Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1913)
- Date
- 1913-11-14
- Page
- Seite 5 (sequence 17)
- Language
- German
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5 -das Kuratorium einen tüchtigen zweiten Gärtner aus dem Dienst am Botanischen Garten entlassen mußte, nachdem es bekannt geworden war, daß der Mann Katholik war. Als endlich in gleicher Erfahrung mir vom offiziellen Vertreter der Regierung die Hebammendirektorenstelle in Breslau ausdrücklich mit der Bedingung der Taufe angeboten wurde, habe ich Gelegenheit genommen, schriftlich zu erklären, daß ich nicht imstande sei, meine Zustimmung zu einer offenbaren Rechtsverletzung zu geben. Nach der beschworenen Verfassung gebühre nrir, den die Regierung für sachlich voll qualifiziert für die Direktorstelle bezeichnet habe, diese Stelle. Werde sie mir aus konfessionellen Gründen verweigert, so begehe man einen Versassungsbruch. Dieser Briefwechsel befindet sich in meinen Papieren und mag wohl auch im Archiv der Breslauer Regierung liegen." — Möchte doch Professor Freund unseren jungen Gelehrten als Beispiel dienen! Holland. V. Z. Amsterdam, 7. November. Am 5. ix M. ist Professor Dr. I. S. Speyer verschieden. Mit dem Hingang dieses Mannes hat Holland einen seiner bedeutendsten und verdienstvollsten Gelehrten verloren, dessen Name weit über die Grenzen feines Vaterlandes hinaus bekannt geworden ist. Geboren 1849 in Amsterdam, studierte er am Athenäum dieser Stadt und dann in Leiden, wo er den Unterricht von Cobet und Kern genoß. Als das Athenäum im Jahre 1876 zu einer Universität erweitert wurde, wurde ihm der Unterricht in Sanskrit übertragen, aber erst im Jahre 1888 wurde er außerordentlicher Professor, in welcher Stellung er neben Sanskrit auch die vergleichende Grammatik der indo-germanischen Sprachen als Lehrfach dozierte. In demselben Jahre folgte er als ordentlicher Professor einem Ruf an die Universität Groningen, um jedoch schon im Jahre 1903 nach Leiden überzusiedeln, wo er den durch den Rücktritt von Professor Kern erledigten Lehrstuhl für Sanskrit bestieg. Sein bedeutendstes Werk ist die im Jahre 1886 erschienene Sanskritsyntax, im Jahre 1895 folgte die Uebersetzung von Jatakomala, außerdem veröffentlichte er zahlreiche Artikel in verschiedenen Zeitschriften, besonders im „Museum", das er mit den Professoren Block und Symons in Groningen errichtet hatte, gab eine Neubearbeitung von Buhlers „Grundriß der indo-arischen Philologie" heraus und war ständiger Mitarbeiter an der in Petersburg erscheinenden „Bibliotheca Buddhica". Als Beweis seiner Vielseitigkeit mag noch angeführt werden, daß er eine lateinische Grammatik geschrieben hat, die an vielen Gymnasien als Lehrbuch eingeführt ist. Aus demselben Gebiet entstanden seine „Lmenäutivnos et. observationes", und außerdem hat er eine sehr geschätzte Ausgabe von Phädrus veranstaltet. Professor Speyer war Mitglied der königlichen Akademie der Wissenschaften in Amsterdam und aus verschiedenen indologischen Kongressen hat er den niederländischen Staat vertreten Gesterrrich-Angarn. K. Prag, 7, November. Eine große Anzahl jüdischer Studenten aus Rußland wurde zur Immatrikulation an der tschechischen Universität in Prag nicht zugelassen, nicht etwa aus Platzmangel, sondern lveil sie in ihren Abiturientenzeugnissen keine Note aus der mosaischen Neligionslehre aufweisen konnten. Das Dekanat erklärte solche Zeugnisse als nicht gültig und erblickte in dem Fehlen der Religionsnote einen Vorwand, um viele jüdische Hörer von der Inskription