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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-09-19 · Heft 38 (19.9.1913) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 38 (19.9.1913)
Date
1913-09-19
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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ernst, da insbesondere die Wirbelsäule verletzt ist. — Wres chen. Hier starb hochbetagt der Rentier Hirsch Miloslawer. Derselbe hat sich ganz besonders um die jüdische Gemeinde verdient gemacht, indem er Zeit seines Lebens bis in das höchste Alter die Menschenpflicht: „das Besuchen der Kranken" und „Bestatten der Leichen", übte. Selbst von Nichtjuden wurde seine Tätigkeit oftmals in Anspruch -genommen. — S ch ö n l a n k e. Die neue Mazzenfabrik Hierselbst schreitet in ihrem Bau derart fort, daß der Betrieb im Oktober d. I. begonnen werden kann. Der Bau kostet ca. 150 000 M. und ist das erste derartige genossenschaftliche Unternehmen in Deutschland. Auch die Fabrikation von Teigwaren, Nudeln usw. soll mit verbunden werden. — Birnbau m. Das Marcus Schwarz sehe Ehepaar feierte das Fest seiner goldenen Hochzeit. Mann und Frau sind geistig und körperlich noch sehr rege. Von allen Seiten wurden dem Jubelpaare große Ehrungen zuteil. — Frau st ad t. Aus Anlaß des Begräbnisses seines verstorbenen Bruders hat der Fabrikbesitzer Joseph Rosenberg in Posen an die Armen hiesiger Stadt ohne Unterschied der Konfession 500 Mark zur sofortigen Verteilung gespendet. M. Hamburg, 12. September. Der Tod hält reiche Ernte unter den angesehenen Mitgliedern unserer Gemeinde. Eduard I s a a k s o n, der Seniorchef der bekannten Firma Jsaakson & Co., ist nach kurzer Krankheit im Alter von 72 Jahren aus dein Leben geschieden. Im Politischen Leben unserer Vaterstadt hat der Verewigte eine wichtige Rolle gespielt. Er war-langjähriges Mitglied der Bürgerschaft und wurde durch das Vertrauen-feiner Mitbürger zum Vorsitzenden des Reichstagswahlvereins gewählt. Zu der Trauerfeier, die in der Kapelle des israelitischen Friedhofes in Ohlsdorf stattfand, versammelte sich eine außerordentlich große Anzahl Leidtragender. Unter ihnen hatten sich eingesunden Herr Senator Refardt, viele Mitglieder der Bürgerschaft, der gesamte Vorstand des Reichstagswahlvereins, Delegierte vieler Institutionen, Vertreter von Kunst und Wissenschaft, Herr Geheimrat B a ch u r und viele andere hervorragende Persönlichkeiten. Der aufgebahrte Sarg war mit Kränzen und Blumenspenden ganz bedeckt, obenauf lagewder mit rotweißer Schleife versehene Lorbeerkranz des Reichstagswahlvereins und die Blumenspende des hamburgischen Landesverbandes des Deutschen Flottenvereins. Die Gedächtnisrede hielt Herr Prediger Dr. Lei m d ö r f e r, der er das Wort aus den Schwächen Salomonis Kap. 22, Vers 29 zugrunde legte: „Siehest du einen Mann beflissen in seinem Lebenswerk, vor Königen wird er dastehen in seiner Festigkeit und Treue". Er war ein Mann der Festigkeit und Treue, der fest und treu an seinem Glauben hing, er war aber auch ein Mann, beflissen in seinem Lebenswerf, ein Mann der Arbeit, der er sich in seinem Berufe mit dem weitausschauenden Blick eines Hanseaten widmete, so daß seine Firma zu hohem Ansehen gelangte. Sein hervorragendes Können stellte er auch in den Dienst der Oesfentlichkeit, im kommunalen Leben unserer Vaterstadt und weit über Hamburg hinaus hat er eine hervorragende Rolle gespielt. Als Vorsitzender des Reichstagswahlvereins, als langjähriges Mitglied unserer gesetzgebenden Körperschaft zeichnete er sich nicht nur durch seine Tüchtigkeit, sondern durch die Festigkeit seiner Gesinnung aus. Er ivar ein Mann der Reichstreue, der stets das Wort des Dichters betätigte: „Aus Vaterland, ans teure schließ' dich an!" Beseelt von glühendem Patriotismus, war er ein unerschütterlicher Freund des Altreichskanzlers, er hat stets den Manen des Fürsten Bismarcks gelebt. Unter seiner Führung zogen die Hamburger Patrioten viele Jahre nach Friedrichsruh, um dem Fürsten Bismarck zu huldige«. Ein Bild echter' deutscher Vaterlandsliebe, aus dessen Nacheiferung die Jugend Kraft zu den höchsten Zielen schöpfen kann. Der Trauerredner schloß seine ergreifende Rede mit den Worten: „Nun ivirft du, edler Mann, versammelt 31t deinen Vätern, und tiefbewegt nehmen wir Abschiedvon dem, was sterblich an dir gewesen." Es folgten dann noch Ansprachen der Delegierten verschiedener Verbindungen, der Vorsitzende des St. Georger Bürgervereins gedachte der Tätigkeit des Verewigten als Kommissar der Handelskammer beim Notstandskomitee während der Cholerazeit 1892. Er legte einen Kranz nieder mit den Worten: „Du bist gestorben, bist aber nicht tot, im Geiste wirst du fortleben, dessen sei gewiß." Dann wurde der Sarg zur Gruft getragen und nach einem. Gebet des Geistlichen wurden die irdischen Ueberreste dem Schoß der Erde übergeben. J. Dinslaken, 12. September. Mit dem 1. September hat Herr Dr. Rothschild, bisher als Oberlehrer in Halberstadt tätig, die Leitung des israelitischen Waisenhauses Hierselbst übernommen. Der Ruf als guter Lehrer und Erzieher, den derselbe allseitig genießt, läßt erwarten, daß er auch in seinem neuen Wirkungskreise sich bewähren und das Haus unter seiner Leitung weiter recht erfreuliche Fortschritte machen wird. Der innere Betrieb rvird in unveränderter Weise sortgesührt, und es ist zu hoffen, daß auch fernerhin dem Hause die Kaddischstiftungen wie Unterhaltungsbeiträge und Spenden der Gemeinden und einzelner Wohltäter unverändert zu fließen werden. L2 Frankfurt, 12. September. Das Genesungsheim der Eduard-und-Adel Heid-Kann-Stiftung zu Oberstedten im Taunus wird in diesen Wochen das vierte Jahr seines Bestehens hinter sich haben. Das von Frau Flora Geisenheimer geborene Kann zu Paris errichtete und von ihr mit Hilfe ihrer Berivandten unterhaltene Heim war in diesem Jahre von Anfang Mai an geöffnet und hatte einen solchen Zuspruch, daß die sämtlichen Betten während der ganzen Zeit belegt waren. Es war eine Freude, zu sehen, wie sich die sämtlichen Pfleglinge draußen erholt haben und wie sie gekräftigt wieder zu ihrem Beruf zurückkehren konnten. Leider war aber dieses Jahr, so glücklich es für die Entwicklung des Heimes war, für die Verwaltung selbst ein trauriges, da drei Vorstandsmitglieder durch Tod entrissen wurden. Am 29. März 1913 starb der Kassierer der Verwaltung, Bankier Benny Oppenheimer, den FEINE PELZ WAREN in nur erstklassiger Verarbeitung. Vornehmer Schnitt, vollwertiges Material, gute Zutaten bei jeder Preislage. 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