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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-08-15 · Heft 33 (15.8.1913) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 33 (15.8.1913)
Date
1913-08-15
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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8 Großherzogin Luise die Bilder I. K. H. des Großherzögs Friedrich t. und der Großherzogin Luise gnädigst überreichen. Herr 3H\ Heilbronn gratulierte tu Anwesenheit der Mitglieder des Lokalvvrstündes nlünens des Vvrstattdes. Eine Deputation der Geinernde Altdörs unter Führung des Herrn Vorstehers Isaak Lang überbrachte die Glückwünsche der Heimatgemeinde. Mit einem Ständchen des Gesangvereins Eintracht fand die Feier ihren Abschluß. Die Greisin erfreut sich nicht nur großer körperlicher Rüstigkeit, sondern auch geradezu bewunderswerter geistiger Frische und Regsamkeit; ihr Gedächtnis hat nicht Rot gelitten, sie hat sich ein lebhaftes Interesse für ihre Freunde und Bekannten, insbesondere auch für ihren Heimatsort Altdorf bewahrt. In der am 6. Juni 1912 zu Gailingen stattgehabten satzungsgemäßen Generalversammlung wurden die ausscheidenden Mitglieder des Gesamtvorstandes wiedergewählt. An Stelle des nach Heilbronn verzogenen Herrn Hermann Brunner von Adelsheim wurde Herr Vorsteher und Bezirksältester Karl Reis in Sennseld gewählt. Die seit der letzten Generalversammlung vom Vorstand vorgenommenen Ersatzwahlen wurden bestätigt. Die vom Vorstand vorgeschlagene Aenderung einiger Bestimmungen der Satzungen wurde von der Generalversammlung genehmigt. Anläßlich der Generalversammlung fand eine eingehende Besichtigung der Anstalt statt. Sämtliche Anwesende waren von dem tadellosen Stand der Anstalt voll befriedigt. Der Bericht verzeichnet mit Dank die Namen der Spender, die in hochherziger Weise im verflossenen Jahre der Anstalt Gaben Angewiesen haben. J. W. Stuttgart, 8. August. Am 2. August war ein Jahr verflossen, seitdem der berühmte Kammersänger Heinrich Sontheim die Augen zum ewigen Schlummer geschlossen, betrauert von einer großen Schar von Freunden, Künstlern und Verehrern. Aus diesen: Anlaß veröffentlichte der Sekretär des Verstorbenen, Herr Leo Adler, einen schönen Nachruf im „Neuen Tagblatt" und daran anschließend einiges aus den Memoiren des großen Künstlers. Alle, die den großen Künstler kannten oder wenigstens etwas von ihm gehört haben, werden es mit Freude begrüßen, daß demnächst die Memoiren Sontheims im Druck erscheinen und somit der breiten Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Ein Bild Sontheims ist zurzeit in der Kunstausstellung Presset und Husch ausgestellt, das den Künstler als Raoul in den „Hugenotten" zeigt. Das Original, ein Werk Stirnbrands, wurde mit mehreren anderen Bildern von der Gattin des Verstorbenen dem königlichen Hoftheater als Geschenk überwiesen. Der große Künstler, ein treuer Glaubensgenosse bis zum letzten Atemzuge, ist tot, aber in unserer Erinnerung wird er stets fortleben. GesterretÄ-Angarn. X. Wien, 8. August. Hiesige Blätter beschäftigen sich eingehend mit folgendem Falle, der die galizischen Zustände zur Genüge charakterisiert und illustriert. Im Jahre 1885 starb in Sereth in der Bukowina Leib A ch n e r mit Hinterlassung eines Millionen- Vermögens, teils in Barem, teils in Immobilien. Achner war kinderlos, und seine Frau hatte schon zu Lebzeiten ihres Mannes auf ihr Erbteil Verzicht geleistet, da sie selbst sehr vermögend war. Das Testament, das Achner hinterlassen hatte, war ganz kurios abgesaßt. - Nach einer längeren Begründung, weshalb er nicht, modernen Anforderungen entsprechend, Stipendien aussetze oder Stiftungen errichte, setzte er zu Universalerben seines Millionenvermögens die „jüdischen Armen" seiner Vaterstadt Sereth ein, in der Art jedoch, daß nach Ablauf von 25 Jahren nach seinem Tode der dritte Teil der Zinsen unter die Armen verteilt werde. Das Testament enthielt auch die Bestimmung, daß zehn Männer, die alltäglich in einem bestimmten Bethause Gebete verrichten sollen, lebenslänglich 20 Kronen monatlich erhalten. Vier Behörden beschäftigen sich mit der Testamentsvollstreckung, es kam zu langwierigen Prozessen, bis der allmächtige Herr von Pino als Chef der Landesverwaltung sich über den Willen des Erblassers hinwegsetzte und autokratisch den Prozessen dadurch ein Ende machte, daß er ein Kompromiß abschloß, wonach alle einstweiligen Verfügungen zurückgezogen und ganz entgegen den Intentionen Achners über den Nachlaß nach gegenseitigem Uebereinkommen verfügt wurde. Da aber von keiner Seite Einwendungen gegen diese willkürliche Auslegung des Testamentes erhoben wurden, blieb es