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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-09-12 · Heft 37 (12.9.1913) · p. Seite 441

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 37 (12.9.1913)
Date
1913-09-12
Page
Seite 441 (sequence 9)
Language
German
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441 Lsilrr Lonltsntin. Bon Rabbiner Dr. I. Z l o c i ft i, Pr.-Stargard. ie katholische Kirche feiert in diesem Jahre das Konstantinsjubiläum. Im Anfang des Jahres 313 erließ Konstantin mit seinem Mitkaiser Licinius in Mailand ein Edikt, das dem Christentum völlige Gleichberechtigung mit dem Heidentum sicherte und die Rückgabe der eingezogenen Güter an die Kirche gewährte. Den äußeren Anstoß zu diesem weltgeschichtlich folgenschweren Erlaß gab, wie die fromme Legende berichtet, eine himmlische Erscheinung, die Konstantin nach seiner eidlichen Versicherung zuteil geworden war. Im Jahre 312 hatte er von Konstantinopel aus einen Kriegszug nach Rom gegen den Cäsaren Maxentius unternommen. Mit großer Besorgnis sah er dem Ausgang des Kampfes gegen das vierfach überlegene Heer seines Gegners entgegen. Da erblickte er am Himmel das lichtumflossene Zeichen des Kreuzes mit der Umschrift: „Durch dieses siege!" Also durch den Christengott ermutigt, wagte er getrost den Kampf. An der Tiberbrücke Ponte Molle wurde Maxentius geschlagen, und triumphierend zog Konstantin als alleiniger Kaiser des Abendlandes in Rom ein. Nun machte er aus seiner christlichen Ueberzeugung keinen Hehl mehr und erließ das Mailänder Edikt. Gewiß ist die Legende von der himmlischen Kreuzerscheinung nichts anderes als „Geschichte, verklärt durch die Ereignisse der Folgezeit". Gleichwohl ist das Urteil Burckhardts („Die Zeit Konstantins des Großen". 3. Auflage, S. 369) falsch, wenn er schreibt: „In einem genialen Menschen, dem der Ehrgeiz und die Herrsucht keine ruhige Stunde gönnen, kann von Christentum und Heidentum, bewußter Religiosität und Irreligiosität gar nicht die Rede sein, ein solcher ist ganz wesentlich unreligiös, selbst wenn er sich einbilden sollte, mitten in einer kirchlichen Gemeinschaft zu stehen." Dieses Urteil des gefeierten Geschichtsschreibers der Kultur der Renaissance galt in den letzten Jahrzehnten als zutreffend. Die neuere Forschung indessen sowohl auf katholischer Seite (u. a. „Konstantin der Große und seine Zeit". Gesammelte Studien. Herausgegeben von F. I. Dölger) als nicht minder auf Protestanticher Seite (u. a. Seeck in seiner „Geschichte des Unterganges der alten Welt"; Schwartz, „Kaiser Konstantin und die christliche Kirche") haben ergeben, daß Konstantin kein Heuchler war, und daß die Aufrichtigkeit seiner christlichen Gesinnung nicht bezweifelt werden darf. Konstantin verband, indem er das Mailänder Edikt erließ, eines genialen Politikers scharfen Blick für die politischen Notwendigkeiten seiner Zeit mit dem redlichen Bemühen, dem Christentum den Weg zu Macht und Einfluß zu ebnen. „Er hat die beiden Weltkräfte, die einander widerstrebten, die Macht des römischen Imperiums und die neue Weltreligion, das Christentum, ausgesöhnt" (Ranke, Weltgeschichte III, 1, 498). Die Kirche hat das Verdienst Konstantins um die Mehrung ihrer weltlichen Macht in hohem Maße anerkannt. Die griechische gab ihm den Titel eines Heiligen (Fest am 21. Mai). Die abendländische -ehrte ihn.mit dem Titel „Der Große". Den Heiligenschein hat sie ihm mit gutem Grunde vvrenthalten. Konstantin empfing nämlich erst in seiner letzten Krankheit, 65 Jahre alt, die Taufe. (Nach damaliger Anschauung könnte man Christ sein auch ohne Taufe. Vgl. Dölger, „Die Taufe Konstantins und ihre Probleme", in dem oben erwähnten Sammelwerk.) Außerdem ließ er nicht nur den Sohn seines Mitregenten, sondern auch seinen tapferen Sohn aus erster Ehe und seine zweite Gemahlin töten. Seine Leidenschaften blieben ungezügelt, so