Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 39 (26.9.1913)
- Date
- 1913-09-26
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Privatschulwesen einen so großen Umsang angenommen wie in Groß- Berlin. Die Gesetzgebung ist im Grunde ziemlich' alt und Lasiert noch heute auf einer Kabinettsorder von 1834 respektive 1839. So komme es, daß die Schulaufsichtsbehörde sehr viel Scherereien auf dem Gebiete des Privatschulwesens habe. Aber das müsse er sagen, nichts von dein hier in Pankow. Hier wäre alles mit tiefstem Verständnis und unter großer Opferwilligkeit der Gemeindebehörden geschehen. Auch in der Auswahl des Lehrpersonals habe die Gemeinde eine glückliche Hand gehabt. Er rühmt den Leiter der Anstalt, Herrn Grunwald, als hervorragenden Freund der Jugend und vorzüglichen Leiter. Die Ordensauszeichnung sei für Herrn Direktor Grunwald von der Kgl. Negierung, Abt.-für Schul- und Kirchenwesen beantragt worden. - Für die evangelische Gemeinde Pankow sprach Herr Superintendent Beier, für die katholische Gemeinde Herr Kuratus S ka r b i n a die herzlichsten Glückwünsche aus. Dann hielt Herr S. B er elow i tz namens der ehemaligen Zöglinge der Anstalt eine kurze Ansprache, in der er seinen tiefgefühltesten Dank Herrn Direktor Grunwald aussprach, der allen Insassen nach Möglichkeit das Vaterhaus zu ersetzen bestrebt sei und sie zu lebenstüchtigen, aufrechten und glaubensstarken Menschen erziehe. Gleichzeitig dankte er der jüdischen Gemeinde und allen denjenigen, die in uneigennütziger Weise an dem edlen Werke mitgenrbeitet haben. In Gemeinschaft mit den ehemaligen und gegenwärtigen Erziehern haben die ehemaligen Zöglinge die Summe von 1000 Mark als Beitrag für die Grunwäld-Stiftung bestimmt; dies als äußeres Zeichen des Dankes. — Dann trug ein Zögling der Anstalt ein Gratulationsgedicht „Dem Jubilar" vor, worauf zum Schluffe noch vom Pankower Grundbesitzerverein dem Jubilar eine Adresse überreicht wurde. Der Jubilar Herr Direktor Grunwald, der sichtlich von all den Ehrungen tief ergriffen war, sprach dann überquelleuden Herzens warme Worte des Dankes aus an alle, die dieses Tages gedachten. Dank gegen Gott erfülle sein Herz, Dank auch gegen unseren irdischen König. Auch dieses Haus erfreue sich der Gnade unseres Herrscher-. Hauses. In Liebe zum Vaterland und Treue zum Herrscherhause werde er auch in Zukunft die Kinder erziehen. Er dankte den Behörden, der jüdischen Gemeinde, dem Kuratorium des Hauses und den Gemeindebehörden Pankows. Er dankte besonders herzlich auch den Kindern, die Ansprache des ehemaligen Zöglings und die Gratulation der Kinder hätten die zartesten Saiten seiner Seelenregungen angeschlagen. Er gedenkt seiner verblichenen.Gattin, die eine treue Mutter des Hauses war, er dankt der göttlichen Vorsehung, daß ihm Ersatz gegeben sei in seiner jetzigen Gattin, die ihm treu zur Seite stehe und ihm helfe die Aufgaben, die ihm zustehen, zu, erfüllen. Alle die Ehrungen, die ihm zuteil geworden sind, werden ihm ein Ansporn sein, in Zukunft im gleichen Geiste in diesem Hause seines Amtes zu walten, solange seine Kraft dazu ausreiche. — Mit dem Bortrag des Psalm 150 schloß die erhebende Feier. Die meisten Teilnehmer nahmen hierauf eine eingehende Besichtigung der Räume und der vortrefflichen Einrichtungen des Hauses vor.