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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-09-05 · Heft 36 (5.9.1913) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 36 (5.9.1913)
Date
1913-09-05
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Justizrat Placzek auscrsehen. Bei der Besichtigung der Rathausräume war Herr Geheimrat Professor Dr. Warschauer aus Danzig, früher Posen, als Mentor tätig. Stifter des prächtigen Ratssilbersch'atzes, der einen Wert von zirka 14 000 Mark repräsentiert, sind u. a. die Herren Geheimer Kommerzienrat Herz und Kaufmann Petersdorff in Posen. Zu diesem Schatze gehören zwei.wertvolle 16armige, massiv-silberne Leuchter, von der hiesigen Firma Rosenthal Söhne geliefert. Einen hervorragenden Anteil an der Neugestaltung des Jnnenraumes des Rathauses fällt der Möbelfabrik S. A. Dnnziger zu. Von ihr stammen sämtliche Möbel für den goldenen Festfaal, in kostbarem Rio-Polysanderholz ansgeführt. Dieselbe Firma lieferte auch die Möbel für den Empfangssaal des Oberbürgermeisters tu antik gewirktem Mahagoniholz. Zwei hochlehnige Armlehnsessel, Kopien alter 'Originale, auf denen das Kaiserpaar bei der Begrüsinngrede in der historischen Halle Platz nahm, stammen ebenfalls von dieser Firma, wie auch ein kostbarer Glasschrank, in dem das Ratssilber seinen Platz hat. — Ganz unerwartet erschienen der Kronprinz und Prinz August Wilhelm im Laden des Altertnmshändlers Aron Michel. Sie besichtigten die dort vorhandenen Antiquitäten und wählten zum Kauf einige Miniaturen, von denen die eine die Kaiserin von Rußland darstellt, seltenes Porzellan, altertümliche Tassen und mehrere Kupferstiche aus. Einen Teil der Gegenstände nahmen die Hohen Herrschaften gleich mit; die anderen Gegenstände sollen für den Kronprinz nach Danzig, für den Prinzen August Wilhelm nach Potsdam übersandt werden. Zu der kaiserlichen Hoftafel waren 355 Personen geladen, darunter 16 jüdische Herren aus der Provinz und Stadt Posen: Geheimer Kommerzienrat Herz, Posen, Geheimer Kommerzienrat Aronsohn, Bromberg, Kommerzienrat Rogowski, Gnesen, Kommerzienrat N. Hamburger, Posen, Fabrikbesitzer Dr. Levy, Hohensalza, Stadtverordnetenvorsteher Justizrat Placzek, Posen, Stadtrat Elkeles, Posen, Geheimer Justizrat, Rechtsanwalt und Notar Salomon, Posen, Justizrat Dr. Orgler, Posen, Justizrat Wolfs, Lissa, Justizrat Baerwald, Bromberg, Stadtverordneter Brodnitz, Posen, Stadtverordneter Hanse, Posen, Kaufmann Rudolf Petersdorff, Posen, Kaufmann Loewh, Firma Scherok Witwe, Posen, und Kaufmann Priwin, Posen. Die Lieferungen von Gebäck für die kaiserliche Hofhaltung hatte Herr Bäckermeister H. Heppner, der auch vor drei Jahren gelegentlich der Schloßeinweihung lieferte, von Milch und Sahne für das königliche Schloß die Meierei und Milchkuranstalt, Schweizcrhof, Posen, Herr Louis Wulfs. Die Frau Kronprinzessin besuchte die Augenklinik im Diakonissenhause. Hier hatte Herr Sanitätsrat Dr. Pincus die Führung. Bon der Kaiserin sind einige jüdische 'Damen in Audienz empfangen worden. Zur Einweihung des Rathauses ist vom Geheimrat Professor Dr. Warschauer in Danzig eine Schrift: „Der Posener Stadtbaumeister Johannes Baptister" verfaßt worden. — Der Kaiser hat bei seiner Anwesenheit in Posen durch Allerhöchsten Erlaß folgende