daß Ehrhard, der gelehrte katholische Kirchenhistorrker, urteilt: „Er hat die re- . ligiöse Eigenart des Christentums in ihren tiefsten Gründen und erhabensten Zielen nicht erfaßt, und noch viel weniger zur unbedingten Richtschnur seiner Handlungen genommen". (Ehrhard, „Das Christentum im römischen Reich bis Konstantin", S. 45.) Das Judentum hat keine Veranlassung, Konstantin ein „Andenken zum Segen" zu bewahren. Er war nichts weniger als ein Freund Israels. Zwar war in die durch das Mailänder Edikt proklamierte Religionsduldung das Judentum gleich dem Heidentum eingeschlossen. Demgemäß erhielten die jüdischen Religionsdiener wie Patriarchen, Vorsteher der Lehrhäuser und Synagogen vielfach dieselben Rechte wie die christlichen Geistlichen und heidnischen Priester und waren gleich diesen von der Uebernahme der lästigen Aemter in Stadtverwaltungen befreit. Je mehr aber Konstantin mite? den Einfluß des Bischofs Eusebius von Caesarea, seines ersten Biographen, und Hvsius von Corduba geriet und seine christliche Gesinnung erstarkte, desto feindseliger wurde' er gegen das Judentum. So hob er das eben erwähnte Privileg wenigstens für Köln auf (321). In den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung bis tief ins zehnte hinein waren Uebertritte zum Judentum keine Seltenheit. Die um ihre Ausbreitung besorgte Kirche hat sich daher begreiflicherweise, sobald sie zum Eigenbewußtsein erwacht war, eifrig bemüht, die Konkurrenz des Judentums auszuschalten. Ihr zuliebe hat Konstantin den Juden verboten, Proselyten auszunehmen unter Androhung von Strafen sowohl für die Uebertretenden wie Ausnehmenden. Zu gleichem Ziele untersagte er den Juden, die Beschneidung an ihren Sklaven zu vollziehen. Auf der anderen Seite schützte er abtrünnige Inden vor Strafe seitens ihrer früheren Glaubensgenossen, indem er dekretierte, daß „diejenigen, die sich an den Abtrünnigen mit Steinen oder jeder anderen Art zu vergreifen wagen, mit allen ihren Teilnehmern den Flammen übergeben werden". Seinen Eifer für die Kirche bewies Konstantin auch durch Uebernahme des Ehrenpräsidiums im Konzil zu Nicäa (325), jener Versammlung, durch deren Beschlüsse die einzige noch vorhandene äußere Beziehung zwischen Judentum und Tochterreligivn — die gleichzeitige Feier von Pesach und Ostern am 15. Nissan — durch Verlegung des Osterfestes auf den Sonntag nach Vollmond des Frühlingsmonats aufgehoben wurde. Zu dieser Kränkung des Judentums durch das Konzil gesellte Konstantin eine empfindliche Kränkung der Juden: er verbot ihnen, Jerusalem außer am 9. Aw. zu betreten. Konstantin glaubte durch das Zeichen des Kreuzes gesiegt zu haben. Israel ist siegreich durch den Ewigen, dessen Wort von Jerusalem ausgegangen tft. Mdilchr Altertümer im Müler Cluny. Von G e o r g I. P l o t1 e , Paris. Motto: Exodus 35, Vers 35: Der Ewige erfüllte sie mit Kenntnissen, zu machen allerlei Arbeit des Stein- und Holzschneiders, des Kunstwebers und Buntwirkers und des Webers, allerlei Arbeit zu machen und Sinnreiches zu ersinnen. Unsere Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstaltertümer, deren Tätigkeit um die Wende -des Jahrhunderts unter der Aegide meines Vaters und Eh. Hallgartens einsetzte, ist bekannt. Mehr noch, als diese Gesellschaft durch den Feinsinn des Düsseldorfer Akademiedirektors Fr a u b er g er unter Opfern und Mühen jetzt zuwege gebracht hat, besitzt Frankreich bereits seit über einem Vierteljahrhundert in Gestalt der Sammlung M. Strauß (Katalog 1878), die 1890 durch die Baronin N a t h a n i e l R o t h s ch i l d dem Muse4 Cluny überwiesen und noch im letzten Jahre durch Graf M o i s e d e C a - m o n d o vermehrt wurde. In den Helldunkeln Räumen dieses köstlichen Museums, dessen Grundmauern im dritten Jahrhundert errichtet wurden, ist just der rechte Platz für diese

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