Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 38 (19.9.1913)
- Date
- 1913-09-19
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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77. Jahrgang Nr. 38 Der > Berlin, 19. September 1913 Beilage zur „Allgemeinen Leitung deS Judentums". Oorrelpondrnrm und Mschrichtrn. Deutschland. y.. Berlin, 14. September. Die heutige Sitzung der -Rep r ä - s entan t e üb er s amm l u n g, -bi-e erste nach den Ferien, w.nrde von idem Vorsitzenden Herrn Louis Sachs mit einigen Begrüßungsworten »und einer Reihe geschäftlicher Mitteilungen eröffnet. — Herr Kommerzienrat C. L. Netter hat aus Anlaß der Geburt seines ersten Enkelkindes zur Errichtung - einer Klava-Netter-Stiftung an der im neuen Krankenhaus zu errichtenden gynäkologischen Abteilung der Gemeinde den Betrag -von 12 000 Mark überwiesen. Die Stiftung wird' einstimmig angenommen, desgleichen die Zuwendungen der Frau Elisabeth Holländer in Höhe von 3000 Mark zur Errichtung einer Gustav-Holländer-Stiftung, das Vermächtnis des Rentiers Adolf Krause in Höhe von 5000 Mark und das Anerbieten des Herrn Max Mecklenburg, die Kosten des auf dem Hofe des neuen Waisenhauses in Pankow Projektierten Zierbrunnens in Höhe von 600 bis 700 Mark zu übernehmen. — Herr K o m ui erzie n r a t H e i n r i ch Eis n e r hat am 7. d. M. sein Amt als Mitglied des Gemeindevorstandes niedergelegt. Für den Rest seiner Amtsperiode bis zum 31. Dezember 1914 ist demnach eine Worstandsersatzwahl vorzunehmen. Die Versammlung beschließt, die Angelegenheit in geheimer Sitzung zu verhandeln. — Von Herrn David Heyniann war seinerzeit ein Schreiben an die Versammlung gerichtet worden, das die Einrichtung einer rituellen Koch- und Hanshältungsschule seitens der Gemeinde erbat. Der Ausschuß III, der - sich mit dieser Angelegenheit befaßt hat, sicht der Anregung sympathisch gegenüber und beantragt, die Angelegenheit dem Vorstand zu überweisen. — lieber Anträge auf Anlage zweier Geslügelschlachthöse in Charlottenburg und Tempelhos-Mariendorf sowie über Anträge betreffe.nd Einrichtung von Zweigbureaus und Räumen für Auskunftsstellen hat die Kommission beraten. Da sich herausgestellt hat, daß für die .Anlage von weiteren Geslügelschlachchösen"ein Bedürfnis nicht vorliegt, so ist dieser Antrag abgelehnt. Dagegen wurde der Antrag Minden: „In verschiedenen Stadtteilen sind Anmeldestuben einzurichten, in welchen zwei- oder dreimal in jeder Woche während drei bis vier Stunden ein Dureaubvamter der Gemeinde Anträge zu Protokoll nimmt, in einfachen Sachen auch Auskunft erteilt", angenommen. Zu diesem Zweck sind in den Gebäuden der Gemeinde (Altersversorgungsanstalt, Synagogen Fasanenstraße, Rykestraße, Kottbuser Damm, Weißensee usw.) je ein Raum zur Verfügung zu stellen. Die Anmeldestube hat den Zweck, den Verkehr des Publikums mit den Gemeindebehörden zu vermitteln und.gleichzeitig die Einreichung unsubstantiierter Eingaben zu vermeiden. Zur Annahme gelangte ferner ein Antrag des Herrn Professor K a 1 i scher, im Neben- , gebäude der Synagoge Fasanenstraße eine Filiale der Bibliothek zu schaffen. Die projektierten Bureauräume für die genannten Zwecke werden genehmigt, und die Kosten für bauliche Veränderungen in der Synagoge Fasanenstraße, die durch diese Beschlüsse erforderlich sind, werden in Höhe von 9100 Mark und die für die innere Einrichtung in Höhe von 4600 Mark bewilligt. — Dem Anträge des Vorstandes, auch im konimenden Winter außer in der Synagoge Lindenstraße auch in der Neuen Synagoge während der Monate November bis April einen zweiten Freitagabendgottesdienst in der Weise zü veranstalten, daß in der Synagoge Lindenstraße an jedem ersten, in der Neuen Synagoge an jedem dritten Freitagabend des Monats ein solcher Gottesdienst stattfinden soll, da sich diese Einrichtung außerordentlich bewährt hat, wird angenommen und der hierfür erforderliche Kostenbetrag von 2000 Mark genehmigt. — Bei der Beratung des Etats hatte die Versammlung den Vorstand ersucht, in eine Revision der Gehaltsskala der seminaristisch gebildeten Lehrer der Lehrerbildungsanstalt einzutreten. Der Vorstand teilt nun mit, unter genauer Angabe der Ziffer, daß sowohl Anfangswie Endgehalt dieser Lehrerkategorie schon heute höher ist als bei den Königlichen Seminarlehrern, selbst unter Berücksichtigung des Wohnungsgeldzuschusses. Es liege daher zu einer weiteren Aufbesserung zurzeit kein Anlaß vor. Die Antwort des