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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-11-07 · Heft 45 (7.11.1913) · p. Seite 537

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 45 (7.11.1913)
Date
1913-11-07
Page
Seite 537 (sequence 9)
Language
German
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537 In das Gebiet der Armenpflege gehört auch die N a t u r alienpflege, die in den letzten Jahrzehnten vielfach eine neue Form angenommen hat, vornehmlich durch Einrichtung öffentlicher Speiseanstalten und Volksküchen, in denen unentgeltlich oder gegen geringes Entgelt an Bedürftige rituelle Kdst verabreicht wird. Solche Anstalten bestehen in München, Frankfurt a. M., Breslau, Köln, Leipzig, Berlin. Unter den Wohlfahrtseinrichtungen, die der Vorbeugung der Armut dienen, seien die in einer Reihe von größeren Städten begründeten D ar l eh n ska s s e n genannt, die hilfsbedürftigen Gewerbetreibenden des Mittelstandes durch Gewährung von Betriebskapital zur Seite stehen, ferner jüdische Arbeitsnachweise und Komitees für Arbeitsstellen, die durch Beschaffung dauernder Arbeit die Erziehung Unbemittelter zu wirtschaftlicher Selbständigkeit erstreben. Der Arbeitsnachweis der Berliner^ Logen hat in der Zeit von 1896 bis 1911 40 995 Personen Arbeit vermittelt. Aehnlich wirken die in vielen Städten, . so Berlin, Breslau, Frankfurt a. M., Hamburg, Köln, Mannheim, Nürnberg, Posen geschaffenen B r o ck e n f a m m - l ung e n. Besondere Erwähnung verdienen die planmäßigen Bestrebungen der letzten Zeit zur Bekämpfung des Wanderbettels durch organisierte Fürsorge für Wanderarme und die Arbeiterkolonie in Weißenfee, ins Leben gerufen vom Deutsch- Israelitischen Gemeindebund, die seit ihrem Bestehen über 5000 Kolonisten beherbergt hat. Im zweiten besonderen Teil wird das ganze menschliche Leben von der frühesten Jugend bis ins späte Alter unter dem Gesichtswinkel der sozialen Fürsorge behandelt. Die Fürsorgetätigkeit setzt bereits bei der frühesten Jugend ein. In einzelnen Großstädten wie Köln und Frankfurt sind Säuglingsfürsorge st eilen errichtet, in Frankfurt a. M. auch eine Säuglingsmilchküche, die im Jahre 1911 263 Säuglinge versorgt hat. Für die Heranwachsende Jugend sind Kinderstuben, Kindergärten, Kinderheime eingerichtet, lauter Anstalten, die in der Erziehung und Pflege des Kindes dem Elternhaus helfend zur Seite stehen. Zahlreiche Vereine in großen und mittleren Städten, namentlich von den Logen ins Leben gerufen, sorgen für Ferienkolonien der Schulkinder. Eine Anzahl der Vereine besitzt eigene Heime in Elmen, Misdroy, Hirschberg usw. Eine besonders hervorragende Entwicklung haben die Berliner Ferienkolonien genommen. Die Berliner Logen gründeten 1884 die erste Kolonie für zwölf Kinder, heute sind bereits sieben eigene Kolonien vorhanden. Für kranke und hilfsbedürftige Kinder sind in großer Anzahl Kinder heil st ätten und Genesungsheime eröffnet worden. Genannt seien die Kindererholungsheime in Zoppot und Norderney und die Heilstätten in Jastrzemb, in Nauheim, in Kifsingen, die 1905 mit 72 Kindern ihre Tätigkeit begannen und 1912 bereits die Zahl von 1200 erreichten. Zur Fürsorge für kranke Kinder gesellt sich die Fürsorge für taubstumme, blinde und schwachsinnige Kin- : der. Hier seien erwähnt der „Verein für Jüdische Taubstumme in Deutschland", gegründet 1903, der seit 1912 ein eigenes Heim besitzt, das 23 Insassen hat, ferner der Verein der „Freunde der Taubstummen", der 1890 die israelitische Taubstummenanstalt in Weißensee bei Berlin erbaut hat; gegen- ' wärtig zählt sie 50 Zöglinge. Für Blinde existiert in Steglitz seit 1910 eine Blindenanstalt, für geistig zurückgebliebene Kinder die israelitische Erziehungsanstalt in Beelitz, gegründet im Jahre 1906 vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebund gemeinsam mit der Großloge für Deutschland. Besonders viel wird für die Waifenpslege geleistet. In den letzten 25 Jahren sind dreizehn neue Waifenanstalten für insgesamt 295 Zöglinge zu den bereits bestehenden 23 Anstalten -hinzugekommen. 