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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-08-22 · Heft 34 (22.8.1913) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 34 (22.8.1913)
Date
1913-08-22
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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etwa fünf Jahren ist er von diesem Posten zurückgetreten. In Anerkennung seiner Verdienste bewilligte ihm die Stadtverwaltung eine Pension. — Die verwitwete Frau Esther Calvarh geborene Hildesheimer aus Berlin ist hier bei ihrem Besuchsaufenthalte, sechzig Jahre alt, gestorben. Der Tod dieser edlen Frau hat hier allgemeine Teilnahme erweckt. Die Leiche ist nach Berlin zur Beisetzung übergesührt worden. — Dem statistischen Bericht über die Zeit von April bis Juni dieses Jahres entnehmen wir folgende Angaben: Unehelich geboren waren 34 evangelische, 169 katholische und 0 mosaische Kinder. Eine Scheidung der Zahlen für die ehelich Lebendgeborenen nach der Konfession der Eltern ergibt, daß in rein evangelischen Ehen 236, in rein katholischen 783 und in rein mosaischen 14 Kinder geboren wurden. Die Zahl der Eheschließungen beträgt für die Berichtszeit 94 rein evangelisch, 178 rein katholisch und 10 mosaisch. — Samte r. Der Rentier Wolf Pehser starb hier hochbetagt im Alter von 84 Jahren. Außen den Angehörigen folgte, der Bahre eine große Anzahl Leidtragender von hier und der Umgegend. — Bojanowo. Herr Rabbiner Dr. Theodor blickte am 1. d. M. ans eine sünsundzwanzigjährige Tätigkeit als Seelsorger der jüdischen Gemeinde Hierselbst zurück. Anläßlich dieses Tages wurden dem Jubilare seitens der Gemeindebehörde, der Vereinsvorstände und der Gemeindemitglieder vielfache Ehrerweisungen zuteil. — P i n n e. Ein braver Bürger wurde hier unter recht großer Beteiligung zu Grabe getragen. Herr Heymann Lewh, ein geschätztes Mitglied der Gemeinde, starb im 73. Lebensjahre. Schocken. Bei der Vorstandswahl der hiesigen jüdischen Gemeinde wurde Kaufmann Michaelis Markiewiez zum ersten Vorsteher wiedergewählt. Er bekleidet dieses Amt bereits seit 24 Jahren. Als stellvertretendes Vorstandsmitglied nmrde Herr Casper gewählt. — R a k w i tz. Wie in vielen Gemeinden unserer Provinz hat durch Wegzug nach den Großstädten auch die hiesige israelitische Gemeinde so stark an Seelenzahl abgenommen, daß sich die öffentliche Volksschule nicht mehr behaupten kann. Mit Einwilligung der königlichen Negierung wird diese Schule zürn 1. Oktober d. I. aufgelöst; die Schulkinder werden der evangelischen Schule einverleibt. Herr Lehrer Jvsephsohn, der bisher segensreich gewirkt, tritt in den Ruhestand. — Obornik. Im 89. Lebensjahre starb hier Herr Rentner Leiser Tuch. Der Dahingeschiedene war ein braver, allenthalben geachteter Jude. — Filehne. Ein Kind der Ostmark ist der Erfinder der jetzt viel erwähnten sprechenden Uhr in Berlin. Er ist ein geborener Filehner namens Max Marcus und der jüngste Sohn der hier lebenden Witwe Frau M. Marcus geborene Philipp. Die Erfindung und ihre Verwertung sichern Mutter und Sohn einen sorgenfreien Lebensabend. 22 München, 16. August. . Schon lange bestand bei einer Anzahl von Personen der hiesigen jüdischen Gemeinde die Absicht, eine Art von Seminar zu errichten, in dem ein größeres Gebiet im Zusammenhang erörtert und den Teilnehmern Gelegenheit gegeben werden sollte, kennen zu lernen, wie man sich ein selbständiges Urteil über jüdische Fragen verschaffen kann. Im Herbst 1912 trat ein Komitee zusammen, das einen Ausruf an eine größere Anzahl von Mitgliedern der Kultusgemeinde und ihre Familienangehörigen ergehen ließ. Diesem Ausruf leisteten eine größere Anzahl von Personen Folge, von denen wieder ein Teil ständig an den Kursen teilnahm: Es wurden die folgenden Vorträge gehalten. Rechtsanwalt Dr: Eli Straus: „Die Rechtsstellung der Juden in Deutschland"; Nechtspraktikant Dr. L. Feuchtwanger: „Das jüdische Bevölkerungs- Problem"; Rechtsanwalt Dr. Rudolf Wassermann: „Die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der deutschen Juden"; Rabbiner Dr. Werner: „Die Organisation der deutschen Juden"; cand. Phil. Erojanker: „Das jüdische Wanderungsproblem". Vorträge über die Themata: „Die Ostjuden in Deutschland" und „Die Juden in der deutsche Kultur", sollen im Herbst noch folgen. Außerdem ist geplant, im Herbst einen neuen Vortragszyklus über das Thema- „Die jüdische Frau" zu veranstalten. Die Veranstalter der jüdischen Kurse waren in erster Linie von der Erwartung ausgegangen, daß es gelingen würde, die Zuhörer zu einer lebhaften Diskussion heranzuziehen. Das hat sich nicht erreichen lassen. Es hat sich gezeigt, daß Vortrüge, denen nicht ein eingehendes Studium der betreffenden Frage vorangegangen ist, eben doch nicht allein genügen, um den Hörern ein selbständiges eigenes Urteil zu verschaffen. Immerhin haben die Vorträge, die durchweg aus einer beträchtlichen Höhe standen, sehr anregend gewirkt, und wird wohl vielfach ihre Saat noch später aufgehen. 