Vorstandes wird zur. Kenntnis genommen.. Desgleichen nimmt die Versammlung Kenntnis von der Mitteilung, daß die Klage gegen die Oberzolldirektion wegen des Erbschaftssteuerbescheides in Sachen der „Hermann-und-Jeanette-Cohn-Stistung vom Reichsgericht zuungunsten der Gemeinde entschieden ist. Ebenso wird die Antwort des Gemeindevorstandes auf die bei der Beratung des Etats von der Versammlung gefaßten Resolutionen zur Kenntnis genommen. Danach hat der Vorstand dem Zugestimmt, daß im Spezialetat 22 die Beträge für laufende und einmalige Unterstützungen für 1913 um 5000 Mark, für 1914 um.5500 Mark und für 1915 um 6000 Mark erhöht werden. Der Gemeindehaushalt stellt sich danach in Einnahmen und Ausgaben für das Jahr 1913 auf 5 275 847.77 Mark, für 1914 auf 5 758 662.52 Mark und für 1915 auf 5 902 058.02 Mark, also aus fast 6 Millionen Mark. —- Die Resolution: Bei Anschaffung von Schülerbibliotheken erscheint es wünschenswert, daß die Leiter der Religionsschulen sich mit dem Schul- und Talmud-Thora-Vorstand in Verbindung setzen und ein Verzeichnis der anzuschafsenden Bücher einreichem hat der Vorstand der Gemeinde dem Schul- und Talmud- Thora-Vorstand zur Aeußerung überwiesen. Eine zustimmende Antwort ist bereits eingegangen. Von der ferneren damals gefaßten Resolution: Die Versammlung spricht die Erwartung aus, daß die nicht an Schulen fest angestellten Lehrkräfte, die aus anderen als in ihrer wissenschaftlichen oder körperlichen Befähigung liegenden Gründen in ihren Bezügen geschmälert werden, in erster Reihe durch anderweit'e Beschäftigung in den Gemeindereligionsschulen schadlos gehalten werden, hat der Vorstand Kenntnis genommen. — Für die Hauptversammlung des Verbandes der deutschen Juden in Hamburg hat der Vorstand elf Herren delegiert; die Versammlung designiert neun weitere Mitglieder zur Teilnahme als Vertreter der Gemeinde Berlin auf dem Verbandstage. — Nach einer weiteren Vorlage des Vorstandes soll eine neue Synagoge möglichst an der Grenze der drei Vororte Wilmersdorf, Charlottenburg, Schöneberg gebaut werden. Die Synagogeiibaukominission hatte, bereits unterm 1. März den Antrag gestellt, die nächste Gemeindesynagoge auf Wilmersdorser Terrain zu errichten. Sie bringt für diesen Zweck das Grundstück Prinzregentenstraße 88/91 in Vorschlag, das sie sowohl in bezug auf die Lage wie den Raum für geeignet hält. Die neu zu errichtende Synagoge soll 2400 Plätze fassen; von der Angliederung einer Schule soll abgesehen werden. Mit. der Synagogenbaukommission hält der Vorstand die Errichtung einer Synagoge in Wilmersdorf für eine dringende Notwendigkeit. Die Zahl der jüdischen Einwohner in diesem Vorort beläuft sich gegenwärtig auf rund 10 000, die Zahl der Zensiten betrügt 3600,-"Die beiden nächsten ständigen Synagogen in der Fasanenstraße und Lützowstraße, so führt der Vorstand aus, sind dauernd zu überfüllt. Für die Fasanenstraße sind in diesem Jahre 1531 schriftliche Anträge eingegangen, von denen 1192 mangels entsprechender Plätze abgelehnt werden mußten. ' Für die Synagoge Lützowstraße mußten von 425 Anträgen 167 abschlägig, beschieden werden. lieber die Notwendigkeit der Errichtung einer Gemeindesynagoge in, Wilmersdorf könne also ein Zweifel nicht obwalten. Das in Aussicht genommene Grundstück hält der Vorstand für geeignet. Bevor der Vorstand jedoch dem Angebot näher trat, hat er es für nötig gehalten, sich zu vergewissern, daß der Magistrat der Stadt Wilmersdorf -die erforderliche Bauerlnubnis erteilen werde. Nachwiederholten schriftlichen und mündlichen Aerhandlungen hat sich der Magistrat nachanfänglicher Weigerung schließlich im Prinzip hierzu bereit erklärt. Demgemäß hat der Vorstand den Ankauf des Grundstückes beschlossen und ersucht die Versammlung um ihre Zustimmung. .Sowohl, der Ausschuß 3 lvie der Ausschuß 1 beantragen die Zustimmung, die auch einstimmig erteilt wird. — Nachdem schon in den letzten Jahren die Frage der Revision des Gemeindestatuts wiederholt. zur Erörterung gelangte, hat neuerdings der Herr Polizeipräsident die Vornahme einer Generalrevision des Statuts aus Anlaß einer Eingabe, die der Neue jüdische Gemeindeverein und der „Verein zur Erhaltung des überlieferten Judentums" an ihn gerichtet haben, in- Erinnerung gebracht. Der Vorstand beantragt nunmehr die Einsetzung einer gemischten Deputation zur Beratung dieser Frage und die Wahl von sechs Mitgliedern der Versammlung in die Deputation. Als die Aufgabe