Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1913)
- Date
- 1913-08-29
- Page
- Seite 413 (sequence 5)
- Language
- German
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413 Besprechung eines Buches, dessen Gediegenheit und Echtheit er anerkennt, einerseits auf einige schwache Punkte in demselben hin, entrüstet sich aber anderseits darüber, daß ein Gegner jenes Verfassers, den eigentlichen Inhalt des Buches ignorierend, gerade diese vereinzelten Punkte dazu benutzt, um das Werk ins Lächerliche zu ziehen, — wem wird - es da einfallen, C. hier eines Widerspruches zu zeihen? Wenn ich aber dagegen Einspruch erhebe, daß C. die Beweisführung Seligmanns, deren treffende Argumente nach Dutzenden zu zählen sind, durch winzige drei Punkte, von denen zwei gar nicht zur Diskussion gehören, wertlos gemacht haben will, so vereinigt es C. leicht mit seinem Gewissen, mich der „Vorspiegelung falscher Tatsachen" zu beschuldigen. Wenn man einer solchen willkürlichen Wortverdrehung im „Hammer" oder in einem ähnlichen Pamphlet begegnet,, dann schlägt man die Hände über dem Kops zusammen ob solcher Vergewaltigung der Wahrheit. Dagegen ist ein solches Verfahren von Juden ihren andersgesinnten Brüdern gegenüber wohl ein lobenswertes, wenigstens in den Augen der Herren vom „Israelit". Dieselben sollten sich jedoch die Frage vorlegen, von wem die Orthodoxie mehr verlästert wird, von den Liberalen, die ihr bona kille nie bestritten haben, oder von ihren Verteidigern, welche solcher häßlichen Mittel sich bedienen. Die erwähnte irreführende Darstellung C.s betreffs seiner und Dr. W.s Absichten lassen den Leser gleichzeitig die Vodenlosigkeit der Beschuldigung erkennen, welche der „Israelit" und Dr. C. gegen die „Allg. Ztg. d. Jud." erheben, indem sie behaupten, daß letztere „eine durch das Schewuothfest bewirkte Unterbrechung" der Carlebachschen Artikelfolge dazu benutzt hätte, um den „Gegnern S.s in den Rücken zu fallen und zu sagen: „Der „Israelit" und Herr Dr. Wohlgemuth in Nöten." Wer die Schlußzeilen des Carlebachschen Leitartikels in Nr. 22 des „Israelit" gelesen hat, wird diese falsche Anschuldigung mit Entrüstung zurückweisen. Die Schuld dieses Mißverständnisses trifft einzig den Dr. C., der, trotz der gedulderschöpfenden Ausführlichkeit jenes dreizehn Spalten langen Schmähartikels, das Fortsetzen seiner Polemik mit keinem Worte angedeutet, ja hinsichtlich W. sogar der Wahrheit widersprechende Angaben gemacht hat. Das hindert ihn natürlich anderseits nicht, es mir als eine Sünde anzurechnen, daß ich Herrn Dr. W. nicht um Entschuldigung gebeten habe, ohne sich wissend zu machen, daß ich eigentlich gar nicht für mich, sondern für ihn um Entschuldigung bitten könnte. Ich glaube nun aber, daß C., der Herrn Dr. W. näher steht als ich, seine Abbitte am besten allein besorgen könnte. Auch beim „Israelit", meint C., sollte ich mich entschuldigen. Nun, ich habe in meiner Entgegnung wahrlich oft genug wiederholt, daß meine Klage über, das Versteckenspiel des „Israelit" nicht auf diesen vorliegenden Fall allein, sondern aus sein Treiben seit Jahren und Jahrzehnten sich bezieht. Soweit die persönlichen Bemerkungen an den „Israelit" und seine Mitarbeiter. Zur Eharakterisierung seiner wissenschaftlichen Behandlung der liberalen Argumente wird sich noch Gelegenheit bieten. Srdrn und TapkrrkritsmedsMm sn Milche SkAiere und Holdsten. Von Prof. Dr. Ermanno L o e v i n s o n, Rom. ■ aß es sich nicht um jüdische Offiziere deutscher Nation handelt, denen solche Auszeichnungen zuteil geworden, wird der Leser leicht erraten. Hat doch bekanntlich der vielgerühmte Kulturfortschritt des 20. Jahrhunderts diese Klasse von Offizieren, welche einst die Not der Freiheitskriege und des Krieges von 1870/71 gezeitigt hatte, beseitigt! Unsere kurze Uebersicht bezieht sich vielmehr aus die Israeliten Italiens, welche im vergangenen Frühjahr durch Orden und Tapserkeitsmedaillen für ihre hervorragenden Leistungen im türkischen Kriege ausgezeichnet wurden. Bronzemedaillen wurden den Hauptleuten Riccardo Dina von den Grenadieren, Umberto Vitale von den Bersaglieri sowie Riccardo Padovani von der Infanterie zuteil; silberne Medaillen den Oberleutnants Achille Levi Bianchini von der Infanterie, Giulio Viterbi vom Geniekorps, Deodato Cavalieri von der Kavallerie, und .Angelo Levi erhielt ebenfalls eine silberne Medaille. Bei dieser Gelegenheit fei die Tatsache hervorgehoben, daß in der Schutztruppe der Kolonie Erythräa stets einige israelitische Offiziere freiwillig dienen; wieder einmal ein Beweis, daß diese Rasse starken Strapazenin wenig kultivierten Ländern , mit heißem Klima genügend gewachsen ist und es meisterlich versteht, halbzivilisierte Untergebene anderen Stammes in geeigneter Weise zu behandeln. Durch Verleihung einer silbernen Medaille wurde auch der aus Padua gebürtige Artillerieunterleutnant der Reserve CesareSacerdoti (ein Name, der bekanntlich dem deutschen Priester oder Cohn entspricht) ausgezeichnet, und zwar wegen der Kühnheit und Ruhe, die er als freiwilliger Militärflieger bei seinen Erkundungsflügen über die feindlichen Truppen hinweg bewiesen hatte. Ferner wurden mit Bronzemedaillen ausgezeichnet die Oberleutnants Roberto Ariani, Duilio Bemporad, Gioachino Pugliese, Ernesto Enriquez von der Infanterie, Decio Levi vom Geniekorps, der Militärarzt mit Leutnantsrang Raffaele Civita sowie die Unterleutnants Mario Mortara von der Infanterie und Aurelio Padovani von den Bersaglieri. Derselben Mustertruppe gehören einige Soldaten an, welche ebenfalls Bronzemedaillen erhielten, z. B. Ercole Donati und Enrico Padovano. Auch der Artillerist Leone Vitale wurde aus diese Weise ausgezeichnet. Der Hauptmann derselben Waffe Hauptmann Achille Levi Bianchini.