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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-10-01 · Heft 40 (1.10.1913) · p. Seite 474

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 40 (1.10.1913)
Date
1913-10-01
Page
Seite 474 (sequence 6)
Language
German
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die hebräische Sprache nicht einmal ein Wort für Göttin." Der Begriff der Geschichte wirkt in Positiver Fruchtbarkeit, nicht etwa nur negativ und abstrakt den.Gegensatz zur Natur aus. Welche lichtvolle Konsequenzen ergeben sich von hier aus gegen den Panth e i s m us! Wir lassen nun aber, wie schon angedeutet, außer Betracht, was der gelehrte Forscher über die G es. etzesv erf assun g ausführt, haben dagegen um so dankbarer anzuerkennen, daß er über dem Gesichtspunkte der Geschichte das Verhältnis zum Individuum nicht außer acht gelassen hat. Er versteht die Initiative Gottes dahin, daß er „nicht nur das Volksganze, sondern auch das Individuum in die von ihm gewollte Geschichte hineinzieht". Sa zieht er den vollen Kreis der ^religiösen Beziehungen in die alte Bibel ein, und er schließt sich daher auch dem Urteil an, das Jeremia zum „Entd ecker d er menschlichen Seele" macht. Gerade bei Jeremia wurde es einleuchtend: „Religion s e l b e r i st G eschicht e." Und diese Geschichtsreligion ist zugleich auch P er s önlichkeitsr eligion. Der Entdecker der menschlichen. Seele ist der Entdecker der menschlichen Persönlichkeit. Bertholet spricht es daher freimütig und in ebenso religiöser wie wissenschaftlicher Aufrichtigkeit aus, er unterschreibe gern ein Wort, das einer seiner Vorgänger aus dem Tübinger Lehrstuhl, nämlich Kautzsch, über die bleibende Bedeutung des Alten Testaments ausgesprochen habe: „Was irgend dem Alten Testament an Unvollkommenem, ja vielleicht Anstößigem, in einem Wort an Knechtsgestält anhastet, das ist mir von Jahr zu Jahr immer mehr zu nichts zusammengeschrumpfb bei immer tieferem Eindringen in die überwältigende Erscheinung des Prophetismus." Aus diesem schönen Wort ist viel zu lernen. Ich möchte es besonders nutzbar machen auch für die einzig richtige Methode, die bei aller Literaturgeschichte und so nicht anders auch bei der der Bibel ganz allein zulässig ist: Von den Höhepunkten aus muß das ganze Gebiet bis in seine Niederungen herab und hindurch gesichtet und beleuchtet werden; nicht nur oben darf man das Licht strahlen lassen, unbekümmert um die dunkelen Punkte, die man nach der Schablone, Unterschiede zu markieren, getrost im Finsteren liegen läßt. Sind die lichten Höhepunkte einmal erkannt, so hat die Forschung überall die Ausgabe, sie nicht zu isolieren, sondern mit ihrem Lichte auch solche Stellen zu erhellen, die an sich dunkel und lichtscheu zu sein scheinen. Besonders den naiven Stellen der Bibel gegenüber tut diese reifere Einsicht not. Der Prophetismus ist als die Seele der jüd isch en ReIigion erkannt. Das ist der große Ertrag, den die Bibelforschung mit' ihrer Kritik erbracht hat. Von diesem Mittelpunkte aus werden daher auch alle Ausstrahlungen des biblischen Wesens zu erforschen sein. Mögen immerhin Ablenkungen und Verirrungen selbst nicht zu bestreiten, geschweige zu identifizieren sein mit den Wurzel- PUNkten, so -dürfen auch diese dennoch nicht außer allem Zusammenhang mit dem Schwerpunkte des einheitlichen Wesens zu betrachten und zu beurteilen sein. Denn es mutz die Ausgabe literargeschichtlicher Einsicht bleiben, ein Quellenwerk, von einer solchen Eigenart, in der immer deutlicher die alte Bibel erkannt wird, als eine Einheit zu erforschen, mag sie immerhin über Jahrhunderte sich erstrecken und s i ch en tw icke.ln. Die Eigen artsordert' die Einh eit. Ohne die Tendenz zur Einheit wäre die Eigenart kein Problem. Im Pryphetismus liegt die Eigenart. Im Prophetismus liegt demgemäß die Einheit derjüdischenReligwn — für a l l e Stadien ihrer Entwicklung. Ist es nun nicht, unser innigster Trost in diesem Zeitalter, das soviel Kümmernis über uns gebracht hat, bei allem Schmerz und aller Sorge es zugleich auch erlebt zu Haben, daß die Anerkennung unserer Religio n in bisher unbekannter Tiefe sich zu entfalten und auszubreiten begonnen. hat, und daß die Wissenschaft es ist, die von der Protestantischen Kathedertheologie gepflegte Wissenschaft,, welche diese Erkenntnis sich errungen hat, und durch dieselbe ihre eigene religiöse Einsicht vertieft. Kann es einen lebendigeren Trost, eine ermutigendere Zuversicht für uns geben, als welche aus diesen Tatsachen unserer wissenschaftlichen Zeitgeschichte zu uns spricht? Wahrlich, wie die Geschichte, die Weltgeschichte der offenbarste lebendigste Sinn unseres Gottesgsaübens ist, so ist jede Periode der Geschichte ein Zeugnis dieses Gottesgeistes. Und so ist kein Zeitalter so finster und so trübe, so durchgängig von Haß und Verfolgung, von Abfall und Verführung zur Apostasie, von Verleumdung und Verlästerung ersüllt: wo die Wahrheit unseres Gottes aufleuchtet, da geht unser Licht und unser Heil auf. Wir haben kein anderes, und wir wollen kein anderes haben als: „den Namen Gottes zu heiligen in der Welt." nt t&Hpb na» „In der Welt", so lautet das alte Wort; und es bedeutet: nicht für uns allein, in völkischer Isoliertheit, - sondern in d'er Welt der Völker,1 in der Welt der Geschichte haben wir die Heiligkeit Gottes zur Anerkennung zu bringen. Unser Gott ist der Gott der Geschichte. Und so ist auch Israel das Volk der Geschichte. Dsoiv Friedlsndrrs Vorkshrrn und Mschkommen. Von Ludwig Geiger. ls. Privatdruck ist ein sehr hübsches Buch erschienen, das den Titel führt: Das Handlungshaus Joachim Moses Friedländer u. Söhne zu Königsberg i. Pr. Für die Familie herausgegeben von Ernst Friedländer. Hamburg 1913. - Es ist zunächst eine Erinnerungschrift für die Familie; doch dürfte es bei dem großen Interesse, das die Dargestellten erregen, erwünscht sein, auch einem weiteren Kreise davon Kunde zu geben. Die Familie Friedländer führt ihren Namen waHrscheinlich aus der oberschlesischen Stadt Friedland, Der älteste nachweisbare Träger des Namens ist Joachim Moses Friedländer, 1738, vermutlich ein Sohn des Kaufmanns Moses Lewin, der Vorsteher der Gemeinde in Königsberg war. Wohnhaus der Familie Friedländer in Bönigsberg i. pr. »I W»Z»I --t-J.J!! L#ibt

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