Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1913)
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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für 1914 gur Verfügung. Die Gelder sind für weitere Ausbildung der jungen Künstler bestimmt-, in 'Meisterateliers, auf -auswärtigen Akademien oder auf Studienreisen um Auslande, besonders für junge Maler, in Ausnahmefällen auch für hervorragettd begabte junge Bildhauer. Endlich sind aus der E r n st - R e i ch e n h e i m -- S t i sttung für Maler höherer Semester, die an der Hochschule studieren, zwei je 60V Mark betragende Stipendien zu vergeben. Die Bewerbungen, über die die Entscheidung ohne Unterschied der Konfession erfolgt, sind bis zum 15. Oktober einzureichen. Berlin, 29. September. Im Gotteshause der jüdischen Reformgemeinde wurde gestern mittag die neue Orgel eingeweiht. Nach einem von dem Organisten Karl Stabe r nack meisterhaft vorgetragenen Präludium nahm der Vorsitzende der Gemeinde Direktor Dr. Minden das Wort zu einer Ansprache, an die zahlreich erschienene Zuhörerschaft. Er begrüßte die Gäste, insbesondere die Vertreter der Berliner jüdischen Gemeinde, gedachte der verstorbenen Organisten, die an der , Reformgemeinde gewirkt, und gab einen kurzen Ueberblick über die geschichtliche Entwicklung der Synagogenmusik. Darauf folgte ein stimmungsvolles Konzert. Zunächst gelangte Psalm 103 „Preise meine Seele" (für Solo und Chor von M. Lewandowski) zum Vortrag, wobei der Sologesang von Fräulein Clara Iafse -besonders erwähnt zu werden verdient. Frau Gina Goetz-Levy sang mit sympathischer Stimme eine Händelsche Arie und das Beethovensche „Büßlied", und der junge,' begabte Violoncellist Felix Robert M e n d -e l s s o h n steuerte Stücke von Lewandowski (Kolnidre) und Mozart bei. Der Psalm 150, gesungen von dem gutgeschulten Chor der Reformgemeinde, unter Leitung von EduardLevy, bildete den Abschluß der herrlich verlaufenen Einweihungsfeier. W. Posen, 26. 'September. Die „Vereinig u n g von Rabbinern der Provinz Posen zur Wahrung des überlieferten Judentums" hielt int hiesigen jüdischen Gemeindesitzungssaal in diesen Tagen ihre Qu-ar-talssitzuug ab. Auf der Tagesordnung standen: 1. Vereinsangelegenheiten; 2. Halachischer Vortrag des Herrn Rabbiners Blum, Posen; 3. Referat des Herrn Rabbiners Dr. Bambcrger über Pvsener Rabbiner und 4. Besprechung aktueller und praktischer Angelegenheiten. Vor Beginnder eigentlichen Tagesordnung gedachte der Vorsitzende, Rabbiner Dr. Wreschner, Samter, in bewegten Worten des dahingegangenen Ehrenvorsitzenden des Vereins, des Herrn Oberrabbiners Dr. W. Feilchenseld in Posen. — Ein Antrag zu Punkt 1, daß künftig die Vereinssitzungen nicht ausschließlich in Posen, sondern möglichst abwechselnd in den Rabbinatssitzen der einzelnen Mitglieder stattfinden sollen, wurde dem Vorstände zur Erwägung übergeben. — Punkt 2 brachte den halachischen Vortrag des Herrn Rabbiners Blum, der zu eingehender Aussprache und Anknüpfung an verwandte Materien Anlaß bot. — Da Punkt 3, Posener Rabbiner, infolge Abwesenheit des Referenten von der Tagesordnung abgesetzt werden mußte, wurde dem Punkt 4: Besprechung aktueller und praktischer Angelegenheiten, ein um so breiterer Raum gewährt. Mit Befriedigung wurde sestgeftellt, daß die Angelegenheit betreffend Bildung von Bezirksrabbinaten wiederum einen Schritt weiter gefördert fei, da vom Bezirksverband eine'Kommission gebildet worden ist, welche mit den zum Anschluß geneigten Gemeinden in Verbindung treten soll. W. Ans der Provinz Posen, im September. Posen. Von der Arbeitsamkeit, Ehrlichkeit und Treue eines Mannes wird hier viel gesprochen, und wer diesem Greise aus der Straße begegnet, beweist ihm eine Achtung und Ehre, als wenn er zu den Großen unserer Stadt zählen würde. Der Mann, den ich öffentlich nennen will, ist ein bejahrter, einfacher Arbeiter, der Jude Marcus. Er ist unter den vielen Reisenden seit Jahren gut gekannt. Mit 16 Jahren hat er seine Laufbahn -als Arbeiter im Hotel de Rome begonnen. Trotz seines Berufes bleibt er ein religiöser Jude, der die jüdischen Speisegesetze beobachtet und Sabbate und Festtage währt. Nur weil er sich treu und ehrlich hält, wird chm der Posten nicht gekündigt, wie wohl das Haus in der Länge der Zeit seinen Besitzer öfterer gewechselt. Unlängst hatte ich Gelegenheit, diesen biederen Mann auf der Straße zu beobachten, wie er einen schweren Wagen mit Musterkossern vor sich her schob, und als ich ihn fragte, wie lange er noch so arbeiten werde, gab der Achtundsechzigjährige mir die Antwort, so-' lange der liebe Gott ihm die Kraft dazu'lassen werde. — Tbreschen- Eine der ältesten Personen hiesiger