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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-09-26 · Heft 39 (26.9.1913) · p. Seite 463

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 39 (26.9.1913)
Date
1913-09-26
Page
Seite 463 (sequence 7)
Language
German
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hungern dürfe se!" Bei dem heutigen Anlasse sei dieses Vorkommnis übrigens nebenbei als ein Moment gegen die angebliche jüdische Herkunft der Familie Brentano, wie sie, zum wenigsten von Mutters Seite her, der einflußreiche rassenantisemitische Literarhistoriker Adolf Bartels eifervoll verfochten, ins Feld geführt. Savignh hätte dann kaum ein Mädchen mit solcher „erblichen Belastung" geheiratet, und auch in der Familie Grimm würde sich die Ehe des Stammhalters Hermann mit Gisela v. Arnim, Bettina Brentanos Tochter, wahrscheinlich nicht maßgeblichen Beifalls, auch desjenigen des Junggesellenoheims Jakob Grimm, erfreut haben. Dieser letztere hat sich zu der im Gange befindlichen Judenemanzipation, mindestens der Praktischen Gleichberechtigung auf geistigem Gebiete, mit abfälligem Urteile, bestimmt, wie es immer die Art dieses unbeugsamen Charakters,, öfters geäußert. Da sei hier, wo weiter unten sprachliche, wesentlich deutsch-philologische Erörterungspunkte jüdischen Stoffes aus Jakob Grimms Kreis herausgehoben werden, des führenden Germanisten Konflikt mit dem jüdischen Gelehrten besprochen, welcher anerkannt als Lexikograph weit hervorragte, ja der vielseitigste deutsche Fachmann war: Daniel. Sanders. Scharf lautet Grimms mittelbare Antwort aus Sanders', des ersten und zwar mannigfach schroffen Kritikers (1852/53) der ersten Hefte des Grimmschen „Deutschen Wörterbuchs", in der ausführlichen. Programmvorrede zu dessen I. Band (1854) aus Seite LXVIII. Denn, wenn I. Grimm daselbst auch Sanders nicht direkt namhaft macht, so besteht gar kein Zweifel, daß dieser mitgemeint ist in dem überderben Satze: „Zwei Spinnen sind, auf die Kräuter dieses Wolssgärtens gekrochen und haben ihr Gift ausgelassen. . ." Aber in erster Linie zielt dieser nachträgliche Zornesausbruch auf „das infame Münchener Pamphlet", das I. Grimm in einem Privatbriefe an seinen Verleger S.Hirzel am 15. Oktober 1852 unter „Wurm" verstanden wissen wollte. In demselben Schreiben, wo er sich gegenüber dem soeben genannten geschäftlichen Träger dieses noch heute unabgeschlossenen Riesenunternehmens sehr stark über jene freilich gar unzart losschlagende Kritikbroschüre des drohenden „jüdischen" Wettbewerbers aussprach: „die schamlose Schrift von Sanders usw." Daher übertreibt Ed. Schröders Ausdruck in seiner, im Vergleiche mit Friedrich Düsels liebevollem Lebens- und Charakterbild seines engsten Strelitzer Landsmannes Sanders (1889/90) mannigfach einseitigen Lebensskizze Sanders' in der „Allgemeinen Deutschen Biographie" Band 53 (1907, S. 706 bis 708), Grimm habe dort Sanders „wie ein ekles Gewürm abgeschüttelt". Uebrigens fand die Veröffentlichung jenes, erwähnten harten Ausfalles über den noch lebenden Sanders, aus rein privater Korrespondenz 1890 im „Anzeiger für deutsches Altertum und deutsche Literatur" XVII, S. 226 erfolgt, vielerseits bei Fachleuten, besonders im Berliner Germanistenkreise, ernsten Tadel, obwohl derlei Offenherzigkeiten natürlich die wahre, innere Ansicht eines Menschen erst klar beleuchten. Auch Anna Segert-Steins pietätvolle Würdigung „Daniel Sanders. Ein Gedenkbuch (Neustrelitz 1897) läßt doch eine weit mildere Auffassung des uneigennützigen Forschers und Schulmanns zu oder legt sie sogar nahe, dem die heimische mecklenburgische Staatsregi-erung in seinen Bestrebungen als jüdischer Pädagog den Faden direkt abgeschnitten hatte. Gegenüber seiner Abneigung gegen zeitgenössische Juden und ihre Bestrebungen rnuß man I. Grimms hohe Achtung vor der jüdischen Vergangenheit, besonders des Altertums, und ausgedehnte Teilnahme dafür betonen. Das Werk: „Persönliche und amtliche