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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-09-26 · Heft 39 (26.9.1913) · p. Seite 464

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 39 (26.9.1913)
Date
1913-09-26
Page
Seite 464 (sequence 8)
Language
German
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464 beiden letztgenannten Stellen ein seltsames Gelehrtenoriginal. Was I. Grimm mit der Anspielung auf Kopps Mut meint, ergibt seines Bruders Wilhelm Aeußerung Band I S. .213 in einem Briefe vom 17. Juli 1822: „Scharfsinn, Talent, besondere Gaben für sein Fach besitzt er ohne Zweifel. . . . Er hat den Grundsatz, jedes Monument, das er nicht erklären kann, wie nicht vorhanden zu betrachten, dadurch bekommt er überall Sicherheit, stellt aber das ganze doch nur lückenhaft dar." Wilhelm ist natürlich Jacobs Bruder, sein unzertrennlicher Lebens-, Gesinnungs- und Arbeitsgesährte. „Japhetiden" statt des üblicheren „Jndogermanen" oder „Arier".) Seite 284: [44. Brief I. Grimms an Hupfeld.j Berlin, 20 juni 1844. Durch Herrn Dr. Sommer übermache ich Ihnen, lieber Hupfeld, ein kalbfell zur ansicht, welches mein freund Haxthausen neulich aus Feodosia in der Krim mitbrachte. Dort schenkte es ihm nebst andern stücken derselben art ein karaitischer rabbiner, der ein übertrieben hohes alter dafür behauptete. Sie werden gleich sehen, daß es aus dem Pentateuch und zwar dem leviticus ist, und es wird Ihnen leicht sein das ungefähre alter der schrist zu bestimmen, die züge find schön und regelmäßig, aber dafür bestand ja eben alte regel. Diese Karaim behaupten unabhängig von den andern Juden und unmittelbar aus der babylonischen gefangenschaft nach Taurien gelangt zu sein. Neulich wurde uns durch Müllers Unfall ein schrecken eingejagt. Möge es Ihnen wol ergehn. Ihr Jac. Grimm. (Müller ist der Professor der Theologie Julius Müller [1801—78], damals schon in Halle, ein Bruder des berühmten Altertumsforschers Otfried Müller. Auch mit diesem theologischen Freunde hat I. Grimm Ansichten über alttestamentliche Probleme ausgetauscht.) Seite 284: s45. Br-ief I. Grimms an Hupfeld.j Berlin, 5. dec. 1848. Lieber Freund, nach. langer zeit einmal ein brief, und nicht einmal zum dank für Ihre Letzte zuschrift, welche hefte über theologische zeitsragen mittheilte isehltj, sondern mit unschuldigen Philologischen Fragen. — Läßt-sich von den Frauennamen der genesis Eva Sara Rebecca Lea Rahel Bilha Silpa Dina (um der Ada, Ahalibama und Basmath zu geschweigen) eine leichte deutung geben? die Ihnen auf der stelle beisällt. Sie nicht zu gelehrter sorschung verleitet? — Ijcit nicht Hieronymus schon alle biblischen nameu ausgelegt? in welcher seiner schriften? Doch sind das wol herbeigezogne erklürungen die irgend einen sittlichen begrif enthalten oder aufs N. T. anspielen sollen. . . . Ihr Jacob Grimm. Welchen Beifall würde der Meister seinen Jüngern oderandern Berufenen gezollt haben, die seinem Borbilde gemäß den heikeln Zweifelsragen jüdischer oder hebräischer Parallelen und jüdisch-deutscher Sprach analogie ihre Aufmerksamkeit geschenkt hätten! Es wäre gewiß eine lohnende Ausgabe, einmal sestzustellen, wieweit Jakob Grimm, sein Mitvater des „Wörterbuchs" und anfänglicher Helfer Wilhelm Grimm, dann aber die so gar verschiedenen, absichtlich mehr oder weniger in seinem Geiste arbeitenden Nachfolger in der Bearbeitung und Redaktion des gewaltigen, nun schon seit 60 Jahren erscheinenden Nationalwerkes die eigentümliche Sprachmischung zur Ausbeute für Wortschatz, Bedeutungswandel und Beugung herangezogen haben, auf welche obige Briefauszüge wiederholt bedeutsam eingehen: das Jüdisch- Deutsche. Der ebenbürtigste und eigenartigste.Nachfolger im Pslegeamt an diesem herrlichen, aber schwierigen Erbe Grimms, Rudolf Hildebrand in Leipzig, legte stets auf die literarische wie sprachliche Wichtigkeit des