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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-10-22 · Heft 43 (22.10.1913) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 43 (22.10.1913)
Date
1913-10-22
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 22. Oktober 1913 Der Oemeindebote. 2ßcüage zur „Aklgememcn Leitung dcK Judentums". Korrelpondm?m und Machrichtrn. Deutschland. 22 Berlin, 20. Oktober. Die soeben erschienene Nnurmer 84 der „Mitteilungen" vom Deutsch-Israelitischen Gemeindcbund ist ein stattliches Hest von 130 Seiten. Es enthält an erster Stelle die Einladung Zu dem aus den 7. Dezember 1913 nach Berlin einbernsenen ordentlichen Deutsch-Israelitischen Gemeindetage. Im Zusammenhänge damit steht der an zweiter Stelle der Mitteilungen abgedruckte Entwurf einer Satzung für die Mandats-Prüfungskommission. Wer sich der unerfreulichen Verhandlungen, die die letzten Gemeindetage über bte Gültigkeit der Mandate brachten, erinnert, wird es begrüßen, daß der Ausschuß einstimmig durch eine zunächst noch provisorische Anweisung bestrebt ist, den Gemeindetag von dieser störenden und kaum an einem Tage zu bewältigenden Arbeit zu entlasten. Diese Bestimmungen sind von einer aus den Ausschußmitgliedern: Professor Philippson, Landgerichtsrat Loewe, Justizrat Dr. Salomon, Rabbiner Dr. Nobel, Frankfurt a. M., Rechtsanwalt Dr. Victor, Wandsbek, Gabriel Hirsch, Halberstadt, sel. And., Justizrat Dr. Lewin, Stettin, bestehenden Kornrnission ausgearbeitet und vom Ausschuß einstimmig angenommen worden. In die zwölfgliedrige Mandats-Prüfungskommission sind mit dem Rechte der Zuwahl für den Fall der Behinderung einzelner Mitglieder die Herren Prof. Philippson, Rechtsanwalt Dr. Lamm, Justizrat Makower, Justizrat Dr. Mendel, Justizrat Salomon, Justizrat Feilch'enfeld I, Berlin, Justizrat Dr. Lewin, Stettin, Rechtsanwalt Dr. Kaempfer, Posen, Dr. Emil Hirsch, Halberstadt, Rechtsanwalt Dr. Victor, Wandsbek, Louis Sachs, Berlin und Rechtsanwalt Dr. Kollenscher, Posen, gewählt worden. Ebenso interessant wie instruktiv ist die Zusammenfassung der Hauptergebnisse der vom Gemeindebund bei seinen Bundesgemeinden veranstalteten Rundfragen über das jüdische Volksschulwesen in Deutschland. Noch' nie ist eine Enquete des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes in dem gleichen Umfange beantwortet worden wie diese. Von zirka 1130 Vundesgcmeinden haben 1058 die Fragekarte beantwortet. Es hat sich dabei, wie aus dem Begleitschreiben hervorgeht, nicht um eine Abstimmung über die Stellung der Vorstände zur konfessionellen Volksschule im allgemeinen gehandelt, sondern lediglich um Konstatierung der in jeder einzelnen Gemeinde selbst hinsichtlich der Frage der konfessionellen Volksschule bestehenden Verhältnisse «und um die betreffs etwaiger Neueinrichtungen solcher bestehenden Wünsche und vorhandenen Möglichkeiten. Denn nur wer diese Verhältnisse kennt, ist.in der Lage, sich zu der allgemeinen Frage ein Urteil zu bilden. Die Zusammenstellung enthält zunächst eine geographisch angeordnete Tabelle bezüglich der vorhandenen Volksschulen. Es bestehen in 1130 Bundesgemeinden, die Auskunft erteilt haben, 247 öffentliche oder private jüdische Volksschulen, während in 811 nur Religionsschulen oder Wanderuntervicht existieren. Keine Volksschulen sind vorhanden in Ostpreußen, Brandenburg, Pommern, Schleswig-Holstein, Provinz Sachsen, Königreich Sachsen, Großherzogtum Hessen und Baden. Eine zweite Tabelle bezüglich der Frequenz ergibt, daß von den 247 Volksschulen 32 eine Frequenz bis zu 5 Schülern, 62 eine Frequenz bis 10, 80 eine Frequenz bis 20 und 73 eine Frequenz von mehr als 20 Schülern haben. Die Frage, ob innerhalb des Kreises der Gemeindemitglieder, oder bei den Vorständen solcher Gemeinden, die bisher keine Volksschule besitzen, Wünsche nach einer solchen laut geworden sind, wird von der überwältigenden Mehrheit der befragten Gemeinden mit „nein" beantwortet. Nuv zwei Großgemeinden, Köln, und Straßburg, besitzen jüdische Volksschulen, alle übrigen Großgemeinden verhalten sich gegen die Einrichtung solcher ablehnend. Eingehendere zusammengefaßte Angaben lind noch bezüglich derjenigen Bezirke gemacht worden, in denen Provinzialverbände vorhanden sind. Schließlich enthalten die Mitteilungen noch den Jahresbericht der Deutschen Zentralstelle für jüdische Wanderarmensürsorge und das stenographische Protokoll ihrer letzten Jahresversammlung. 