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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-10-15 · Heft 42 (15.10.1913) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 42 (15.10.1913)
Date
1913-10-15
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Prophezeiung nicht in Erfüllung gegangen ist. Die Fahne des Hohenzollernhauses flattert stolz im Windei Aber die vor länger als dreißig Jahren von Stöcker ins Leben gerufene Partei ist im steten Niedergang begriffen. Selbst in der Verfolgung ihrer sozialpolitischen Ziele wird sie durch ihre Abhängigkeit, von den Konservativen gehindert. Eine Partei, der es an der vollen Selbständigkeit mangelt,, ist naturgemäß zur Ohnmacht, zur Einslußlosigkeit verurteilt. — Die „Judensrage" stand nicht aus der Tagesordnung; aber an antisemitischen Wendungen fehlte es nicht in einzelnen Reden. So zog der zum Parteiprüsidenten wiedergewählte Pastor Philipps gegen die jüdisch-liberale Presse los, die eifrig an der Arbeit sei, unser Volk ^u zersetzen. Abgeordneter Behrens wies mit Genugtuung daraus hin, daß seine Freunde im Reichstag den Antrag, daß Juden die Osfizierslaufbahn geöffnet werden müsse, bekämpft hätten. — In den Parteivorstand wurden außer Herrn Philipps und anderen die Reichstagsabgeordneten Behrens, Burckhardt, Mumm und der neugewählte Landtagsabgeordnete Wallbaum gewählt. -22 Offenbach a. M.,,10. Oktober. Am 5. d. M. wurde hier die Grundsteinlegung der .neuen Synagoge vorgenommen. Der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Notar Rechtsanwalt Dr. M. Golds ch m i d t, erössnete die Feier mit einer Ansprache, in der er die Erschienenen begrüßte, verlas alsdann die Urkunde und schloß mit dem Wunsche, daß das wohl begonnene Werk zum guten Ende geführt werde. Daraus trat Rabbiner Dr. Goldschmidt an den Grundstein und hielt die Weiherede, in der u. a. aussührte: „Jeder Grundstein hat symbolische Bedeutung. Das gilt in erhöhtem Maße vom Grundstein einer Synagoge, welche'im ganzen nur das äußere Symbol für den geistigen Ausbau des Judentums darstellt. Der Grundstein einer Synagoge ist Symbol der Grundideen des Judentums. Der geistige. Bau des. Judentums beruht auf drei „Grundsteinen", auf drei Grundideen. Die erste Grundidee des Judentums ist die Einheit Gottes, die Einheit . des Unendlichen.. Mit dieser Idee hat das Judentum die Bühne der Geschichte betreten und dem heidnischen Altertum den Krieg erklärt. Der zweite Grundstein des Judentums ist die Idee der geschichtlichen Sendung Israels. Mit der Idee der Einheit des Unendlichen hatte Israel -.den Partikülarismus, die nationalen Schranken der heidnischen Religionen durchbrochen, und weil es zuerst die Einheit des Unendlichen in seinem Geiste ersaßt hatte, übernahm es den schwersten Lehrerberuf, den Prophetenberus, die Idee der Einheit des Unendlichen zum Gemeingut aller Völker zu machen. Der dritte Grundstein des Judentums, ist die Idee der Einheit des Menschengeschlechts, die Idee der Menschheit. Für diese, drei Grundideen des Judentums ist der Grundstein einer jeden Synagoge der symbolische Träger. Das soll auch der Geist unserer neuen- Synagoge sein, und für die Grundideen dieses Geistes soll auch der Grundstein, dessen. Legung wir eben feierlich begehen, der symbolische Träger sein: die Einheit des Unendlichen, die geschichtliche Sendung Israels, die Einheit und Verbrüderung der Menschheit." Der Grundstein wurde nun über die metallene Kapsel eingesügt, und der Rabbiner fuhr fort: „So vollziehe ich' denn die üblichen drei Hammerschläge als symbolische Weihe dieses Grundsteins im . Geiste der drei Grundideen des Judentums. Ich vollziehe den ersten Hammerschlag im Namen des Einig-Einzigen Gottes, der Einheit des Unendlichen mit dem Spruche: „Der Ewige alleinist Gott" (Könige 1, 18,39). Ich vollziehe den zweiten Hammerschlagim Namen der geschichtlichen Sendung Israels mit dem Verse: „Von Zion ging aus die Lehre und das Wort des Ewigen von Jerusalem" (Jesaja 2,3). Ich vollziehe den dritten Hammerschlag im Namen der Menschheit mit dem Verse: „Du sollst lieben deinen Nebenmenschen wie dich selbst" (3. Buch Moses 19,18). Daraus vollzogen die Hammerschläge die Mitglieder des.Vorstandes:. Notar; Dr. M. G o l d s ch m i d t mit dem Spruch': „Du Bäu, welchen wir , nusführen, gereiche den Besuchern zur Freude, der Gemeinde zum Stolz und der Stadt zur Zierde. Von ihm aus geht der Friede": Rechtsanwalt Dr. G u g g e n h e i m mit dem Vers: „Das ist der Spruch des Herrn Zebaoth: Nicht durch Macht und nicht durch Gewalt, sondern durch' meinen Geist" (Zecharja 4,6); Herr M. K a m berg mit dem Vers: „Werde zum Segen" (1. Buch Moses 12,2); Herr