« c/*> Berlin, 23. September. Unter herzlicher Teilnahme weiter Kreise beging am 18. d. M. der bekannte Augenarzt Geheimer Medizinalrat Professor Ju l i us. H i rsch ber g seinen 70.. Geburtstag. Ununterbrochen trafen während des ganzen Tages Glückwünsche für den Jubilar ein, ferner Dankadressen, Ehrengeschenke und Blumenspenden.- So gratulierten unter anderem die Berliner Universität, die Medizinische Gesellschaft, der Berliner Aerzteverein, die Ophthalmologische Gesellschaft, der Verband' der Spezialärzte. Verschiedene Deputationen und ehemalige Patienten erschienen, um ihre Glückwünsche mündlich zum Ausdruck zu bringen. Abends fand im Hotel Adlon ein großes Festdiner statt, an dem unter anderen namhaften Gelehrten Professor Dr/Cirincione aus Rom, Professor Dr. Albirtotti aus Padua, Professor Dr: Ovio aus Genua, Dr.- Purtscher aus Klagenfurt, Dr. Sp eci ale aus Rom- Dozent an der Königlichen Italienischen Universität in Rom, und Hösrat Professor Dr. Goldzieher aus Budapest teilnahmen. Aus Anlaß "seines 70. Geburtstages hat Professor Hirschberg der Berliner Armendirektion 1000 Mark mit der Bestimmung übertviesen, Beträge von je 50 Mark an würdige Armc der Stadt Berlin ohne Unterschied des Bekenntnisses zu verteilen. Die Verteilung der Spende hat gemäß dem Wunsche des Stifters stattgefunden. N. C. Berlin, 23 September. Wer kennt sienicht, jene.müden, . gebeugten und verkümmerten Gestalten unserer Gl-äubensgenoffen, die oft ihre östliche Heimat -unter dem Drucke der «Verfolgung, des Judenhässcs-und aus wirtschaftlichen Gründen verlassen m ü s s e n, -um sich5 anderwärts eine «Existenz zu gründen. Eine große Anzahl hält sich täglich auf der Durchreise in BeLlin aus, Männer, Jrauen und Kinder.- Wie oft -wußten sie nicht, wo..sie ihre mrüden- Häupterhml-egen sollten, wie oft fielen «sie der Ausbeutung gewinnsüchtiger Gastwirte anheim. . .Da war es eine soziale Tat ersten' M-ayges, -als -vor vier Jahren von warmherzigen' Männern ä-tiÄr Frauen/ die wvu tiefstem Mitgefühl für ihre unglücklichen Glaubensgenossen beseelt waren, den „Volksverein", die „jiddische Herberge" gegründet worden ist. Die erste -und zweite «Etage des Hauses Auguststraße 20 wurden gemietet -und «dem Zwecke entsprechend -eingerichtet. Saubere Schlafstätten für vierzig Personen sind hergerichtet, desgleichen «Speise- und Baderäume. -Hier finden jene Unglücklichen gastfreie, u«nelit'geltlich«e Ausnahme auf Tage, manchmal auch auf Wochen. Eine saubere und gute Schlafstätte «wird «ihnen bei reichlicher Beköstigung — fünf Mahlzeiten täglich — gewährt. Die Beköstigung ist eine streng rituelle. Jedoch werden die Ansprüche immer größer «und erfordern große Mittel. Wenn auch «der Vorstand -unserer Gemeinde -den Verein in anerkennenswerter Weise subventioniert, «wenn auch ein Teil der Herbergsgäste für Rechnung der Durchreisekommission «der jüdischen Gemeinde Aufnahme finden, so bedarf der «Verein 'doch '-in noch höherem Maße als bisher der Unterstützung. Wer in der .glücklichen Lage ist, sich «und der: Seinen ein eigenes Heim'zu. «sichern, muß es empfinden, was «es heißt, in «der Fremde obdachlos zu sein. Das