Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1913)
- Date
- 1913-09-12
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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ehrung der Gemeindemitglieder und Gememdeöertreter erworben. — Der Tischler O. war vom hiesigen Landgericht zu Strafe verurteilt worden, weil er in dem Hofe eines von einer großen Anzahl Familien 'bewohnten Hauses beschimpfende Aeußerungen über das jüdische Laubhüttenfest getan hatte. Seine Revision ist Vom Reichsgericht in Leipzig als unbegründet verworfen worden. Das Reichsgericht führt hierzu aus: „Die Annahme des Landgerichts, daß das Laubhüttenfest eine Einrichtung der jüdischen Religionsgemeinschaft ist, gibt zu rechtlichen Bedenken keinen Anlaß." Allenstein, 5. September. Zur Einweihung der nonerbauten Leichenhalle, die im Anschluß an den hiesigen jüdischen Friedhof sich - erhebt, hatten auch die Behörden der Einladung zur Teilnahme zahlreich Folge geleistet. Die königliche Regierung zu Allenstein hatte einen Vertreter entsandt, Landrat Dr. Pauly vertrat den Landkreis Allenstein, als Vertreter der Stadt erschienen Oberbürgermeister Zülch, Stadtverordnetenvorsteher Roensch sowie mehrere andere Mitglieder des Magistrats und des Stadtverordnetenkollegiums. Architekt Erich M e n d els oh n, der die Leichenhalle erbaut hat, leitete die Feier damit ein, daß er dem Vorsteher der Shnagogengemeinde, Sanitätsrat Dr. Kamnitzer, den Schlüssel des Gebäudes überreichte. Dieser bat den Vertreter der königlichen Regierung, das Gebäude zu öffnen, und nachdem dies geschehen war, betraten die geladenen Gäste vom Haupteingange aus die Halle, in der sich die Mitglieder der Gemeinde bereits versammelt hatten. Ein ernster, stimmungsvoller Raum umschloß alle; in dem dämmerigen Licht verschmolzen rötliche und bläuliche Farbentöne zu einer feinen Harmonie. Und dann erschollen Chorgesang und hebräische Gesänge unter Leitung des Kantors Karo, mit denen der Weiheakt begann. Der Vorsteher der Shnagogengemeinde, Sanitütsrat Dr. Kamnitzer, nahm hierauf das Wort. Er begrüßte die Gäste und die Gemeinde, warf eiben Blick auf die Vorgeschichte der Erbauung der Halle, die immer mehr zu einer Notwendigkeit wurde, und dankte allen, die an dem edlen Bauwerk gearbeitet. Rabbiner Dr. Olitzki hielt die eigentliche Weiherede. B. N. Breslau, 5. September. In dem lieblichen Charlottenbrunn, wo sie vorzugsweise gern weilt, beging, entsprechend ihrem ungewöhnlich bescheidenen Sinne, um allen Ovationen zu entgehen, am 30. August Frau Nosalie Hirs ch e l geb. Moll in fast jugendlicher Elastizität und Geistessrische ihren 70. Geburtstag. Das Lebenswerk der trefflichen Frau ist seit Jahrzehnten der- Berus tatkräftigen Wirkens und Helsens. Herbes Leid ist ihr, die in der BreslauerGesellschaft,undnichtnur in der jüdischen, so hohe Verehrung genießt, oft widerfahren. Frau Hirschel zeigte schon in srüherJugend alle die außergewöhnlich'enEigenschaften von Geist und Gemüt, die zu Grundzügen ihres Wesens wurden. Eine Tochter des Kaufmanns und späteren Kommerzienrats Joseph Abrahani Moll. in Lissa, vermählte sie sich mit dem Kaufmann Jonas Hirschel in Glogau, und in der neuen Heimat verband sie'bald ein inniges FreundschastsverhältniD mit der Familie des