Ludwig Rothschild mit dem Spruch: „Erhebe Israel zum. kräftigen Selbstbewußtsein und zu seiner währen Bedeutung";. Herr- Friedrich Stein mit dein Vers: „Wo Liebe und Wahrheit sich begegnen, Gerechtigkeit und Frieden sich küssen, da kommt das Heil vom Himmel" (Psalm 85, 11—12); Herr Bauunternehmer Hafenb ach mit dem Spruch: „Tue Recht und scheue niemand"; die Kantoren: Herr Vogel mit der Ansprache: Der Prophet Maleachu (2,105) ruft uns zu: „Haben wir nicht alle einen Vater? Schuf uns nicht ein Gott? Warum soll Bruder gegen Bruder treulos sein?" Auch der Prophet Jesaja (56,7) spricht: „Mein Haus soll ein Bethaus sein für alle Völker"; Herr Kantor Gottlieb mit dem Vers aus dem Schlußgebet des täglichen Gottesdienstes: „Dir, o Gott, beuge sich.jeder Stein, schwöre jede Zunge!". Die Mitglieder der Synagogenbau-Kommission: Herr Louis Feistmannmit dem Spruch: „Gott und der Gemeinde zur Ehre, unserer Vaterstadt zur Zierde!"; Herr Theodor Fürth mit dem Spruch: „Eine feste Burg ist unser Herr, dorthin flüchtet sich der Fromme, und geschützt ist er" (Sprüche 18,90); Herr Bernhard Merzbach mit dem Vers (Sprüche Salomos 24,21):. Fürchte Gott und den König": Herr Siegfried Stark , mit dem Spruch (Tosiphta Sanhedrin 13,2): „Die Rechtschaffenen aller Völker haben Anteil , an der zukünftigen Welt"; Herr Alfred SstZ;-a u ß mit dem Spruch: „Mit Gott! Für Gott! Durch Gott!" Herr Zahnarzt Wolpe mit dem Verse (5. Buch Moses 6,4): „Höre Israel, der Ewige ist unser Gott! Der Ewige ist einzig." Darauf beteiligten sich die Architekten S ch w a r z und Wagner und mehrere Mitglieder der'Geineinde an den. Hammerschlägen. Den Beschluß.' machte Frau Betty Stein mit den Schillerschen Versen: Zur Eintracht, zum herzinnigen Vereine versammle sie die betende Gemeine!" — Mit einem Rundgang in den bereits sertiggestellten Teilen der Synagoge unter' Führung der Architekten schloß die ebenso einfache, als würdige und eindrucksvolle Feier. * Grfterretch-Ungsr». K. Brünn, 10. Oktober. Sonntag, den 5. d. M. vormittags, wurde der Präsident der israelitischen Kultusgemeindc, Dr. Hieronymus F i a l l a, unter großen Ehren zu Grabe getragen. Der Beisetzung gingen eine Trauerkundgebung des Gemeindevorstandes und der Rosenthalstistung sowie eine Trauerfeier im großen Tempel voran. Hier hatte sich eine überaus zahlreiche Trauergemeinde eingesunden, die das Gotteshaus in allen Räumen füllte. Unter den Erschienenen befanden sich: Oberlandesgerichtspräsident Regner Ritter v. Bleyleben, Landesgerichtspräsident Hosrat Kunze, Oberlandesgerichtsrat Löw, Staatsanwalt Bukvaj sowie mehrere Gerichtsfunktionäre, die Hofräte der Statthalterei .Nazowsky und Dr. Spitzer, - Statthaltereirat Schön, Reichsratsabgeordneter Freiherr d'Elvert, Landeshauptmannstellvertreter Jelinek mit Gemahlin und die Landtagsäbgeordneten Fritsch und Dr. Jarvlim, die Mitglieder des Landesschulrates Regierungsrat v. Neichenbach, Senior Dr. Schenner, Regierungsrat. Dr. Sonneck und Direktor Winkler, Bürgermeister Dr. 'Ritter v. Wieser und die Bürgermeisterstellvertreter Rohrer und Jelinek, die Hosräte Finanzlandesdirektorstellvertreter Weiß, Finanzprokurator Dr. Bräunl und Dworzaczek, Oberstabsarzt Dr. Weißenstein, der provisorische Vorsitzende der Handelskammer kaiserlicher Rat Ulmann, die Bezirksschulratsmitglieder Dr. Ehrmann und Dr. Buxbaum, die Stadträte Hrdliczka, Lustig,-kaiserlicher Rat Zwicker und Dr. Feith, sonstige Mitglieder des Gemeinderates und der Handelskammer, Be-, zirksvorsteher Jonas Löw Beer; die Advokatenkammer hatte ihren Präsidenten Dr. Löwenthal und den Vizepräsidenten Dr. Hodac, der Deutsche Advokatenverein den Obmann Dr. Popper und die meisten seiner Mitglieder entsendet. Ferner war die Vertretung der Kultus-- gemeinde mit dem Vizepräsidenten Leopold Bauer erschienen, Dann - sah man Mitglieder vieler Vereine, Vertreter der Banken, der Jndu- J strie, des Theaters und der Presse. Nachdem Oberkantor Heller die rituellen Gesänge unter Begleitung eines Chores exekutiert hatte, widmete Rabbiner Dr.'L'ev y dem Verblichenen einen warmen Nach- , ruf. Am offenen Gräbe nahmen Hosrat Dr. Spitzer in Vertretung der Kultusgemeinde, DrJPopper namens der Advokatenkammer und des Deutschen Advokatenvereins von Dr. Fialla Abschied. . * . Von Sah und Lern. — Im Genesungsheim zn Lehnitz sind für den Monat November noch einige? Plätze frei. Für erholungsbedürftige Frauen und Mädchen ist es angebracht, sich-, sofort s ch r i s t l i ch 'um Ausnahme in das'Herm. au das Bureau. Berlin C 2, Rosenstraße- 2/4* zu... wenden-, da uw Sommer stets eine große . Anzahl von Pflegerinnen ~

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