Stadt, die Rentiere verwitwete Frau Ernestine Raöziejewski geborene Mittig, starb am 17. d. M. im Alter von 92 Jahren. Sie stammte aus vor- - nehmer religiöser Familie, betätigte sich durch einen frommen Lebenswandel und übte viele Wohltaten aus; namentlich unterstützte sie unbemittelte verwaiste Kinder und sorgte für ihre spätere Zukunft in mütterlicher Weise. Auch wohltätige Stiftungen sollen von ihr mit Summen bedacht worden lein. In der Leichenrede wurden die großen Verdienste der Verblichenen rühmend hervorgehoben. Die Teilnahme an der Beerdigung war. eine allgemeine. m. Hamburg, 26. September. Die 'Kommission für das Wohlsahrtswesen der deutsch-israelitischen Gemeinde hielt im Bureau der Gemeinde eine Sitzung ab. Die Verhandlungen der Kommission galten zunächst ihrer bisherigen Tätigkeit. In mehreren Fällen schon hat die Kommission trotz ihres kurzen Bestehens durch Vermittlung von-Darlehen oder auch durch Unterstützung Existenzen vor dem Fall bewahrt oder neu begründet, ebenso kranken oder siechen Personen durch Unterbringung -in geeignete Pflege und Beschaffung der hierfür nötigen Mittel dauernd geholfen. Wiederholt hat die Auskunftsstelle (Btireau der Gemeinde, Kyiser-Wilhelm-Straße 93) auf Anfragen Auskünfte erteilt und dabei ebenso häufig sich für würdige Personen verwenden als vor unwürdigen warnen können. Trotzdem wurde der Wunsch ausgesprochen, daß namentlich die Auskunstsstelle von feiten der Gemeindemitglieder noch viel mehr in Anspruch genommen werden möchte. Ende dieses Jahres hoffe die Kommission schon mit einem Berichte über ihre weitere Tätigkeit an die Oeffentlichkeit treten und gleichzeitig ein Jahrbuch über die jüdische Wohlfahrtspflege in Hamburg herausgeben zu können. . 0. München, 26. September. Wie schon im Vorjahre, wird von unterrichteter Seite darauf hingewiesen, dast die Bewerbungsfrist um Erteilung der im einzelnen Falle mindestens 300 Mark jährlich betragenden Stipendien aus der zum Andenken an den am 4. März 1894 verstorbenen Rabbiner Dr. Joseph Perles in München begründeten Perlesstiftung in München allerdings schon am 10. September 1913 abgelaufen ist, daß aber noch Zeit gegeben wäre, nachträglich Bewerbungsgesuche einzureichen und solche Gesuche Berücksichtigung finden können. Nach der Satzung wird das dem Studienverein für Israeliten in München zur Verteilung unterstellte Stipendium solchen bayerischen Staatsangehörigen israelitischer Religion gewährt, welche durch hervorragende Leistungen sich bereits ausgezeichnet haben, eine bayerische Hochschule besuchen oder noch nicht länger als drei Jahre eine solche verlassen haben, einen geregelten Studiengang eingehalten und dabei die vorgeschriebenen Prüfungen bestanden haben (der Abschluß der Studien ist kein Hin-, dernis); bei Theologen, Stildiermden oder solchen, welche dieses Studium bereits abgeschlossen haben, bildet der Besuch ein e r bayerischen Hochschule keine Bedingung. Gesuche wären sofort bei Rabbiner Dr. C. Werner in München, Herzog- Max-Straße, einzureichen. — Auch für ein weiteres Stipendium, dasjenige aus der Berg m a n n st i s t u n g . dessen Verteilung ebenfalls dem Studien- und Arbeitsbeförderungsverein für Israeliten in Bayern (Vorstand: Rabbiner Dr. Werner in München, Schriftführer: Rechtsanwalt Dr. Mosbach er daselbst) Untersteht, laufen die Bewerbungen nicht so zahlreich ein, als die Stifter es vielleicht geglaubt haben. Die Hälfte der Zinsen aus der Stiftung sind an zwei Studierende der jüdischen Theologie in München oder nach Bestimmung der Dereinsleitung an einer anderen deutschen Hochschule zu verteilen. Bewerbungen für die beiden dorbenannten - Stiftungen sind nicht ausgeschlossen.. Studierende seien auch für künftige Jahre ans diese Stiftungen aufmerksam gemacht. e/s München, 26. September. Die schon lange vorher angekündigten n eu en Satzung e n sür die S tud ie renden au den b a y e r i s ch e n^ L a n d e s u n i v e r s i t ä t e n werden nun in der „Bayerischen Staatszeitung" .bekannt-gegeben. Sie -erstrecken^ sich auch auf die Zulassung der Ausländer zur Immatrikulation, die bisher von dem Nachweis einer Vorbildung abhängig war, die den Ausländer nach dem Gesetz seiner Heimat zum Universitätsbesuch berechtigte. Künftig wird ein Vorblldungsnachweis verlangt, der als gleichwertig mit dem Reifezeugnis einer deutschen neunklasstgen höheren Schule anzusehen ist. Auch wird das Ministerium zu einer Beschränkung -in der Zahl der Ausländer ermächtigt. Ausländer müssen die von den Studierenden zu entrichtenden Gebühren, abgesehen von den Kollegiengeldern, im doppelten Betrage zahlen und außerdem noch eine besondere Semestergebühr entrichten. Diese Aus-