Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1913)
- Date
- 1913-08-22
- Page
- Seite 401 (sequence 5)
- Language
- German
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von den Siegern bei Jena erbeutet und auch auf anderem Wege konfisziert worden waren — eine große Masse noch sehr brauchbarer königlich preußischer Montierungs-, Armatur- und Equipagenstücke, die sogleich von Juden erworben wurden, um' sie dem Könige von Preußen zum Ankauf anzubieten — „um solchergestalt Seiner Majestät Interesse zu dienen und Allerhöchst demselben den gewiß sehr -beträchtlichen Vorteil zuzuwen-ven"; wie das Aeltestenkolleg-ium der k. Domänenkammer gehorsamst unterbreitete, da Majestät die Sachen so doch angeschäsft werden müßten, bei direkter Erkaufung wohl fünf- bis sechsmal höher zu stehen gekommen wären. Die Breslauer Judenschaft, die durchaus über keine flüssigen Kapitalien verfügte, hätte auch das Geld zu diesem Geschäft erborgen müssen und kam nun nachträglich submissest zu diesem sowie anderen Darlehen bei der Regierung um gnädigste Erlaubnis ein. Da klopfte dieser Breslauer Judenschast ihr .aber eine königliche Kriegs- und Domänenkammer nicht schlecht auf die Finger. Das p. P. Kollegium der Aeltesten und Vorsteher der Breslauer Judengemeinde sollte den Nachweis der gekauften Militärefsekten in gehöriger Ordnung führen (vom Zopfband unter dem Kürassierhelm bis zum Nagel unter dem Kommißstiefel hinab), den Kaufpreis genau angeben, über Neste und Ausfälle der Einnahmen berichten usw. Das Kollegium hat dies baldigst zu erfüllen! Nach längerem Hin- und Herschreiben über besagte Effekten — sie waren mit 3467 Talern 20 Silbergroschen bezahlt worden und lagen im Jesuitenkloster verwahrt, ihr genaues Verzeichnis nimmt in den Akten vierzehn dicht ausgefüllte, große Spalten ein — und während welcher Korrespondenz das Kollegium für die später erteilten Konsense und Resolutionen ein artiges Sümmchen an Schreibgebühren zu erlegen hat, ändert die königliche Kriegs- und Domänenkammer mit einem Male ganz auffällig ihre Sprache gegen die bisher so energisch angesahrenen Juden. Der Ton wird freundlich, wvhlwollend, ordentlich nett, „man verkennt die gute Absicht nicht, so die Gemeinde beim Ankauf der Militäreffektenstücke für Seiner Majestät Interesse gehabt hat" — — bis in einem weiteren, sehr ausführlichen Schreiben die Sonne der Gnade ganz unerhört über einer „Wohllöblichen Judenschaft" sich ergießt; man rühnrt ihren Patriotismus und ihre uneigennützige Treue, die alles Lob verdiene, ist durchdrungen von herzlichem innigen Dank und.will einer wohllöblichen Judenschaft die kostspielige und unsichere Aufbewahrung dieser Sachen ersparen . . . Zumal da der Geheime Oberfinanzrat v. Massow es als sicher voraussetzt, daß sothane Judenschaft aus Patriotismus und Treue gegen Seine Majestät Allerhöchst derselben mit den erkauften Sachen ein Geschenk machen werde. Worauf sich die Judenschast schleunigst entschuldigte, unter obwaltenden Zeitumständen nicht schon früher den Herzenswunsch laut'geäußert zu haben und jetzt in Ersterbung bat, ihrem geliebtesten und allergnädigsten Landesvater dieses Opfer als Beweis ihrer greulichen Gesinnung in allertiefster Untertänigkeit anzubieten. Man sieht, die deutschen Kapitalisten' aller Konfessionen Von heute, die sich gegen die Wehvvorläge stemmen, können von den halbverhungerten, ' gedrückten, " bis ' aufs Blut äüsgesäügten Breslauer Juden von 1807 mancherlei lernen! Dieser Patriotismus der Juden, ist er nicht eine sehr bemerkenswerte Erscheinung? In einem Wust von Haß, Schmutz und Verleumdungen war er erblühtrein, weiß und stark wie die Nhmphenblumen im Schlamm.' Man suche in der Geschichte aller Völker eine gleiche Nation, die gehetzt, bis in den Mutterschoß mißhandelt; denn wehe dem Schutzjuden, der sich erlaubte, mehr als einen Erben „anzusetzen" ^.dib schmachvoll unterdrückt dennoch' in den Tagen der schwersten' Bedrängnis sich so treu erwies. Welche Charakterstärke,'daß'sie niemals mit dem viel Humaneren Fremd Herrscher paktierte! War es doch der große Korse, der durch seinen Botschafter, den Grafen von St. Marfan, eine Reform der preußischen Judenverfassung verlangte und' die Aufhebung des infamen Leibzolles befahl. Und dieses halb zertretene, mißachtete Häuslein jüdischer» Landeskinder wetteiferte mit den christlichen.Preußen, die gesunkene Waffenehre des Vaterlandes wieder aufzurichten. Hardenberg, der Unvergeßliche, der Vater des Reformedikts vom 11.-März 1812, schrieb aus Wien am 4. Januar 1815 an den preußischen Gesandten, Grafen v. Grote: „Auch hat die Geschichte unseres letzten, Krieges wider Frankreich bereits erwiesen, daß. sie des Staats, der sie in seinen Schoß ausgenommen, durch treue Anhänglichkeit würdig geworden. Die jungen Männer jüdischen Glaubens sind die Waffengesährten ihper christlichen Mitbürgergewesen, und wir haben auch unter ihnen Beispiele des wahren Heldenmuts und der rühmlichen Verachtung der Kriegsgefahren aufzuweisen sowie die übrigen jüdischen Einwohner, namentlich auch die Frauen, in Aufopferungen jeder Art den Christen sich angeschlossen . . ." Wie. viele Judensöhne mit rühmlichem Tod ihre Zugehörigkeit zum Königreich Preußen bekräftigt haben, wird niemals bekannt werden — mehrere hundert Namen jüdischer Freiwilliger sind authentisch beglaubigt; siebenunddreißig der Mitkämpfer stammen aus Breslau. «Ein besonders tapferer Mann muß der Leutnant Meyer Hilsbach gewesen sein, der bei Großgörschen, ungeachtet seiner mehreren schweren Verwundungen, seinen Zug so lange zum Ansturm führte, bis ihm die Kugeln das mutige Herz durchbohrten. Er liegt aus der Claassenstraße in seiner Vaterstadt Breslau begraben; ein Denkstein mit einer Inschrift in kunstvollen hebräischen Versen bezeichnet seine Ruhestätte. Am selben Tage, den 2. Mai 1813 im gleichen Gefecht, fielen, wie die Ehrentafel der Breslaueralten Synagoge bezeugt, unter anderem noch zwei Glaubens¬ und Heimatsgenossen des braven .Meyer Hilsbach: Lazarus - .Zülchauer und Julius Burgheim. Von sechzig jüdischen Soldaten berichten die preußischen Armeeblätter^ daß sie das Eiserne Kreuz, erhielten; zwei junge jüdische Aerzte, die Freiwilligen Dr. Adolf Schlesinger ünd Dr. Laband, werden gerühmt, daß sie —oft unter beschwerlich Grabstein des Leutnants Julius Burgheim.