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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-11-21 · Heft 47 (21.11.1913) · p. Seite 563

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 47 (21.11.1913)
Date
1913-11-21
Page
Seite 563 (sequence 11)
Language
German
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563 Zeitungen, Witzblättern und auf der Bühne gespöttelt und gewitzelt, gehöhnt und gelästert?" „Gewiß nicht, aber es berührt mich jetzt weniger, ich fühle mich nicht mehr dadurch mitgetroffen." „Auch dann, wenn der Hohn gegen das geht, was unsere Gegner das Jüdisch-Nationale nennen? Oder glaubst du, daß du das Aussehen mit dem Taufwafser abgewaschen, daß du mit dem Namen auch die Gestaltung deiner Nase geändert hast? Wärest du wirklich des Glaubens, wie jener Neger, der von sich behauptet, er sei schon längst aus seiner Rasse ausgetreten?" „Du spottest bittei^Onkel; aber niemand wird dem Getauften einen Vorwurf daraus machen, daß er die Spötteleien ignoriert und nicht jedesmal als Kämpe für das Judentum eintritt." „Und wärest du als Jude immer dafür eingetreten?" „Wenigstens oft genug, und etliche Male auch, mit der Waffe." „Richtig, richtig; du hast ja auch den großen Schmiß. Wie' war doch die Affäre eigentlich?" „Einfach genug. Ich machte in meinem vorletzten Studiensemester mit ein paar Bundesbrüdern eine Spritztour in die Schweiz. Wir kehrten in Jnterlakeu von einem Ausflug ins Hotel zurück, leider etwas verspätet, so daß der Oberkellner uns an der takle cThöte nicht mehr nebeneinander Placieren konnte; , ich kam neben einen fremden Herrn zu sitzen, der sich mit seinem viZ-u-vis sehr laut und ungeniert unterhielt und immerfort auf die Juden stichelte. Der Gurkensalat schmecke ihm wie ein toter Jude." (Fortsetzung folgt.) Sprechsagl. Kopenhagen, 3. November 1913. Als ich die „Allgemeine Zeitung des Judentums" S. 463 über Sanders gelesen hatte, dachte ich daran, daß ich Sie gelegentlich auf eine charakteristische Aeußerung eines führenden Germanisten aufmerksam machen-sollte, aus, der hervorgeht, wie man über ein Menschenalter Sanders totgeschwiegen hat. Friedrich Kluge sagt nämlich 1902 (Sanders' Wörterbuch lag 1865 abgeschlossen vor) in seiner Zeitschrift für deutsche-Wortforschung HI, 114: „Eingeweihten ist es längst geläufige und' es muß mit Nachdruck hervorgehoben werden, daß auch' SändEts sich um die lexikalische Erschließung, besonders des 1L und 19. Jahrhunderts große Verdienste erworben hat." — Was jeden: Anfänger der Germanistik seit 1865 als unentbehrlich^ Handwerkszeug hätte genannt werden müssen (und 1865 ja noch viel unentbehrlicher als 1902, weil inzwischen so viel anderes-erschienen), das muß 1902 noch aus dem Kreise der „Eingeweihten" bekanntgemacht werden. — Der.Beweis dafür, daß es notwendig sei, die großen Verdienste Sanders^-hervorzuheben, wird gleich gebracht. Wenige Seiten weiter lesen - wirnämlich in derselben Zeitschrift einen gelehrten Aufsatz von R. Sprenger: „Kleine Beiträge zum neuhochdeutschen Wortschatz". Der Verfasser kennt zum Schaden seines Aussatzes -(z. -Bt. S.135, 136 und 138) nicht die alten Sanderschen Mitteilungen.. — Schlußfolgerungen erübrigen sich. Mit besten Grüßen > Dr. Simo nsen. * HerrRedakteur! Die Vermutung Jakob Grimms, daß der bei den Juden seit dem frühen Mittelalter gebräuchlichen Identifizierung des biblischen Aschkenas (Gen. X, 3) mit Deutschland die Ableitung von Askanien Zugrunde liege, ist wohl kaum richtig, obwohl sie, wenn ich nicht irre, schon von Zunz ausgestellt wurde. Wozu denn in die Ferne schweifen? Die Ableitung, wie ich sie in meinem Artikel „Ashkenaz" rn „Jewifh Encyclopedia" II, 193, gegeben habe, ist die allereinfachste. Die rabbinischen Ausleger der Völkertasel in Genesis X gingen von dem -Gleichklange aus. Aschkenas ist der Sohn Gomers. Gomer klingt , an Germania an, wie Tarschifch an Tarsus. Wenn Gomer Germania ist (Joma 10, a; Jer. Megillah 71, d), so sind seine Söhne, darunter