Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1913)
- Date
- 1913-08-15
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 dehnung verholfen, der jetzt durch einen großen Zuschuß der Stadt Berlin unterstützt die Schulspeisungen in den Berliner Volksschulen in mustergültiger Weise ausführt. Außerdem hat sie mit ihrem Manne zusammen das israelitische Heimathaus und bte; Volksküche in der Gormannstraße begründet» In der llnterstützungskvmmission des Vaterländischen Frauenvereins hat sie mit ihrem menschenfreundlichen Herzen emsig mitgearbeitet und sich überhaupt für alle Wohlfahrtsbestrebungen, besonders für die Jugend, interessiert. Das Frauenverdienstkreuz und die Rote-Kreuz- Medaille, die ihr verliehen wurde, hat. sie sich' redlich verdient. Die Trauerfeier fand am 11. d. M. nachmittags um ^6 Uhr auf dem jüdischen Friedhof zu Weißensee statt, an der Hunderte von Personen, Erwachsene und Kinder, teilnahmen. Als der Sarg zur Kapelle getragen wurde, um hier aufgebahrt zu werden, hatten Kinder mit Kränzen und Blumen in der Wandelhalle, welche zur Kapelle führt, rechts und links Aufstellung genommen. Zahlreiche Kränze waren von den Berliner Wohltätigkeitsvereinen, besonders den Kindervolksküchen und Volkskinderhorten, am Sarge niedergelegt worden. In der großen Trauerversammlung befand sich neben den Leitern und Ehrendamen der Küchen und Horte auch der Gesamtvorstand des Augusta-Viktoria-Krankenhauses vom Roten Kreuz in Weißensee unter Führung der Oberin Vally Graß-Werner und der Frau Oberstleutnant v. d. Knesebeck, ferner sah man viele Krankenschwestern. Eingeleitet wurde die Trauerfeier durch den Gesang des Synagogenchors: „Pilgre auf Erden", worauf Rabbiner Dr. Bergmann die Gedächtnisrede hielt. Weiter ergriffen noch das Wort Dr. med. Leopold Fried Mann im Namen des Vereins für Kindervolksküchen .und Volkskinderhorte und Stadtverordneter Waldeck-Manasse als Freund des Hauses. Die Feier schloß mit dem Gesang „Es.ist bestimmt in Gottes Rat", worauf die Beisetzung im Erbbegräbnis erfolgte. Berlin, 12. August. Der Kaufmann Georg Br ahn und sein Sohn, der Student Erwin B r a h n, die am 7. d. M. bei der Swinemünder Bootskatastrophe einen so jähen Tod gefunden haben, wurden gestern nachmittag zu Grabe getragen. Auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee hatten sich die Familie der Verunglückten, die Angestellten der Firma Wessel, Schulte und Co., deren Mitinhaber der Kaufmann Brahn war, und die Chefs oder Prokuristen aller größeren Firmen der Textil- und Baumwollenbranche von Groß- Berlin sowie zahlreicher Firmen aus der Provinz eingefunden. Die Leichen von Vater und Sohn waren nebeneinander aufgebahrt. Der Synagogenchor leitete die Feier mit einem Gesang ein. Hierauf hielt Rabbiner Dr. Bergmann die Gedächtnisrede. Im. Anschluß daran fand die Beisetzung der Verstorbenen'in einer gemeinsamen Gruft statt. Die Beerdigung der zwei anderen Opfer der Swinemünder Katastrophe, des Kaufmanns Julius Goldemann und seines Sohnes, Referendar Erwin G o l d e m a n n, findet morgen nachmittag ebenfalls auf dem Friedhof in Weißensee statt. W. Posen, im August. Die unter Vorsitz des Geheimen Kommerzienrats Herz tagende Versammlung der Repräsentantenversammlung, der Synagogengemeinde wählte zu Delegierten für die öffentliche Hauptversammlung des Verbandes Deutscher Juden die Herren Justizrat Manheimer, Stadtrat Schleyer und Kaufmann Manasse Werner; als Stellvertreter die Herren Kaufmann Sally Hamburger, Kaufmann Friedenthal und Kaufmann Neumark. — Die Kosten für die Reparaturarbeiten an den Heizuugsanlagen im jüdischen Krankenhause (Rohersche Stiftung), die aus Veranlassung der Dampfkesselüberwachungskommission schleunigst ausgeführt werden mußten, wurden bewilligt. Die durch die Beisetzung des verstorbenen Gemeinderabbiners Dr. W. Feilchenseld entstandenen Kosten in angegebener Höhe wurden aus Antrag des Repräsentanten Herrn Manasse Werner widerspruchslos genehmigt. Zwecks Vorbereitung der Neuwahl eines Rabbiners soll die Verwaltungskommission der Synagoge um drei Mitglieder verstärkt werden, von denen eins die Repräsentantenversammlung entsendet. Hierzu wurde Herr Kaufmann Leo Calvary gewählt. Bei der Wahl des Rabbiners hat die Kommission für diejenige Synagoge, in welcher der zu wählende Rabbiner amtieren soll, dem Borstande der Synagogengemeinde mindestens zwei Kandidaten vorzuschlagen, aus denen die Gemeindebehörden einen zu wählen haben. Bei der Auswahl der Kandidaten für die Synagoge 6 hat der dieser Kommission angehörende Rabbiner nicht mitzuwirken. Bei der Wahl eines Rabbiners für die Synagoge A wird die betreffende Kommission durch drei