2/D Berlin, 20. Oktober. Von leitender Stelle im Lehrerverband geht uns folgende Erklärung zu: Die Lehrerschaft betrachtet den Verzicht des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes aus Vertretung im Ausschuß des Lehrerverbandes nicht als Kriegserklärung, da dieser Verzicht ihrem Wunsche entspricht. Wenn die kampflustige Stimmung, die der Sitzung des Ausschusses des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes vorn 28. September ihr Gepräge verliehen hat, verflogen ist, dann wird vielleicht auch in Berlin die Neigung zu einer Arbeitsgemeinschaft erwachsen, wie sie der Gemeindebund mit dem Rabbiner- und dem Kantorenverband unterhält, in deren Ausschüssen der Deutsch-Israelitische Gemeindebund auch nicht vertreten ist. Der Beschluß des Ausschusses des Deutsch-Israelitischen Gemeinde-, bundes, in der Schülfrage die Autonomie der Gemeinden wahren zu wollen, geht von der durch die „Freundesliga" aufgebrachten Fiktion aus, als habe der Verband durch seine Aktion diese Autonomie nntasten wollen. Die Lehrerschaft weiß sehr wohl, daß dem" Gemeindebund und ihr erst recht die Machtmittel fehlen, die Gemeinden zur Errichtung von Volksschulen zu zwingen. Es war ihr lediglich darum zu tun, aus dem Gemeindetage vor den Vertretern aller Gemeinden eine Aussprache über eine der wichtigsten Fragen, die die Judenheit beschäftigen, herbeizusühren. Das; man diesen Weg versperren will, obwohl drei Gemeindeverbände die gleiche Forderung erhoben haben, zeugt von einer einseitigen Stellungnahme zu den Bestrebungen der Lehrerschaft, die durch das Verhalten der in der Leitung des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes maßgebenden Persönlichkeiten den Vertretern des Verbandes gegenüber noch besonders in die Erscheinung getreten ist. Der Verbandsvorstand, der, wie die Annahme des Antrags Brann bekundet, bestrebt war, einen inoäus vivenäi zu finden, hat dem Vertreter des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes eine andere Behandlung zuteil werden lassen! 2/D Berlin, 20. Oktober. Der jüdische Frauenverein der südwestlichen Vororte, deren Vorsitzende Frau Fanny Cohn, Friedenau, Stubenrauchstr. 58, ist, besteht seit März d. I. und bezweckt in erster Linie die Pflege der Wohltätigkeit unter unseren Glaubensgenossen. Er ist der' Zentralstelle für jüdische Wohltätigkeitspflege angegliedert und hat trotz der kurzen Zeit seines Bestehens schon wiederholt Gelegenheit gehabt, arme, in Not geratene Glaubensgenossen zu unterstützen. Daneben bemüht sich der Verein, durch Veranstaltung von Vortrügen allgemein interessierenden Inhalts und von geselligen Zusammenkünften die jüdischen Damen der südwestlichen Vororte einander näher zu bringen und damit die Geselligkeit unter denselben zu pflegen. — Für den kommenden Winter sind regelmäßige Teeabende geplant, die den Mitgliedern — auch Gäste sind willkonnnen — Gelegenheit geben sollen, bei guten musikalischen Darbietungen einige Stunden ungezwungenen Beisammenseins zu verbringen. 1 5 y* in. Köpenick-Berlin, 19. Oktober. Am Sonntag den 12. d. M. wurde in Friedrichshagen, wie bereits mitgeteilt, das dem im Vorjahr am zweiten Sukkothtage "bestatteten Herrn Sanitätsrat Dr. Jacoby errichtete Denkmal enthüllt. . Der verstorbene Philanthrop und Arzt war über 30 Jahre in Friedrichshagen als Arzt tätig und erfreute sich in allen Kreisen großer Verehrung und Beliebtheit. Gleich am Bestattungstage habe pch __ so führte der Bürgermeister von Frieürichshagen bei der Enthüllung aus — im Trauergesolge allgemein der Wunsch geäußert, dem allseitig so beliebten Verstorbenen, von der Bürgerschaft Friedrichshagen und seiner Umgebung gewidmet, ein Denkmal zu setzen. Der verstorbene Sanitätsrat war eine Zierde des Standes der Aerzte, wie zwei Vertreter des Aerzteverbandcs in ihrem Nachrufe bei der Enthüllung in deckbarer Verehrung für den Verstorbenen bekundeten. Seinen Wohltätigkeitssinn kannte man in allen Vereinen und gemeinnützigen Anstalten. Der Synagogengemeinde Köpenick diente er ehrenamtlich als Repräsentant viele Jahre. Die allseitige Verehrung, die der Verstorbene genoß, ermöglichte es, daß das Denkmal schon ein Jahr nach seinem Tode im Kurpark, ganz in der Nähe des Krankenpavillons, wo er einst als junger Arzt gewinkt hatte, enthüllt werden konnte. Es ist gewiß eine Seltenheit, wenn heute von der Gesamtbürgerschast eines Ortes ohne jeden Widerspruch einem Juden, der nie aus seinem Judentum ein Hehl gemacht hat, eine solche Ehrung zuteil wird. Die Synagogen-

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