Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1913)
- Date
- 1913-10-31
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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Glaubensbekenntnisfe. . In der. erst / vorkurzem , -eingeweihten neuen' jüdischen Leichenhalle,, die kaum den-.vierten Teil der Leidtragenden zu fassen vermochte, fand eine tief-eindrucksvolle Feier statt. . .Stimmungsvoll leitete Kantor Caro sie durch liturgischen Gesang ein. Dann nahm Rabbiner Dr.- Olitzki das Wort Zu seiner ergreifenden Trauerrede. Er Zeichnete ein Bild des Entschlafenen als Mensch und als Arzt; er schilderte seine Kenntnisse, seine Erfahrungen und seine Herzensgute, die ihn trieb, jedem Leidenden zu Helsen — nicht nur als Arzt, sondern auch als Menschenfreund. Er schilderte des Verblichenen öffentliche Wirksamkeit, die sich mcht-nurerstreckte auf das jüdische Gemeindeleben in Allenstein und ganz Ostpreußen, nicht nur aus Organisationen seines Standes und auf seine Mitarbeit in den städtischen Körperschaften der. Stadt Allenstein, sondern die überall sich betätigte aus dem Gebiete der Humanität und der-Wohlfahrtspflege. An sich selbst dachte er niemals, er arbeitete stets nur selbstlos für andere. Der alle Herzen berührenden Trauerrede folgte vierstimmiger Chorgesang. Unter der Leitung des Rektors Nöer th eck sang der Chor „Vater Allerbarmer". Hieran schlossen sich zahlreiche Ansprachen. Rechtsanwalt Cohn-Allenstein sprach für die Ostpreußische Loge Bne brith. Dr: med. Artur H i l l e r - Königsberg brachte am Sarge den Dank und den Abschiedsgruß der Kant-Loge in Königsberg und der Libanon- Loge in Insterburg zum Ausdruck. Prediger Sturmann- Osterode widmete dem Verewigten im Namen des Vereins jüdischer Religionslehrer Ostpreußens einen Nachruf. Regierungs-, und Medizinalrat Dr. S o l b r i g - Königsberg überbrachte den letzten Gruß des ostprenßischen ProvinZialverbandes' 'und der Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz. Stadtrat O Eich'elbackm-Insterburg sprach für den Verband der HhnatzdgenNWnbeü'Dstpreußens. Stadtrat Professor Dr. L a s s a r - C ohn -'Königsberg'- hielt"für die Synagogengemeinde Königsberg und 'für das-israelitische Provinzialwaisenhaus einen Nachruf, in dem et 'mit besönderer Wärme der Verdienste um die Jugendpflege gedachte. Er betonte; wi'e der Entschlafene frühzeitig erkannt habe, daß die Zukunft des Judentums in einer ernsten Erziehung seiner Jugend liege. 'Als letzter Redner sprach Waisenhausdirektor P e r i tz'-Königsberg für den deutsch-israelitischen Gemeindebund in Berlin und für die Pensionskasse der jüdischen Geckneindebeamten Ostpreußens.' Während der Chor sang: „Es ist bestiinmt in Gottes Rat", wurde der Sarg aus der Leichenhalle nach dem Friedhof hinausgetragen. Hier an der Gruft, zu deren -Seiten die Stadtfahne und die Fahne des Kriegervereins' aufgestellt waren, sprach Rabbiner Dr. Olitzki ein deutsches Gebet, worauf ein von Kantor C a r o vorgetragenes liturgisches .Gebet die' .Trauerfeier schloß. D Nertrnark (Westpr.), 22. Oktober. Bei der kürzlich hier stattgefundenen Revision der städtischen Volksschulen durch den Königlichen Negierungs- und Schulrat aus Marienwerder wurde dem an der hiesigen