auszuschließen. Die freisinnige tschechiche Presse hat sich dieses Falles bemächtigt und nimmt gegen die Verfügung des Dekanats in entschiedener Weise Stellung. Es ist zu hoffen, daß diese Verfügung bald rückgängig gemacht werde, um die armen Studenten vor dem Verlust eines ganzen Semesters zu bewahren. LranSrelch. Paris, 7. November. Am 5. d. M. fand die jährliche außerordentliche Sitzung des Zentralkomitees der Alliance Jsraölite Universelle statt. Außer den meisten Pariser Herren waren mehrere auswärtige Mitglieder zugegen. Den Vorsitz führte Herr Professor Dr. Netter, stellvertretender Präsident. Der zur Verlesung gebrachte Bericht bot deshalb ein besonderes Interesse, weil er die politischen Ereignisse auf dem Balkan und in Nordafrika ausführlich behandelte, die auf die allgemeinen Verhältnisse der Israeliten in den betreffenden Ländern und auch auf die zahlreichen Schulanstalten der Alliance in jenen Gegenden eine nachhaltige Wirkung übten. Der Angelegenheit der rumänischen Juden und 'den von verschiedenen Seiten zur Erlangung der Bürgerrechte für die eingeborenen Israeliten vorgeschlagenen Mitteln wurde besondere Aufmerksamkeit zugewendet. Auch wurde der lächerlich tragische Prozeß in Kiew ins Auge gefaßt, der dazu inszeniert wurde, um durch einen unglücklichen Juden die ganze jüdische Bevölkerung zu brandmarken, deren liberale Tendenzen man befürchtet und 31t vernichten bestrebt ist. Hervorgehoben wurden ferner die in Marokko erzielten Resultate und namentlich die Wohltat des dort cingeführten Regimes, dank welchem die Juden, die seit vielen Jahrhunderten der Willkür und der Demütigung preisgegeben waren, sich nunmehr eines tatkräftigen Schutzes erfreuen und ihren Geschäften in aller Sicherheit nachgehen können. Der Bericht enthält einen Ueberblick über die Wirren auf dem Balkan, über.deren Nachwirkung auf die Verhältnisse der vom Kriege heimgesuchten Länder und über das zugunsten der dortigen Juden eingeleitete Unterstützungswerk. Besonders erwähnenswert ist die Tatsache, daß trotz der politischen und geographischen Umwälzungen sämtliche Allianceschulen auf dem Balkan gleich nach dem Bukarester Frieden wieder eröffnet werden konnten, was den besten Beweis dafür liefert, daß die Anstalten der Alliance fest« Wurzeln geschlagen haben und sich der Sympathie der Gemeinden erfreuen. Anläßlich des neuen Dr. med. Lahmonn’s tläMz-Cacao ist ein Cacaopulver, welches im Gegensatz zu dem nach der gebräuchlichen Methode hergestellten Cacaopulver nicht mit Chemikalien, wie Pottasche, Magnesia usw., leichtlöslich gemacht wird. Die gleiche Wirkung der Leichtlöslichkeit erzielt Dr. Lahmann durch Behandlung des Pulvers mit seinem Pflanzen-Nährsalz-Extract. Dabei entsteht der Vorteil, dass dem Cacao wertvolle, aus Pflanzen herrührende Bluttoildungsstoife (Nährsalze), wie Kalk, Natron, Eisen, Kieselsäure, Phosphor usw. zugeführt werden. Das mit diesem Dr. I>ahmann’schen Nährsalz-Cacaopulver hergestellte Getränk hat den wohltuendsten Einfluss auf Magen und Darm. Verstopfungen, sonst bei Cacaogenuss vielfach vorkommend, sind bei regelmässigem Genuss von Dr. Lahmann’s Nährsalz-Cacao gänzlich ausgeschlossen. Seit annähernd 30 Jahren im Gebrauch, hat er sich durch seine vorzüglichen Eigenschaften viele Freunde über den ganzen Erdball erworben. Alleinige Fabrikanten: HGWQl & WöltllGIV Kaiserliche Königliche Oesterreichisch-Ungarische Hoflieferanten, Köln und Wien. Nur echt, wenn in Originalpackung und mit folgender Schutzmarke versehen. ^ßj^sßmntmCMei&unnm^J^äaanm