Mitglieder verstärkt, von denen je ein Mitglied der Vorstand der Synagogengemeinde, die Repräsentantenversammlung und die Kommission A aus der Zahl derjenigen Gemeindemitglieder zu wählen hat, die ein Stimmrecht in der Synagoge 8 nicht besitzen. Bei der'Wahl, eines Rabbiners müssen in der Repräsentantenversammlung mindestens zwölf Mitglieder, in der Vorstandssitzung mindestens vier Mitglieder anwesend sein. Die Normierung hes Gehalts für den neuanzustellenden Rabbiner wurde in nichtöffentlicher Sitzung erledigt. — Zur wissenschaftlichen Leitung des Unternehmens für die Herausgabe „Heimatbücher aus dein Posener Lande" ist Herr Geheimer Archivrat Dr. Adolf Warschauer, Archivdirektor in Danzig, mitgewählt worden. — Dein Landgerich'tsrat Springer Hierselbst ist der Charakter als Geheimer Justizrat verliehen worden. 22 Kolberg, 8. August. Zum Besten des Iüdischen Kur- Hospitals fand, hier im großen Saal des Strandschlosses ein sehr gut besuchtes Künstlerkonzert statt. Der Abend kann als ganz besonders gelungen bezeichnet werden, denn die Darbietungen waren durchweg vollendet und ernteten sämtlich stürmischen Beifall. Am darausfolgenden Sabbat, den 2. d. M., wurde die Feier des 39. Stiftungsfestes der Anstalt in Verbindung mit dem Sabbatgottesdienst begangen. Herr Rabbiner Dr. Baron hielt die Festpredigt, welcher er den Satz zugrunde legte: „Der Wert eines milden Werkes mißt sich nur nach dem Maße der Liebe, die in ihm waltet." Er erwähnte dabei die im Laufe des letzten Jahres der Anstalt zngefallenen namhaften Schenkungen zur Erwerbung der „immerwährenden Mitgliedschaft" und die von dem Kuratorium anläßlich des 50jährigen Amtsjubikäums des Herrn Rabbiner Dr. Goldschmidt gespendete Summe von 5000 Mark zur Errichtung einer „Rabbiner- Dr.-Salomon-Goldschmidt-Jubiläumsstiftung" und gedachte mit einem warmen Nachrufe der im vergangenen Jahre Heimgegangenen Herren Kurator Hermann Landsberger- Berlin und Vorsteher Baumeister Paul Jacobson -Kolberg. Der Gottesdienst schloß mit einer solennen Totenfeier zum Gedächtnis an sämtliche Wohltäter der Anstalt. §2 Kissingen, 8. August. In einer der wöchentlichen Logensitzungen der in Kissingen anwesenden Brüder und Schwestern der U. O. B. B.-Logen, in denen neben Spezialarbeiten allgemeine Fragen behandelt werden, hielt am 4. d. M. Frau Henriette May aus Berlin, die Schriftführerin des Jüdischen Frauenbundes, vor vollem Saal ein Referat über den Jüdischen Frauenbund. Von der Geschichte seiner Gründung ausgehend, entwickelte sie an der Hand der Satzungen sein Arbeitsprogramm, hob die bisherigen Praktischen Arbeiten hervor, .wie das immer der Mittel bedürftige Heim in Neu-Isenburg, das „Krankenhaus für Moralkranke", berichtete über die Stellenvermittlungsfrage usw. Im Anschluß an die Mitarbeit im Kampfe gegen den Mädchenhandel konnte erwähnt werden, daß ein von der ersten Vorsitzenden des Bundes Fräulein Bertha Pappenhcim-Franksurt a. M. verfaßtes Flugblatt auf dem fünften Internationalen Kongreß zur Bekämpfung des Mädchenhandels, London, 30. Juni 1913, zum internationalen Gebrauch angenommen worden war. Reicher Beifall und viele Anknüpfungen für neue Anschlüsse belohnten die Referentin. Q/«> Pirmasens, 8. August. Der bekannte deutsche Sportsinann Herr Max Dreyfus, angehörend dem I. Athletenklub Pirmasens, wurde dieses Jahr von obengenanntem Verein zur Hundertjahrfeier zu den Weltmeisterschaftskämpfen nach Breslau entsandt und erhielt bei diesen Austragungen die siebente Weltmeisterschaft im Mittelgewicht; so auch erhielt derselbe im Jahre 1912 die fünfte Europameisterschaft und im Jahre 1911 die vierte deutsche Meisterschaft von Deutschland. Dreyfus wurde auch bei diesen Erfolgen mit dem Pirmasenser Stadtorchester sowie unter Beteiligung mehrerer Vereine vom Bahnhof abgeholt., Zu bemerken sei noch, daß Dreyfus dieses Jahr erst zum Militär gezogen und mithin kaum 20 Jahre alt ist. 22.Freiburg (Breisgau), 8. August. Der 16. Jahresbericht des Friedrichsheims (Asyl für israelitische Sieche und arme Greise) in Gailingen ist soeben erschienen und konstatiert mit Befriedigung, daß die Entwicklung des Friedrichsheims im abgelaufenen Jahre wiederum als günstig bezeichnet werden darf. Es konnten alle an den Vorstand herantretenden Anforderungen befriedigt werden. Der Anstalt sind neue Gönner gewonnen worden. Die Summe der regelmäßigen Mitgliedsbeiträge ist von 10 508 Mark im Vorjahr auf 11931 Mark angewachsen. Ein seltenes Fest wurde am 14. April 1912 in der Anstalt begangen; die Insassin Esther G u g g e n h e i m von Altdorf feierte ihren 100. Geburtstag. S. K. H. der Großherzog ließen der Jube'kgreisin. eine Denkmünze und I. K. Hdie