evangelischen Volksstlpile angcstellten jüdischen Lehrer Asch von dem Herrn Schulrat, nachdem er sich über dessen Unterricht sehr lobend ausgesprochen hatte, eröffnet, daß er einer ministeriellen Anweisung zufolge, den Unterricht in Geschichte und Deutsch nicht mehr erteilen dürfe. Herr Lehrer Asch wirkt hier seit 27 Jahren als jüdischer . Lehrer an der evangelischen Volksschule, ist ebensolange als . Religionslehrer am Königlichen Gymnasium und an den höheren Mädchenschulen tätig; er erfreut sich der höchsten Achtung bei seinen Behörden, Kollegen und Mitbürgern und großer Beliebtheit bei den Schülern, die mit -wahrer Verehrung an ihm hängen. Außerdem ist er langjähriger Vorsitzender' des Turnvereins, langjähriger Schriftführer des Kriegervereins und vieler anderer patriotischer Vereine, aber den Unterricht in Geschichte lind Deutsch darf er auf Anordnung des Ministers nichtmehr erteilen! Wir haben's doch herrlich weit bei uns in Preußen gebracht. W. Posen, 23, Oktober. Die hiesige Synagogengemeinde beging den Gedenktag des 18. Oktober in folgender Weise: In der Synagoge A hielt Herr Rabbiner B.l u m die Festpredigt . Redner feierte unseren. Landesvater als einen treu bewährten Friedensfürsten und schloß mit einem- Gebet für Kaiser und Reich. Herr Oberkantor Leib o w i tz trug die diesbezüglichen Psalmen in erhebender Weise vor. In Synagoge B wurde die Feier mit einem Präludium eingeleitet. Es folgte sodann der Gesang des Herrn. Oberkantors Li li en th a l: Psalm 21, Kontrapunktische Verarbeitung der preußischen. Nationalhymne. Nachdem betrat Herr Rabbiner Professor Dr. B l och die Kanzel, gab einen historischen Ueberblick über die Geschehnisse aus der Aera Napoleons, wie die Zustände der alten,Zeit reinigend und bis zu einem gewissen Grade befreiend gewirkt haben und die große Schlacht bei . Leipzig den Wendepunkt des Schicksals für das deutsche Volk hervorgebrächt hat. Frau Berggruen sang in -wohlbekannter Weise: „Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem." Mit dem üblichen Kaisergebet und Mussaf.schloß die Feier.-— Die Gebrüder S ch a ch n o Hierselbst stifteten zum Andenken'an'ihre Eltern der Anstaltsshnago'ge der Israelitischen Waisenknabenanstalt eine prachtvoll weißseidene Schulchandecke. — Der Großkaufmann Bernhard S e k o l o w sik i, Mitinhaber der Firma Julius Sekolowski, der viele Jalsie hindurch hier tätig gewesen und seinen Wohnsitz nach Berlin verlegt hatte, ist dort, 56 Jahre alt, im Beisein seiner Gattin von einem Automobil überfahren und getötet worden. Der Verstorbene war in den weitesten Kreisen der Kaufmannschaft und' auch im öffentlichen Leben sehr geschätzt. — Am vergangenen Sonnabend feierte Herr Julius S ch w a r z, Mitglied des Vorstandes des „Vereins der liebenden Brüder", O n s ch e i C h e s s e d', sein' fünsundzwanzigjähriges .Amtsjubiläum. Die Hauptseier fand in der Synagoge statt. Der Vorsitzende, Herr Max Ehren w er t, hielt die Festansprache und feierte den Jubilar als einen der Besten im Vorstande. Das Kollegium spendete eine silberne Etrogbüchs.e nebst Podium und ein Gesamtbild der Vorstandsmitglieder. — Herr Louis G las e r feierte sein fünsundzwanzigjähriges Jubiläum als Vorstandsmitglied des Provinzialvereins