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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-11-07 · Heft 45 (7.11.1913) · p. Seite 536

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 45 (7.11.1913)
Date
1913-11-07
Page
Seite 536 (sequence 8)
Language
German
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586 vorkommenden Dokumente, der dem Versicherungswesen die Policen usw. - Aber wie jede Medaille auch ihre Rückseite hat, so bezeichnet die Ernennung zugleich einen empfindlichen Verlust für die Akademie insbesondere, für die Stadt Amsterdam im allgemeinen. Nur ungern wird man den tüchtigen, hilfsbereiten .Hochlehrer abtreten müssen, den Mann, der als sichtbares Zeichen einer breiten Auffassung seines Amtes nicht allein in seinen gewöhnlichen Kollegien, also im begrenzten Kreise, anderen seine Kenntnisse zuteil werden lieft, sondern auchj-durch die früheren regelmäßigen Aulavorträge und späterhin durch seine Kurse in dem Ver- .eine für fortgesetzten Handelsunterricht zahlreiche Zuhörer sich zu verpflichten wußte. Ihm als Mann der Praxis — vor seiner Ernennung zum Hochschullehrer war er als Advokat und Direktor einer Feuerversicherungsgesellschaft in der Hauptstadt wirksam-— gewannen auch die täglichen Sorgen der Hauptstadt stets Interesse ab. Vor seiner Ernennung zum Hochschullehrer war er Mitglied des Gemeinderates, während die provinzialen Staaten von Nordholland ihn schon seit vielen Jahren zu ihren Mitgliedern zählen. Ebensowenig darf hier unerwähnt bleiben, das durch ihn seit Jahren ausgeübte Sekretariat des Aufsichtsrates der Königlichen Paketsahrtgesellschaft, der mächtigen und für unsere Kolonien so segensreichen Unternehmung. . Amsterdam sieht deshalb schweren Herzens einen seiner ausgezeichneten Bürger fortgehen." IüLilchk Mohlkshrtspklegk in Deutschland. Von Dr. Jacob S eg all, Berlin. ie jüdische Wohlfahrtspflege ist bis jetzt von der Wissenschaft wenig beachtet worden. Außer einem Aufsatz von Breslauer „Die jüdische Wohltätigkeit und Wohlfahrtspflege in Deutschland" (Archiv für Volkswohlfahrt 1908, Seite 97)' lag bis vor kurzem keine zusammenfassende Bearbeitung dieses wichtigen Gebietes vor. Um so dankbarer ist daher eine Arbeit des Großlogenpräsidenten Geheimen Justizrät Berthold Tim endorfer, Berlin, über die „Jüdische Wohlfahrtspflege" zu begrüßen, welche in dem großen Sammelwerk „S o z i a l e K u l t u r u n d V o l k s w v h l f a h r t", das anläßlich des Regierungsjubiläums des Kaisers Wilhelm II. vor einigen Wochen erschienen ist, veröffentlicht wurde. In diesem Werke sind der Darstellung der jüdischen Wohlfahrtspflege, wie sie sich während der ersten 25 Regierungsjahre des Kaisers entwickelt hat, nicht mehr als fünf Seiten eingeräumt worden. Es ist drher selbstverständlich, daß nur in großen Zügen das so weit verzweigte und reichhaltige Gebiet geschildert werden könnt». Es ist aber dem Verfasser gelungen, die typischen Züge ln allgemeinen und speziellen Fürforgekätigkeit herauszuarbeiten und eine annähernde Vorstellung von dem zu verschaffen, was die jüdische Charitas leistet. Das große Verdienst der Arbeit liegt darin, daß in aller Öffentlichkeit, in einem offiziellen Werke neben der evangelischen und katholischen Wohlfahrtspflege auch die jüdische eine Bearbeitung gefunden hat. Als Grundlage diente eine ungeheuere Fülle von Material, das von den einzelnen jüdischen Gemeinden und Vereinen in Deutschland denr Großpräsidenten in der entgegenkommendsten Weise zur Verfügung gestellt wurde. Leider konnte nur ein Bruchteil des interessanten Stoffs in dem Aufsatz zur Verarbeitung gelangen. Um aber das wertvolle Material der Allgemeinheit zugänglich zu machen, hat die Großloge beschlossen, durch das Bureau f ü r Statistik der Juden ein Werk über die Wohlfahrtspflege der Juden in Deutschland ausarbeiten zu lassen, das in erschöpfender Weise die gesamte soziale Tätigkeit der jüdischen Gemeinden, Vereine, Stiftungen und Anstalten in Deutschland behandeln und auch einen kurzen geschichtlichen Ueberblick über die Entwicklung der Wohlfahrtspflege im Altertum und Mittelalter, namentlich über das jüdische Armenrecht, enthalten wird. Voraussichtlich wird die Schrift noch in diesem Jahre fertiggestellt werden. Der Aufsatz von T i m e n d o r - f e r zerfällt in zwei deutlich sich voneinander abhebende Teile. In dem e r st e n Teile werden die Träger der Armenpflege behandelt, die jüdischen Gemeinden, Stiftungen und Vereine und ihre Leistungen kurz dargestellt. Der Armenetat in den jüdischen Gemeinden, namentlich in den Großgemeinden, ist in den letzten 25 Jahren außerordentlich gestiegen,. Die Berliner Gemeinde hat ihren Zuschuß zur Armenkommission von 40 000 Mark" auf 126 000 Mark erhöht In Bresla u ist der Armenetar von 28 755 Mark auf 48 943 Mark gestiegen. Fast in. jeder Gemeinde gibt es V e r e i n e, die sich die Ausübung der Nächstenliebe zum Gegenstand ihrer Tätigkeit gesetzt haben, so Brüderschaften, Frauenvereine, insbesondere Armen- und Wohltätigkeitsvereine und Armenkassen. Für 240 solcher Vereine konnte ermittelt werden, daß ihr Vermögen von -993 000 Mark auf 2 442 000 Mark gestiegen ist. Noch erheblich größer war die Vermehrung der Stiftungen für allgemeine Wohlfahrtspflege. In Aachen, Darmstadt, Danzig, Kassel, Leipzig, München, Fürth, Glogau wurden während der letzten 25 Jahre 63 Stiftungen mit einem Stiftungsvermögen von 2 200 000 Mark errichtet. Die Berliner Gemeinde besitzt für die ihr vermachten Stiftungen eine eigene Kommission. Die von ihr verwalteten Stiftungen haben einen Zuwachs von 3^ Millionen erfahren. Besonders zu erwähnen ist die im . Jahre 1903 in D e s s a u errichtete Baronin-Cohn-Oppenheim- Stiftung der Israelitischen Kultusgemeinde in Dessau mit einem Kapital von fast 5)^ Millionen Mark zum Zwecke allgemeiner Liebe und Fürsorge. Prof. Mr. D. Iosephus Iitta.

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