Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1913)
- Date
- 1913-10-10
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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jährlichen Zuschusses durch den D. I. G. V. bei «der nächsten Etatberatung zur Sprache kommen wird. — Eine Stellungnahme des Verbandes zur Ersatzkastenangelegenheit soll erst erfolgen, wenn größere Klarheit.in der Auslegung beziehungsweise Anwendung des .Angestelltenversicherungsgesetzes geschaffen sein wird. — Herr Oskar Tietz-Berlin, ein Kind unserer Provinz, ist zu einem jährlichen Beitrage von 300 Mark gewonnen worden. — Seitens des Deutsch-israelitischen Gemeindobundes ist zwei Gemeinden, die zum diesseitigen Gemeindeverbande gehören, ein Zuschuß von 100 beziehungsweise 80 Mark bewilligt worden. — Zur Förderung des jüdischen Religionsunterrichts ist aus der Verbandskasse ebenfalls zwei Gemeinden aus deren Ansuchen im Berichtsjahre eine Beihilfe von 100 Mark, ferner einer in einem Dorfe ansässigen bedürftigen Familie ein Zuschuß gewährt worden. — Die Posener Synagögengemeinde hat wiederum dem Verbände eine Subvention von 300 Mark gewährt. — Die Ausbildung von Kandidaten für das Kultusamt ist während der verflossenen Berichtsperiode Mit gutem . Erfolge.betrieben worden. Es sind drei Kandidaten mit. Autorisation entlassen worden. Die entlassenen Amtskandidaten erhielten sämtlich sofort Stellen im Regierungsbezirk Posen. Zurzeit befinden sich hier fünf Kandidaten zur Ausbildung. Seit dem Bestehen des Instituts (1. Juli 1895) sind 31 Kultusbeamte ausgebildet worden, von denen zurzeit 15 im Regierungsbezirk Posen und 3 im Regierungsbezirk Bromberg fungieren. — Die Gemeinde Zerkow hat am 24. März d. I. die einhundertjährige Wiederkehr des Gri'lndungsjahres der Ehewra-Kadischa und das fünfzigjährige Bestehen der 1863 nach dem großen Brande neuerbauten Synagoge fest-! lich begangen. — lieber die von den Bezirksrabbinern in ihren Bezirken entfaltete Tätigkeit lagen Einzelbevichte vor. In Verfolg dieser Mitteilungen nahm der Vorstand Veranlassung, den Bezirksrabbinern für ihre ersprießliche seelforgerische Tätigkeit in den Filialgemeinden, ebenso allen denen, die durch ihre materielle Unterstützung zum Bestände der segensreichen Einrichtung der" Bezirksrabbinate beigetragen haben, den verbindlichsten Dank, auszusprechen. — In die Prüfungskommission der Jahresrechnung pro 1911/13 wurden die Herren Herzog-Posen und Goldschmidt-Lissa gewählt. Die Gesamteinnahme belief sich auf 2402.90 Mark und die Ausgabe auf 2297.87 Mark, so daß ein Ueberschuß von 105.03 Mark verblieb. Im letzten Berichtsjahre betrug die. Gesamteinnahme 2903.08 Mark, die Ausgabe 2058.95 -Mark und der Bestand 844.13 Mark. Für die Zeit vom 1. April 1913 bis 31. März 1914 wurde der Etat auf 3494.13 Mark festgesetzt. Die Deutsche Zentralstelle für jüdische.Wanderarmensürsorge zu Berlin hat bei dem Verband den Antrag gestellt, in seiner diesjährigen Generalversammlung die Frage der Wanderarmenfürsorge' zu behandeln. LZ ZÜMchau, 30. September. Der königliche Kommerzienrat Herr Ludwig Born zu Berlin sendet alle Jahre zu Weihnachten einen Betrag, an den hiesigen Magistrat zur Verteilung an Bedürftige ohne Unterschied der Konfession. Ebenso hat er vor kurzer Zeit der Kinderbeschäftigungsanstalt, wieder 1500 Mark gesandt, mit dem Wunsche, daß Kinder aller Konfessionen Aufnahme in der Anstalt finden, der Spender dauerndes Mitglied bleibt und ein Mitglied (männlich oder weiblich) der Synagogengemeinde Züllichau in das Kuratorium zu wählen ist. Daraufhin wurde einstimmig der .Vorsteher und Stadtverordnete Herr Isidor F r i e d l a e n d e r gewühlt. A. Nürnberg, 30. September. Einer der angesehensten Bürger unserer Stadt, Herr Kommerzienrat Wilhelm Gerngroß, ein Bruder des bekannten Geheimen.Kommerzienrats Ludwig v. Gerngroß, feierte am 28. d. M. seinen 70. Geburtstag. Der Genannte erfreut sich hier einer außerordentlichen Beliebtheit in den weitesten Kreisen, und alle Welt rühmt dessen Liebenswürdigkeit, Bescheiden- '' heit und vor allen Dingen seine Bereitwilligkeit, wo es gilt zu raten und zu Helsen. Sein Name ist schon seit Jahrzehnten mit allen sanitären und gemeinnützigen Unternehmungen verknüpft gewesen, die in Nürnberg, geschaffen worden sind. Insbesondere verdienstvoll und segensreich war feine Tätigkeit auf dem Gebiete der Bekämpfung der Tuberkulose. Durch seine unermüdliche Tätigkeit und Opsersreudigkeit kam. die Lungenheilstätte Engelthal bei Hersbruck zur Ausführung, eine Anstalt, die Hunderttausenden von hilfsbedürftigen Menschen zur Heilung und zum Segen gereichte. In Anerkennung dieser vorbildlichen Tätigkeit - ist Wilhelm Gern-' groß in das Neichszentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose berufen und durch, den