Ziel des Vereins, der denmächft seine Eintragung in das Vereinsregister beantragen wird, ist die Gründung einer Herberge im eigenen Hause. Erst mit der Erreichung dieses Zieles wird allen Ausordcrungen, nicht zuletzt den hygienischen, entsprochen werden können. Beitrittserklärungen und «Spenden für den Verein «nimmt dessen Schatzmeister, Herr Hermann Aron, Chgrlottenburg, Bisniarckstraße 105, dankend entgegen. Einen Beweis für das, was der Verein bisher leistete, «geben wohl am besten folgende Zahlen: Es fanden' Aufnahme: 1912 zirka 10 000 Personen. 1913 von Januar «bis August 6052 Personen. Gegen den gleichen Zeitraum im Vorjahre ein Mehr von «etwa 1000 Personen. Also wer in Anbetracht der herannahenden Feiertage - ein «Scherfleiu auf dem Altar der Wohltätigkeit opfern «will, kann kaum etwas Besseres tun, als es dem Volksverein zuzuwenden. 22-Zoppot, 19. September. Die Grundsteinlegung zur Synagoge in der Roonstr-aße erfolgte am 26. v. M. mittags in Anwesenheit vieler Damen und Herren unserer Gemeinde. Es war bereits ein kleines Stück Grundmauer aufgeführt; und in eine Vertiefung dieses Mauerwerkes wurden der Eck- und Grundstein eingemauert durch Schläge mit dem blumengeschmückten Hammer. Sanitätsrat Dr. L i n d e m a n n las die Urkunde vor; die in den Grundstein eingemauert wurde. Sie hatte folgenden Wortlaut: „Ostseebad Zoppvt, 26. August 1913. Der sehnliche Wunsch der Zoppoter Juden, eine eigene Shnagogengemeinde zu gründen, fand dadurch seine Erfüllung, daß Herr Caspar Silberstein, Großkaufmann in Danzig, sich bereit erklärte, der Gemeinde eine Synagoge zu stiften. Nachdem die Ablösung von der Synagogengemeinde-Neustadt erfolgt war, erteilte der Regierungspräsident Förster im Dezember 1912 die Genehmigung zur Bildung der neuen Gemeinde. Im März 1913 fanden die -Wahlen für. den Vorstand und die Repräsentanten statt. Im Juli 1913 hat das Statut der Synagogengemeinde die Bestätigung durch Herrn Oberpräsidenten Exzellenz v. Jagow erhalten. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß dem Königlichen Landrat zu Neustadt, Herrn Grafen v. Baudiffin, großer Dank gebührt/für die tatkräftige Unterstützung bei den Verhandlungen, die zur Gründung, der Gemeinde führten. Am heutigen Tage, dem -26- August 1913, ist der Grundstein zum Bau der Synagoge gelegt Worden.- Der Baumeister ist der Architekt Adolf Bielefeldt. Möge das Werk der Stadt Zoppot zur Zierde und zuin Segen, ^gereichen, möge es der Shnagogengemeinde eine Statte sein zur Förderung sittlicher Kräfte, zur Förderung der Liebe zu König und Vaterland." Danach traten verschiedene Herren vor und taten die ersten Hammerschläge mit entsprechenden Sinnsprüchen. Kauf- ' mann Caspar Silberstein: „Möge das Werk der, Stadt zum Heil und zur Zierde gereichen"; Sanitätsrat Dr. Lindemann: „Treu Gott, treu den: König, treu dem Vaterland"; Herr Bieleseldt, der bauausführende Architekt: „Dem Bauherrn zum Gedächtnis, der Stadt zur Zierde!"; Apotheker Königsfeld: „Wahre Religion zeigt sich in der Duldsamkeit gegen jede ändere Religion"; Rentier Glückauf: „Zum Segen der Stadt und zur Ehre der jüdischen Gemeinde von Zoppot"; Kaufmann Simon:. „Es möge dieser Bau stets zum Segen der hier gegründeten jüdischen