Auszeichnungen zu verleihen geruht: Den Charakter als Sanitätsrat dem Augenarzt Dr. Pulvermacher, Poseu. Den Roten Adlervrden vierter Klasse: Justizrat, Rechtsanwalt und Notar L e h r, Posen, Rabbiner Dr. Jacobson, Gnesen. Den Königlichen Kronenorden dritter Klasse: Geheimer Justizrat, Rechtsanwalt und Notar S a l o m o n , Posen, Konnnerzienrat und Fabrikbesitzer Ignatz Rvg o w s k i, Gnesen. Den Königlichen Kronenorden vierter Klasse: Armenbezirksvorsteh'er Rentner F r e u d e n t h a l, Hohensalza, und Kaufmann Lev Leiser in Znin. Der Prinzregent Ludwig von Bayern verlieh dem Redakteur Fritz Brand, dem ersten Vorsitzenden des Bahernvercins, das Verdienstkreuz vom Heiligen Michael mit Krone. W. Posen, 31. August. Gelegentlich der Kaisertage stattete, wohl im Aufträge Ihrer Majestät der Kaiserin, am 26. August nachmittags 4 Uhr Ihre Königliche Hoheit die Prinzess i n A u g u st W i l h e l m dem Kranken- und Siechenhaus der Jüdischen Gemeinde, einer Stiftung, die nicht ausschließlich Personen jüdischen Glaubens aufnimmt, eineu Besuch ab. Ihre Königliche Hoheit erschien in Begleitung ihrer Hofdame, der Gräfin K lifo w st r ö m , und des Zeremonienmeisters Kammerherrn von der Hardt und wurde von dem Kuratorium, den Herren Stadtrat Elkeles. Frie de n t h a l, Sally H a m b u r g e r, Stadtrat Schleyer und Manasse Wer n e r, den Oberärzten Sanitätsräten Dr. Caro und Dr. Rose n st e i n, der -Frau Oberin, der Vorsitzenden der Aufsichtsdamen Frau Medizinalrat Mankiewicz und der Inspektion Fräulein C z a p st i im festlich geschmückten und erleuchteten ^Vestibül der Anstalt empfangen.' Der" Vor sitzende"öes 'Kuratoriums," Stadtrat ' E l k e l e s, begrüßte nach geschehener Vorstellung in kurzer Ansprache die Prinzessin, sodanli überreichte eine kleine Patientin, Käte Groß aus Berlin, mit einem Gedichtchen einen Rosenstrauß, worauf die Führung erfolgte, an welcher außer dem Vorsitzenden die beiden Oberärzte und die Frau Oberin sich beteiligten. Es. wurden außer eine Reihe von Kraukenzinnnern und den offenen Liegehallen das Laboratorium der inneren Station, die Operationssäle, das elektrotherapeutische Kabinett besichtigt. Die Prinzessin sprach sich am Schlüsse über das Gesehene sehr befriedigt aus und verließ, nachdem sie sich von den zum Empfange Erschienenen verabschiedet hatte, nach etwa halbstündiger Dauer das Haus. - M. Hamburg, 31. August. Herr L. S. Bunzel, der frühere zweite Vorsitzende der Deutsch-Israelitischen Gemeinde, ist infolge eines Schlaganfalls im 84.. Lebensjahre plötzlich dahingeschieden. Der Verblichene, der in seiner Jugend aus Prag nach Hamburg übersicdelte, war der Begründer der gleichnamigen Knffeeexportsirma, die weit über Hamburg hinaus als eins der ersten Häuser der Kaffeebranche bekannt ist. Nicht nur in unserer Gemeiude, sondern auch in weiten Kreisen unserer Vaterstadt hat die Kunde von seinem Tode schmerzliches Bedauern erweckt. Seit über einem halben Jahrhundert, seit 1854, wirkte er, hochgeachtet, in Hamburg und war an der Börse eine allgemeine geschätzte Persönlichkeit. Bis zu seinem Tode betätigte er allen Institutionen, die der Förderung von Kunst und Wissenschaft galten, sein Interesse durch opferwillige Unterstützung. Wo das Ersuchen um solche Hilfe und Förderung an ihn gerichtet