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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-11-14 · Heft 46 (14.11.1913) · p. Seite 549

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 46 (14.11.1913)
Date
1913-11-14
Page
Seite 549 (sequence 9)
Language
German
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549 die großen Flächen etwas beleben, wodurch eine kalte Wirkung vermieden wird. Ruhe und Geschlossenheit sind die Hauptfaktoren, wie sie z. B. das Erbbegräbnis Seelig-Borchardt ausweist. Die große Hinterwand, die durch zwei sich nach oben verjüngende Pilaster geteilt wird, trägt nur in den von dem vorspringenden Gesimse beschatteten Partien ein Ornamentensries in flacher.Reliefarbeit. In seiner erhabenen, stillen Würde wirkt dieses Grabmal wie eine Offenbarung zwischen seinen Nachbarn; es kann als eines der herrlichsten Stücke des Friedhofes bezeichnet werden, vor dem jeder Beschauer mit einer gewissen Ergriffenheit stehen bleibt. Bisher hat der Künstler sechs große Grabdenkmäler in Weißensee zur Aufstellung gebracht. Als eine besonders glückliche Lösung ist auch das eigenartige Erbbegräbnis Jasse zu nennen, das sich in einer durch die Raumverhältnisse gebotenen, schwrerig zu gestaltenden Ecke erhebt und bei dem nur architektonische Werte sprechen. Die übrigen Werke Lewys schließen sich den beiden genannten würdig an, und es ist nur zu wünschen, daß sich ihre Zahl bald vermehren möge. Mit Schönheit und künstlerischem Geist sollen wir den Ort des ewigen Friedens schmücken — dieser Grundsatz spricht aus den Grabmälern Paul Lewys; er bildet das Programm der modernen Grabmalskunst. Schmücket die Gräber in einfach würdiger Form, damit die Stätten der Ruhe zu Hainen der Andacht werden. Der Zionismus. Unter diesem Titel ist ein bemerkenswerter Aufim Oktoberheft der Zeitschrift „Ost und West" erschienen. Er weist nach, daß infolge der Beschlüsse aus dem letzten Zionistentage der. politische Zionismus tot, und daß zweitens die praktische Arbeit in Palästina nun in den Vordergrund gestellt worden ist. Er lehrt, daß eine wirklich jüdische Bewegung das einzige Ziel des Zionismus sein muß, und mahnt die Leitung der Partei, sie müsse aufhören, den Anspruch zu erheben, daß alles Ersprießliche, was innerhalb des Judentums für das Judentum geschehe, ihr Werk sei. Zu diesem Zwecke zeigt der Verfasser, daß die Kolonisationsarbeit in Palästina durch den Baron Edmund v. Rothschild begonnen und durch die Jca und die Alliance fortgesetzt worden sei. Daß die letzteren beiden Gemeinschaften ein ungeheures Werk in Palästina geleistet hätten, so daß es ungerecht oder unklug sei, diese Arbeit zu verkleinern oder zu ignorieren. ' Im ferneren Verlaufe des Artikels wird die Disziplinlosigkeit einer Clique beklagt, die in ihrer Gehässigkeit und Taktlosigkeit selbst vor den eigenen Parteigenossen nicht haltmacht, sodann auf den Umstand hingewiesen, daß die meisten Männer, die innerhalb der zionistischen Bewegung in leitender Stellung stehen, trotz ihres Redens nicht ein Quadratmeter Land angekauft und auch nicht in anderer Weise materielle Opfer für die jüdische Ansiedlung gebracht hätten. Dann heißt es weiter: „Was liegt also näher als die Annahme, daß der Zionismus für manche, zionistische Wortführer nur einen Sport bedeutet, oder in einzelnen Fällen vielleicht auch nichts weiter als ein gewöhnliches Strebertum ist, die Sucht, sich im öffentlichen Leben Geltung zu verschaffen. Bei solchen chaotischen, zerfahrenen Zuständen ist es nicht zu verwundern, daß in der letzten Zeit in der zionistischen Bewegung noch viel bedenklichere Erscheinungen hervorgetreten sind, über die zu schweigen eine schwere Unterlassungssünde wäre. An die Rockschöße des Zionismus hat sich eine eigenartige „Sekte" gehängt, deren auf die Zersetzung des Judentums gerichtetes Treiben um so gefährlicher ist, als es das Mäntelchen des jüdischen Nationalismus trägt." Es wird außerdem ein Aufsatz eines Mitgliedes des zionistischen Aktionskomitees, Herrn Adolph Böhm, analysiert, in dem es folgendermaßen heißt: „Was kann dies (das alte Judentum) dem modernen Juden geben? Er hat sich weit von ihm entfernt. Wie weit, das zeigt beispielsweise sein Verhalten zum Christentum. Die traditionelle jüdische Scheu vor dessen Stifter und seinen Lehren kann er nicht mitmachen. Er sieht vielmehr klar den Fortschritt, den es bedeutete, als das Christentum den Quell der religiösen Sittlichkeit in das Innere der Menschenbrust verlegte." Der Herr, der diesen Ausspruch getan, ist zwar nicht als Mitglied des Aktionskomitees wiedergewählt worden, aber nicht etwa, weil man ihn für ungeeignet hielt, sondern weil er zu fernerer Beteiligung keine Lust hat. Ja, die Leitung der zionistischen Organisation hielt sich für berechtigt, in einer offiziellen Erklärung für Herrn Böhm einzutreten. Der Artikel schließt mit folgenden Sätzen: „Eine an Anarchismus grenzende Pietätlosigkeit gegen das geschichtlich gewordene und in der Seele des jüdischen Volkes tiefwurzelnde Judentum, der Mangel an jedem Respekt vor den Männern der Wissenschaft und der Forschung, eine grenzenlose Selbstüberhebung und Anmaßung — dies kennzeichnet einen beträchtlichen Teil der zionistischen Wortführer. Und obwohl gering an der Zahl, gelang es ihnen, in der Partei großen Einfluß zu erringen und dem offiziellen Zionismus — wie er sich auf den Kongressen, in den Versammlungen, in der zionistischen Presse und in einem Teil seiner literarischen Erzeugnisse kundgibt — das Gepräge zu geben. Dies, bedeutet eine schwere Gefahr für die weitere Entwicklung der zionistischen Bewegung, die aus einem gesunden Volksidealismus hervorgegangen ist und mit ihren Idealen, solange sie in ihrer Erbbegräbnis Dr. Iaffe. Miteu uwy. WM

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