damaligen Seelsorgers der Glogauer Gemeinde, Rabbiner Dr. Klein, wie mit der des Professors Munk. Ihre philanthropischen Neigungen, für die ihr Gatte volles Verständnis hatte, traten schon damals hervor, während sie für die nationalökonomischen Studien lebhaftes Interesse bekundete. Nachdem das Ehepaar Breslau zu seinem Wohnsitze erwählt hatte, bahnten sich besonders freundschaftliche Beziehungen zu Dr. Asch und seiner Gattin, einer Schwester von Frau Lina Morgenstern, an, und Frau Dr. Asch, die schon seit Jahrzehnten den Ideen Friedrich Fröbels in ihrer Vaterstadt Eingang und Verbreitung verschafft hatte, wußte Frau Hirschel für diese zu begeistern, so daß sie schon nach kurzer Zeit in den Vorstand des Kindergartenvereins gewählt wurde, dem sie bis zur Stunde angehört. Nach' dem 1888 erfolgten Heimgange ihres Gatten fand' sie Trost in Ausübung ihrer Liebestätigkeit. Diese gipfelte bald darin, insbesondere jungen Mädchen und Frauen Erwerbsquellen zu erschließen; ersteren nach ihrer Entlassung aus der Schule die Wege zu ebnen, ihr Fortkommen zu fördern, und ihnen dauernd ihr Interesse zu bewahren. So hat Frau Hirschel die Gründung und Entwicklung zahlreicher Wohltätigkeitsanstalten und Wohlsahrtseinrichtungen der letzten zwei Jahrzehnte mit wärmster Anteilnahme begleitet, des „Jüdischen Mädchenheims", des „Jüdischen Schwesternheims" u. a. m., deren Vorstand sie zum Teil angehört. Die „Israelitische Koch- und Haushaltungsschule" ist ihre ursprüngliche Schöpfung. Auf ihre Anregung ist diese nach Plan und Angabe der ersten, städtischen Haushaltungslehrerin ins Leben gerufen worden, um schulentlassene junge Mädchen der minder bemittelten Kreise in allen Zweigen der Hauswirtschaft zu unterrichten. Eine begeisterte Jüdin, begrüßte sie-die Gründung und Ausgestaltung wie die ersprießliche Wirksamkeit des „Jüdischen Frauenbundes" mit hoher Freude und ist ein führendes Mitglied der Ortsgruppe Breslau. Ihre unablässige ' Fürsorge gehört in erster Reihe den Armen und Notleidenden ihrer Glaubensgemeinschaft; doch , auch' denen der anderen Konfessionen. Nicht nur,'daß sie vielen ratend und stützend zur Seite steht, sie weiß namentlich mit Güte und Energie die wirtschaftlich Schwachen aufzurichten, die Kraft und den Müt zagender Mitschwestern zu heben und zu beleben, sie zu lohnender freudiger Erwerbstätigkeit anzuspornen. Viele junge strebende Talente, insbesondere Studierende danken ihr Mithilfe, Fürsprache und Förderung. Sich aller Fortschritte und Errungenschaften der Zeit freuend, in unermüdlichem Wissensdrange sich unentwegt sortbildend, jedes redliche Streben, jedes wahre Verdienst anerkennend, hat die edle Frau, die viel herbes Leid erfahren, ihr reiches Sein, ganz in den Dienst der Menschheit, namentlich ihrer hilfsbedürftigen Glaubensgenossen gestellt. Möge sie noch lange in voller harmonischer Frische von Körper und Geist zum Glücke ihrer Familie, zur Freude aller derer, die sie lieben und verehren, zum Segen aller wohltätigen Einrichtungen, denen sie ihren fördernden Schutz angedeihen läßt, wirken. - Würzburg, 5. September. Am 26. v. M. fand hier die 34. Generalversammlung des Israelitischen LehrerVereins für das Königreich Bayern statt. Es dürfte wohl selten eine Tagung dieses Vereins stärker besucht gewesen sein. Weit über' hundert Kollegen hatten sich eingefunden. Drei Momente wirkten zusammen, um die Frequenzzifser zu erhöhen. Erstens der Rücktritt . des. allbeliebten Vorstandes H. Gold st'e i n - Heidingsfeld. 