Beziehungen der Brüder Grimm zu Hessen. Eine Sammlung von Briefen und Actenstücken als Festschrift zum hundertsten Geburtstag Wilhelm Grimms, den 21. Februar 1886, zusammengestellt und erläutert von E. Stengel. Band II: Actenftücke über die Thätigkeit: der Brüder Grimm im hessischen Staatsdienst" (Marburg r' H., Elwert 1886) *), bringt dazu etliche nette Belege, die: hier ganz ungeschminkt sein lebhaftes Interesse für einschlägige Fragen, namentlich in sprachlicher Hinsicht, bekunden mögen. Seite 283 f.: (43. Brief der-Korrespondenz zwischen'dem Marburger Theologieprofessor Hupfeld, 1796—1886, Und Jakob Grimm.) I. Grimm an Hupfeld. Berlin 4. april 1844. Lieber freund, ich lasse bei feite was Ihnen und uns in der letzten zeit schmerz gemacht hat, und thue heute bloß eine frage: wie kommt es, daß hebräisch (oder doch jüdisch, in der Gaunersprache) aschkenas deutsch bedeutet, ich sehe wol, daß dieser name zusammenhängt mit gen. 10, 3 und Jerem. 51, 27; doch seit wann hat man ihn auf Deutschland, und etwa den deutschen Stammherrn Ascanius bezogen? Herzlichen Gruß von Ihrem Jacob Grimm. (Bekanntlich schrieb I. Grimm die Hauptwörter sowie die ersten Wörter der Sätze mit kleinen Anfangsbuchstaben.) Seite 333:. (5. Brief Schmellers an Weigands v. 21. 2. 1847: „. . . . Auch aus die Bedeutsamkeit der jüdischen Elemente in unseren Volkssprachen machen Sie, u. wie es am wirksamsten, gleich durch die Tat aufmerksam. Diese Elemente wol durch ganz Deutschland dieselben u. nur örtlich verschieden gefärbt, verdienten, für einen eben so kundigen eine eigene Aufgabe zu sehn, eine dankbarere als etwa die Schatzgräbereh nach Keltischem. Vielleicht, doch muß ich zweifeln, wäre ein Dr. Anton Ree der Mann dazu, der mir von Hamburg aus eine Broschüre von 146 Seiten 8°: „Die Sprachverhältnisse der heutigen Juden im Interesse der Gegenwart u. mit besonderer Rücksicht auf Volkserziehung" Hamburg 1844, zugesendet hat. Seine Besprechung ist mir nur etwas zu allgemein u. zu sehr in Philosophischen Höhen gehalten, als daß sie auch das gehörige Vermögen im Concreten sicher voräussetzen ließe. — Ihr Lich (um vom Semitischen wieder auf unser unbezweifelt altheimisches zu springen), nach der alten Form Leoh auf Löh zu beziehen .... > ' (I. A. Schmeller, Bibliothekar an der Staatsbibliothek zu , München, und F.L.K.Weigand, Universitätsprosessor zu Gießen, beide vortreffliche Germanisten, vor allem als Lexikologen.) Seite 238 f.: s8. Brief I. Grimms an Hupfeld) .... meine deutschen grammaticalien dachten ursprünglich sicher nicht daran, daß Sie einen maßstab hergeben sollten, der einmal an semitische Sprachen gesetzt werden könnte und doch sind solche Vergleichungen natürlich, und liegen noch weit näher, als die bloße abstraction, worin wir uns so leicht versteigen. Ich freue mich nun auf Ihre versprochene eigentliche ausführung, soweit ich sie werde fassen können, denn ich spüre bis jetzt von Kopps muthe noch wenig in mir, mich an das hebräische ordentlich zu wagen .... Gegen das Studium des hebräischen und arabischen habe (239) ich das vorurtheil, daß sie uns Japhetiden zur Sprachvergleichung weniger haltpuncte darbieten .... Wilhelm empfiehlt sich und ich bin mit freundschaftlicher' Hochachtung der Ihrige Grimm. Cassel 1. Sept. 1827. (Kopp ist gemäß dem gemeinsamen Hinweise des Registers auf S. 220 desselben Bandes und S. 213 von Band I der Paläograph Ulrich Peter Kopp, nach der Schilderung an den 0 Auf nähere sachliche oder Persönliche Erläuterungen können wir uns hier unmöglich emlassen. Das Allernötigste über die vorkommenden Gelehrten ist oben im Anschluß an Professor Dr. Edmund Stengels, des ausgezeichneten Romanisten und bisherigen freisinnigen Reichstagsabgeordneten (Greifswald), Anmerkungen mitgeteilt. Dr. Anton fflee ist der bekannte Hamburger Philanthrop, Schulmann und Parlamentarier jüdischer Abkunst. Uber die anderen unterrichtet jedes Nachschlagewerk. -

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