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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-09-12 · Heft 37 (12.9.1913) · p. Seite 439

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 37 (12.9.1913)
Date
1913-09-12
Page
Seite 439 (sequence 7)
Language
German
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gefordert worden ist". . Diese Verwahrung war überflüssig, denn kein Leser, der das Verhältnis zwischen dem D. I. G. B. und dem Lehrerverbande seit der Gründung des letzteren bis heute kennt, wird-im Hinblick aus Form und Inhalt der Erwiderung glauben, daß sie vom D. I. G. B. veranlaßt worden ist. Gründe dafür sind genügend vorhanden. Zunächst wird eine offizielle Erwiderung nicht wie Herr Bl. behaupten, bei meinem Kampf um die jüdische Volksschule handle es sich um einen Kampf für die junge Lehrerwelt. Wir Lehrer betonen immer wieder, daß es sich für uns um die religiöse Erziehung, um den Schutz der jüdischen Jugend gegen antisemitische Roheiten in der christlichen Schule handelt, und dennoch verschweigt Herr Bl. diese Tatsache und geht in seiner Erwiderung auch nicht mit einem einzigen Worte darauf ein. Weiter. Herr Bl. findet, daß meine Forderungen nicht wesentlich verschieden sind von denen des sechsten Gemeinde Verbands tages (Herr Bl. schreibt „Gemeindetages"). Auch das wird der D. I. G. B., falls die in Rede stehende Erwiderung eine offizielle sein sollte, niemals behaupten. Denn der Gemeindeverbandstag will die Gründung jüdischer Volksschulen nur auf kleinere und Mittelgemeinden beschränken, lehnt sie aber für Großstädte ab. Ist das dasselbe, was wir Lehrer verlangen? Und dann den logischen Widerspruch! — Herr Bl. kommentiert diesen Beschluß mit den außerordentlich gewundenen Worten: „Jüdische Volksschulen sollen neu eingerichtet werden, aber nicht unbedingt und unbeschränkt, sondern m i t w e i s e r B e - schränkung und nach sorgfältiger Prüfung aller beachtenswerten Verhältniss e." Will Herr Professor Bl. nicht freundlichste uns mitteilen, wann die Beschränkung nach seinem bescheidenen Urteil von Weisheit diktiert ist und welche Verhältnisse „beachtenswert" sind? Wir Lehrer hören aus allem nur das „Nein!" Herr Professor Bl. behauptet, daß der D. I. G. B. nirgends die satzungsmäßige Verpflichtung übernommen habe, für die Erhaltung bzw. Neuerrichtung jüdischer Volksschulen zu 'sorgen. Ich gebe zu, daß in dem letzten Abdruck der Satzungen des Lehrerverbandes diese Ziele nicht ausdrücklich ausgeführt sind, und daß wir uns bei den letzten Abänderungen auf die' in § 1 ausgedrückte Formel „die Behandlung aller die jüdischen Lehrervereine in Deutschland angehenden Fragen des Unterrichts" geeinigt haben. Aber die Geschichte der Gründung, die ich als einer der Gründer genau kennen muß, beweist, daß der D. I. G. B. nicht im. unklaren darüber war. Die Gründung des Lehrerverbandes war im wesentlichen durch die einsetzende kirchliche und politische Reaktion, welche immer mehr jüdische Lehrer von der Anstellung an Simultanschulen ausgeschlossen hatte, veranlaßt. Was lag da näher als die Erhaltung bzw. Neugründung jüdischer Volksschulen? Außerdem hat aber der Lehrerverbandstag in -Frankfurt a. M. 1910 einstimmig sich für die jüdische Volksschule ohne die „weise Beschränkung und sorgfältige Prüfung aller beachtenswerten Verhältnisse", wie sie Herr Professor Bl. wünscht, ausgesprochen. Der D. I. G. B. kannte also unser Ziel genau. . Im übrigen: War denn die jüdische Volksschule auf dem sechsten Gemeindeverbandstage auf der Anklagebank, daß wir Lehrer uns in die Verteidigungsstellung gedrängt sahen? Hat irgend jemand, selbst von den Gegnern, behauptet, daß die jüdische Volksschule ihre Schüler nicht zu braven Menschen, zu treuen Staatsbürgern erzieht? Herrn Professor Bl. allein war es Vorbehalten, zu behaupten: „Nur was der Heranbildung der Jugend und ihrev Vorbildung frommt, ist ausschlaggebend." Diese Ziele aber verfolgt unsere jüdische Volksschule,- weshalb also die Gegnerschaft? Warum wenden sich die maßgebenden und einflußreichen Herren vom