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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-09-05 · Heft 36 (5.9.1913) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 36 (5.9.1913)
Date
1913-09-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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».-uw».« Dxx <^emeindkbate. Vrtlase zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums". Korrespondenzen und Machrichten. Oeurschländ. Berti», 2. September. Dev Verband der Beröine f Ö t i üd isch' 6 (3 tzs chichte Und L i i e t* a t it t in Deütsch - täiib gibt für das Jahr 1Ü13/14 eine Grtzänzüng seiner vorjährigen Rednerliste heraus, die züsammen mit dieser in den nächsten Tagen Ziib Versendung gelangt. Sie enthält eine Reihe von Namen bewährter Redner mit mannigfachen neuen Themen über die verschiedensten Zweige der Wissenschaft des Judentums. Die Rednerliste ist, wie bisher, auch allen zum Verbände nicht gehörigen Vereinen, Logen, Jugendvereinen usw. zugänglich und kann vom Sekretariat des Verbandes (Berlin-Pankow, Florastraße 58), an das auch alle den Verband betreffenden Anfragen und Zuschriften zu richten sind, gratis bezogen werden. V. Z. Berlin, 2. September. Am 29. v. M. ist in einem Sanatorium in Bad Homburg der verdienstvolle Elektrophhsiker und Großindustrielle Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Herrn. Aron an einem Herzschlage gestorben. Geheimer Rat Aron, der zu den bekanntesten Berliner Forschern auf dem Gebiete der Elektrizitätslehre und Elektrotechnik gehört, war 1845 zu Kempen in der Provinz Posen geboren. Seine Schulbildung erhielt er aus dem hiesigen Köllnischen Realgymnasium, das er 1867 mit dem Zeugnis der Reise verließ. Nachdem er zwei Semester Medizin studiert, wandte er sich ganz mathematischen und naturwissenschaftlichen Studien zu, denen er in Berlin unter Weierstraß, Dove und A. W. v. Hofmann, später in Heidelberg unter Helmholtz, Gustav Kirchhofs und Leo Königsberger vblag. 1872 wurde er Assistent an dem damals unter Paalzows Leitung stehenden physikalischen Laboratorium des Berliner Gewerbeinstituts, aus dessen Bereinigung mit der Bauakademie spater die Technische Hochschule hervorging. Im Jahre daraus promovierte er an der Berliner Universität mit einer Abhandlung aus dem Gebiet der Elastizitätslehrezu der er durch G. Kirchhofs angeregt worden war, zUm Doktor der Philosophie. Schon in der nächsten Zeit traten Studien aus dem Gebiet der Elektrizität und Elektrotechnik, die nachtnals sein Sondersach wurde, in den Vordergrund. Insbesondere beschäftigte ihn die Theorie der Kondensatoren, über die er in den Jahren 1876/77 eine Reihe von Abhandlungen veröffentlichte. Um dieselbe Zeit habilitierte er sich an der Berliner Universität, an der er bis vor etwa zehn Jahren als Privatdozent Vorlesungen über elektrische Maßsysteme hielt. Daneben wirkte er als Lehrer der Physik alt der vereinigten Artillerie- und Ingenieurschule. In weitesten Kreisen bekannt wurde Aron durch Erfindung eines brauchbaren und seitdem vielfach eingeführten Elektrizitätsmessers. Sein Apparat, dessen Einrichtung er zuerst 1884 im Elektrotechnischen Verein der Fachwelt bekannt machte, besteht im Prinzip aus einer einfachen Pendeluhr. An Stelle der Linse besitzt das Pendel einen gehärteten Stahlmagneten, unter dem sich eine Stromspule befindet. Der zu messende Strom, durchläuft die Spule und bewirkt durch die auf das Pendel geübte Anziehung einen beschleunigten Gang der Uhr. Ein Vergleich der Schwingungsdauer des Pendels mit dem einer gewöhnlichen Uhr, der durch ein Zählwerk in-geeigneter'Weise registriert wird, gibt dann ie in einer gewissen Zeit verbrauchte Strommenge an. DerAronscheElektrizitätszähler, der für Wechselstrom wie für Gleichstrom brauchbar st, und der bei dem internationalen Wettbewerb in Paris 1890 mit einem ersten Preise gekrönt wurde, ist seitdem vielfach in der Praxis eingeführt worden, wenn auch' gewisse Unbequemlichkeiten, namentlich das notwendige Aufziehen des Uhrwerkes — das allerdings für den verbesserten Aronschen Wcheselstromzähler entbehrlich geworden ist — dazu geführt haben, daß von elektrischen Großbetrieben vielfach das System der sogenannten Motorzähler bevorzugt wird. Zur praktischen Verwertung seiner epochemachenden Erfindung hatte Professor Aron eine eigene Fabrik in Charlottenburg gegründet, die auch die Herstellung elektrischer Uhren betreibt, und die er, soviel wir wissen, bis in die letzte Zeit seines Lebens persönlich leitete. Auch sonst nahm er vielfach' tätigen Anteil am industriellen Leben unserer Zeit, war Aufsichtsratsmitglied verschiedener Elektrizitätswerke, der Orenstein und Koppel A.