20 Jahre hatte er dem Verein vorgestanden, muß aber der angegriffenen Gesundheit wegen zu allgemeinem Bedauern zurücktreten. Schriftführer A. M a n d e l b a u m - Würzburg leitete deshalb die Versammlung. Dem bisherigen Vorsitzenden wurde eine Ehrenurkunde überreicht und er selbst zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Zweitens fand Neuwahl statt. Man wählte zum Vorstand den bisherigen Schriftführer Ma n d el b a u m-Würzburg, Dingfelder- .München zum Schriftführer, Frank- Würzburg zum Kassierer für den leider vor einem halben. Jahr dahingegangenen Dr. M. Braunschweiger s. A. Das Andenken des letzteren wurde entsprechend geehrt. Die Wahl der übrigen Verwaltungsmitglieder ergab einige Neuersetzungen. Drittens wurde die Unterstützungsquote festgesetzt. Es blieb bei der bisherigen Normierung. Die Ansprüche an die Vereinskasse gestatteten leider keine Erhöhung derselben. Ueber die Verteilung der sogenannten „Alterszülagen" für Religionslehrer traf man nähere Bestimmung. Ein gemeinsames Mittagsmahl brachte auch manch gesellige Freude. Als nächster Ort der Tagung wurde wiederum Würzburg bestimmt aus Rücksicht auf das damit zu verbindende 50jährige Seminarjubiläum. L2 Frankfurt a. M., 5. September. Am 28. v. M. verstarb hier im Alter von 72 Jahren Herr Leopold Hi rschler. Nachdem er sich von seinen Geschäften zurückgezogen hatte, suchte und fand der nun Entschlafene fruchtbringende Betätigung in den allgemeinen Wohlfahrtsinstitutiöuen, insbesondere aber in' denen'der Israelitischen Gemeinde und der Loge. Neuschöpfungen, Umbildung und Neuordnung bestehender Institutionen sind ihm zu danken. Arbeitsnachweis, Unterstützungstätigkeit, Schaffung von Erholungsstätten für Bedürftige, waren vorzugsweise das Gebiet seiner Bemühungen. Eine umfassende Tätigkeit entfaltete Leopold Hirschler in der Frankfurt-Loge, insbesondere auch hier in dem Unterstützungs- und Arbeitsnachweisausschuß, im Almosenkasten der' israelitischen Gemeinde, im israelitischen Hilssverein, in der Kannschen Stiftung in Oberstedten, im Pslegamt des Hospitals der israelitischen Gemeinde und in zahllosen anderen Einrichtungen und Stiftungen. So sind ihm viele verpflichtet, denen er seine Hilfe - zuteil werden ließ, und auch die Vereine und Institutionen, denen er neue Wege für ihre Betätigung wies, bewahren, ihm ein dankbares Andenken. Bad Dükrheim, 5. September. Bei prachtvollem Wetter traf am 28. v. M. G r o ß h e r z o g i'n L u i s e mit Gefolge hierein, um das Landessolbad, das Kmdersv'lbad des badischen Frauenveveins und — zum erstenmal — unser Friedrich-Luisen-Hospiz zu besuchen, das sie in vollem Betriebe sehen wollte. Zum Empfang der hohen Frau waren Geh. Oberregierungsrat Dr. May e r und Gemahlin von Karlsruhe gekommen, außerdem von seiten der Zentralverwaltung der zurzeit in der Nähe weilende Kinderarzt Dr. Th. H o m b u r g e r 'mit Gemahlin, und vom Lokalkomitee die . Damen Lion von Villingen, G.ugenheim von Donaueschingen und Marx von Geisingen. Ferner war die Vorsitzende des Karls-