugung anderer hochgehatten und geachtet wird. * * lieber die Umwerb ung der Seph ar d im durch Spanien bringt die „Kölnische Zeitung" folgende Ausführungen: Die Stellung der Spaniolen des Orients, d. h. der Nachkommen der 1492 aus Spanien vertriebenen Juden, zu ihrem früheren Mutterlande ist in Nr. 1454 der „Kölnischen Zeitung" vom 30. Dezember 1912 in sehr bemerkenswerter Weise behandelt worden. Dabei wurde namentlich darauf hingewiesen, wie die Juden des Orients ihrer ehemaligen Heimat noch heute eine treue Anhänglichkeit bewahren, die wohl nichts stärker bekundet als ihr unentwegtes Festhalten an der altkastilischen Sprache, die noch immer unter den Sepharden dem Verkehr des Familienuinganges dient. Unter dem jahrhundertealten Einfluß römischer Verfolgungsprinzipien, das Auge gerichtet auf Eroberungen jenseits der Meere oder heimisches Elend und innere Kämpfe, hatte Spanien es bisher nie verstanden, das Beispiel moderner Staaten zu befolgen, die Shmpathieströmungen für sein Land bald zu verstärken, bald zu erzeugen, um für die Zwecke seiner Politik hieraus entsprechenden Nutzen zu ziehen. Zwar bedeutet schon der französisch-spanische Vertrag über Marokko mit seiner Anerkennung einer vollkommenen Kultusfreiheit für Christen, Mohammedaner und Juden in den von Spanien abhängigen marokkanischen Gebietsteilen ein merkliches Verlassen alter Gleise, aber cs erschien zuerst doch, als ob hierin mehr ein Zugeständnis an den marokkanischen Teilhaber Frankreich als eine politisch vorbedachte Maßnahme läge. Sei aber dem, wie ihm wolle, die bisherigen Erfahrungen in Marokko dürften Spanien wohl die Ueberzeugung beigebracht haben, daß mit dem kriegerischen Vorgehen in Spanisch-Asrika eine moralische Eroberung Hand in Hand gehen nu'isse, zu der ihm die in Marokko durch zähe Anpassung vieler Jahrhunderte heimisch gewordene Judenschaft der Spaniolen, bei denen die kastilische Ueberliefevung nie ausgestorben war, die beste Beihilfe leisten könne. Diese Elemente bilden gleichsam eine religiöse und kulturelle Brücke zwischen der in .Afrika^ in Begleitung des Christentums eindringenden europäischen.-Flut Üitb dem seine alten Vorrechte und Ueberlieserungen verteidigenden Mohammedanismus. In klarer Erkenntnis der Wichtigkeit, die für Spaniens Zukunft in Afrika die Freundschaft des einheimischen Judentums haben muß, das aus die marokkanischen Mohammedaner einen weitgehenden wirtschaftlichen und kulturellen Einfluß ausübt, bereitet sich daher das Land der katholischen Könige vor, den geistigen Interessen der vorhandenen Million Spaniolen eine Heimstätte zu bieten, an der nicht nur seine eigenen diplomatischen und konsularischen Vertreter sich über alles ausbilden können, was die in ihren Bereich tretenden Sepharden betrifft, sondern auch die Spaniolen selbst in die Ueberlieserungen eindringen können, die sie mit Spanien verbinden. An der neugeschaffenen Schule zu Madrid für Diplomatie, Konsulardienst und marokkanische Studien soll daher ein Lehrstuhl für jüdische Geschichte und hebräische Literatur, besonders im spanischen Zeitalter, errichtet werden, dergestalt, daß dort besonders begabte, zunge, marokkanische Juden ebenso wie Balkan-Spaniolen, neben der Aneignung allgemeiner Bildung jenen besonderen jüdischen Studien obliegen können, die sie befähigen, später iw ihren Gemeinden als Rabbiner oder Lehrer tätig zu sein. Diese jungen Leute sollen durch Vermittlung der Kenntnis altspanisch-jüdischer Dichter und Philosophen, wie Jbn Gabirol, Jehuda Halevh und Maimonides, ausgelöschte Ueberlieserungen wieder aufleben lasten, welche die Hörer aufs neue an Spanien knüpfen müssen. Hierdurch sollen auch etwaige Erinnerungen an das Land der Inquisition, die sich bei den Spaniolen Menschenalter hindurch erhalten haben mögen, zum völligen Erblassen gebracht und Spanien Sympathien zugewandt werden,'die ihm für seine politischen Zwecke überaus zustatten kommen müsten. Diese ganzen Bestrebungen gehen nicht über den angedeuteten Rahmen hinaus und verfolgen keineswegs den Zweck, etwa eine Einwanderung von Sepharden nach Spanien zu