Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-10-31 · Heft 44 (31.10.1913) · p. Seite 521

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 44 (31.10.1913)
Date
1913-10-31
Page
Seite 521 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3229069-3229114--69876-3282202
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

entsprechend dem jüdischen Charakter des Technikums. 3. Arabisch und Türkisch werden so intensiv getrieben, daß die Schüler mit der eingesessenen Bevölkerung des Orients und den ottvumnischen Behörden in enge bürgerliche und geschäftliche Beziehungen zu treten vermögen. 4. Die naturwissenschaftlich-technischen Unterrichtsgegenstände werden in deutscher Sprache gelehrt, um den Schülern so den Anschluß durch eine der großen Kultursprachen an die wissenschaftliche Entwicklung der modernen Zeit zu vermitteln. 5. Englisch und Französisch werden in den höheren Klassen in einem Umfange betrieben, der den Schülern es ermöglicht, ihr späteres Fortkommen auch in Gebieten leicht zu finden, in denen Englisch und Französisch die herrschenden europäischen Sprachen find. Julius Lpltrin. Dulius Epstein, einer der hervorragendsten Pianisten und der geachtetsten Klavierlehrer Wiens, ist am 14. August 1832 zu Agram in Kroatien geboren. Er erhielt den ersten musikalischen Untervicht im 10. Lebensjahre bei dem Chorleiter seiner Vaterstadt und begab sich 1850 nach Wien, um seine musikalische Ausbildung zu vollenden, und trat 1852 zuerst in die Oesfentlichkeit. Dem „Musikalischen Konversations-Lexikon" von H. Mendel, Bd. 3,.S. 403, sei folgendes entnommen: „Seitdem hat er sich Jahr für Jahr, teils durch selbständig gegebene Konzerte, teils durch Mitwirkung in denen an- . derer zum erklärten Liebling des Publikums und der sämtlichen Pianisten Wiens emporgeschwungen. Nicht allein seine sehr bedeutende Technik, welche namentlich in Zartheit und Abrundung, in Klarheit der Details (z. B. im außerordentlich gleichmäßigen Triller) dominiert, hat dies zuwege gebracht, sondern auch die liebevolle Sorgfalt, welche Epstein aus das schwierigste wie auf das einfachste von Virtuosen oft mit Unrecht verschmähte Tonstück verwendet und die Pietät, mit welcher er es sich angelegen sein läßt, das mit Unrecht Vergessene wieder aus dem Staube hervorzuziehen. Auch in pädagogischer Hinsicht erwarb ev sich einen vorzüglichen Nils, dem er es mit verdankte, daß er 1867 zum Professor am Konversatorium zu Wien ernannt wurde, in welchem er viele Jahre mit Hingebung, Treue und der ihm in besonderem Maße eigenen Liebenswürdigkeit und Bescheidenheit segensreich wirkte." — Wir wünschen dem hochverdienten Manu, der im vergangenen Jahre feinen 80. Geburtstag unter vielen Ehrenbezeugungen seiner Freunde, Schüler und Bewunderer feiern konnte, dem Manne, der seinem väterlichen Glauben stets treu blieb, einen reichgesegneten Lebensabend.. L. G. lkinr Schändung drs Völkrerlchlschtkeltes. Bon Ludwig Geiger. ie großartigen Feste, die am 18. und 19. Oktober in Leipzig gefeiert worden sind zum ehrenden Andenken an die Völkerschlacht vom 18. Oktober 1813, sind leider nicht ohne Mißklang vorübergegangen. Nicht, daß in den Reden und bei der Feier selbst Worte erklungen wären, die unser, der Juden, Empfinden verletzt hätten. Wohl aber ist, wie uns ein gelegentlicher Korrespondent aus Leipzig berichtet, aus den Straßen und Plätzen eine „Festzeitung" verkauft worden — von der unser Korrespondent uns ein Exemplar übersandte — und der Verkauf dieses Blättchens ist unbeanstandet geschehen, obgleich man sich an die Polizei gewendet hatte, um ihn zu inhibieren. Diese „Festzeitung", welche die Festvrdnung nebst einer Abbildung enthielt, bringt als Hauptteil einen „Aufruf an mein Volk" von Heinrich Pudor. Dieser Artikel darf nicht ohne Zurückweisung bleiben. Nachdem der Verfasser nämlich ziemlich kurz von den Großtaten des Jahres 1813 erzählt hat, spricht er von dem „Fremdgeist", der „zersetzend und zerstörend auf den Volkskörper wirkt". Er gibt dem Kaiser schuld, diesen Fremdgeist nicht ganz zu verstehen, sonst „würde er wohl die Juden nicht bis an den Thron und bis an seinen Tisch heranlassen." Und nun geht das Geschimpfe los. Der Verfasser führt Stellen aus dem Kol-nidre-Gebete an, um Zu beweisen, daß die Juden alle Schwüre nach Gefallen aufheben, und eine Stelle aus dem Schulchan-Aruch, um zu erhärten, daß ein Jude falsch schwören dürfe. Er spricht von dem Ritualmordprozeß in Kiew und erklärt, daß die Juden, die eine so grausame Schächtmethode befolgen, wohl auch imstande seien, Ritualmorde zu begehen, und schreibt dann wörtlich: „1813 die französische Fremdherrschaft abgeschüttelt. 1913 der Thron von Juden umstellt." „1813 die Völkerschlacht geschlagen. 1913 die Juden Ballin und Rathenau an der Spitze des deutschen Wirtschaftslebens." Er gibt ein Zerrbild von der Judenherrschaft in Deutschland und sagt mit dürren Worten, daß der überall ertönende Gesang „O Herr mach uns frei" nur bedeuten könne und solle, daß er uns von Juden freimachen solle. Dann liest der Festartikelschreiber den Deutschen die Leviten, daß sie für die Größe Deutschlands nicht genug tüten, erteilt ihnen die Mahnung, neue Rütlischwüre zu veranstalten. Erst dann hätte man wirklich Grund, Feste zu begehen, und er tritt dem Kaiser selbst entgegen, indem er folgendes niederzuschreiben wagt: „Und Grimm-, Schmach-, Scham- und Schandfeste, daß im Jahre 13 Adlerorden an Judenbonzen und Warenhausmagnaten vergeben werden und der Kaiser — das vergessen wir nicht so schnell — mit Gedächtnistage, da Luther die Thesen an die Schloßkirche in Wittenberg schlug, eine jüdische Synagoge besuchte und sich die Thora ausschlagen ließ, in der es heißt: Wer ein Nichtjude ist, den sollt ihr verderben". Und am Schluß meint er: -Freudenfeste dürften erst gefeiert werden, wenn „die lohenden Flammen in unserem Innern emporsteigen, die Flammen der Empörung Und Zerknirschung über Sklavenjoch und Knechtschaft, in der Hand der verderbtesten Rasse der Erde: der Juden."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.