D. I. G. B., die doch auch Fühlung mit den städtischen und königlichen Behörden haben, nicht mit derselben Entschiedenheit wie gegen uns auch gegen die konfessionellen Volksschulen in Berlin, Breslau und anderen Großstädten? Und ferner: Ist die jüdische Volksschule wirklich in die Rolle des Angeklagten gedrängt, warum hat der sechste Gememdeverbandstag nicht einen Lehrer an einer öffentlichen , jüdischen Volksschule zu seiner Tagung geladen, um eine Klarlegung aller für sie-sprechenden Momente zu fordern? Jeder Angeklagte hat doch das Recht, sich vor seinen Richtern zu rechtfertigen, warum denn nicht die jüdische Volksschule, und der jüdische Volksschullehrer? Was Herr Professor Bl. von der Teilnahme des D. I. G. B. an den Zielen des Lehrerverbandes sagt, kann, gleichfalls nicht im Aufträge des D. I. G. B. geschehen sein. Denn der D. I. G. B. weiß, wie oft ich gerade für ihn eingetreten bin, wie oft ich gerade rückhaltlos in Kollegenkreisen, seine Verdienste anerkannt habe. Aber — und auch das verschweigt Herr Bl. wieder — ich habe ebenso auch von der gemeinsamen Arbeit so vieler anderer Kollegen mit dem D. I. G. B. gesprochen, und ich füge hinzu: Nicht ich, der Kollege Becker, wie Herr Professor Bl. meint, wünsche die Einberufung eines Gemeindetages, auf welchem die Frage der jüdischen Volksschule erörtert'werden soll, sondern der gesamte jüdische Volksschullehrerstand; das kann Herr Professor Bl. aus einer genauereen Lektüre des Lehrerverbandsorgans sowohl als auch anderer jüdischer Lehrerzeitungen ersehen. Herr Professor Bl. will also seine Leser glauben machen, daß ich, der seit vierzig Jahren im Dienste der jüdischen Volksschrlle und des Judentums steht, der also auch die Stimmung seiner Kollegen und weiterer Kreise zu kennen glaubt, auf eigene Faust die Einberufung eines Gemeindetages wünsche? Herr Professor Bl. spricht die Hoffnung aus, daß „die Besonnenen im Lehrerverbande diesen v o r e i n er A u f l e h n u n g gegen d e n D. I. G. B. befahrene werden" (von Herrn Bl. selbst unterstrichen). Mich also, den Lehrer mit vierzig Dienstjahren, der mitten im Kampf steht, zählt er also nicht zu den Besonnenen! Ich überlasse das Urteil hierüber getrost meinen Kollegen und den Männern, die . mich ebenso lange kennen, wie Herr Professor Bl. mich kennt. — Ich bin durch Herrn Professor Bl. gezwungen, eine Legende zu zerstören,- die weit verbreitet ist. Herr Bl. nimmt für den SD; I. G. B. die Rolle „eines erfahrenen und in sich gefesteten Vaters" in Anspruch, während er dem L.ehrerverband die Rolle eines „tatenlustigen und tatenfähigen Sohnes" zuweist. Das heißt doch wohl, daß der Lehrerverband dem D. I. G. B. seine Gründung verdankt. Mit Verlaub, Herr Professor! Nicht v o n d e m D. I. G. B. g i n g d er G e d a n k e zu r Gr ü n - düng des Verbandes aus, sondern von den Lehrern. Wir bemühten uns, die Hilfe des D. I. G. B. für die Gründung zu erlangen, weil wir einmal damals die Autorität des D. I. B. G. für unsere Bestrebungen nicht entbehren konnten, dann aber auch, weil uns Lehrern bei den damaligen kärglichen Gehältern die nötigen Mittel zur Abhaltung deiner Versammlung aller deutsch-israelitischen Lehrer fehlten. D e r D. I. G. B. l e h n t e a b e r z u e r st d i e T e i l n a h m e an der Gründung ab. Erst als Herr Direktor Dr. Adler in die L eh r ab t eilu ng d es D. I. G. B. eintratun d e r st, als Wirer k l ä r t e n, w i r w ü r - denohne d e n D. I. G. B, z ur G r ün d u n g s chrei te n, . f ö r d e r t e d e r D. I. G. B. u n s e r U n t e r n e hm e n. Das ist die historische Wahrheit, die ich an der Hand des in meinem Besitz befindlichen Briefwechsels in meiner oben genannten Geschichte sestgestellt habe. Zum Schluß noch eine kurze Bemerkung. Herr Professor Bl. versichert in der Einleitung zu seiner Erwiderung: „Meinem Bestreben, rein sachlich zu verhandeln, werde ich auch in diesen Zeilen treu bleiben, also weder Angriffe aus mich abwehren, noch persönlich angreisen." Dieses Bestreben habe ich in

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