Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1913)
- Date
- 1913-08-29
- Page
- Seite 414 (sequence 6)
- Language
- German
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Carlo Ärchivolti aus Livorno erhielt eine öffentliche Belobigung wegen : seiner ruhigen und energischen Haltung den Türken gegenüber im Gefecht auf Rhodus am 4. Mai 1912. Nicht minder gewürdigt wurden die Verdienste der jüdischen Offiziere der Kriegsmarine. Die Unterleutnants zur See Diego Pardo und Carlo Della Nocca, welche an der kühnen Expedition nach den Dardanellen teilgenommen, erhielten silberne Medaillen, her Unterleutnant zur See Aldo Ascoli, welcher sich bei den Flottenoperationen in Tripolis hervorgetan, ein^ Bronzemedaille. Aus Nennung der zahlreichen Offiziere ämd einfachen Soldaten, welchen wegen ihrer tapferen Haltung öffentliche Belobigungen zuteil wurden, müssen wir an dieser Stelle verzichten. Nur möge noch, da die Seetüchtigkeit der Jüden häufig — und zwar mit großem Unrecht — angezweifelt wird, der Belobigung des Seekadetten Aldo Levi wegen feiner Teilnahme an den Kämpfen längs der Küste der Cyrenaika und 'des Livorneser Steuermanns Giorgio Sadun wegen der Expedition nach den Dardanellen gedacht werden sowie der Bronzemedaille, welche dem Schiffskanonier Attilio Maroni zugesprochen wurde. Was übrigens den letztgenannten, waghalsigen Raid der italienischen Marine betrifft, so ist hervorzuheben, daß die Bemannung, welche zur Teilnahme an demselben bestimmt war, vom Herzog der Abruzzen,- dem Höchstkommandierenden der Torpedoflotte und Vetter des Königs, sorgfältig lange vorher ausgewählt war, und/ daß zu demselben außer den beiden genannten Offizieren auch der Oberleutnant zur See Giuseppe Carasfo gehörte, jedenfalls ein Beweis dafür, daß die Kommandanten der italienischen Kriegsmarine keinen Grund zu Vorurteilen gegen die israelitischen Seeleute haben! Charakteristisch dafür ist auch folgende Episode: Als im Frühjahr 1912 das Schiff '„Elpis" mit drei Millionen Kriegskonterbande, für die türkische Armee in Zuara bestimmt, von dem italienischen Kriegsschiff „Pürtenope" gekapert war, erhielt der zweite Offizier des letzteren, Guido Debenedetti, Sohn eines jüdischen Bankiers aus Alba in Piemont, den Befehl über das beschlagnahmte Schiss, und es gelang ihm trotz eines entsetzlichen Stürmes, dasselbe in einen italienischen Häfen zu bringen. Einem jüdischen Fregattenkapitän sollte auch die höchste militärische Auszeichnung zuteil werden, welche die italienische Regierung wegen Dienstleistungen im Kriege zu vergeben vermag: Angelo Frank aus Venedig, im Jahre 1869 geboren, wurde zum Ritter der Militärklasse des Ordens von Savoyen ernannt, und zwar heißt es wörtlich in dem betreffenden Erlaß: „Während er als erster mit fünf Kompagnien und fünf Kanonen der Kriegsmarine unter den Schüssen des feindlichen Gewehrfeuers am 19. Oktober 1911 die Landung bei Bengasi dornahm und heftig von überlegenen Streitkräften angegriffen wurde,, führte er mit Intelligenz und musterhafter Tapferkeit die. von ihm befehligten Streitkräfte fast den ganzen Tag über, bis er verwundet aus dem Schlachtfelde' zu' Boden sank." Kapitän Frank mußte sich, nach Italien transportiert, einer schwierigen Operation an einem Beine unterziehen und hat viele Monate bis zur völligen Gesundung gebraucht. Außer der hohen Auszeichnung ward ihm auch die Ehre zuteil, daß auf afrikanischem Boden, iw dem eroberten Tobruk, eine Straße nach ihm benannt worden ist. Ein jüdischer Offizier der italienischen Landmacht wurde ebenfalls mit dem Ritterorden des Hauses Savoyen bedacht. Es ist dies der Hauptmann und Generaladjutant der 7. Sonderbrigade Emanuele Pugliese, 1874 in Vercelli geboren. Die Taten, wodurch er sich während der Schlacht bei den „Zwei Palmen" in der Nähe von Bengasi am 12. März 1912 die seltene Auszeichnung erwarb, werden in dem offiziellen Bericht folgendermaßen geschildert: „Als Generaladjutant erfüllte er bei der Aufstellung und beim Angriff mit Intelligenz, Ruhe und Tapferkeit feinen Auftrag unter starkem Gewehrfeuer des Feindes. Zu Pferde abgesandt, um in Eile unter schwerer Lebensgefahr auf der Feuerlinie die Angriffsfront zu berichtigen, führte er den Befehl mit Erfolg aus, wobei er vermied, daß Abteilungen des rechten Flügels von der Mitte der Linie aus Schüsse erhalten konnten; dann kehrte er, obwohl verwundet, zur Kommandostelle zurück, um mit Einsicht über die Lage der Dinge zu berichten, fetzte seine Dienstleistung bis zum Ende der Schlacht fort und vollbrachte somit Handlungen, bemerkenswert wegen des persönlichen Mutes und ausgezeichnet durch Wert und Nutzen." Wir begnügen' uns mit der Wiedergabe der Photographien von vier der mit Ehrenzeichen geschmückten Helden. Oberleutnant Achille Levi Bianchini, 1878 in Triest geboren, in Padua ansässig, erhielt die silberne Medaille aus folgenden Gründen: „Als Befehlshaber eines Blockhauses bei Bengasi, das in der Nacht des 18. Januar 1912 von einer großen Schar Beduinen angegriffen wurde, gelang es ihm durch Ergreifen geeigneter Maßregeln sowie durch ruhige, energische und ausdauernde Haltung, den Feind zurückzuschlagen. Vorher, am 28. November 1911, hatte er sich bereits bei Koefia durch musterhafte Ruhe und Klarheit ausgezeichnet." . Wegen dieser außerordentlichen Verdienste erhielt er außerdem die seltene Auszeichnung einer Beförderung zum Hauptinann außer der Reihe! Ueber einen anderen der fünf Levis, welchen Ehrenzeichen zuteil wurden, Decio mit Vornamen, aus Turin, Dr.-Jng. und Oberleutnant im Geniekorps, heißt es im offiziellen Berichte: „Bei einem energischen Gegenangriff feiner Abteilung in der Nähe von Tobruk am 22. Dezember 1911 bewies er Sicherheit und Mut. Auch zeichnete er sich durch lobenswerte Ruhe,und Sicherheit im Gefechte von Bir Mofsel am 11. März 1912 aus." Deswegen würde ihm die Bronzemedaille zugesprochen. Unterleutnant Ettore Levi vom zweiten Bataillon der erythräischen Schußtruppe, inzwischen zum Oberleutnant befördert, Oberleutnant Decio Levi.