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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-09-19 · Heft 38 (19.9.1913) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 38 (19.9.1913)
Date
1913-09-19
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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vielfache itnb weitreichende Inanspruchnahme durch Aemter und Arbeiten in der jüdischen und allgemeine Wohltätigkeitspflege nicht hatten äbhalten können, von der Errichtung der Stiftung an das Amt des Kassierers zu übernehmen und bis zu feinem Tode Zu verwalten. Vielfache Schenkungen zeugen von dem. Interesse, das der so vielfach Beschäftigte jederzeit dem Heini entgegengebracht hat. Am 17. August 1913 erlag Dr. Phil. E d u a r d Schnapper, der Nesse der, Stisterin und Enstl des Ehepaares, dessen Namen die Stiftung trägt, einem schweren Automobilunfall. Er hatte von Errichtung der Stiftung an, deren Schriftführer er in den ersten Jahren war, sein lebhaftes Interesse an ihr bekundet. Seinem Wirken, seinen'Verhandlungen mit Behörden und sonstigen in Betracht kommenden Stellen ist die Fertigstellung des Baues und der Einrichtung in erster Linie zu danken. Er hat auch, nachdem er wegen Arbeitsüberhäufung sein Amt als Schriftführer niederlegen mußte, die Stiftung sich weiterangelegen sein lassen und hat nie versäumt, das Heim zu besuchen und dort nach dem Rechten zu sehen. Ein tragisches Geschick hat ihn nicht fern von dem Heim hinweggerafft, bas so oft das Ziel seiner Autofahrten war. Am 28. August 1913 starb nach langer und schwerer Krankheit der Vorsitzende der Stiftung Leopold H i r s'ch l e r. (Wir haben in der vorigen Nummer über dessen Hinscheiden berichtet. D. R.) Er war eine der markantesten Persönlichkeiten in der jüdischen Wohltätigkeitspflege Frankfurts, der Organisator und die Hauptarbeitskraft einer großen Zahl von humanitären Einrichtungen. Als die Stifterin im Jahre 1907' an die Errichtung des Heimes ging, stand Leopold Hirschler schon in vorgerücktem Alter, und seine Arbeitszeit war derart in Anspruch genommen, daß es kaum möglich schien, daß er sich auch noch neuen Arbeiten widmen könne. Trotzdem hat er, als Frau Geisenh ei m er ihn um seinen Beistand bat, keinen Augenblick gezögert und hat von diesem Augenblicke an mit rastlosem Eifer sich der Stiftung angenommen. Nicht nur während des Baues und der Einrichtung war er unermüdlich tätig, sondern er hat insbesondere von dem Augenblicke der Inbetriebnahme des Heimes au die ganzen Einweisungen der Pfleglinge, deren Aufnahme und alles, was damit zusännnenhing, allein besorgt und hat es sich nicht nehmen lassen, allwöchentlich selbst das Heim aufzusuchen. Das Hinfcheiden dieser drei edlen Männer, das in den Kreisen der Frankfurter und insbesondere der jüdischen Wohltätigkeit tiefe Lücken gerissen hat, wird von der Verwaltung der E d u a r d -u n d - A d e l h e i d - K a u n - S t i f t u n g als ein dauernder und unersetzlicher Verlust empfunden werden. Gefterretch-Nnvsrn. X. Wien, 12. September.' Letzten Sonntag wurde in Prag der Rabbiner Professor Nathan Grün zu Grabe getragen. Der Verblichene, ein gebürtiger Ungar, der in seiner Jugend viele Rabbinatsschnlen. in seiner Heimat mit großem Erfolge besuchte, kam schon vor vielen Jahren nach Prag, wo er sich einen großen Wirkungskreis zu erwerben verstand. Professor Grün war besonders als Lehrer an diversen Gymnasien erfolgreich tätig und erfreute sich der Liebe und Achtung seiner Kollegen und Schüler in reichem Maße. Der Verstorbene war auch viele Jahre Bibliothekar'der israelitischen Kultusgemeinde und hat sich auch auf literarischem Gebiete einen geachteten Namen erworben.. Dies gilt insbesondere von