veranlassen, obschon sich auch hierfür schon Stimmen erhoben haben, wie z.:B. Angel Pulido in seinem bekannten Buche „Die Spanier ohne Vaterland". Im Gegenteil soll die -spanische Regierung, obschon die Juden sich bei ihr aller Rechte erfreuen und in Madrid und Sevilla z. B. kleine israelitische Gemeinden bestehen, solche Niederlastungen in keiner Weise zu begünstigen geneigt sein, von der richtigen Voraussetzung ausgehend, daß der politische Nutzen der Spaniolen für das alte Mutterland am besten in solchen Gebietsteilen zum Ausdruck kommen kann, wo sich diese seit Jahrhunderten niedergelassen haben. Um nun einen Anfang auf dem angegebenen Weg zu machen, hat die spanische Regierung, so lange kein Lehrstuhl für jüdische Geschichte und Literatur vom Parlament genehmigt ist, beschlossen, in der diplomatischen Schule eine Reihe öffentlicher Vorträge über jüdische Kultur in Spanien und die gegenwärtige Lage der spanischen Juden in Marokko und im Orient halten zu lassen, und hiermit auf Vorschlag von Fachgelehrten den Dozenten für semitische Philologie Dr. Abraham Salom Jahuda beauftragt, der, im Orient geboren, in Deutschland seine Studien gemacht hat und nicht nur Spaniolisch spricht, sondern auch die Verhältnisse der Sephardim aus eigener Anschauung aufs genaueste kennt. Diese Berufung beweist, daß es Spanien tatsächlich ernst mit der Absicht ist, die Nachkommen derer für sich zu gewinnen, die es vor 400 Jahren vertrieb.. Andere Merkmale lassen dasselbe erkennen. Schon vor Jahresfrist hat Nodolfo Gil einen kleinen Romancero Judeo Espanol Zusammengestellt, und die spanische Regierung will diesen Gedanken auf breiterer Grundlage ausbauen und außerdem durch Sammlung der zugehörigen Musik vervollständigen, wozu bereits ein Romanist nach dem Orient entsandt wurde. Wenn auch im Hintergrund der ganzen Bestrebungen Politische Absichten zu erblicken sind, so ist doch zu begrüßen, daß Spanien in deren Dienst Kulturausgaben zu stellen geneigt ist, die den Bruch mit einer Vergangenheit von Verfolgung und Inquisition bedeuten. Ueber die allgemeine Lage der Juden in Südafrika wird der „N. I. K." aus Johannesburg geschrieben: Von Antisemitismus kann in Südafrika keine Rede sein. Die Juden genießen im geschäftlichen und gesellschaftlichen Leben volle Anerkennung. Zahlreiche Juden bekleiden auch städtische Ehrenämter. Dagegen ist es bemerkenswert, daß im Regierungsdienst nur eine ganz geringe Anzahl Juden angestellt ist. Die jüdischen Einwanderer Pasten sich sehr-schnell den Verhältnissen des Landes-än--und-die izweite-l Generation fühlt sich in der Regel schon vdllkonünen-heimisch-uüd^bildet ein wertvolles Bürgerelement. Die Einwanderungsbehördm lasten es allerdings den jüdischen Immigranten gegenüber an Entgegenkommen häufig fehlen, und der jüdische Deputiertenrat für Südafrika hatte wiederholt Veranlassung, gegen offenbare Zurücksetzung jüdischer Einwanderer Stellung , zu nehmem Da aber in den letzten Jahren zahlreiche Juden britische Untertanen geworden sind und sich lebhaft an den Wahlen beteiligen, und da es auch eine Anzahl jüdischer Parlamentsmitglieder gibt, so ist daraus zu rechnen, daß die südafrikanischen Juden künftig nachdrücklicher und mit mehr Erfolg für ihre Rechte werden kämpfe können. Von einein eigentlichen jüdischen Gemeindeleben und der Pflege jüdischer Gemeinschastsinteressen ist nicht viel zu spüren. Besonders die junge Generation verhält sich allen jüdischen Angelegenheiten gegenüber sehr gleichgültig. Die einzige wirklich gut organisierte und eifrig tätige jüdische Organisation ist die zionistische Förderation, der Hunderte von Zweigvereinen im ganzen Lande angeschlossen sind. Es ist ein weitverbreiteter Jrrtunr, daß die Erschließung der Gold- und Diamantenminen die Juden ins Land gebracht habe. Die meisten angesehenen jüdischen Firmen in Südafrika bestehen schon, seit Jahrzehnten und haben sich in langsamer Arbeit ihren Ruf erworben. Bei den Bergwerken sind zahlreiche Juden als Fachleute auf den verschiedensten technischen Gebieten tätig.

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