Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1913)
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 5 (sequence 17)
- Language
- German
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Mosis in diesen Zeiten noch geben könne, so solle man nicht vergessen, daß die Lichtgedanken der Sittenlehre des Judentums heute Gemeingut der ganzen Welt seien, und Israel die Welt das Beten gelehrt habe. Die Predigt klang aus in eine tiefempfundene Fürbitte für Kaiser und Reich. Der Synagogonchor und seine Solisten wie die Vorträge des Herrn Hermes auf der prachtvollen Orgel fügten sich in fein abgetönter Weise dem liturgischen Charakter der Feier in schönster Weise ein und erhöhten die festlich-weihevolle Stimmung. Um 2Yi Uhr begann im großen Saale des Saalbaues die weltliche Feier, die mehrere hundert Personen vereinte. Die Begrüßungsrede hielt Oberbürgermeister Geh. Regierungsrat Holle als Vertreter der Stadt Essen. Er gedachte zu Anfang seiner Rede des verstorbenen Kommerzienrats Isaak H i r s ch l a n d, dessen Name mit. der Synagoge eng verknüpst sei und der 20 Jahre laug als treues Mitglied der Stadtvertretung angehörte. Sein Name sei in aller Herzen unauslöschlich eingeprägt. Der stolze Bau gebe ein erfreuliches Zeichen, der Opferfreudigkeit und des Kunstsinnes der jüdischen Gemeinde. Gin Rückblick aus die alte stiftische Zeit Essens lasse ein Gefühl von Gram und Trauer aufkommen. Aber wenn von der alten Zeit, gesprochen wird, dann habe man auch alle Veranlassung, die neue gute Zeit der alten gegenüberzustellen. Das Bauwerk verkörpere den Fortschritt der Synagogengemeinde, aber gleichzeitig verkörpere es auch den Aufschwung unseres geliebten Vaterlandes. Vor fünfzig Jahren hätte niemand Mittel zu einem solchen Bau Zusammenbringen können, aber auch die Künstler hätten gefehlt, um solches zu vollbringen. Hand in Hand mit den Künstlern hat die Synagogengecheinde das herrliche Bauwerk geschaffen. Wir verdanken den Fortschritt der kraftvollen Regierung unseres Hohenzollernhauses, däs mit zielbewußter Hand die technischen und künstlerischen Kräfte heranzuziehen und zu würdigen weiß. Oberbürgermeister Holle brachte dann ein dreifaches Hoch auf den Kaiser aus, worauf stehend die Nationalhymne gesungen, wurde. Als. zweiter Redner begrüßte Rechtsanwalt Abel die zahlreich erschienenen Ehrengäste. Er gedachte ebenfalls des unvergeßlichen Kommerzienrates Isaak Hirschland, dessen im Gemeindesaal der Synagoge angebrachtes Bild von der Wand herab einen stillen Gruß dem Eintretenden sende. Er führte unter anderem aus: „Wir sind nicht allein Juden, wir gehören mit gleichem Herz und gleicher Seele unserem geliebten deutschen Vaterlande an. Ich glaube auch, an dieser. Stelle von uns sagen zu können: Es ist stets unser eifrigstes Bestreben gewesen, in der Emanzipation das zu leisten, was immer nur ein Mensch zu leisten vermag. Es ist unser ehrliches und aufrichtiges Bestreben gewesen, * im guten Sinne Bürger unserer Stadt zu .sein. Und wenn ich heute die zahlreich erschienenen Ehrengäste begrüßen darf, so glaube ich an- Neue Bestrebungen für künstlerische Ausgestaltung von Jnnenräumen. Unter den zahlreichen Monumentalbauten, die im Laufe der vergangenen Monate in der City Berlins entstanden sind, verdient das Geschäftshaus Krausenstraße 31/32 besondere Erwähnung. Mit seinen drei charakteristischen Werksteinfassaden, nach Entwürfen des Architekten Salvisberg, berührt es außer der Front in der Krausenstraße noch die Jerusalemer und Schützenstraße. In der Hauptsache gedacht als Geschäftshaus für die Konfektionsbranche, von denen erste Spezialfirmen im Hause wohnen, enthält das Gebäude in seinem rechten Flügel in der Krausenstraße die Ausstellungs- und Verkaufsräume sowie die Bureaus der Firma C. Prächtel. Im Jahre 1824 gegründet, erscheint diese Firma als erstklassiges Spezialgeschäft für künstlerische Wohnungsausstattungen und Innendekoration.. Die ausgedehnten Musterlager, deren absolut unverbindlicher Besuch jedem Interessenten nur empfohlen werden kann, bieten für jeden Geschmack und in jeder Preislage fertig zusammengestellte Raumausstattungen. Besonderes Gewicht wurde darauf