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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-08-29 · Heft 35 (29.8.1913) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 35 (29.8.1913)
Date
1913-08-29
Page
– (sequence 13)
Language
German
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” Der Demetndekote. Berlin, 29. August 1913 Vellage zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums". korrelpondrnrm und Mschrichtm. Deutschland. V. Z. Berlin, 26. August. Die Erforschung der Altertümer Palästin q§ ß ii s der biblischen Zeit macht in den letzten Jahren erfreuliche Fortschritte. Der archäologische Jahresbericht, den Professor T h i e r s ch im ersten Heft des 36. Bandes der „Zeitschrift des deutschen Palästinavereins" über die wichtigen neuen Ausgrabungen in Jericho, Samaria, Beth-Schemesch und Jerusalem (Ophel) erstattet, bietet ein interessantes Bild von der dortigen Fortschungsarbeit. Die Grabung in Jericho steht bekanntlich unter der Leitung von Professor Sellin. Die reichen Mittel, die ihm von der Deutschen Orieutgesellschäst zur Verfügung gestellt wurden, ermöglichten die Beschäftigung von zirka 200 Arbeitern und die Beniltzung einer Feldbahn. Die Ausgaben beliefen sich auf 68 000 Frank. Besonders interessante Ergebnisse brachte die Grabung um die äußere Stadtmauer, die „etwas ganz Außerordentliches, auch in dem heute doch sehr reduzierten Zustand noch etwas Majestätisches und Ueberwältigendes ist". Es ergab sich, daß die Jnnenmauer, von deren Stattlichkeit jetzt freilich nicht mehr viel zu sehen ist, den Juden bei ihrem Einzug ins Land entgegentrat, während die viel bedeutendere äußere Stadtmauer das Werk des Chiel ist, von dem es im ersten Buch der Könige 16, 34 heißt: „Zu seiner (des Königs Achab) Zeit baute Chiel aus Beth-El die Stadt Jericho. Mit seinem Erstgeborenen Abirnm legte er ihren Grund, und mit seinem Jüngsten Segub setzte er ihre Türen ein, nach dem Worte Gottes, das er geredet durch Josua, Sohn Runs." „Alan erkennt ihn wieder," sagt Professor Thiersch, „diesen Mann, dessen resoluter Trotz auch vor den schwersten Opfern am eigenen Fleisch und Blut nicht zurückschreckte, in der umsichtigen Entschlossenheit und kühnen Tatkraft, mit der er hier das Stadtganze systematisch von Grund aus erneuert hat." „Die Moderne kann der Technik der Jerichomauer keinen Vorzug als den des Mörtels entgegenstellen. Jeder Zwischenraum ist ausgefüllt, so daß. "n Gewirre der Fugung keine Stelle bleibt, an der ein Instrument der Zerstörung einsetzen könnte. Nirgends hat auch im Laus der Zeiten ein Vertikalriß das Gefüge dieser zyklopenh asten Mauer gelockert." S£2 Berlin, 26. August. Der Verein für Arbeitsnachweis (begründet von den Berliner Logen 11. O. B. V.) teilt uns mit, daß in der neubegründeten Abteilung L e h r st e l l e n n a ch w e i s den schulentlassenen Knaben und Mädchen völlig kostenlos kaufmännische und gewerbliche Lehrstellen jeder Art vermittelt werden. Da vor dem Nachweis der geeigneten Arbeitsgelegenheit eine eingehende und sachverständige Berufsberatung stattsindet, empfiehlt es sich, daß die Eltern oder Erzieher sich mit den Bewerbern zwecks näherer Rücksprache in den Bureaus des Vereins einfinden. 6. Beuthen O.-Schl., 22. August. Jüdische Gemeindereligionslehrer sind nicht R e l i g i o n s d i e n e r im Sinne des deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und dürfen vom Schössen- und Geschworenendienst nicht ausgeschlossen werden. Aus Grund einer prinzipiell überaus wichtigen behördlichen Entscheidung ist die Eintragung des hiesigen Religionslehrers E. in die Liste der Schöffen und Geschworenen verfügt worden. J. V. Laurahütte, 22. August. Am 10. d. M. verschied nach längerer Krankheit das älteste Mitglied unserer Gemeinde, Herr L o e b e l S u ß in a n n, im Alter von 78 Jahren. Der Verblichene hat in den Gründungsjahren der Gemeinde längere Zeit als Vorstandsmitglied segensreich gewirkt. Sein religiöser Sinn sowie seine stete Opferfreudigkeit waren vorbildlich in unserer Gemeinde, deren Interessen er in selbstloser Weise unermüdlich zu fördern suchte. 