Kaiser mit. zwei Orden dekoriert worden. Die Aufbringung des Garantiefonds für die dritte bayerisch Landesausstellung in Nürnberg und der Mittel für das Künstlerhaus war in erster Linie seinen Bemühungen zu danken. MM als 20 Jahre war der Genannte, als Königlicher Handelsrichter am Landgericht Nürnberg''tätig und galt als einer der . fähigsten und kenntnisreichsten -Laienrichter. An -seinem Geburtstag hat Herr Kommerzienrat Gerngroß 100 000 Mark der Stadt für künstlerische Zwöcke gestiftet.Den jüdischen Wohlsahrtseinrichtungcn hat derselbe jederzeit ein großes Interesse und seine Arbeitskraft gewidmet. Er gehört schon feit vielen Jahren der Verwaltung des israelitischen Krankenschwesternvereins, und des israelitischen Waisen- und Witwenvereins an. Am 70. Geburtstag wurden von den zahlreichen Korporationen und gemeinnützigen Anstalten, um deren-Errichtung und Förderung der Jubilar sich außerordentliche Verdienste erworben hat, persönliche Glückwünsche sowie kunstvolle Glückwunschadressen dargebracht. Seine Königliche Hoheit der Prinzregent von-Bayern ehrte den Jubilar durch Verleihung des Ritterordens der Krone Bayern, womit der persönliche Adel verbunden ist. Möge es dem edlen Menschenfreund Herrn Kommerzienrat Wilhelm v. Gerngroß vergönnt sein, noch'recht lange zur Freude feiner zahlreichen Freunde in der bisherigen körperlichen und geistigen Frische seine Tätigkeit zum Besten der Allgemeinheit wie auch unserer Vaterstadt entfalten zu können, ihm zur Befriedigung und anderen'zum Heile z. Elberfeld, 29. September. (Einweihung des jüdischen A l t e r s h ei ms zu E l b e r f e l d.) So ist denn das Jubi° läumsjahr auch an unserer Synagogengemeinde nicht spurlos vor-! übergegangen. Der Gedanke an die Errichtung eines jüdischen Altersheims zu Elberfeld stammt aus dem Jahre 1901, wo die inzwischen verstorbene Witwe Herz Goldberg einen Fonds'begründete, zu dem sie selbst die ersten 1000 Mark beisteuerte. Ihrem Beispiel folgten auf dem Fuß die vor wenigen Tagen verstorbene Witwe Jakob Kuttn er mit einem Betrage von 500 Mark, sowie einige andere Freunde der an für sich wunderschönen Idee. Die auf solche Weise zustande gekommene Grundstocksumme betrug 1750 Mark, die, weil der Ausführung des menschenfreundlichen Planes noch Hindernisse im Wege standen, vorläufig zinsbar angelegt wurden. Die Angelegenheit ruhte dann ein volles Jahrzehnt, bis im Jahre 1911 Herr Albert Wehl, der stellvertretende Vorsitzende des Gemeindevorstandes, die Idee wieder aufgriff, um sie ihrer Verwirklichung entgegenzuführen. Seiner Energie und Tatkraft gelang es zunächst' in Gemeinschaft mit dem ersten Vorsitzenden des Gemeindevorstandes, Herrn Stadtverordneten Max S i m v n , weitere Kreise für das Zustandekommen .des geplanten Werkes zu interessieren, und es dauerte verhältnismäßig gar nicht lange, bis man über die grundlegenden Fragen einig war. Vorstand und Repräsentanz der Gemeinde beschlossen einstimmig, das Unternehmen zu unterstützen, und so Marder Boden gegeben, auf dem man die eigentliche Arbeit beginnen konnte. Und diese Arbeit wurde unermüdlich und erfolgreich in Angriff genommen und geleitet von "Herrn Albe r t W eh l, dem cs im Zeitraum von 1 A Jahren gelang, auf dem Wege privater Zuwendungen von jüdischer Seite/sowohl wie auch von christlicher eine Summe von rund 80 000 Mark zusammenzubringen, mittels welcher er wiederum in Gemeinschaft. mit Herrn Max Simon in der Lage .war, ein altes Patrizierhaus an der Königstraße zu erwerben,, um es für die Zwecke eines. Altersheims einzurichten. Mittlerweile war . man zu greifbaren Resultaten gelangt, die es ratsam erscheinen ließen, das bisherige provisorische Komitee zu. einem-'dauernden Kuratorium umzugestalten, und es war nur ein. Akt der Selbstverständlichkeit, indem man Herrn Albert Wehl an besten Spitze stellte. Denn wer da weiß, welche Summe von Arbeit während der ganzen Zeit der Vorbereitungen bis zur Fertigstellung des'in allen Teilen bestgelungenen Werkes geleistet wurde, der vermag es in seinem vollen Umfang,zu würdigen, was Herr Wehl mit rastloser Anspannung aller Kräfte in den 1A Jahren zustande gebracht hat. Eine Beschreibung des durchaus behaglichen und vor allen Dingen in.hygienischer Beziehung vortrefflich eingerichteten Heimes dürfte den Nahmen eines einfachen Berichtes weit übersteigen. Erwähnt fei ' vielmehr nur, daß für etwa 25 Personen Platz vorhanden ist, und daß der jüdische Krankenpflegeverein Elberfeld-Barmen die Krankenschwestern daselbst stationiert hat. Zur Leitung des. Altersheims ist die Schwester Friederike als Oberin berufen worden. — Am Mittwoch, den 24. September, fand nun die Einweihung statt. Um 10 Uhr vormittags versammelte sich die Gemeinde in der festlich geschmückten Synagoge zum Festgottesdienst. An geladenen Gästen