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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-10-31 · Heft 44 (31.10.1913) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 44 (31.10.1913)
Date
1913-10-31
Page
– (sequence 13)
Language
German
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77. Jahrgang Nr. 44 Berlin, 31. Oktober 1913 Der Oemrtndebote. Vellage zur „Allgemeinen Leitung deF Judentums". Sorrrlpmrdrnrm und Nachrichten. Deutschland. Berlin, 28. Oktober. Unter den größten Ehrungen ist anl Sonntag, den 26. d. M., nachmittag auf dem alten jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee der im Alter von 65 Jahren nach längerem schweren Leiden einem Herzschlag erlegene Geheime Kommerzienrat Ludwig Max G o ld berg e r zur ewigen Ruhe bestattet worden. Der Beisetzung ging eine Trailerfeier im Heiin des Verstorbenen in der Drakestraße vorauf. Nebeil den zahlreichen Vertretern der verschiedenen Reichslind . Staatsbehörden waren Abordnungen gemeinnütziger, wissenschaftlicher, gewerblicher Vereinigilngen in überreicher Zahl erschienen. Das in eine förmliche Tranerkapelle umgewa adelte, mit feinem künstlerischen Geschmack ausgestattete Heim vermochte kaum die Fülle der Kränze, iveit über 800, zu bergen. Neben dem mit den Initialen des Kaisers geschmückten Kranze, den Geheimrat Grimm überbrachte, sah man die Kränze vom Auswärtigen Amt. Reichsamt des Innern, Reichskolonialamt, von der Ständigen Ausstellungskonunission, voll dem Generalkommissar und der Geschäftsführung der Baltischen Ausstellung 1914, von der Handelskammer zu Berlin, von der Zentralstelle für Vorbereitung von Handelsverträgen, Verein Berliner Knnsleute und Industrieller irnd Zentralausschuß Berliner kaufwämüscher, gewerblicher uild indllstrieller Vereine, Zentralverband deutscher Industrieller, Bund der Industriellen, Verein zur Wahruilg der Interessen der chemischen Industrie Deutschlands, Verein deutscher Motorfahrzellgindustrieller, vom Kaiserlichen Automobilklub, Deutsch- Argentinischen Zentralverband, von der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums u. v. a. Neben den Prachtvollen Kränzen naher ^Anverwandter bemerkte man kostbare Blumenarrangements bekannter Privatpersonen lvie Exzellenz Herz, Exzellenz Professor Ehrlich, Generaldirektor B a l l i n. Das Trauerhaus, in dem schon am Morgen zahlreiche telegraphische Beileidskundgebungen eintrafen, so von dem König Gustav von Schweden, dom Herzog Adolf Friedrich, Gouverneur von Togo, dem Meiningischen Herzogspaar, war in der Ätittagsstunde dicht gefüllt von denen, die gekommen waren, um dem Entschlafenen die letzte Ehre zu erweisen und der Witwe, lieben der man die Verwandten Dr. James S i m v n und Geheimrat Dr. Eduard Simon sah, ihre Teilnahme auszudrücken. Man sah in der Trauergemeinde uilter anderen: Minister Dr. S h d o w, Oberbürgermeister Mermuth mit Gemahlin, Bürgermeister Dr. Reicke mit nlohreren Stadträten und Stadtverordneten, Reichstagspräsident Dr. Kaempf, Ministerialdirektor Gleim, Exzellenz v. Koerner, Unterstaatssekretär Dr. Richter, Ministerialdirektor Lewald, Exzellenz v. N o b e, Präsidenten Robolsky, Oberstallmeister Exzellenz v. Reischach, Generalmajor v. Gontard, den schweizerischen Gesandten de Claparede, den portugiesischen Gesandten de Paes, Legationsrat v. Keller, Konteradmiral Namsold, Gras Sierstorpf, Generalleutnant v. Rieß. Vertreter von Handel und Industrie: Geheimrat v. Borsig, Dr. James v. Bl eich r öd er, Generalkonsul Eugen L a n d a u , Geheimrat Fromberg, Kommerzienrat Bamberg, Direktor W. Sobernheim, Gcheimrat Timendorfer als Vertreter der Berliner Logen U. O. B. B., Geheimrat Guttmann, Geheimrat Ko- Pitzki, Aron Hirsch, Direktor Stern, Direktor Blum, Kommerzienrat Leopold Friedmann, Geheimrat Dr. v. Martins und andere; von Männern der Kunst und Wissenschaft: Generalstabsarzt Professor Dr. v. Schjerning, Geheimrat Professor Dr. Witt, Professor Dr. Baum, Professor Paszkowski, die Professoren Fränkel, Doepler, Liebermann, Professor Klein-Ehevalier, Professor Dr. Rießer, Präsident des Hansabundes, Geheimrat Dr. Paul Lindau, Geheimrat Lautenburg, ferner noch Geheimrat Rathenau, Moritz Manheimer, den gesamten Vorstand und viele Repräsentanten der jüdischen Gemeinde, das Kuratorium und die Dozenten der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Leises Harmoniumspiel leitete die Trauerfeier ein. Nach dem „Largo" von Händel, das Frau Marie Götze vortrug, hielt Rabbiner Dr. Weiße die Gedenkrede: „Der Entschlafene hat durch sein ganzes Leben die Mahnung in den Sprüchen