Aschkenas, der älteste, „Germanikia" (Gen. Rabba 37) deutsche Stämme. Gleichzeitig wurde diese Bezeichnung ein bequemer Deckname oder eine Metapher, wie Zankee für Amerikaner oder Welscher, ganz unberechtigt, für romanische Völker. Ergebenst G o t t h a r d D e u t s ch. Verband derjüdische n Le h re.r vereine im Deuts ch e n N eiche. Hamburg, den 30.' Oktober 1913. Abendrotsweg 71. Zu den Kämpfen innerhalb, der deutschen Judenheit, die, mögen ihre Beweggründe auch idealer Natur sein,-doch als Bruderzwiste im Interesse des Ansehens unserer Religionsgemeinschaft zu verurteilen sind, ist neuerdings ein weiterer hinzugekonnnen, der Kampf um die jüdische Volksschule. Wenn wir als die „Rufer im Streit" mit diesem Flugblatt an die größere jüdische Oessentlichkeit herantreten, um die Natur des Kampfes klarzulegen und die Entscheidung den zunächst Beteiligten zu überantworten, dann möge dies Beginnen von unserem Bemühen zeugen, eine Angelegenheit, die uns Herzenssache ist, zur „Sache der ganzen Gemeinde" zu machen und sie damit dem persönlichen Hader und dem Parteigezänk zu entrücken. Der 6. Deutsch-Israelitische Gemeindeverbandstag vom 22. Juni 1913 hat nach eingehenden Referaten des Herrn Prof. Dr. Blaschke- Berlin und unseres Vorsitzenden, Feiner-Hamburg, die folgenden Thesen des 1. Referenten angenommen. Die vorhandenen und lebensfähigen jüdischen Volksschulen sind zu erhalten. 2. Neue jüdische Volksschulen sind in kleineren Gemeinden einzurichten, wenn sie durch die am Orte bestehenden und bei der Errichtung in Betracht kommenden Verhältnisse begründet und deshalb notwendig erscheinen. 3. Neue jüdische Volksschulen sollen in den großen Gemeinden nicht errichtet werden. Vielmehr ist die -Anstellung jüdischer Lehrkräfte und die Einrichtung jüdischen Religionsunterrichts in der allgemeinen Volksschule mit allem Nachdruck zu betreiben. Die Aushebung bestehender Simultanschülen soll verhindert und die Schaffung neuer erstrebt werden. Abgelehnt wurde ein Antrag des Herrn Sanitätsrats Dr. Apfel- Köln: „Der Verbändstag beschließt unter den jetzigen Verhältnissen die Gründling von jüdischen Volksschulen" sowie eine Resolution Feiner: „Der 6. Gemeindeverbands tag erklärt sich im Prinzip für die paritätische Volksschule. Angesichts des Umstandes jedoch, daß in den meisten deutschen Bundesstaaten die Volksschulen einen rein konfessionellen Charakter tragen, hält er im Interesse unserer staatsbürgerlichen Gleichstellung iund im Interesse der jüdischen Erziehung die Errichtllng jüdischer Volksschulen neben den bestehenden protestantischen und katholischen für w ü n s ch e n s w e r t." Die heftige Zeitungsseh de, die unmittelbar nach' dem Verbandstage eiysetzte und. die bis zum heutigen Tage andauert, hat Wohl auch aus der Gegenseite eine Klärung der Frage, zu welcher, wie jetzt behauptet Werden .darf, nicht alle Vertreter der Verbände am 22. Juni vorgedwingen waren, gebracht. Sie hat gezeigt, daß die Angelegenheit nicht von: parteipolitischen Standpunkte beurteilt werden darf, sondern daß vielmehr die religiösen, pädagogischen, rechtlichen und praktischen Momente im Vordergrund stehen sollten. Die Mitglieder der Gemeinden, die Eltern der Kinder, in deren ureigenstem Interesse wir auf die Schanzen gerufen haben, fordern wir dringend aus, selbst Stellung zu der Angelegenheit zu nehmen und erforderlichenfalls durch eine Einwirkung auf die maßgebenden Gemeindebehörden der Sach ed i e wir führen, zum Siege zu verhelfen. In dem engen Rahmen dieses Flugblattes können wir nur kurz folgendes bemerken: 1. Durch Artikel 24 der Verfassung wird bestimmt: „Bei der Einrichtung der öffentlichen Volksschulen sind die konfessionellen Verhältnisse möglichst zu berücksichtigen." Das. Volksschulunterhaltungsgesetz vom 28. Juli 1906 hat in Abschnitt 4 den konfessionellen Charakter der Volksschule fest gelegt. Die Verhandlungen des letzten Katholikentages beweisen, daß diese

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