Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-11-07 · Heft 45 (7.11.1913) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 45 (7.11.1913)
Date
1913-11-07
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3229069-3229115--69904-3282231
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

wieder einmal das Bedürfnis gehabt-, mit einer Sensation in die Oessentlichkeit zu treten. Seit dem Tode seines -größeren Bruders versiegten seine guten Quellen, die in der „Nowoje Wremja" zutage zu treten Pflegten, mehr und mehr, weshalb man ihm in Spötterkreisen Rußlands den Beinamen der „Verwitwete" gab. Herr Alexander Stolypin hat nun gestern zeigen wollen, daß er immer noch auf der Höhe publizistischer Sensationsmache steht und in der „Nowoje Wremja" einen Artikel verfaßt, der nicht inehr und nicht weniger als die Mitteilung enthält, Kaiser Wilhelm habe einer angesehenen russischen Persönlichkeit gegenüber geäußert, er, der Kaiser, glaube an Ritualmorde, auch seien in Deutschland solche vorgekommen, aus politischen Gründen aber unterdrückt worden. Der „L.-A." bemerkt dazu: „Ganz abgesehen von der überraschenden Unverfrorenheit, mit der hier die Persönlichkeit enes fremden Monarchen in einen inner-russischen Prozeß hineingezogen wird, verdient diese abenteuerliche Meldung über angebliche Aeußerungen des Deutschen Kaisers wieder einmal niedriger gehängt zu werden, denn sie trägt in so hohem Maße den Stempel der E r f i n d u n g an der Stirn, daß sich ein näheres Eingehen eigentlich von selbst verbietet." ' Wie nicht anders zu erwarten war, werden an unterrichteten Stellen solche oder ähnliche Aeußerungen Kaiser Wilhelms als ausgeschlossen bezeichnet. &&& Berlin, 4. November. Im Verlag Dr. Basch G. m. b. H., Berlin-Wilmersdorf, ist soeben als erstes Heft der Sammlung „Fragen des Tages" eine sehr beachtenswerte Publikation von Dr. Adolph Kohnt erschienen: Ritualmordprozesse, bedeutsame Fälle aus der Vergangenheit. Preis 80 Pf. Es ist eine wertvolle Materialsammlung, deren Lektüre bei dem hohen Interesse, das der Kiewer Prozeß jetzt allgemein erregt, weiten Kreisen die Haltlosigkeit der alten Ritualmordlegende an früheren Beispielen erweist. — Bei dieser Gelegenheit möchten wir die Aufmerksamkeit unserer Leser ganz besonders aus das instruktive Buch von Hermann L. Strack lenken: „Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit" (8. Auslage, I. C. Hinrichssche Buchhandlung, Leipzig. Preis 2.50 Mark). Wie wir hören, besitzt der Verlag nur noch eine geringe Anzahl von Exemplaren, die wohl bald gänzlich vergriffen sein dürsten. Berlin, 4. November. An der Hauptversammlung des Verbandes der Deutschen Juden in Hamburg werden nach den bisherigen Meldungen mehr als 400 Delegierte aus allen Teilen des Reichs teilnehmen. — Die Nachfrage nach Zuhörerkarten zu der öffentlichen Hauptversammlung ist außerordentlich stark. — Nicht nur die Deutsch-Israelitische Gemeinde zu Hamburg nimmt die Hauptversammlung zum Anlaß besonderer Veranstaltungen, sondern auch andere Organisationen. So veranstaltet bereits am Freitag, den 7. November, abends 834 Uhr, die Gabriel- R i e ß e r - V e r e i n i g u n g zur Förderung der Wissenschaft des Judentums im Curio-Haus, Rvthenbaumchaussee 9/13, einen Vortragsabend: Herr Rabbiner Dr. Leimdörser spricht über „Die Erz i e h u n g z u r E i n h e i t". — Am Sonnabend mittag 1 Uhr wird in der G e s e l l s ch a s t f ü r j ü d -i s ch e V o l k s k u n d e zu Hamburg im Hörsaal des Stäatsmuseums für Völkerkunde, Rothenbaumchaussee Ecke Binder Straße, ein Vortrag über a l t j ü d i s ch e M ü Mz e n u n d Medaillen gehalten, an den sich eine Besichtigung der Sammlungen anschließen wird. — F est g o t t e s d i e n st e finden, sowohl am Freitag abend wie am Sonnabend statt, und zwar Freitag, den 7. November: In der Synagoge Bornplatz nachmittags 4X> Uhr; in dem Israelitischen Tenrpel, Poolstraße 12, nachmittags 5 Uhr; in der Neuen Dammtor-Synagoge, Beneckestraße 4, nachmittags 4X> Uhr. Sonnabend, den 8. November: In der Synagoge Bornplatz morgens 8)4 Uhr; in dem Israelitischen Tempel, Poolstraße, morgens 9X> Uhr; in der Neuen Dammtor-Synagoge, Beneckestraße 4, morgens 9 Uhr. Die Deutsch-Israelitische Gemeinde zu Hamburg selber hat außer dem üblichen Festmahl.der Delegierten, das Sonntag abend im Hamburger Hof stattsindet' die Hauptversammlungsteilnehmer und die mit ihnen in Hamburg erscheinenden Damen sowie eine große Anzahl von Hamburger Persönlichkeiten auf Sonnabend abend zu einer Festvorstellung im Deutschen Schauspielhaus eingeladen. — Unter anderem kommt Grillparzers „Esther" zur Ausführung. — Da an dem Festmahl der Delegierten Damen — außer den stimmberechtigten Teilnehmerinnen an der Hauptversammlung, wie z. B. die Vertreterinnen des jüdischen Frauenbundes — nicht teilnehnren, sind die Damen, welche in Begleitung von Delegierten aus anderen Orten nach Hamburg kommen, zu einem besonderen Souper im Jüdischen Logenheim eingeladen worden. — Die Hamburger Gemeinde hat alle diese Veranstaltungen sowie allerllei - Informationen über jüdische Institutionen in Hamburg in einem geschmackvoll ausgestatteten Programmheft den Hauptversammlungsteilnehmern mitgeteilt. 