seinen zahlreichen Lehrbüchern, die er für Volks- und Mittelschulen verfaßte.und die auch in die böhmische Sprache übersetzt wurden. Professor Grün war auch ein bedeutender Kenner der jüdischen Altertümer Prags, und die von ihm über das. ehemalige Prager Ghetto veröffentlichten Monographien haben ihm einen geachteten Namen auch in der wissenschaftlichen Welt verschafft. Um den Verlust dieses gewissenhaften Pädagogen und bedeutenden Gelehrten klagen die Prager Kultusgemeinde wie seine zahlreichen Schüler, die heute in den verschiedensten Berufen vertreten sind. Ehre seinem Andenken! 22 Eger, 12. September. Am Vorabend des Sabbats (5. September) wurde Se. Ehrwürden, Herr Dr. .Grünfeld aus Breslau bei folgend geübter Zeremonie in sein heiliges Amt eingeführt. Nach Beendigung des Minchagebetes begab sich Herr Kultusvorsteher Löwy, umgeben von den beiden Tempelvorstehern, in den Sitzungssaal, von lvo aus sie den neuen Seelsorger in den Tempel geleiteten. Hier begrüßte ihn-der Vorsteher mit den Worten: Boruch habbo und hob, von dem Sätze des, Wochenabschnittes ausgehend:' Ki wau wochar haschem ... die Bedeutung, des Rabbiners hervor. Des Vorstehers Töchterlein richtete einen Begrüßnugsspruch an Herrn Dr. Grünfeld und überreichte einen Strauß. Der neugewühlte Rabbiner dankte für den herzlichen Empfang. Suszland. 6. T. Petersburg, 32. September. Der in Petersburg anwesende Präsident des Kiewer Gerichtshofes, Senator Meißner, erklärte, daß im 'bevorstehenden Beilisprvzeß der Staatsanlvalt Wipper die Anklage wegen Ritualmordes aufrechterhalten wird, oyne jedoch gegen die Gesamtheit der Juden die Beschuldigung des Ritualmordes zu erheben. Der Staatsanlvalt werde auf Grund der Aussagen autoritativer Gelehrten (?) behaupten, daß die dreizehn Wunden am Körper des Knaben Juschtschinski diesem zugefügt lvordcn seien, um dengrößten Schmerz und den stärksten Blutverlust zu verursachen. /Ob der Ritualmord von irgendwelcher Sekte oder von einzelnen Unmenschen verübt wurde, bleibe offen, denn gegen Beilis selbst lnm keine triftigen Belveisgründe vor. Der Prozeß wird aber gerade dadrrrch sensationell werden, daß die Führer der Rechten ihn zur Anklage gegen alle Juden stempeln wollen. Damit ist das Gericht nicht einverstanden, cs wird jedoch kaum die Möglichkeit, haben, solche lächerlichen Aniklageü zu verhindern. — In Kiew ist der Vorsitzende des Bezirksgerichts, B o l d y r e w, eingetrossen, dem der Vorwurf gemacht wird, die Nachforschungen in der Beilisaffäre nicht mit dem nötigen Eifer zu betreiben. Eine große Anzahl von gerichtlichen Vorladungen au Belastungszeugen hat nicht zugestellt werden können, da die Zeugen an den angegebenen Orten niemals gewohnt haben. Trotzdenr hat das Bezirksgericht beschlossen, in die Prozeßverhandlungen einzntret.en, obschon aus dem erwähnten Grunde die bestimmte Zeugenzahl nicht erscheinen kann. Die antisemitische Zeitung „Rüßkoje Znanija" ist jetzt sogar in der Lage, die Anklageschrift zu veröffentlichen, lvas gesetzlich streng verboten ist. Auch das Reichsdumamitglied Zanuslowski ist hier angekommeu, und ihm werden iii Kürze die Mitglieder der vom Justizministerium zur Untersuchung der Beilisaffärc ernannten Spezialkommission folgen. Spandauer Strasse Propststrasse I öäsdit- ( I Ausstattungen! (i Anfertigung •) v in eigenen Ateliers / Möbel Ständige Ausstellung •) eingerichteter Zimmer / Haupt-Katalog Nr.40 kostenlr. / BERLIN C Gegr. 1816 Gegr. 1815 Kaufhaus N. Jsrael gegenüber dem Rathause. «MM mm wm Königstrasse Poststrasse Herbst-Neuheiten: Kleiderstoffe j Seidenstoffe \ Konfektion : in grosser Auswahl i| Minen,Teppiche Möbelstoffe in reichen Sortimenten

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