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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-09-12 · Heft 37 (12.9.1913) · p. Seite 440

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 37 (12.9.1913)
Date
1913-09-12
Page
Seite 440 (sequence 8)
Language
German
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440 meinemArtikel, wie ich glaube, genügend zum Ausdruck gebracht, wenn ich sagte: „Nicht Herr Professor Dr. Blaschke muß fort von seinem Platz, sondern das ganze System!" Wie aber bringt Herr Bl. dieses Bestreben zum Ausdruck? „Ich will ihn (das heißt mich) nicht verletzen, aber der Hinweis auf den denkwürdigen großen Moment, um dessen Erlebnis (sie!) er oft beneidet wurde, wirkte erheiternd." In einem und demselben Satze also gleich zwei persönliche Angriffe. Begreift denn Herr Bl. nicht, weshalb ich gerade hier auf den großen Augenblick hingewiesen habe? Die Worte Steinhardts allein waren das tertium comparationis. Daß jene Worte Zieglers natürlich von größerer welthistorischer Bedeutung waren als die des Kollegen Steinhardt, das ist so selbstverständlich, daß man es doch nicht besonders zu versichern braucht. Und daß Kollege Steinhardt bei seinen Worten sich nicht mit dem alten Volkstribunen Ziegler vergleichen wollte, ebensowenig wie Herr Professor Bl. sich in die Rolle des reaktionären Ministers Mühler hineindenkt, ist ebenso natürlich. Ich habe zudem ausdrücklich hinzugefügt: „Auch damals handelte es sich nicht um die Person, sondern um das System." Was wirkte also bei dieser Erinnerung, die ich aufsrischen wollte, so „erheiternd" aus Herrn Professor BlaschkeN) Erwiderung suk den zweiten Epilog?um vi. Gemeindeoerbsndstsge. as freundliche Entgegenkommen der Redaktion reiht dem Angriffe die Abwehr an; ich werde meinem Danke dafür durch Knappheit und Kürze Ausdruck geben. 1. Ich habe festgestellt — nicht aber mich verwahrt — daß „ich zu meiner Erwiderung von keiner Seite ermächtigt oder aufgesordert bin," damit nicht um meiner Sünden willen andere — nicht nur der Ausschuß des D. I. G. B. — verantwortlich gemacht werden. Trotzdem schreibt Herr Kollege B.: „Falls die in Rede stehende Erwiderung eine offizielle sein sollte" und an einer anderen Stelle: Was ich von der Teilnahme des D. I. G. B. an den Zielen des Lehrerverbandes sage,' „kann gleichfalls nicht im Aufträge des D. I. G. B. geschehen (?) sein." Ich weise jeden Zweifel in meine Feststellung entschieden zurück. 2. Herr Kollege B. meint, eine offizielle Erwiderung werde nicht behaupten, bei dom Kampfe des H. K. B. handle es sich um einen Kampf für die junge Lehrerwelt. Ich Habe an seine Ausführung angeknüpft; er spricht in seinem ersten Epiloge von dem Kampfe um die jüdische Volksschule und sagt: „. . . wir kämpfen nicht für uns, die jetzt noch in Amt und Würden sind, wir kämp sen sür d i e j it n ge L e h r erwel t." 3. Herr Kollege B. macht mir den Vorwurf, ich verschweige und sei nicht mit einem einzigen Worte darauf eingegangen, „daß es sich für uns um die religiöse Erziehung . . . handelt.". Um Jrrtümern vorzubeugen, stelle ich fest, daß diese Worte in dem Teile des Epilogs, mit dem allein ich mich beschäftigen durste, nicht stehen; ich hatte also keine Veranlassung, daraus einzugehen. Wohl aber habe ich unumwunden zugegeben, „daß es sich bei der Erörterung um die jüdische Volksschule um einen Kamps für die Zukunft des Judentums" handle. 4. Ich habe die Frage nach dem „wesentlichen" Unterschiede zwischen der Resolution des VI. Gemeindeverbandstages und y Ilm unsere Unparteilichkeit nach jeder Richtung hin zu wahren, lassen wir zugleich mit den Ausführungen des Herrn Hermann Becker die Erwiderung des Herrn Prof. Dr. Blaschke folgen mit dem .Bemerken, daß der unerquickliche Streit für uns nunmehr erledigt, die nur zu Unstimmigkeiten führende Auseinandersetzung hiermit geschlossen ist. Die Redaktion. den Forderungen des Herrn Kollegen B. verneint. Dieser polemisiert gegen mich, als ob ich von einer völligen Uebereinstimmung gesprochen hätte. 