22 Berlin, 4. November. Das Mitglied des Kuratoriums der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, Herr Geheimrat Professor Dr. Hermann Cohen, wird vom 11. November ab Dienstags abends 8—10 Uhr in der Aula der Lehranstalt, Artilleriestraße 14, Vorlesungen über „Die Grundbegriffe der jüdischen Religion in ethischer Würdigung" halten. Ferner hat Herr- Rabbiner D r. B a e ck eine Vorlesung „Das Werden der Religion" angekündigt, die er vom 12. November ab an jedem Mittwoch von 8—9 Uhr abends halten wird. Die Vorlesungen sind öffentlich und unentgeltlich. Meldungen wegen der Zulassung können im Sekretariat, Artilleriestraße 14, vormittags 11—12 Uhr erfolgen. &&& Berlin, 4. November. Der Verein für j ü d i s ch e G e - schichte und Literatur hat am 30. v. M. die Reihe der für diesen Winter vorgesehenen Vorträge mit einer Vorlesung des Professors Dr. Hermann L. Strack über das Thema „Die Bibel, der Talmud und die Tiere" eröffnet. Der Vortragende erörterte zunächst den Natursinn und die Naturfreude der alten Juden, die sich wesentlich im Einklänge mit der der Griechen des homerischen Zeitalters befinde. Zum eigentlichen Thema seines Vortrages übergehend, zitierte er .fast sämtliche Stellen der Bibel, die in irgendeiner Weise zur Tierwelt in Beziehung stehen, zeigte an der Hand lehrreicher Beispiele das warme Interesse, das die Juden von jeher den armen Tieren entgegenbrachten, und hob besonders die vielen biblischen und talmudischen Vorschriften hervor, die Mitleid mit den Tieren und ihre schonende Behandlung als ein heiliges Gesetz proklamieren. „Das Gebot der Schechita sei schon deswegen als ein vortreffliches zu betrachten, weil es die leichteste Tötungsart darstelle." Die interessanten und lehrreichen Ausführungen, die auch verschiedene talmudische Fabeln aus der Tierwelt, sehr geschickt wiedergegeben, enthielten, fanden bei denzahlreich erschienenen Zuhörern ungeteilten Beifall. Der Vorlesung ging eine kurze Ansprache des Vorstandsmitgliedes Dr. M. L e v i n voraus, der mit beredten Worten die großen Verdienste des Vortragenden um die Wissenschaft des Judentums würdigte und dem unermüdlichen Kämpfer für Wahrheit und Recht den Dank der Versammlung zum Ausdruck brachte. — Aus den auswärtigen Vereinen. In Crone a. d. Brahe sprach Rabbiner Dr. H alp er so h n - Briefen über: Heinrich Heine und dem Stand der Denkmalssrage; in Hohensalza Rabbiner Dr. Pick- Strasburg über: „Träumer des Ghetto" von Zangwill; in Wollstein Frau Regina N eis s er -Breslau über: „Bedeutende jüdische Frauen des 19. Jahrhunderts in Literatur, Kunst und Hunmnität." — Im Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Berlin sprach am 30. v. M. Rabbiner Dr. Wer ner-München über: „Der Kamps geaen den Talmud und Schulchatt Aruch." 2/D Berlin, 4. November. Der Verein jüdischer Studierender aus Rußland veranstaltet am Sonnabend, den 8. November, um 8)4 Uhr abends in den Festsälen des Brüdervereins (Kurfürstenstraße 116) seinen t r a d i t i' o n e l l e n' S t n d e n t e n - b all. Das reichhaltige Programm des Abends enthält unter-anderem folgendes: Der bekannte und beliebte Schriftsteller Herr S ch a l o m - A l e i ch c m wird aus eigenen Werken vortragen. Herr Schalom-Aleichem ist aiictj als vortrefflicher Rezitator bekannt, und seine Vorlesungen üben immer eine große Zugkraft aus. Im musikalischen Teil wird Herr Leo Gollanin jüdische Volkslieder vortragen. Karten ä 20, 10, 5, 3 und 2 Mark sind zu haben im Bureau des Vereins (Friedrichstraße 129). <t/7> Berlin, 4. November. Am Montag, den 17. November 1913 veranstaltet der Jüdische Wänderbund Blau-Weiß in den Räumen des Logenhauses, Kleiststraße Nr. 10, abends 9 Uhr, eine Versannnlung über das Thema „Antisemitismus und Wandervogel". Es werden sprechen Herr Referendar Markus, Breslau, im Namen der Führerschaft des Jüdischen Wanderbundes Blau-Weiß, Breslau^ und Herr eanck. jur. Karl Glaser im Aufträge des Jüdischen Wanderbundes Blau-Weiß, Berlin. A d r e s s e des Wanderbundes: Dr. Adalbert Sachs, W, Königgrätzer Straße 89. /

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.