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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-11-14 · Heft 46 (14.11.1913) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 46 (14.11.1913)
Date
1913-11-14
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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ueten Max Friedberg e. r, Hofrat I. ©röncinal d, Provinzialrabbiner Dr. Hirsch selb u. a. ausgegangen. Würde die Orientkvlonisation — so führte der Vorsitzende Dr. Sander aus — mir dem Gefühle religiöser Pietät entspringen, die Ansiedler jedoch einer ungewissen Existenz aussetzen, so müßte man demreligiösen Idealismus in diesem Falle entgegentreten. Gerade vom wirtschaftlichen Gesichtspunkte jedoch, den die A. I. K. O. in erster Linie ^berücksichtigt, muß der Orient als das erwünschteste Gebiet für die jüdische Kolonisation bezeichnet werden. An die Spitze des A. I. K. O.- Komitces traten in Gießen Rabbiner Dr. Sander (Vorsitzender), Hofrat G r ü n e w a l d (Schatzmeister) nnd Herr S. Fröhlich (Schriftführer). Gezeichnet wurden neben Mitgliedsbeiträgen erheblichere Beträge für den K o l o n i s a t i o n s s o n d s der A. I. K. O. — Schon am 30. Oktober fand hieraus eine A. I. K. O.- Versammlung in Mannheim unter dem Vorsitz von Dr. Gustav Cahen im großen Saale der August-Lamey-Loge des U. O.' B. B. statt. Zu den Einberufern gehörten hier der Vorsitzende der Gemeinde, Fabrikant Sally Reiß, Stadtverordneter Dr. Max Jeselsohn, der Präsident der Lamey-Loge C. Jüdel, Rabbiner Dr. Oppenheim, Bankier Lefo, der Vorsitzende des Lokalkomitees der A. I. U. H. Loeb-Stern und Kommerzienrat H. Zimmern. Auch in Mannheim fanden die Ausführungen der Vertreter der A. I. K. O., Dr. G i n s b e r g und Dr. Rassig, unterstützt von den beredten Worten des Vorsitzenden, lebhaften Widerhall. — In Heidelberg, wo die Versammlung am 1. November in der Friedrich-Loge des U. O. B. B. abgehalten wurde, begrüßte die Erschienenen der Logenpräsident, Rechtsanwalt Dr. Kauffmann im Namen des Komitees, dem auch der Vorsitzende der Kultusgemeinde, Herr E. Carlebach, Bezirksrabbiner Dr. Piuknß, Stadtrat M. Liebhold, Fabrikant F. Liebhold und andere prominente Mitglieder der Gemeinde nngehörten. Auf die Referate, die sichtliches Interesse erregten, folgte eine Ansprache des Herrn Carlebach. Seiner Aufforderung, das Werk der A. I. K. O. nicht nur moralisch, sondern auch finanziell zu unterstützen, leisteten die Versammelten Folge, indem sie zahlreiche Aktien der O. C. C. zeichneten und sich in die Mitgliederliste mit Beträgen bis zu 100 Mark eintrugein Unter den Anwesenden bemerkte man Exzellenz Frau K. v/Sack, die dem Orient-Kolonisationswerk besonderes Interesse entgegenbringt und es auch durch eine höhere Zeichnung für die O. C. C. bekundete. Nresilait. 