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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-09-05 · Heft 36 (5.9.1913) · p. Seite 425

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 36 (5.9.1913)
Date
1913-09-05
Page
Seite 425 (sequence 5)
Language
German
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425 Freilich ist -die (ideale) Volksschule mit simultanem Charakter, an welcher auch. israelitische Lehrkräfte Anstellung finden, zurzeit nicht überall erreichbar, aber sie ist die Schule der Zukunft, ungefaßt für die Erziehung des gesamten Volkes und für >die Begründung des Volkswohles. I. E. flus aller Leit. Von E s k n. m 5. September werden es 150 Jahre seit der Einweihung der Synagoge in Alt-Strelitz; einst ein blühendes Gemeinwesen der Juden, der Mittelpunkt unserer. Glaubensgenossen in Mecklenburg-Strelitz, und heute beinahe verwaist, wie so viele Gemeinden in Deutschland. Zur Zeit des 30 jährigen / Krieges wohnten schon Juden in Mecklenburg-Strelitz, die noch vorhandenen Gemeinde- Urkunden gehen bis zum Jahre 1702 zurück. Damals wurde den jüdischen Musikanten David Ephraim, Isaak Israel und P >r e t e r ch e n die Erlaub- . nis erteilt, auf Judenhochzeiten aufzuspielen, und auch zur Kirmes durften sie — jedoch ohne Schädigung der christlichen Musikanten — musizieren. Andere Schutzbriefe aus der Mitte des 18. Jahrhunderts erteilten den Juden die Erlaubnis, in den Orten Strelitz, Fürstenberg, Mirow, Friedland, in den Orten selbst und auf offenen Märkten im Lande mit Schnittware, Tüchern und seidener Ware Handel zu treiben — aber dies alles auf Widerruf und gegen Zahlung hohen Schutzgeldes. Der religiösen Andacht dieser Juden diente ein schmuckloser Räum ->m einem kleinen Judenhause, aber das fleißige Studium der heiligen Lehre und der Gebrauch der hebräischen Sprache und Schrift hielten die Gemeinschaft fest zusammen. Durch Zuzug aus der Mark, aus Mecklenburg-Schwerin und Ost-Friesland war die Zahl der Juden stetig gewachsen, und im Jahre 1762 wurde der Beschluß gefaßt, ein eigenes Gotteshaus zu errichten. Der damalige Herzog Adolf Friedrich IV. hatte eine Unterstützung bewilligt, und mit „seiner gnädigsten Erlaubnis" wurde am 5. September 1763 die Synagoge durch einen Festgottesdienst eingeweiht. Der Gesetzschreiber Simon Elkan aus Strelitz verfaßte zu diesem Jubeltage der Gemeinde eine Liturgie in hebräischer und deutscher Sprache, die noch heute im Gemeindearchiv von Alt-Strelitz aufbewahrt wird, und der Kantor Lev i Hirsch e l, von dem erzählt wird, daß er im Komponieren und Vortragen der Gesänge ganz Ausgezeichnetes leistete, waltete an diesem Tage seines Amtes. ' Ein schlichter Bau, mitten in einen Garten hineingebettet, der in seinem Innern , noch die alte Anordnung des Almemor zeigt, reich gestickte Decken und Vorhänge, prächtiges Silber zeugen von der einstigen Wohlhabenheit der Gemeinde. Und dieses Gotteshaus, das zirka 300 Personen, faßte, wurde bald zu eng für die Mitglieder der Gemeinde, die sich allsgezeichnet entwickelte, 1820 waren es über 100 Familien. Synagoge, Schule lind Haus wetteiferten, das religiöse Leben nuszubauen und zu befestigen; mit den Schweft er ge - m e i n d e n in Fürstenberg, Mirow, Neu-Brandenburg, Friedland, Neu-Strelitz wllvde gemeinsam ein Rabbiner bestellt. Die Landrabbiner Valentin Scheyer, Elias sohn, H. Reichmann, Dr. Hamburger wirkten hier seit dem Jahre 1790 bis in unsere Zeit hinein, und die Statuten vom 11. August 1829 schufen eine für die damalige Zeit mustergültige Organisation. Am 18. März 1847 genehmigte Großherzog Georg ein neues Statut,. welches unter Aufhebung des von 1829 in 57 Paragraphen die Verwaltung des Kultus, der Schule und Armenpflege regelte. Von all dem erzählen heute nur noch die Akten. In den 70 er und 80 er Jahren des vorigen Jahrhunderts ging die Gemeinde langsam, aber stetig zilrück — heute sind nur noch acht Familien von dem einst blühenden Gemeinwesen. Jahrelang haben der Gemeindevorsteher Bock und jetzt sein Nachfolger Herr Z i m a ck mit Umsicht und dankenswerter Energie die Verwaltung der Gemeinde ausgeübt. — Die Juden im Lande müssen es Herrn Zimack danken, daß er mit -inniger Liebe und fürsorgender Pietät das alte Gotteshaus und den Friedhof zu erhalten sucht. — Wenn am 5. September sich die Mitglieder der Gemeinde und vielleicht von überallher noch aus Strelitz stammende Glaubensbrüder und Schwestern in dem alten, ehrwürdigen Gotteshause versammeln werden, wird in ihnen die wehmütige Erinnerung wach werden, daß eine Gemeinde in Israel dahingeschwunden — in der einst blühendes Leben herrschte. Mationsirs Judentum. Von M. P.-Fuchs. , er drohende Zusammenbruch des türkischen Reiches — Sz* J das wäre seine nunmehr fast vollständige Verdrängung aus Europa — legt es nahe, in Zusammenhang hiermit auf die Bestrebungen des Zionismus hinzuweisen, wenn man diese in die Formel zusammensaßt: für das jüdische Synagoge in Alt-Strelitz.

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