Jüdisch-Deutschen für die deutsche Philologie außerordentlich hohen Wert, zog z. B. die überraschenden Hinweise H. Lotzes (im „Archiv für Literaturgeschichte", I, 1870) heran und hat mich, seinen letzten öffentlichen Famulus, mittelbar zu meinen betreffenden Studien. — niedergelegt in den ausführlichen Referaten über die Veröffentlichungen Felix Rosenbergs, Leo Wieners, M. Grünbaums, L. Gerzons (meistens im „Literaturblatt für germanische und romanische Philologie") — angeregt. Daß mein Vetter Dr. Alfred Landau in Wien, der gründlichste sprachliche Kenner des Jüdisch-Deutschen und ganz in Grimmschem Geiste dem Stoffe gewachsen, bis heute nur zur Darbietung kleiner Ausschnitte seines reichen Wissens und seiner sicheren Forschungsergebnisse gelangt ist, sollte man arg bedauern. Zweck und Wittel bei der tzyperorthodorie. Von einem Parteilosen. mit meiner in Nummer 35 dieser geschätzten Zeitschrift mir vorbehaltenen Beleuchtung d^r 'hyperorthodoxen Kampfesmethode wollte ich ursprünglich den Abschluß der Artikelserie des Herrn Dr. Wohlgemuth in der „Jüdischen Presse" abwarten. Ich glaubte dies nicht allein aus praktischen Gründen tun zu sollen, um die Ausfälle W/s und Earlebachs gemeinsam beurteilen zu können, sondern hauptsächlich deshalb, weil mir die C.schen Ergüsse im „Israelit" Nummer 19—33 so abenteuerlich erschienen, daß ich, trotzdem der „Israelit" sich mit ihnen voll und ganz identifiziert, immer noch des Glaubens war, daß die offiziellen Vertreter der orthodoxen Wissenschaft jede Gemeinschaft mit dieser Spiegelfechterei mit Entschiedenheit zurückweisen werden. Ich brachte es daher nicht über mich, selbst auch nur die Hyperorthodoxie in ihrer Allgemeinheit für diesen C.schen Machivellismus verantwortlich zu machen. Nun kommt Herr Dr. W., der Bildner der orthodoxen Nabbinen, und setzt in der letzten Nummer der „Jüdischen Presse", S. 366, nicht nur sein Siegel unter das C.sche Elaborat, sondern er bezeichnet es sogar als eine „geradezu vernichtende Kritik" und ist begierig zu wissen, „was die Gegner darauf zu erwidern haben." Diese Belobung der C.schen Methode durch einen der ersten Vertreter der orthodoxen Religionswissenschaft drückt mir nunmehr die Feder in die Hand, um Herrn Dr. W. möglichst bald wissen zu lassen, „was die Gegner daraus zu erwidern haben." Ich will nun zur Charakterisierung dieser Art der „Wahrheitsverteidigung", mit der sich nunmehr auch W. eins erklärt, nicht einzelne Morpente willkürlich herausgreifen, sondern gleich mit dem ersten beginnen. Herr Dr. C. hat als ersten Angriffspunkt die liberale Anschauung über dasbiblisch-talmudische Ehegesetz gewählt. Das ist richtig gewählt. Ist doch diese Frage der Brennpunkt des ganzen gegenwärtigen Streites. Der Leser ist nun sehr gespannt darauf, über diese elementarste Frage, deretwegen die Hyperorthodoxie die deutsche Judenheit in zwei Konfessionen teilen möchte, von Herrn Dr. C. eine gründliche Aufklärung zu erhalten. Doch C. macht sich die Sache viel leichter.' Nachdem er in seinem ersten Artikel („Israelit", Nummer 19) die Behauptung eines liberalen Rabbiners, Dr. H. in der „Berliner wissenschaftlichen Vereinigung des liberalen ' Judentums", nach welcher „die Thora die Polygamie gelten lasse und erst Rabbi Gerson aus Mainz im 12. Jahrhundert das Verbot der Vielweiberei durchgedrückt habe", zum Gegenstand seiner Behandlung genommen, fährt er in mehrere Spalten füllenden Tiraden fort, die Schale seines Spottes über jenen liberalen Rabbiner wie über sämtliche Mitglieder der genannten Vereinigung, und unter ihnen besonders über Herrn Justizrat Breslauer ausznschütten. Wie die Aufschrift jenes Artikels „Das Recht auf Oberflächlichkeit", so ist der ganze Inhalt desselben lediglich Hohn und Entrüstung über den „Dilettantismus" und die „Oberflächlichkeit" jenes liberalen

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