1911 waren 730 Kinder in Waisenpflege; die Ausgaben hierfür betrugen 738 000 Mark. Für sittlich gefährdete und verkommene männliche Kinder existiert ein Fürsorgeheim in Repzin, gegründet 1901 (vom Deutsch-^ Israelitischen Gemeindebund), für weibliche in Plötzensee seit 1903. Eine der wichtigsten Aufgaben innerhalb des jüdischen Gemeindewefens war von jeher, der Jugend eine gediegene Ausbildung zuteil werden zu lassen. Während des abgelaufenen Vierteljahrhunderts sind zahlreiche allgemeine Stiftungen für Bildungszwecke errichtet worden. Soweit sich ermitteln ließ, ist das Vermögen der Stiftungen, welche diesem Zweck dienen, um zirka VÄ Millionen Mark gewachsen. Zur Ausbildung der Jugend im Handlverk und Landwirtschaft sind im letzten Vierteljahrhundert entstanden Erziehungsheime in Pankow, Köln, Karlsruhe. Für die Erziehung zur Landwirtschaft sorgt namentlich die Anstalt in Ahlem bei -Hannover, über deren Entstehen und Leistungen ausführlich berichtet wurde. Auch der beruflichen Ausbildung der Mädchen wird in den letzten Jahrzehnten erhöhte Sorgfalt zugewendet. Es entstehen immer zahlreichere Vereine und Stiftungen, welche die Ausbildung von Mädchen der unbemittelten Volksklassen für die Hauswirtschaft und den Dienstbotenberus erstreben. Solche Mädchenstiste und Heime bestehen in Frankfurt a. M., Pankow, Posen, Hamburg, Hannover, Nürnberg. Die Fürsorge für Erwachsene ist älteren Datums. Auch auf diesem Gebiet hat sich im letzten Jahrhundert eine erfreuliche Entwicklung vollzogen, namentlich in der Fürsorge für Kranke. Es entstanden neue jüdische Krankenhäuser in Berlin, Posen, Frankfurt a. M., Gailingen, München. Eine Reihe von Spezialanstalten wurde für bestimmte Krankheitsgruppen gegründet. Neu entstanden sind das Kurhospital für arme Israeliten in Kissingen, Salzbrunn, Neuenahr, Ems. Auch Genesungsheime sind ins Leben gerufen worden. Eine besondere Ausgestaltung erfuhr das Institut der jüdischen Krankenpflegerinnen. Elf Vereine zur Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen besitzen ein Heim mit insgesamt 190 Schwestern. Die Krankenpflegevereine sind zusammengeschlossen zu einem „Deutschen Verband Jüdischer Krankenpflegerinnenvereine in Berlin". Ditz. Fürsorge für das Alter kommt vor allem zum Ausdruck in der Begründung von Altersversorgungsanstalten, Siechenhäusern oder Hospitälern. Bis 1888 bestanden fünfzehn Altersversorgungsanstalten mit einer Jnsasfenzahl von 1246 Personen, nach 1888 sind achtzehn derartige neue Anstalten hinzugekommen. Dies bildet nur einen kurzen Auszug aus dem reichen Inhalte der Timendorfschen Arbeit. Denselben Gegenstand behandelt ein Aufsatz von Dr. med. W. Hanauer, Frankfurt a. M., welcher in der nächsten Nummer der „Zeitschrift für Staatswissenschasten" erscheint. Der Antilemit. y Roman von Ernst Theodor Justi. XIX. h. Miß Smith. Wir müssen übrigens den unbekannten Erben einen Kurator bestellen. Wen nehmen wir?" „Da kein Rechtsanwalt in Mondenstein ansässig ist, hat Herr Rat Rauher in der Regel mich oder den Aktuar Lange zum Kurator bestellt. " „Ganz gut, also Sie. Wissen Sie übrigens etwas von den Nachkommen des verstorbenen Sohnes?"

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