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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-10-10 · Heft 41 (10.10.1913) · p. Seite 487

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 41 (10.10.1913)
Date
1913-10-10
Page
Seite 487 (sequence 7)
Language
German
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-der später Lehrer an der jüdischen Knabenschule wurde. Dann besuchte ich die Grützmachersche Vorschule und das Französische Gymnasium von Sexta bis zum Abiturientenexamen. Religionsunterricht hatte ich in der Reform bei den Predigern Dr. Popper, Dr. Ritter und Dr. Oppenheimer, und wurde, l866, also zu beinahe 16 Jahren, eingesegnet. Ich studierte in Heidelberg, wo ich Korpsstudent wurde, und Berlin-Jura, machte 1872 mein Referendarexamen am Kammergericht und erwarb unmittelbar darauf den voetor juris in Heidelberg. Dann diente ich als Einjähriger bei den Ersten Gardedragonern und wurde als Offiziersaspirant entlassen. Aber trotz zweimaliger Hebungen bei den 7. Ulanen in Saarbrücken und bei den 9. Dragonern in Metz konnte ich ein weiteres Avancement nicht erreichen — aus bekannten Gründen. Das Assessorexamen machte ich im Februar 1878 un>d wurde auf richterliche Kommissarien nach Swinemünde, Senstenberg M-L., Reudamm i. d. N.-M., Brandenburg a. H., Pillkallen und Danzig gesandt. Da in diese Zeit arich die Metzer Hebung fällt, war ich in zwei Jähren in königlichen Diensten auf sieben verschiedenen Stellen gewesen und hatte in zehn Monaten das Deutsche Reich vom äußersten Westen zum äußersten Osten durchquert. Nachdem ich dann - wegen Ueberarbeitung einen Urlaub von einigen Monaten genommen und daraus wieder ein Jahr lang bei Berliner Gerichten gearbeitethatte, sollte ich wieder in die Provinzen hinaus, konnte dies aber wegen des leidenden Zustandes meiner Mutter nicht annehmen. So nahm ich meinen Abschied aus dem Staatsdienst und wurde, da ich zur Rechtsanwaltschaft keine Neigung hatte, vom Oberbürgermeister v. Forckenbeck als .Erster der in städtischen Diensten tretenden Assessoren angenommen. Im nächsten Jahre wurde ich zur Vertretung des erkrankten Abgeordneten Eduard Lasker als Syndikus des Berliner Pfandbriefamts deputiert; nach Laskers Tode wurde ich vom Magistrat 1884 zu seinem Nachfolger, gewählt. Diese Stellung behielt ich, bis ich 1905, nach dem Tode meiner bisherigen Chefs, Stadtrat Gesenius und Stadtrat Voigt, Direktor deS Pfandbriefamtß -wurde. Laskers Nachfolger wurde ich ebenfalls, wenn Mich nach längerer Zeit, als Mitglied des. Bezirksausschusses zu-Herlin. Verheiratet habe ich mich im Jahre 1903. Wie meine Eltern Anhänger der Reform von deren Begründung an waren, so bin auch ich sozusagen als Reformer Äeußere Ansicht des Tempels der Reformgemeinde in Verlink geboren und erzogen. Weder meine Eltern, noch meine Großeltern hatten einen koscheren HauShalt; aber am Neujahr und am Jomkippur war das Geschäft meines Vaters — er war Seidenwarenhändler bis 1864.— streng geschlossen, und mn letzterem Tage fasteten wir, wie auch jetzt noch sowohl meine Frau, wie ich dies tue. Hebräisch habe ich erst mit 36 Jahren gelernt — abgesehen von einigen Stunden, die.ich mit 15 Jahren bei Hermann Cohen, der damals Student war,, genommenhatte. Meine Gesinnung als Reforme.r hat mich nicht abgehalten, im Gegenteil £3 geradezu veranlaßt, mich ^allgemeinen jüdischen Angelegenheiten zu widi men. So bin ich seit j länger als- 25 Jahren Repräsentant der jüdi- -; schen Gemeinde in 93 er=;V; lin und Auss chußmit- ' ' glied der Magine Röim , usw. Als wir neulich in einer Kommission von r sieben Mitgliedern über y-x religiöse Richtungen sprachen, konnte ich mit einigem Rechte behaup- - - ten, daß ich, der ich auf , dem äußersten linken J Flügel des Judentums; stehe, der konservativste von allen sei. Die an- / deren waren alle von .! einer ritualen Jugend allmählich zu einer libe-; ralen Anschauung , gej langt. Ich allein . war - noch genau . derselben . *■' Gesinmrng . und lebte . nad) denselben religi- öfen Sitten wie. in. meiner Jugend." Georg Minden be- ■ gnügt sich nicht mit ' 'seiner, amtlichen , und der. den jüdischen Angelegen-! heiten gewidmeten Tä- ' tigkeit. ■ j Er bekundet vielmehr ein außergewöhnliches - Interesse für allgemeine. Dinge und widmet viel Zeit und Kraft wissenschaftlichen und Humanitären Vereinen. Im Verein mit seiner Gattin übt er in schlichtem Sinne eine großzügige Wohltätigkeit. .... Sein reiches Wissen, sein humaner Sinn, sein gewinnendes Wesen, seine echte, aus dem Herzen stammende Liebenswürdigkeit haben einen großen Kreis von Freunden um ihn geschart. ... Er gehört zu den Begnadeten und. Glücklichen, von denen man sagen kann, daß er viele Bewunderer und Freunde, wenig Neider -und keinen einzigen Feind besitzt. ..... 'Möge es ihm vergönnt . sein- Verein.'.mit..seiner. vortrefflichen Gattin noch lange sich seines .Lebens, zu erfreuen und seines Glückes zu genießen,, das auch darin besteht,' der' Gemeinschaft zu dienen, der er 'durch Geburt und Neigung' angehört. G.

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