Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-08-29 · Heft 35 (29.8.1913) · p. Seite 415

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 35 (29.8.1913)
Date
1913-08-29
Page
Seite 415 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3229069-3229105--69713-3282030
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

1886 in Aneona geboren, wurde, aus folgendem Grunde durch/Verleihung der silbernen Medaille ausgezeichnet: „Obwohl nicht Lei guter Gesundheit, nahm er aus eigener Initiative am.Gefechte von Sidi Bilal bei Tripolis am 20. September 1912 teil, wobei er sich tapfer führte und verwundet wurde." . Und schließlich bringen wir noch das Bild eines der drei jüdischen Bersaglieri, welche am 23. Oktober 1911 bei Schara Schat sielen, nämlich des aus Rom gebürtigen Marco Perugia. Die von ihm -erworbene Bronzemedaille wurde nach seinem Tode seinen Angehörigen übergeben. . Von den im Laufe unserer gedrängten Uebersicht genannten Kriegern, mit denen die Zahl der Israeliten, die sich im italienisch-türkischen Konflikte hervorgetan haben, übrigens keineswegs abgeschlossen ist, hat, soviel wir wissen, niemand unter seinen nächsten Vorfahren Militärs auszuweisen. Ihre mehr als gute Haltung. im Kriege verstößt also gegen die jüngst zur Beschönigung des Vetterschaftssystems im deutschen Heere aus der Rumpelkammer alter Vorurteile wieder herausgeholte, mit einem wissenschaftlichen Mäntelchen behängte Theorie von der Notwendigkeit einer „Kriegerkaste" zur Heranbildung eines geeigneten Offizierkorps! Dus Dorothea Schlegels Lampt- und LrMensjshren. Von Ludwig Geiger. n einem Privatdrucke, der \ nur für die etwa 70 Mitglieder zählende Literaturarchivgesellfchaft in Berlin veröffentlicht wird, .sind Briefes der Dorothea Schlegel aus den Jahren 1798 bis 1807, hauptsächlich aber aus der Zeit von 1798 bis 1801 gedruckt worden. Diese Briefe sind von so ganz ungewöhnlichem Interesse, daß -sie im höchsten Grade verdienen, auch einem weiteren Kreise vorgelegt zu werden.' Das Interesse besteht nicht nur darin, daß wir durch diese Briefe vieles bisher Unbekannte zur Geschichte der Frühromantik erfahren, sondern namentlich in das Innenleben einer außerordentlich merkwürdigen, bedeutenden und viel verkannten Frau eingeweiht werden. ,' ‘ -5,yw mmm Unterleutnant Ettore. Levi. 0 Mitteilungen aus dem Literaturarchiv in Berlin. Neue Folge. 7. Briese von Dorothea < Schlegel an Friedrich Schleiermacher. Berlin, Literaturarchivgesellschaft. 1913. Für die Herausgabe verantwortlich: Heinrich Meisner und Erich Schmidt. Bersagliere Marco perugiä. Dorothea Schlegel, wie man sie gewöhnlich nennt, war die Tochter* Moses Mendelssohns, verheiratet > mit dem Bankier Simon Beit, dem sie zwei Kinder, Jonas und Philipp, geboren hat. Sie lebte mit ihrem Gatten, einem wackeren Kaufmann, der für Geistiges wohl Interesse hatte, ohne irgendwie ein geistreicher Mann zu sein, in einer Ehe, die sie zwar nicht innerlich beglückte, aber doch nicht elend machte. Das Mißverhältnis mit ihrem Gatten wurde ihr erst klar, als Friedrich Schlegel in Berlin erschien. Ihr romantischer Sinn, der durch den Umgang mit gleichgestimmten Mädchen und Frauen: Rahel Lewin, Henriette Herz, Henriette Mendelssohn und Marianne Meyer, der späteren Frau v. Ehbenberg, ausgekeimt war, wurde mm, plötzlich so stark, daß sie das Zusammenleben mit dem nüchternen Gatten nicht mehr ertrug und sich mit Friedrich Schlegel vereinte. Es kam zunächst zwischen ihr und Simon Veit zu einer Art Vertrag, nach dem jener den älteren Sohn Jonas (später Johannes) behielt, daß sie den jüngeren Philipp mit sich nahm und mit Schlegel zusammenlebte. Zuerst lebte das Paar in Berlin, dann mehrere Jahre in Jena, später in Paris, endlich in Köln. Im Laufe der Jahre kam es zu einer Scheidung von Simon Veit, zu einer Verheiratung Dorotheas mit Schlegel. Simon Veit benahm sich in dieser ganzen Angelegenheit höchst edelmütig. Erstellte seiner geschiedenen Frau nicht nur die Zinsen ihres Vermögens bon MOO^Talern zur freien Verfügung und sorgte seiner Pflicht gemäß für die Erhaltung der beiden Söhne, die schließlich beide mit der Mutter zusammenlebten, sondern bewährte sich auch in ihren häufigen finanziellen Nöten als ein unermüdlicher, treuer Helfer. Trotzdem spricht Dorothea, die sich in ihren früher bekannten Briefen sehr schön über Veits Güte ausgesprochen hatte,, sich recht wenig günstig über ihn aus. Sie sucht in jeder Weise Geld aus ihm herauszulocken, einmal zum Beispiel, indem sie Schleiermacher veranlassen will, eine Anleihe bei ihm zu machen, und läßt feinem Wesen nur selten Gerechtigkeit widerfahren. Sie schreibt einmal zum Beispiel: „Wenn nur etwas. Ordentliches mit ihm zu reden wäre! , Gesetzt auch, ich spreche stark und' eindringlich mit ihm, wird er nicht wieder weinen und mich rühren wollen? Davor fürchte ich mich mehr als vor kräftigem Widerstand." Oder sie schreibt in recht häßlicher Weise: „Wenn, ich doch nur niemals von Veit seinen erbärmlichen Hoffnungen . etwas hören sollte! . Armer . Freund, was mußten Sie sich unsert-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.