wurde, trat er werktätig dafür ein, ohne Ansehen der Person und Konfession des Betreffenden. Ein großer Wohltätigkeitssinn zeichnete L. S. Bunzel aus, schnell und gern gab er aus seinen reichen Mitteln, und viele Wohltätigkeitsinstitute, Arme und Hilfsbedürftige verlieren in ihm einen treuen Helfer. Die Bestattung des edlen Wohltäters fand unter überaus großer Beteiligung statt. Iin Trauerhause Johnsallee hatten sich außer den Verwandten und zahlreichen Freunden, Bürgerschaftsmitglieder, hervorragende Vertreter des Handels und der Finanzwelt und Delegierte vieler Vereinigungen eingefunden. Der Präses der Deutsch- Israelitischen Gemeinde, Herr L ev i n Lion, war mit fast sämtlichen Gemeindevorstehern erschienen, der Vorstand des Repräsentantenkollcgiums, der Talmud-Thora-Renlschule und Deputationen anderer Gemeindeinstitutionen wohnten mit vielen hervorragenden Mitgliedern der Gemeinde gleichfalls der Trauerfeier bei. Der mit kostbaren Kränzen geschmückte Sarg war im Parterresaal der Villa aufgebahrt. Nachdem sich die nächsten Angehörigen um den Sarg geschürt hattyl, wurde die Feier durch vom Tempelchor vorgetragene Trauerweisen eingeleitet. Die Trauerrede hielt Herr Rabbiner Dr. A. L o e w e n - t h al, der, anknüpfend an das Schriftwort aus Deutervnomilnn: „Siehe, ich lege euch heute den Segen vor", den Lebensgang des Verblichenen schilderte, der nicht nur für seine Familie, sondern für weite Kreise unserer Vaterstadt ein Segen war. Von der Gemeinde sei er schon vor Jahrzehnten mit Ehrenämtern betraut worden und in segensvoller Weise habe er das Amt eines zweiten Vorsitzenden der Gemeinde geführt. Er sei ein Förderer alles Guten gewesen, und fein verdienstvolles Wirken in den verschiedenen Gemeindeinstitutionen werde stets vorbildlich sein. In seiner Jugend hat er in seiner Heimat in Prag wissenschaftlichen Studien bei dem berühmten Oberrabbiner Nappaport obgelegen, und bis in sein Alter hat er es verstanden, die überzeugte Glaubenstreue der alten Zeit zu verbinden mit den Anforderungen der Neuzeit. Den Armen und Bedürftigen aller Konfessionen sei er ein wirklicher Wohltäter gewesen, und sein Hinscheiden hinterlasse eine schwer ausfüllbare Lücke. Mit Trostesworten an die Hinterbliebenen schloß die wirkungsvolle Rede. Unter den Klängen eines Chorals wurde der Sarg aus den Leichemvagen gehoben. Der imposante Leichenkondukt bewegte sich nach dem israelitischen Friedhof in Ohlsdorf, wo nach einer Trauerfeier irr der Friedhofskapelle die Beisetzung in der Ehrenreihe erfolgte. GS2> Bad Kissingen, 29. August. Eine aus Odessa stammende jüdische Frau testiert die Zinsen ihres 1600 000 Frank betragenden Vermögens für Kurzwecke mit der Bestimmung, daß % des Ertrages jüdischen, christlichen Kurbedürftigen zukommen sollte. Vor dreißig Jahren hatte die Frau in Kissingen die einzige Tochter verloren. Auf einer Erholungsreise war die Frau im Winter zu Genf plötzlich gestorben und auf dem kommunalen Friedhofe beigesetzt worden. In dem Testamente hatte die Verstorbene den Wunsch ausgedrückt, an der Seite ihres Kindes begraben zu werden. Die Leiche wurde daher ausgegrabeu und vor einigen Tagen unter großer Beteiligung. auf dem israelitischen Friedhose zu Kissingen beigesetzt. Herr

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