Posener Destillateure, dessen zweiter Vorsitzender er seit einer Reihe ' von Jahren ist. In dieser Eigenschast- und als ständiger gerichtlich vereidigter Sachverständiger für den Regierungsbezirk Posen hat der Jubilar, den seine Berufsgenossen als einen sehr erfahrenen und. immer hilfsbereiten Fachmann schätzen, dem Gewerbe sehr hervorragende Dienste geleistet. Der Vorstand verehrte dem Jubilar ein großes Bild des Rathauses mit einem prachtvollen Nahmen. Herr- Glaser ist auch als Wohltäter der Armen bekannt. — S. I.. Hohensälza, 22. Oktober. Vor kurzer Zeck starb hier der. Rentier Moritz D o b r z y n s k i im Alter von 91 Jahren. Mit ihm ist eine seltene Persönlichkeit in unserer Stadt und. Gemeinde dahingegangen. Der. Verstorbene war ein wahrhaft vornehmer Mensch, von edlen Geistes- und Herzensgaben. Als tüchtiger Forscher duf dem Gebiete des Thorasirrdimns gab er seiner Umgebung ein Vorbild, ’ jüdisches Wissen und jüdische Weise sich anzueignen und war so ein „Lehrer" seiner Tage. Aber auch in Herzensgüte und praktischer Wohltätigkeit war er ein. Muster seiner Gemeinde. Mit wahrer Liebe Und Aufrichtigkeck war er für das Heil und Wohl seiner Mitmenschen, besorgt, gab, wo es nötig war, und entzog seine offene Hand keinem Armen und Elenden, so daß inan ihn'mit vollstem Rechte einen „Vater der Armen" nennen konnte. Von"'der großen Liebe, deren sich der verblichene Greis in allen.. Ständen unserer Bevölkerung und weit darüber hinaus erfreute, gab die imposante Menschenmasse Kunde, die diesem Manne das letzte Geleit gab. Herr Gemeinderabbiner Dr. Kohn hielt die Grabrede, darauf bettete inan den Patriarchen der Gemeinde in die kühle Erde. Möge sie ihm leicht werden!-' ' 2/D. Bad Ems, 22. Oktober. Wie aus dem soeben erschienenen sechzehnten Jahresbericht, zu ersehen ist, hat das Jahr 1912/13 bei dem israelitischen Zentral-Waisen- .und Müdchenheim in Bad Ems einen ruhigen, ungestörten Verlauf genommen. Von keinerlei Hemmungen und äußeren EinwiÄvNgen beeinflußt, konnte es auf dem einmal-betretenen Wege stetigckv eitergehen und mit ungeteilter. Sorgfalt das ihm gesteckte Ziel im Auge behalten. Die Zahl der Zöglinge während des Berichtsjahres war durchschnittlich 30. Die durch Entlassung freigewordenen Plätze wurden jedesmal baldigst wieder besetzt. In das neue, mit dem 1. April 1913 beginnende Jahr nahm es 26 Zöglinge hinüber, inzwischen ist jedoch die Zahl wieder aus 31 ergänzt. Den Volksschulunterricht erhalten die. Zöglinge in der städtischen Volksschule, nur ein Mädchen besucht die hiesige höhere Mädchenschule. Der Religionsunterricht wird im Hanse erteilt, ebenso Handarbeits- und Nähunterricht. In allen Unterrichtsfächern bekunden die Zöglinge, das beweisen die Zeugnisse, regen Eifer und emsigen Fleiß. Mit der ernsten A.rbeit und treuen Pflichterfüllung wechselten muntere Spiele auf dem schönen Spielplatz der Anstalt und während der Ferien größere und kleinere Spaziergänge in die Umgegend von Bad Ems -ab. Der .Gesundheitszustand, der Zöglinge war ein durchaus guter. Im Lause des Jahres wurden sechs Zöglinge ent-, lassen. Die Fürsorge für die Zöglinge ist mit dem Austritt, derselben aus her'Anstalt keineswegs zu Ende. Diese steht ihnen jederzeit mit