der Väter „Liebe die Arbeit" vollauf verwirklicht. Es gehörte ein hohes Maß von Selbstentsagung, aus die Behaglichkeit eines genießenden Lebens zu verzichten, dazu, um sich ganz in den Dienst gemeinnütziger Wirksamkeit zu stellen. Peinliche Gewissenhaftigkeit, rastloser Fleiß, eine hohe Begabung als Organisator zeichneten ihn aus. Unter seiner energischen Herbheit verbarg sich ein weiches Gemüt, ein tiefes Mitempfinden, das ihn zu stetem stillen Wohltnn trieb." Mit Trostworten für die Witwe, die treue verständnisvolle Gefährtin des Entschlafenen, schloß des Rabbiners Ansprache. Landrat a. D. Rötgcr ergriff alsdann das Wort. Er gedachte der Verdienste Goldbergers um die Ständige Ausstellungskommission. Mit der ihm eigenen Glut leidenschaftlicher Liebe hat er diese seine Schöpfung großzügig geführt, großzügig und willensstark. Bis zuletzt, als schon der Körper zu versagen drohte, hat er sein Herzblut daran gesetzt. Das wollen wir, die wir das Glück hatten, ihm noch bei den Vorbereitungen zu der Mitte dieses Monats abgehaltenen Vorstandssitzung unserer Kommission zu helfen, au seiner Bahre freudig bezeugen. Es war, als wenn der starke Geist den schwach werdenden Körper zusammenhielt, so lange es nottat. Er hat gelebt und ist gestorben nach dem alten klassischen Worte: „Im Dienste des Vaterlandes verzehre ich mich." Das werden ihm Deutschlands Industrie und Handel nie vergessen.. Geheimrat Professor Är. B u s l e h, der Nachfolger Goldbergers im Präsidium der Ständigen Ansstellungskommission, gedachte als Freund des Freundes, der nur wenigen sein Inneres erschloß, sie das Kristall edler Menschlichkeit schauen ließ. Nachdem sodann Rabbiner Dr. Weiße ein hebräisches Gebet gesprochen hatte, ertönte noch einmal Frau Götzes Stimme, Schuberts „Litanei": „Ruih'n in Frieden alle Seelen". Dann wurde der Sarg hinausgetragen, und alsbald setzte sich der Zug zum jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee in Bewegung. Dort, an der Seite seiner Eltern, ruht Ludwig Max Goldberger nun von seinem tatenvollen Leben aus. — Der Kaiser hat an die Witwe des verstorbenen Geheimen Kommerzienrats Goldberger folgendes Beileidstelegramm gesandt: „Neues Palais, 22. Oktober. Empfangen Sie, verohrteste Frau, den Ausdruck meiner herzlichen Teilnahme bei dein Heimgang Ihres von mir so geschätzten Gemahls. Sein Tod ist ein Verlust für unsere Haudelswelt. Wilhelm I. II." Der Reichskanzler hat an Frau 'Geheiinrat Goldberger folgendes Beileidstelegramm gerichtet: Anläßlich des Ablebens Ihres von mir hochverehrten Herrn Gemahls, dessen große Verdienste ich erst kürzlich anläßlich seines Ausscheidens aus der Ständigen Ausstellnngskommission anerkannt habe, spreche ich Ihnen mein herzlichstes Beileid ans. Möge Sie Gott in Ihrem tiefen Schulerze trösten, v. Bethmann Hollweg, Reichskanzler. <if*> Berlin, 28. Oktober. Vom 19. bis 22. d. M. fand in der K r a n k e n p f l e g e s ch u l e des Krankenhauses der j ü bischen G e m e i n d e die staatliche Prüfung von elf dem „V e r e i n für jüdische K r a n k e n p f l e g e r i n n e n zu Berlin" angehörigen Lehrschwestern statt. Von diesen bestanden vier die Prüfung mit dem Prädikat Sehr gut, sechs mit Gut, eine Schülerin erhielt hgs Prädikat Genügend. Die Prüfung fand durch den. staatlichen Kommissar Herrn Geheimen Medizinalrat Dr. S ch l e g t e n d a l und die ärztlichen Direktoren Herren Professoren D r. Israel und D x. Strauß statt. In den Pslegedienst des im Frühjahr nächsten Jahres zu eröffnenden, neu errichteten Krankenhauses der jüdischen Gemeinde.in der Exerzier- und Schulstraße werden etwa vierzig Schwestern zur Dienstleistung eingestellt werden. Geeignete Mädchen und unabhängige Frauen können sich zur Erlernung der Krankenpflege bei dem Vorstand oder bei der Oberin, Frl. Blau, im Schwesternheim, Auguststr. 17, melden, woselbst jede Auskunft gern erteilt wird. 22 Berlin, 28. Oktober. Die diesjährige Generalversammlung der Allg. Jüdischen Kolonisation Organisation fand am 14. Oktober zu Berlin im Bureau der Organisation unter der Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Alois A. F. M a r - c u s statt. Nach Anhörung des Berichtes der Revisoren, Herren Georg Lachmann und Handelsrichter Bernhard Lilienfeld, erteilte die Versammlung der Leitung der A. I. K. O. Decharge. Aus den Wählen ging der vorjährige Vorstand in unveränderter Zusammensetzung hervor. Hierauf wählte der Vorstand aus seiner Mitte Herrn Geheimen Justizrat Berthold T i m e n dorfer ins P r ä s i d i u m.

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