5. Eine Erklärung der „weisen Beschränkung und sorgfältigen Prüfung" wird verlangt; sie ist für joden.gegeben, der ohne Voreingenommenheit mein Referat und meine erste Erwiderung' liest. 6. Ich bedaure, daß Herr Kollege B. behauptet: „Wir Lehrer hören -aus allem nur das Nein!" Diese Behauptung kann nicht im Namen derer aufgestellt sein, die beim Lesen meiner Worte die eben gestellte Bedingung erfüllt haben. 7. Die Entstehung des Verbandes der jüdischen Lehrer-Vereine schildert objektiv und unanfechtbar Nr. 41 der Mitteilungen des D. I. G. B. Daß der Lehrwverband dem D. I. G. B. seine Gründung verdanke, habe ich zwar nicht behauptet, könnte es aber vielleicht beweisen. Daß „der Gedanke zur Gründung des Verbandes" von dem D. I. G. B. ausgegangen sei, ist nirgends behauptet worden. Wer dagegen kämpft, vergeudet feine Kraft an Windmühlen. Die Namen Blumenfeld- Adelebsen, Kristeller und Minden hätten meines Erachtens auch in den wenigen Sätzen des Herrn Kollegen B. nicht fohlen dürfen. ' ' , 8. Die Auffassung, die jüdische Volksschule sei auf der „Anklagebank" vor dem. VI. Gemeindeverbandstage gewesen, hat hoffentlich kein Teilnehmer gehabt. Nur wer „aus allem nur das Nein" hört, könnte die Lage so aufsassen und darstellen. 9. Ich werde beschuldigt, in meinen Lesern den Glauben erwecken zu wollen, daß Herr Kollege B. auf eigene Faust die Einberufung eines Gemeindetages wünsche. Ich beschäftige mich nicht mit dem Vorwurfe, daß ich jemand etwas wolle glauben machen; aber ich verweise darauf, daß die Berufung „sofort" erfolgen sollte. Dagegen habe ich mich gewandt. Herr Kollege B. sagt in seinem ersten Epilog: „Wir fordern noch mehr." Dieses „Wir" konnte ich nur -auf seine Person beziehen, weil er selbst versichert, er sei „von keiner Seite zur Veröffentlichung dieses Artikels veranlaßt worden.," von sich auch sonst im Pluralis spricht und -erklärt, er gehe mit der Forderung der s o - sortigen Berufung über die meiner Entfernung von der Leitung des Gemeindebund-es und aus der Lehrabteilung hinaus. 10. Herr Kollege B. konstruiert einen Gegensatz zwischen den „Besonnenen" und sich;üch habe das nicht getan. Wer es aus meinen Worten herausliest, möge sich -an den Spott Goethes über Aus- und Unterlegen erinnern. 11. Mir wird der Vorwurf gemacht, ich sei meinenr Grundsätze untreu geworden, streng sachlich zu verhandeln, und habe in einem Satze zwei Angriffe gegen Herrn Kollegen B. gerichtet. Möge -diese Feinfühligkeit Herrn Kolleg-en B. niemals verlassen-! Besteht der eine Angriff in der Hinzufügung des sie!, so wäre es für den Kollegen besser -gewesen, die Worte, die mich zu dem sie reizten, irgendwo verschwinden zu lassen, als sie nocheinmal anis Tageslicht zu zerren. Den zweiten Angriff sieht Herr Kollege B. wohl darin, daß ich den Vergleich für erheiternd halte, obwohl ich erklärte, ich wolle ihn nicht verletzen. Ich fühle mich durch die Bewertung meines Fassungsvernrögens nicht verletzt und lasse dahingestellt, ob die Erläuterung des Vergleichs durch Herrn Kollegen B. für mich nötig war oder nicht. Den Hauptgrund h-abe ich in meiner ersten Erwiderung angegeben, Kleinigkeiten übergehe ich, um meinenr eingangs gegebenen Versprechen treu zu bleiben. Nachdenklich und -ernst aber werde ich, wenn ich sehe, daß Herr Kollege B. die Worte: „Auch damals handelte es sich nicht um -die Person, sondern um das System" in Anführungszeichen setzt; sie sind in seinem ersten Epiloge nicht zu finden. Sigismund Blaschke.

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