dabei, und die einzige Bestimmung, die im Sinne des Erblassers durchgeführt wurde, war, daß den armen zehn Männern, die , im Bethause Gebete verrichteten, die zwanzig Kronen ausgezahlt i wurden. Das kostete Nicht viel Und der Pietät war Rechnung getragen. Nun soll das VethaUs restauriert werden. Und ans diesem Grunde wurde den Armen ihr Gehalt entzogen! Der einzige wirklich klare Wille des Wohltäters wird unter einem haltlosen Vorwände auch nicht mehr durchgeführt und zehn armen Leuten unter Verletzung der Pietät das Brot entzogen. Von den politischen Behörden nimmt es nicht wunder, aber wo bleibt die orthodoxe israelitische Kultusgemeinde mit ihrem streng konservativen Standpunkte?. — Vor kurzem starb in Großwardein (Ungarn) der jüdische Dorfkrämer Simon Katz aus dem Dorfe Bojt. Zum Leichenbegängnisse, das in Großwardein stattfand, erschien aus dem weitentfernten Dorfe eine Abordnung von hundert Bauern unter Führung des Gemeindesekretärs und des reformierten Geistlichen. Nach der Trauerrede des Rabbiners schilderte der Dorfgeistl-iche in einer ergreifenden Rede die große Trauer des ganzen Dorfes um den großen Verlust, welchen sie alle durch das Hinscheiden des alten Simon K a tz erlitten haben, der stets ihr selbstloser Helfer und Berater war und dessen Andenken bis in die spätesten Generationen in dem Dorfe, in welchen: Katz gewirkt hat, ein ehrendes bleiben wird. * SuMnd. z. Petersburg, 8. August. Der aus Ungarn stammende Direktor des hiesigen Konservatoriums und populäre Musiklehrer Auer hat kürzlich eine wackere Tat begangen, die hier vielfach besprochen wird. Professor Auer brachte in Erfahrung, daß die russische Negierung beschlossen habe, auch am Konservatorium eine Prozentnorm für Juden einzuführen, wie sie an den anderen Hoch- und Mittelschulen besteht. Professor Auer teilte der Regierung mit, daß er im Falle der Einführung der Prozentnorm entschlossen ist, alle seine Aemter am Konservatorium niederzulegen, eventuell sogar'Rußland zu verlassen,. Bei der großen Popularität, die der gefeierte Künstler in Rußland genießt, siel es der russischen Regierung schwer, Professor Auer ziehen zu lassen, und sie beeilte sich, dem Meister mitzuteilen, daß vor der Hand eine Einführung der Prozentnorm gar nicht geplant sei. — Die Juden von Odessa gehen abermals sehr traurigen' und schlechten Zeiten entgegen. Einer der gefährlichsten Pogromisten, der aus der Schreckensherrschaft des Generals Tolmatschew bekannte Pelikan, wurde zum Bürgermeister der Stadt gewählt. Pelikan hat sehr viele Ausschreitungen gegen Juden aus dem Gewissen, und die Juden von Odessa befürchten mit Recht, daß für sie jetzt abermals eine Schreckensära herangebrochen ist. Mehrere Odessaer russische Blätter, welche die Erinnerung an die frühere Pvgromtätigkeit Pelikans wachriefen, wurden konfisziert und die Redakteure verhaftet. — Der berühmte Sänger an der Petersburger Oper, Davidow, der Liebling der russischen Hofkreise, hat jüngst in Rostow am Don gastiert. Davidow kam am selben Tage an, an welchem er auftreten sollte. Zu seiner großen Ueberraschung erfuhr er jedoch, daß der Rostower Polizeimeister das Plakat, mit welchem sein Auftreten bekanntgegeben werden sollte, nicht vidieren wollte, weil Davidow Jude ist und in Rostow am Don kein Wohnrecht besitzt. Es wurde ihm auch erklärt, daß er sich nicht länger als 24 Studnen in Rostow aushalten dürfe. Das ganze Gastspiel war in Frage gestellt und erst nach mehrmaligem Depeschenwechsel zwischen Rostow und Petersburg war es dem Künstler Davidow, dem ganz Petersburg enthusiastisch zujubelt, möglich, sein Gastspiel in Rostow am Don zu absolvieren. — In Petersburg erregt gegenwärtig ein jüdischer Wunderknabe, Micha Atlas, die öffentliche Aufmerksamkeit. Erst 6 Jahre alt, verfügt der Knabe, der von den Professoren Bechterew und Szakow „entdeckt" wurde, über erstaunliche Fähigkeiten auf den Gebieten der Astronomie, Zoologie und Literatur. Daneben kennt er nicht nur sämtliche Tramwahstationen der Hauptstadt, sondern er beherrscht auch die Namen sämtlicher Dumaabgeordneten und deren Fraktionen. * Von jstsh und jfern. — Aus Madrid wird der „Franfurter Zeitung" geschrieben: Die spanische Negierung hat kürzlich den Plan gefaßt, an der Hiesigei, Universität einen Lehrstuhl für rübbinische Literatur zu errichten. Die von dem Ministerium eingesetzte Kommission, der die namhaftesten.Orientalisten angehörten, hat der Regierung vorgeschlagen, ein etatmäßiges Ordinariat für jüdische nnd hebräische Literatur in größerem Umfange zu errichten und auf diesen Lehrstuhl den Berliner Orientalisten Dr. A. S. E. A a h u d a zu berufen. —

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