gelegt, durch Durchführung jedes einzelnen Raumes dem Kunden bei der Auswahl seines Mobiliars, bereits im vorgeführten Muster nehmen zu dürfen, daß dies ein Beweis Ihrer uns allen so wertvollen Sympathie ist. - lind dafür, daß Sie uns diese Sympathie entgegengebracht haben, und dafür, daß Sie uns mit Ihrer Anwesenheit beehrt haben, sind wir Ihnen dankbar. Und diesem Tank der Gemeinde geben nur Ausdruck, indem wir. ausrnfen: Die hochverehrten Ehrengäste: Sie leben hoch!" Darauf ergriff Eisenbahndirektionspräsident Lehmann im Namen der Ehrengäste das Wort. Er dankte für die herzlichen Worte der Begrüßung .und führte etwa folgendes aus: Sie wollen aus unser aller Anwesenheit entnehmen, welche Teilnahme wir Ihren Festlichkeiten entgegenbringen. Auch' mir ist es hier ein volles Bedürfnis, zum Ausdruck zu bringen, wie wir noch ganz unter dem Eindruck der großen Feier stehen, der wir heute morgen beizuwohnen Gelegenheit hatten, wie wir durchdrungen sind von dem großen Eindruck, den das gewaltige Gotteshaus auf uns gemacht hat. Wie es dastand in seiner an Märchen erinnernden Pracht, durchflutet von frommen Weisen, alten, ehrwürdigen Melodien und durchfüllt von den: Licht, das durch bunte Scheiben gebrochen das Innere des hehren Gotteshauses erfüllt. Aber ich bin überzeugt, daß die gesamte Bürgerschaft, die nicht unmittelbar Zeuge der heutigen Feier war, stolz ist im Anblick des gewaltigen Baues. Die Essener Bürgerschaft kann stolz sein auf die beispiellose Entwicklung ihrer Heimatstadt, die nun durch das wunderbare Bauwerk eine so herrliche Bereicherung erfahren hat, die sich so prachtvoll dem Gesamtstadtbild oupaßt. Aber mit dieser äußeren Betrachtung ist es nicht geschehen, es ist der Geist, der mit der heutigen Feier seinen Einzug in dieses stolze Gebäude gehalten hat, der dem Tag seine volle Weihe gibt. Sein Hoch galt der jüdischen Gemeinde. Sanitätsrat Dr. Mendel warf in Packender Sprache einen Rückblick auf die lange Vorgeschichte und die Bcmgeschichte der neuen Synagoge. Er feierte, von lautem Beifall begleitet, Professor Körner als den genialen Baumeister des Wunderbaues, dankte ihm und allen seinen Mitarbeitern für ihre viele Mühe und Arbeit und widmete ihnen sein Hoch. Rabbiner Dr. Samuel gedachte in von Humor gewürzter Rede der früheren Zustände in Essen und des Lebens in der jüdischen Gemeinde, die sich, nachdem man ihre Glieder zur Mitarbeit herangezogen, nun zu einer solchen Bedeutung erstarkte, daß sie einen derartig herrlichen Bau errichten konnte. Sein Hoch galt der Stadt Essen. Professor Edmund K ö r n e r brachte seinen und seiner Mitarbeiter Dank zum Ausdruck und betonte die Höhe, zu der sich unser deutsches K'.mstgewerbe emporgeschwungen. Das bewiesen seine mustergültigen Leistungen in dem heute geweihten Bau. Er führte dann weiter ans, welch liebevolles Verständnis er bei der Baukommission gefunden. Sein Hoch widmete er den am Bau beteiligten Mitarbeitern und der Synagog'engenieinde. Kommerzienrat Schüler überbrachte Grüße der Bochumer Gemeinde, Rabbiner den Eindruck zu geben, den das Stück nachher in der eigenen Wohnung machen wird. Nicht lagermäßig zusammengesteUte Einzelmöbel, sondern bis ins Detail mit Beleuchtungskörpern, Bildern, Gardinen und Teppichen ausgestattete Räume ermöglichen eine besonders gute Uebersicht, auch, was die Abstimmung der Farbtöne anbelangt, und bewahren vor späteren Enttäuschungen. Jede Preislage ist vertreten. Daß die Richtung, die das heutige Kunstgewerbe durch die Bestrebungen der Moderne genommen hat, den rechten Weg verfolgt, beweisen die mannigfaltigen Beispiele. Nach langwierigen Versuchen und Verirrungen in das Extrem zeigt der heutige Stil unter gemäßigter Anlehnung an antike. Formen eine Gestaltung, welche nicht wie die Erzeugnisse mancher Epoche bald einer wechselnden Mode unterworfen sein wird. Man sieht heute von übertriebenen Zieraten jeder Art ab und sucht in der Pflege und Ausnutzung des Materials durch Verwendung interessanter Maserhölzer und schlichte Teilung des Stückes zu wirken. Die Tapeten- und Textilindustrie bietet eine Fülle von neuartigem Mustermaterial, welche dem Innenarchitekten seine Aufgaben erleichtert.