Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1913)
- Date
- 1913-11-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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" Der Gememdebate. Beilase zur ^Allgemeinen Leitung deK Judentums. lkorrelpvndm?rn und Kschrichtm. Deutschland. y. Berlin, 16. November. Die heutige Sitzung der N e P r ä s e n - tantenvers am m l u n g wurde durch Herrn Louis-Sa chs mit einigen geschäftlichen Mitteilungen eröffnet, von denen eine Petition über die Vornahme von Konfirmationen in der Synagoge Rykestraße eine längere Debatte hervorrief. Leiter der Religionsschule in der Synagoge Rykestraße ist Herr Rabbiner Dr. Bergmann, der natürlich auch die Mädchen in den Konfirmationsunterricht einführt. Auf Grund einer Verfügung des Vorstandes der Gemeinde, wonach jeder der Herren Gemeinderabbiner Einsegnungen nur in den ihm Zugewiesenen Gotteshäusern vornehmen dürfe, hatte sich Herr Rabbiner Dr. Bergmann geweigert, die in der Religionsschule Rykestraße vorbereiteten Mädchen in der Synagoge Rykestraße zu konfirmieren. Das hat die Eltern einiger Kinder zu einer Eingabe an die Versammlung veranlaßt, in der gebeten wird, dem.empfundenen Uebelstand abzuhelfen. An der sehr lebhaften Debatte beteiligten sich die Herren Justizrat Jgn. Cohn, Prof. Blaschke, Aron Hirsch, Willibald Löwenthal, Prof. Kalischer, Kommerzienrat Gerson S i m o u und vom Vorstandstisch die Herren Lilienthal und Kommerzienrat Eisner. Es wurde-in der Hauptsache die Berechtigung der Beschwerde anerkannt, und besonders voy, Prof. Kali scher betont, daß man sich hier nicht auf den rein formalen Standpunkt stellen dürfe, der Vorstand sollte Herrn Dr. Bergmann von der Verfügung, die ihn binde, entbinden. Schließlich wurde die Eingabe an den Vorstand verwiesen. — Die Zuwendung des.Herrn Samuel Schreiber in Höbe von 1800 Mark sowie diejenige des Herrn Paul Langer im Betrage von 2OO0 Mark werden angenommen und der Ueberweisuna der Verwaltung der Gustav-Julius- Gottschalk-Stiftung an die Stiftungskommission zugestimmt. — lim den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Gelegenbeit zu geben, außer den in Berlin angestellten Rabbinern auch andere Kanzelredner kennen au lernen, und gleichzeitig, um dem Räbbinerstande Gelegenheit zu geben, die Berliner Gemeinde in ihrer Auffassung und Beurteilung geistlicher Reden kennen zu lernen, soll die Einrichtung regelmäßiger Ga st predigten getroffen werden. Es sollen in jedem Jahre sechsmal zwei Gastpredigten gehalten werden, die auf die verschiedenen Gemeindesynagogen in der Art. -zu verteilen sind, daß jeder der eingeladenen Kanzelredner am Freitag abend in einer und am Sonnabend vormittag in einer anderen Synagoge spricht. Die Rabbinerwahlkommission sucht die Herren aus, und der Vorstand erläßt die Einladung an diejenigen Herren, die mit den Gastpredigten betraut werden sollen. Dabei sind tunlichst alle religiösen Richtungen zu berücksichtigen und das Hauptaugenmerk nicht nur auf ältere und bewährte Kanzelredner, sondern auch , auf jüngere, aufstrebende Kräfte zu richten. Die Predigten sollen nicht den Zweck haben, als Kandidatenreden für zu besetzende Rabbinerposten in-Berlin betrachtet zu werden, und Meldungen zu solchen Gastpredigten werden nicht erwartet. Die jüdische Gemeinde, so heißt es. in der Vorlage, spricht die Hoffnung aus, daß der Rabbinerstand diese Einrichtung als ein brauchbares Mittel ansehen wird, die Ideen und Auffassungen seiner Mitglieder von einer hauptstädtischen Kanzel aus an das Ohr einer großen Gemeinde zu bringen, Anregungen aus dieser Körperschaft zu empfangen. Die Kosten einer solchen Einrichtung wurden auf 2000 HOtart bemessen und in diesem Betrage von der. Versammlung bewilligt, ebenso wurde die Vorlage selbst in der hier wiedergegebenen Fassung .angenommen.. — lieber die Äufstellungsfeier für die von Herrn Dr. Minden gestiftete Büste des Großen Kurfürsten berichtete Herr Pincus. Danach findet die Feier eine halbe Stunde vor der Sitzung der Repräsentantenversammlung statt. Zu derselben werden eingeladen Herr Dr. Minden und Gemahlin, der Vorstand der Berliner Gemeinde, Herr Bildhauer Pleßner und Herr Baumeister Vaer. Die Büste wird auf dem für sie bestimmten Platze aufgestellt, umgeben von einem Pflanzenarrangement. Herr Dr. Minden übergibt die Büste mit einer Ansprache der Repräsentantenversammlung. Der Vorsitzende