1868 war er Mitbegründer des Israelitischen Krankenpflege- und Beerdigungsvereins, dem er ununterbrochen als tätiges Mitglied angehörte. In hingebungsvoller Weise erfüllte er seine Pflicht und widmete stets das regste Interesse den Bestrebungen des Vereins, der ihn aus Anerkennung'hierfür anläßlich seines 70. Geburtstages zum Ehrenmitglied ernannte. ^W. Posten, 22. August. Geheimrat Pauly beging am Sonntag den 10. d. M., wie bereits berichtet, seinen 70. Geburtstag. Unter den vielen Gratulanten befanden sich zahlreiche Deputationen der Körperschaften und Vereinigungen, die zu dem Jubilar im Verlause seines langen segensreichen Wirkens in Beziehung gestanden hatten. Namens der Körperschaften drückte Oberbürgermeister Geheimrat Dr. Wilms dem Siebzigjährigen seinen Dank für die Dienste aus, die er der Stadt Posen geleistet hatte, unter Ueberreich'ung eines besonders geschmackvollen Blumenarrangements in einer kostbaren Vase. Bürgermeister Künzer brachte Glückwünsche an der Spitze der Deputation des Vereins zur Fürsorge für kranke Arbeiter dar. Die Landesversicherungsanstalt vertrat Landrat Knlkowski. Die Aerzteschaft Posens sowie die Mitarbeiter und ehemaligen Assistenten überreichten eine künstlerisch ausgeführte Adresse, in der sie Geheimrat Pauly für die Fülle der fruchtbaren Anregungen, die' von ihm ausgegangcn sind, danken und hervorheben, mit welchem unermüdlichen Eifer er die Fortschritte, die die ärztliche Kunst und Wissenschaft gerade in der Zeit seines Wirkens gemacht hat, der Gesamtheit nutzbar zu machen wußte. Geheimrat Professor Wernicke übergab diese Adresse dem Jubilar mit einer feierlichen Ansprache, worauf der Geheime Sanitätsrat Dr. Hirschberg, als mit der älteste der Aerzte Posens, Frau Geheimrat Pauly ein geschmackvolles Blumenarrangement überreichte. Vom Sanitätsosfizierkorps, dem der Jubilar Jahre hindurch angehörte, waren Obergeneralarzt Dr. Goebel sowie Generalarzt Dr. Korsch erschienen. Der Minister des Innern sprach in Anerkennung der uneigennützigen, langjährigen Wirksamkeit des Jubilars seine Glückwünsche telegraphisch aus. Der Oberpräsidsnt der Provinz Posen, Exzellenz Schwartzkopfs, der Präsident des Reichsversicherungsamts sowie zahlreiche Freunde und Patienten sandten Glückwünsche. Herr Geheimrat Pauly war auch ehrenamtlich vor vielen Jahren in der Synagogengemeinde tätig. — Am Mittwoch den 13. d. M. wurden zwei ehrbare Frauen der jüdischen Gemeinde, Frau Flora Brandt geborene Juliusberg und Bertha Holde geborene Stranz zu Grabe getragen. Ein großes Trauergeleite füllte den Friedhof. Professor Dr. Bloch, Rabbiner der Synagoge B. (Israelitische Brüdergemeinde) hielt die Leichenrede bei der 82 Jahre alten Frau Holde und hob die hohen Verdienste der Dahingeschiedenen ganz besonders hervor. g/n Leipzig, 24. August. Eine Beschimpfung der jüdischen Religionsgemeinschaft führte den Schriftsteller Dr. Heinrich P u d o r aus Leipzig und den Verleger der in Dresden erscheinenden „Deutschen Wacht" Redakteur Karl Sedlaczek vor die Ferienstraskammer des Landgerichts Leipzig. Ueber den Prozeß berichtet das „Leipziger Tageblatt": Der unter Anklage stehende Artikel befindet sich' in der Nummer 31 der genannten Zeitschrift vom 21. April dieses Jahres und trägt die Ueberschrift „Zum Angriff". Einleitend wird in diesem Artikel darauf hingewiesen, daß Dr. Pudor eine Eingabe an das sächsische Kultusministerium gerichtet hat, in.der er behauptet, daß die jüdischen Religionsvorschrifteu eine staatliche Autorität nicht gelten lassen, sie seien staatsgefährlich, und daher müßten der jüdischen Religionsgemeinschaft die Rechte einer öffentlichen Korporation wieder entzogen werden. Als Gründe für diese Forderung führt der Verfasser unter anderem an die rituelle Schächtung, den Mädchenhandel, der besonders in jüdischen Händen liege, die Schädigungen des Geschäftslebens durch den unlauteren Wettbewerb und anderes mehr' darunter auch, daß die Juden die Lehrmeister der Sozialdemokratie sein sollen. Wenn das Ministeriumes wünsche, daun sei er gern bereit, noch weitere Gründe für seine Behauptungen anzugeben. Das Ministerium ließ diese Eingabe des Dr. Pudor an den- Rat der Stadt Leipzig gehen, und zwar unter dem 19. Dezember v. I. In seiner Beantwortung der Aufforderung, sich zu äußern, hielt Dr. Pudor alle seine Behauptungen ausrecht; die Juden seien eine Gefahr für den Bestand des.Staates und so weiter. In der Verhandlung vor der Strafkammer bekannte sich Dr. Pudor zu der Verfasserschaft des inkriminierten Artikels der „Deutschen Wacht", sein Mitangeklagter Sedlaczek habe den Artikel aus seiner, Dr. Pudvrs Korrespondenz „Antisemitisches Rüstzeug" entnommen und dazu einige einleitende Worte und den Schlußpassus geschrieben. Er müsse für sich' den Schutz des Paragraphen 193 von der Wahrung berechtigter Interessen in Anspruch nehmen, denn er habe die Pflicht,'für das Wohl seines Volkes und seines Vaterlandes einzutreten, das größte Hemmnis für das Volkswohl aber seien die Juden. Die Angeklagten wurden wegen

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