Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-09-19 · Heft 38 (19.9.1913) · p. Seite 449

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 38 (19.9.1913)
Date
1913-09-19
Page
Seite 449 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3229069-3229108--69764-3282084
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

449 die Festgenossen das Wort, voll Herzlichkeit der Vergangenheit gedenkend, erfüllt von dem Wunsche, eine Wegstrecke noch gemeinsam zu wandeln. Nun ist er, der um wenig Aeltere, von hinnen geschieden. Ich werde das Andenken an den lieben treuen Gefährten Hochhalten. „Was wir vergessen können, war nie unser." Lin berühmter flugenar?t. Von Dr. A d o l P h K o h u t. (Nachdruck verboten.) m 18. September d. I. trat der Geheime Medizinalrat und ordentliche Honorarprofessor an der Berliner Friedrich-Wilhelms - Universität Dr. I u l i u s H i r s ch b e r g ins biblische Alter. Gewiß haben an diesem Ehrentage deS Gelehrten und Forschers tausende und abertausende dankbarer Herzen ihm entgegengeschlagen, denn er zählt zu jenen Wohltätern der Menschheit, die durch ihre medizinische Kunst, ihre geschickte Hand und ihre Heilerfolge Unzähligen das köstlichste Gut aus Erden, nämlich das Augenlicht, wiedergegeben haben. Allerdings war und ist auch er kein „Wunderdoktor". Aber was die Wissenschaft und das Genie leisten können, hat er vollbracht. Und wie das Werk den Meister lobt, so verkünden auch seine zahlreichen Schüler, die er seit fast einem Menschenalter ausgebildet, den Ruhm des hervorragenden Operateurs und des edlen Menschenfreundes. Wie sehr er es verstanden hat,. nicht nur durch seine Kenntnisse, seine außerordentliche Begabung und seine wissenschaftliche Gründlichkeit allgemeine Verehrung sich zu erringen, sondern auch durch feine menschlich schönen Eigenschaften die Herzen seiner Jünger sich zu eigen zu machen, beweist schon der Umstand, daß zu seinem 70. Geburtstage im Namen seiner zahlreichen Schüler von Oskar Fehr und Wilhelm M ü h s a m ihm ein 54 Druckbogen starkes Werk in Lexikonformat (Leipzig, Verlag von Veit u. Comp., 1913), betitelt: „Julius Hirschberg, Ausgewählte Abhandlungen (1868—1912)", als Geburtstagsangebinde überreicht wurde — eine überaus sinnige und Pietätvolle Ehrung, die das Herz des Jubilars sehr erfreut hat. In. der Vorrede, bie er zu dieser glänzenden Sammlung seiner seit fast 45 Jahren veröffentlichten Abhandlungen geschrieben, prägt sich das ganze liebenswürdige und so bescheidene Wesen, aber zugleich auch die ganz hervorragende wissenschaftliche Bedeutung des großen Augenarztes in so trefflicher Weise aus, daß ich nicht umhin kann, daraus wenigstens einige Stellen anzuführen: „Wem zu seinem 70. Geburtstage eine Festmünze oder ein Festbild überreicht werden soll, der muß zum Mitwisser dieser Ueberraschungen gemacht werden. Ebenso ist es mit einer Festschrift — vollends mit einer Sammlung der eigenen Abhandlungen des Geburtstagskindes. Als meine Freunde und Mitarbeiter Oskar Fehr und Wilhelm Mühsam mir ihren Plan mitteilten, war ich sehr erfreut, erklärte aber, die Auswahl selbst vornehmen zu wollen. Gerade der Geschichtsschreiber weiß am besten, daß viele Arbeiten nur für ihre Zeit einigen Wert besaßen, etliche auch den nicht einmal. Zuerst dachten wir daran, die Ordnung nach der Zeitsolge einzurichten, unt die Entwicklung der Arbeitsweise sowohl nach dem Inhalt als auch nach der Darstellung anzubieten... Nach altem, fast schon veraltetem Brauch das Wohlwollen des Lesers zu erbitten, will ich unterlassen. Wer dies Buch in die Hand nimmt, weiß ja von vornherein, daß er Neues daraus nicht lernen kann, sondern nur an einzelne Punkte aus der Entwicklung unserer Fachwissenschaft erinnert wird — wie man wohl die auf einer früheren Reise gesammelten Lichtbilder gelegentlich wieder in die Hand nehmen und auch an einigen sich erfreuen mag. Immerhin lebe ich der Hoffnung, daß manche der sehr lange fortgesetzten Beobachtungen sowie der praktischen Vorschriften sowohl bei ausübenden Fachgenossen wie auch bei Verfassern von Lehrbüchern Beachtung finden werden, zumal einiges, das früher auf Widerspruch stieß, durch die Zeit gereift und befestigt worden ist." Bereits vor neun Jahren, nämlich 1904, als Julius Hirschberg seine 25 jährige Wirksamkeit als Professor an der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin beendet hatte, wurde ihm von seinen Schülern, Assistenten und Freunden eine Festschrift überreicht. Zu den Mitarbeitern derselben zählten medizinische Kapazitäten von europäischem Rufe. Geboren wurde Julius Hirschberg in Potsdam. Er studierte Heilkunde zu Berlin von April 1862—1866, promovierte daselbst am 21. März 1866, war dann Assistent des berühmten Augenarztes Albrecht v. Graefe von 1866—1868, bestand 1867 das ärztliche Staatsexamen, habilitierte sich 1870 zu Berlin als Privatdozent der Augenheilkunde, wurde neun Jahre darauf zum außerordentlichen Professor und im Mai 1900 zum ordentlichen Honorarprofessor ernannt. Der Titel Geheimer Medizinalrat wurde ihm am 25. August 1895 verliehen. Zum ordentlichen Professor freilich hat er es nicht gebracht. Ebensowenig wie einst Geheimrat Senator und viele andere hervorragende jüdische Aerzte. Hirschberg ist eine Graefe kongeniale Natur, gleich ihm ein scharfer Beobachter, unermüdlich und energisch im Handeln als Arzt, ein sehr glücklicher Operateur und vor allem ein vorzüglicher Diagnostiker. Ebenso kann man seine zahlreichen Arbeiten auf dem Gebiete der Augenheilkunde wie diejenigen Albrecht v. Graefes als klassische bezeichnen. Die Verdienstedie er sich als Ophthalmolog erwarb, fanden auch höheren Ortes Anerkennung, denn er ist Ritter Prof. Dr. Julius Hirschberg im 70. Lebensjahr.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.