dankt und übernimmt sie in die Obhut der Versammlung. Eine Ansprache des Vorstandes soll Vorbehalten bleiben. — Der Vorlage betreffend Abänderung der Satzungen der Stiftungskommission wird zugestimmt. -Von allgemeinem Interesse ist, daß seinerzeit der Antrag der Gemeiirdebehövden auf Wählbarkeit von Damen in die Kommission von der Behörde abgelehnt wuvde und daher jetzt von dem Statut bestimmt wird, daß die Stiftungskomnrission berechtigt ist, Ehrendamen. zur Mitarbeit heranzuziehen und ihnen die Teilnahme an den Sitzungen mit beratender Stimme zu gestatten. — Die Vorlage über die Ausstellung, der Büste von Abraham Geiger wird vertagt. — Ueber die Veranstaltung einer Sijumfeier, die von einem Gemeindemitglied beantragt worden war, ist vom Vorstand eine Rundfrage bei den Herren Gemeinderabbinern erfolgt. Auf Grund dieser Gutachten ist der Vorstand zu einer Ablehnung des Antrages gelangt, dem der Ausschuß und nunmehr auch die Repräsentantenversammlung zustimmt. — Dem dritten. Amortisationsfonds werden aus den für 1912 sich ergebenden Ueberschüssen außer dem vorgesehenen Anteil von 10 Prozent aus den Ueberschüssen der Friedhofsverwaltung weitere 100 000 Mark überwiesen. — Zur Bearbeitung eines Projektes für den Bau der neuen Synagoge in der Prinzregentenstraße werden 2000 Mark bewilligt. Gleichzeitig wird ein Antrag Kuznitzki angenommen, der den Vorstand ersucht, für den Bau dieser Synagoge eine Jdeenkonkurrenz ausschließlich für jüdische Architekten Groß-Berlins zu veranstalten. — Für die Reparatur der Kellerräume unter der Leichenhalle auf dem Friedhof in Weißensee werden 2400 Mark, für die Vorbereitung einer regelmäßigen Prüfung der Blitzableiter auf den Gemeindegrundstücken 1000 Mark bewilligt. — In das Kuratorium der Nanny-Julius-und- Rosalie-Boehm-Stistung wird an Stelle des Herrn Regierungsrat Dr. Rathenau, der das Ehrenamt wegen Arbeitsüberlastung niedergelegt hat, Herr Rechtsanwalt Dr. - Siegfried Goldschm i d t gewählt. Dann folgt die Genehmigung einer großen Reihe von Subventionen, wobei der Referent des Vorstandes einleitend bemerkt, daß die Subventionen pro 1913/14 insgesamt sich auf 160 000 Mark belaufen. Sie sind auf drei Jahre festgesetzt und dafür insgesamt 610 000 Mark vorgesehen. Bewilligt seien aber nur 496 000 Mark, so daß für unvorhergesehene Zwecke noch ein gewisser Betrag in Aussicht genommen worden ist. Bewilligt werden sodann: Für das Gesamtarchiv der deutschen Juden 25OO Mark, an die Religionsgemeinde zu Charlottenburg jährlich 11 500 Mark, für den Luisenstädtischen Brüderverem jährlich 1000 Mark, an den Religionsverein Schöneberg für die Dauer der laufenden Ctatsperiode eine Subvention von jährlich 16 OOO Mark und zur Deckung eines Defizits eine einmalige Beihilfe von 2160 Mark. Dem Synagogenverein Beth Zion wird für die lausende Etatsperiode eine Subvention von jährlich 11 500 Mark, dem Religions- Verein Ahawas Scholaum eine Subvention von jährlich 10 OOO Mark, der jüdischen Resormgemeinde einstweilen nur pro 1913/14 eine Subvention von 20 000 Mark, der Israelitischen Bereinigung Friedrichsbevg und Umgegend für die gesamte Etatsperiode eine Subvention von jährlich. 3000 Mark, dem Israelitischen Sephavdischen Verein jährlich 2000 Mark, der Lippmann-Tauß-Shnagoge eine Subvention von jährlich 8000 Mark, ferner der Israelitischen Vereinigung zu Karlshorst pro 1913 eine-,Subvention von 1030 Mark, dem Religionsverein Westen Pro 1913 eine Subvention von 13 500 Mark, pro 1914/16 eine solche von je 12 000 Mark, dem Synagogenverein Moabit und Hansabezirk eine Subvention von jährlich 6000 Mark bewilligt und . ein rückständiges Darlehen in Höhe von 1000 Mark niedergeschlagen. Es werden schließlich ferner bewilligt dem Israelitischen Religionsverein Gesundbrunnen jährlich 7600 Mark, der Israelitischen Religionsgemeinde Neukölln' Pro 1913 der Betrag von 1400 Mark, der Israelitischen Brüdergemeinde in Neukölln für die ganze Etatsperiode eine Subvention vön jährlich 8650 Mark, dem Verein Tiergartenshnagoge Pro 1913 3500 Mark, dem Synagogenverein Osten auch für die Jahre 1914/16 eine Subvention pon 1600 Mark, jährlich, dem Religiösen Verein jüdischer Glaubensgenossen zu Steglitz jährlich 2100 Mark unter der Bedingung bewilligt, daß ein Betrag von .280 Mark zur Tilgung einer.Schuld an den Erteiler des Barmizwah-- unterrichtes bezahlt wird; dem Jüdischen. Religionsverein Friedenau,