2^3 Essen (Ruhr), 16. .August. Wer Essen jetzt von einer der Anhöhen in den Außenbezirken betrachtet, bemerkt im Stadtbild zwischen dem Nathausturm und den Kirchtürmen eine gewaltige Kuppel, die früher dort nicht zu sehen war. Auch wenn man über den Burg-- Platz kömmt, sieht man über den Bäumen bei der Münsterkirche diese Kuppel emporragcn, und wenn man die Steeler Straße hinuntergeht, bleibt man überrascht stehen vor dem imposanten Bauwerk, das sich dort erhebt. Es ist der Neubau der Synagoge, die dort, wo sich am Steeler Platz die Alfredistraße von der Steeler Straße abzweigt, errichtet worden ist. Das Gebäude wirkt überaus monumental. Es ist eine Schöpfung des Professors Edmund Körner, dem Esten schon die stattliche Baugewerkschule verdankt. Die Synagoge ist aus Bredelarer Muschelkalk erbaut. Das Innere macht einen sehr erhebenden Eindruck. Durch den Vorhof gelangt man zuerst in die geräumige Vorhalle. Durch ein wundervolles Bronzetor tritt man dann in das eigentliche Innere, dessen von bunten Fenstern durchbrochene Kuppel sich 26 Meter hoch in einer Spannweite von 29 Metern wölbt. Der Bau dieser Kuppel aus Beton war auch rein technisch eine ganz hervorragende Leistung, die schon vor der Fertigstellung das Interesse zahlreicher Fachleute erregt hat. Abgesehen von den gewaltigen Dimensionen, fesseln den Beschauer die prachtvollen Mosaikarbeitcn, die Kuppel und Wände bedecken und infolge ihrer Haupttönnng in Grün und Gold gemeinsam mit der eigenartigen Beleuchtung eine ungemein künstlerische Wirkung erzeugen. Außer einem mächtigen Leuchter schwebt eine große Zahl ampelartiger Pendel, anscheinend planlos, in dem gewaltigen Raum. Da zurzeit in der Architekturaüteilung der Gewerbeschau ein Modell der Synagoge ohne die Fassade ausgestellt ist, kann man dort schon einen Einblick in das Innere gewinnen und sich eine Vorstellung von der Ausstattung machen. Künstlerisch bemerkenswert sind übrigens auch das „Allcrheiligste" aus poliertem Muschelkalk, die Orgel, die die größte Essens ist, sowie die reichen Glasfenster. Die Kosten des imposanten Baues betragen eine Million Mark. Die Einweihung soll im September stattfinden. 22 Gießen, 15. August. Der israelitische Lehrerverein im Großherzogtum Hessen" hielt seine Jahresversammlung vor kurzem in Gießen im Hotel „Großherzog von Hessen" unter zahlreicher Beteiligung ab. Als Vertreter der Gemeinde wohnte der Versammlung Geheimer Kommerzienrat S. Heichelheim bei, der herzliche Begrüßungsworte an die Erschienenen richtete, ferner Herr Mor. Strauß und Neallehrcr Levi.' Trotz der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit gelang cs, die Tagesordnung zu erschöpfen, außerdem noch einem Vertreter der Lehranstalt Peine, Herrn Strauß aus Ossenbach a. M., der an einem dortigen Kursus sich beteiligte, das Wort zu erteilen, über Gründung einer Untersttttzungskasse zu beraten und sonstige dringliche Lehrersragen zu behandeln. Zu Delegierten für den Verbandstag in Breslau wurden Freitag, Darmstadt und Marx, Gießen gewählt. — Nach den Verhandlungen fand ein Mittagsmahl statt. Gesangliche Darbietungen und Ansprachen füllten die Zwischenpausen aus. Als Ort der nächsten Tagung wurde Worms gewählt. Worms, 16. August. Der Israelitische U n t e rst ü tz u n g s v e r e i n versendet soeben seinen Tätigkeitsbericht für das Jahr 1912/1913. Es heißt darin unter anderem: Die Tätigkeit unseres Vereins im Geschäftsjahr 1912/1913, hat sich in den durch langjährige Erfahrung erprobten Bahnen weiter bewegt. Mit Befriedigung können . wir auch im letzten Jahre die gute Wirkung seststellen, die die Gründung der Zentralstelle in Berlin sowie insbesondere das Zusammengehen und Hand in Hand arbeiten der in fünf größeren Städten des Großherzogtums Hessen, in Wiesbaden und Franksilrt a... M. bestehenden Wanderarmen- und Unterstützungsvereine auch für unseren Verein gezeitigt hat. — Immer mehr werden unterstützungsunwürdige Elemente aus Furcht, entlarvt und den Nachbarvereinen avisiert zu werden, von den Kassen gescheut un>d serngehalten. Dank der recht beträchtlichen Abnahme, die zweifellos auf die Rechnung von Unwürdigen gesetzt werden kann, waren wir in der Lage, würdige sowie verschämte Arme nachdrücklicher und wirksamer als bisher zu unterstützen. Und gerade darum, weil es uns immer mehr gelingt, die unserem Verein zur Verfügung stehenden Mittel den wirklich Hilfsbedürftigen und Unterstützungswürdigen zuzuweisen, Not zu lindern, Schwache zu stützen und Wankende aufzurichten und so in wahrhaft sozialem und echt jüdischem Geiste zu wirken, muß es unserer verehrlichen Freunde und Gönner unablässiges Bemühen sein, dem Verein immer mehr Mittel für diese großen und edlen Zwecke zuzusühren. Wir wiederholen ferner die schon oft ausgesprochene Bitte, uns abgelegte, noch verwendbare

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