7. November. Die am 29. Oktober im Kammerunisiksaale des Breslauer Konzerthauscs abgehaltene General- Vers a m m l u li g des Schlesischen K e p l e r b u n d c s nahm einen sehr stürmischen Verlaus. Als der erste Vorsitzende E. Weigt nach der Begrüßungsrede und der Erstattung des Jahres- und Kassenberichtes zu den verschiedenen Neuwahlen schreiten wollte, legte Herr Rothmann, der dem Vorstand seit 1906 als erster Schriftführer angehört hatte, sein Amt nieder mit der Begründung, daß er einem Bunde, dessen Mitglieder antisemitischen Tendenzen huldigen, nicht länger zugehören könne. Trotz lebhafter Proteste der christlichen Mitglieder, daß sie ein derartiger Vorwurf überrasche, legten darauf auch die übrigen jüdischen Mitglieder des Vorstandes ihre Aemter nieder. Es entspann sich eine erregte Debatte, so daß die Tagesordnung nicht erledigt werden konnte. L2 Elberfeld, 7. November. Die sehr rührige Ortsgruppe Elberfeld des Jüdischen Frauenbundes hat wieder einen Teil ihres Programms der Verwirklichung näher geführt. Die in der letzten Mitgliederversammlung .geplante Gründung eines jüdischen weiblichen Stellennachweises ist inzwischen zur Tat geworden, und hoffen wir, daß diese Einrichtung wie in vielen anderen Städten, so auch' hier, /durch rege Inanspruchnahme segensreich wirken wird. — Um die Mitglieder einander noch näher zu bringen und in den jüdischen Frauen mehr als bisher die Freude zur Natur zu wecken, unternimmt der Jüdische Frauenbund von Zeit zu Zeit kleine Wanderungen in die Umgebung. Eine große Teilnehmerzahl vereinigte die Fahrt nach Essen, wo unter der belehrenden Führung des Herrn Rabbiner Dr. S a m u e l eine Besichtigung der vollendet schönen neuen Synagoge stattfand. Es war ein erhebender Augenblick, als unsere jugendliche Elberfelder Organistin Fräulein Erna Zivi die mächtigen Klänge der Orgel erschallen ließ, um sich späterhin mit Fräulein Mirjam Epstein zu Mendelssohns Arie „Höre Israel" zu vereinigen. Sehr anregend verlief ein Teenachmittag, an welchem Josefa Metz einige ihrer Dichtungen den zahlreichen Zuhörerinnen meisterhaft vortrug. Wie immer, entzückte die Dichterin durch ihre humorvollen Kindergedichte, von einer ganz neuen Seite lernten wir sie in ihrer biblischen Novelle „Basti" kennen. Ties ergriffen lauschten wir ihrer Erzählung, in welcher sie uns mit leuchtenden Farben orientalische Stimmungen hervorzauberte. Die vielfach mangelnde Kenntnis der jüdischen Geschichte hat den hiesigen Verein bestimmt, Herrn Rabbiner Dr. Norden für eine Reihe von Vorträgen zu verpflichten, welche Mitte November beginnen werden. Der Vortragende wird über die Propheten als Begründer der jüdischen Sittenlehre sprechen, und liegen schon zahlreiche Anmeldungen zu diesem Vortragszyklus vor. Die Ortsgruppe Elberfeld hat sich auch der interkonfessionellen Frauenbewegung angeschlossen, indem sie dem Stadtverband Elberfelder Frauenvereine beigetreten ist, zu dessen Sitzungen sie zwei Delegierte entsendet. §£•> Münster i. W., 7. November. Die M a r k-s - Haindorffs ch e S t i f t u n g zur Bildung von Elementarlehrern und Beförderung von Handwerken und Künsten unter den Juden versendet soeben den 46. Jahresbericht für die Zeit vom 1. April 1911 bis 1. April 1913. Nach dem Ausfälle der letzten Wahlen besteht das Kuratorium aus folgenden Herren: Siegfried Feibes in Münster, Präses: Kaufmann S. Neu mark in Münster, stellvertretender Präses: Justizrat Dr. Callma n n in Köln, Rechtsanwalt Dr. K a tz e n st e i n in Bielefeld, Rechtsanwalt Dr. H e r z f e l d in Essen, Kaufmann D. L e e - ser in Dortmund, Kuratoren; G. Neumark in Münster, Oberlandesgerichtsrat Stern in Düsseldorf, Fabrikbesitzer P. W. M e y e r in Aachen, Kaufmann