-G. und anderer großindustrieller Betriebe. — Geheimrat Aron wax ein treuer Sohn des jüdischen Stammes und nahm an allen Bestrebungen zür Hebung des Judentums den innigsten Anteil. Die Trauerseier findet morgen vormittags Um 10 Uhr im engsten. Familien- und Berwandtenkreise in der Wohnung des Verstorbenen, Kaiserallee 219/220, statt. Hierauf wird die Leiche nach Weißensee übergeführt, wo in der dortigen Friedhofshalle eine große öffentliche Trauerfeier abgehalten werden wird. y. Berlin, 2. September. Am 6. d. M. feiert Frau Geheimrat Henriette Becker ihren 80. Geburtstag. Der Dag wird von vielen, besonders in ihrem Heimatsorte Königsberg wie in Berlin, wo sie jetzt ihren Wohnsitz hat, mit freudiger Teilnahme begangen werden. Frau Geheimrat Becker, eine treue Glaubensgenossin, die Gattin des Begründers der großartigen Bern-' steinindustrie und des jetzt staatlichen Bernsteinbergwerks in Palmnicken bei Pillau, hat sich allezeit als eine eifrige Förderin humanitärer Bestrebungen erwiesen und darin viel Gutes geschaffen, das ihr unvergessen bleiben soll und ihr auch' die Anteilnahme weiterer Kreise aller Konfessionen sichert. Ihrer Anregung verdankt die Samlandküste die Einrichtung der Rettungsstation für Schiffbrüchige 31t Schwarzort. In Königsberg war .sie die Begründerin des Vereins „Frauenbildung — Frauenstudiüm", eines Zweigvereins des „Allgemeinen Frauen-Studienvereins". Der Königsberger Hochschulverein „Verein für fortbildende Vorträge" wurde im Jahre 1893 auf ihre Anregung, in ihrem Hause und mit ihren grundlegenden Mitteln gegründet. Ebenso hat sie die Gartenbauschule für Frauen in Königsberg ins Leben gerufen und den „Verein für Förderung der wirtschaftlichen Selbständigkeit der Frauen" schaffen helfen. Für die Bestrebungen der anderen Vereine für kulturelle oder humanitäre Zwecke hatte sie lebhaftes Interesse, und nur selten fehlte sie bei den öffentlichen Veranstaltungen derselben. Einer ganz besonderen Teilnahme seitens der Frau Geheimrat Becker haben sich aber noch die Vereine mit speziell jüdischen Interessen zu erfreuen. Frau Geheimrat Becker hat gerade auch auf jüdischem Gebiete sowohl in humanitärer wie in bildungsfördernder Hinsicht viel Gutes geschaffen, das bleibenden Wert hat und ihren Namen auch kommenden Geschlechtern erhalten wird. Ganz besonders hat sich das israelitische Waisenhaus für Stadt und Provinz in Königsberg in Preußen ihrer herzlichen Teilnahme zu erfreuen, der sie durch reiche Schenkungen zur Errichtung einer Moritz-und-Henriette-Becker-Stiftung" beredten Ausdruck gegeben hat. Für ihre mannigfachen Verdienste um die Anstalt ist sie seinerzeit zum Ehrenmitgliede des Waisenhauses ernannt worden. Frau Geheimrat Becker zählt ferner neben ihrem verstorbenen Gatten zu den Mitbegründern des israelitisch enS tu dienbeför der ungsvereins für Ost- und Westpreußen, dem sie einst bedeutende Summen zum Gründungsfonds zuwendete. Der Pensionskasse für jüdische Kultusbeamt e i n O st p r e u ß e n ist sie von jeher eine besondere Gönnerin gewesen; auch gehört sie dem Lokalkomitee für das isr aelitisch e L e h r e r i n n e n h e i m zu Berlin-Steglitz als eifriges Mitglied an. Dem „Deutsch-Israelitischen Gemeindebund" hat sie vor zwei Jahren eine Stiftung Zugewandt „zür Erforschung der Leistungen hervorragender jüdischer Männer". Eben erst ist von ihr eine Schrift „Juden als Erfinder" (Jüdischer Verlag 1913) erschienen. An der Begründung der Frauen-Chewra-Kadischa in Berlin, deren. Ehrenvorsitzende sie ist, war sie beteiligt. Auch aufdem weiten Gebiete privater Wohltätigkeit hat sie allezeit ihr edles, jüdisches Herz betätigt. Fast niemand, der wirklich bedürftig war, wandte sich vergeblich an sie, ihre Teilnahme versagte sie auch den Bedrängten anderer Konfessionen nicht. So vereinigen sich an dem Tage des 80. Geburtstages der Frau Geheimrat Henriette Becker viel auserlesene Kreise mit herzlichen Glückwünschen um die verehrte Frau. Möge ihr noch ein langer Lebensabend boschieden sein, in Gesundheit und geistiger Frische, zum Glück und zur Freude ihrer Familie, zum Segen der zahlreichen Institute und humanitären Bestrebungen, die sich ihrer warmen Förderung zu erfreuen haben. W. Pose», 28. August. An den Kaisertagen, welche mit dem heutigen Tage ihr Ende erreicht haben, beteiligten sich die jüdischen Bewohner der Residenzstadt Posen in direkter und indirekter Weist bei vielen Gelegenheiten. Zur Begrüßung des Kaiserpaares bei der Einweihung-des Rathauses war auch Herr Stadtverordnetenvorsteher

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