M. Liebenfeld in Bochum, stellvertretende Kuratoren. Ehrenpräses des Kuratoriums ist Herr Rentner Joseph, S tern in Münster. Der Stiftung Find leider vier Kuratoren durch den Tod entrissen worden: im Jahre 1911 starben die Herren Jnstizrat H e r.tz in Münster nnd Kaufmann I. L c v i s v it in Düsseldorf, im Jahre 1912 die Herren Kommerzienrat H irschla n d in Essen und Justizrat Dr. F r azi k e n st e i n in Bielefeld. Die Anstalt wird den Dahinaeschiedenen ein bleibendes Andenken bewahren. Dankend erwähnt der Bericht die I a h r z c i t st i f t u n g e n , mit denen die Anstalt seit dem Erscheinen des letzten Jahresberichts bedacht worden ist. Die Marks-Haindorffsche Stiftung übernimmt gegen die einmalige Zahlung von 300 M. die Verpflichtung, den Todestag Verstorbener auf eivige Zeiten in voraeschriebener Weise durch Gebete zu feiern, auch auf besonderen Wunsch während des Trauerjahres täglich das Kaddischgebet zu verrichten. Es ist ein schöner Gedanke, den Namen mit einer nach dem Tode nachwirkendcn Wohltat zu verbinden, wie sie einem wahrhaft frommen Sinne entspricht; denn damit ivird eine Aufgabe gefördert, die der Ehre nnd Erhaltung des Judentums dient. Das Kuratorinm hält es für eine angenehme Pflicht, allen denen herzlich zu danken, die in der abgelaufenen Berichtsperiode die Ziele der Marks-Haindorffschen Stiftung verwirklichen halsen. Sv den hohen Staatsbehörden für den ihm seither gewährten Staatszuschuß und für die ihm von den Königlichen Herren Oberpräsidenteu von Westfalen nnd der Rheinproviuz erteilte Erlaubnis zum Abbalten von Sammlungen; dem Königlichen Provinzialschnlkollegium zu Münster, das dem Lehrerseminar ein stets förderndes Wohlwollen bezeugt, sowie für die Zusendung von mehreren Büchern zur Verteilung au fleißige und begabte Schüler bei patriotischen Festlichkeiten. Besonderen Dank spricht der Bericht dem Kuratdrium der Alexander und Fanny Simonscheu Stiftung in Hannover aus, das für den Betrieb des Schulgartens einen namhaften Zuschuß gewährte, und Herrn Direktor Dr. Adler, Frankfurt a. M., durch dessen Bemühungen der Anstalt größere Zuschüsse ans der B. H. Goldschmidtschen Stiftung gemacht ivurden. Der Bericht schließt mit dem Wunsch, daß der vor nunmehr 39 Jahren gegründeten Anstalt, deren segensreiche Erfolge im Dienste der Allgemeinheit anerkannt werden, das opferwillige Wohlwollen der Gemeinden und Personen, die dem Wirken einer Lehrerbildungsanstalt Verständnis und Interesse entgegenbringeii, auch in Zukunft erhalten bleiben möge. gx» Harlttover, 7. November. Die Israelitische Erziehungsanstalt zn Ahlem bei Hannover versendet soeben an Stelle des üblichen Jahresberichtes einen Bericht des seit zehn Jahren bestehenden „Vereins ehemaliger Ahlemer", dem die gewohnte Statistik über sämtliche bisherige Zöglinge der Anstalt beigefügt ist. Der „Verein ehemaliger Ahleiner", dem sämtliche abgegangenen Lehrlinge angehören, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den kameradschaftlichen Zusammenhang der jungen Leute dauernd aufrecht zn erhalten; er trägt in hohem Grade dazu bei, die Erziehungsarbeit der Anstalt für das ganze Leben-der ehemaligen Zöglinge nutzbar zu machen und die Lehre der

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