Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1913)
- Date
- 1913-08-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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77. Jahrgang Nr. 33 Der Oemetndeüote. Vellage zur „Allgemeinen Leitung deS Judentums". korrelpondenren und Nachrichten. Deutschland. 22 Berlin 12. August. Im vergangenen Jahr wurde unter dem Schutz der K a i s e r i n und auf Betreiben ihres Oberhofmeisters Frhrn. v. M i r b a ch eine Expedition unter Leitung von Professor Dr. Mühle ns (Hamburg) zur Erforschung der Malaria in Jerusalem unternvminen. Dieser Tage wurde nun eine Vereinbarung getroffen zwischen der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Malaria in Jerusalem, dem Jewish Health Office (Stiftung des Multimillionärs Nathan Straus;) und der Gesellschaft jüdischer Aerzte und Naturwissenschaftler für sanitäre Interessen in Palästina. Die genannten Gesellschaften begründen unter dem Namen „Internationales Gesundheitsamt in Jerusalem" ein gemeinsames Institut. Dieses wird durch ein Kuratorium, das aus je einem Delegierten (bzw. dessen Stellvertreter) der beteiligten Gesellschaften besteht, verwaltet. Das Internationale Gesundheitsamt arbeitet in der Weise, das; sür besondere Zwecke einzelne Abteilungen eingerichtet werden, und zwar zunächst: 1. Abteilung für Malaria. Leiter: Professor Dr. Mühlens. Unterhalten von der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Malaria in Jerusalem; 2. Hygienische Abteilung. Leiter: Dr. Brünn. Unterhalten vom Jewish Health Office; 3. Serologische und Wutschutzabteilung. Leiter: Dr. B e h a m. Unterhalten von der Gesellschaft jüdischer Aerzte usw.; 4. Bakteriologische Abteilung. Leiter: Dr. Goldberg. Unterhalten vom Jewish Health Office. Ferner werden Unterabteilungen für eine arabische Fürsorgestelle in der inneren Stadt und eine Station zur Bekämpfung der Augenkraukheiten eingerichtet. Die Oberleitung sämtlicher Abteilungen liegt in den Händen eines Direktors, der auf die Dauer von zwei Jahren vom Kuratorium aus der Mitte der Abteilungsleiter gewählt wird. Die Wiederwahl ist zulässig. Zum ersten Direktor wird Professor Dr. Mühlens gewählt. Die Honorierung des Direktors geschieht lediglich durch die Abteilung, der er zugehört. .Die allgemeinen Kosten des Internationalen Gesundheitsamts werden auf die drei Gesellschaften verteilt. Vom Dezember 1913 ab sollen alle Abteilungen in einem gemeinsamen Hause untergebracht werden. Ueber die Aufnahme neuer Gesellschaften oder Organisationen entscheidet das Kuratorium. Beiträge, die dem Internationalen Gesundheitsamt gewährt werden, werden zu gleichen Teilen den bestehenden Abteilungen zugewandt. Es sei hier noch beigefügt, daß es alljährlich in Palästina ziemlich viel Tollwuterkrankungen gibt. Die Gebissenen waren bisher angewiesen, entweder nach Kairo oder nach Konstantinopel zur Behandlung zu reisen. Seit die Tollwutstation in Jerusalem besteht, hat die französische St. Joseph-Universität auch in Beirut eine solche errichtet. Berlin, 12. August. Die in der Tagespresse veröffentlichte Notiz, die jüdische Gemeinde zu Berlin habe bei der Zurückweisung eines Bittgesuches erklärt, daß sie Ausländer nicht unterstütze, ist unrichtig. Die Zurückweisung erfolgte aus sachlichen Gründen, die Ausländereigenschaft der Familie ist gar nicht erwähnt worden. Wie groß die Zahl der von der jüdischen Gemeinde zu Berlin unterstützten ausländischen Glaubensgenossen und der Kinder derselben ist, kann aus den Veröffentlichungen des Gemeindeblattes.mit Leichtigkeit festgestellt werden. Y. Berlin, 12. August. Am Montag den 11. d. M. beging Herr Siegfried Brünn seinen 75. Geburtstag. Der Jubilar, der fern von Berlin zurzeit in Bad Gastein weilt, war der Gegenstand vielfacher Ovationen. Der „Deutsch-Israelitische Gemeindebund", dessen Ausschüsse Herr Brünn lange Jahre angehört und Mitglied mehrerer Kommissionen ist, sandte ihm ein in herzlichem Tone abgefaßtes Glückwunschtelegramm. Herr Brünn, der eine Reihe von Stiftungen, besonders für die Lehrer und den Verband der jüdischen Jugendvereine wie für die jüdische Gemeinde Berlin gemacht hat, hat sich als Förderer aller großen jüdischen Institutionen bewährt. Mögen ihm noch viele Jahre seines segensreichen Wirkens beschieden sein! 2X2 Berlin, 12. Aügust. Bei der letzten Volkszählung am 1. Dezember 1910 bestanden in Preußen 5516 Mischehen, bei denen Juden beteiligt waren. In 3712 Ehen war der Mann, in 2476 die Frau jüdisch. 3000 jüdische Männer hatten evangelische Frauen, 564 katholische und 168 Frauen sonstigen oder unbestimmten Bekenntnisses; 1997 evangelische Männer, 478 katholische, 1 sonst christlicher und 328 sonstiger oder unbestimmten Bekenntnisses hatten jüdische Frauen. Unter den jüdischen Mischehen waren 3758 mit Kindern im Haushalt, wobei die amtliche Statistik allerdings die Ehen von Vätern unbestimmten oder sonstigen Bekenntnisses mit Jüdinnen außer Betracht läßt, deren Zahl man aus etwa 200 schätzen kann. Von diesen jüdischen Mischehen mit Kindern im Haushalt hatten 1264 einen evangelischen Vater und 1752 eine evangelische Mutter sowie 313 einen katholischen Vater und 331 eine katholische Mutter ferner 98 eine Mutter sonstigen oder unbestimmten Bekenntnisses. Im Haushalte der. jüdischen Mischehen befanden sich 7785 Kinder. Von ihnen waren 4686 evangelisch, 1802 jüdisch, 845 katholisch, 1 sonst christlich und 451 sonstigen oder unbestimmten Bekenntnisses. Auf einen evangelischen Elternteil kommen 1,50 evangelische Kinder, auf einen katholischen 1,31, auf einen jüdischen nur etwa 0,45. Sehr zahlreich sind auch die Kinder sonstigen und unbestimmten Bekenntnisses (Dissidenten, Religionslose usw.), deren Znhlenverhältnis zu den Ehen mit Kindern sich nicht genau feststellen läßt, da, wie bemerkt, die Zahl der Ehen von jüdischen Frauen mit Männern sonstigen ustv. Bekenntnisses, so weit in ihnen Kinder sind, nicht bekannt ist. Es läßt sich aber schätzen, das; auf jeden derartigen Elternteil etwa 1,50 Kinder, also so viel wie bei dem evangelischen Elternteil, entfallen. — Wir kommen gelegentlich auf das Th cum der Mischehen zurück. 2X2 Berlin, 12. August. Der Verein für Arbeitsnachweis sbcgr. von den Berliner Logen U. O. B. B., Monbijouplatz 10) schreibt uns: Die wirtschaftliche Lage, nach dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage auf dem Stellenmarkte beurteilt, zeigt auch in den Berichtsmonaten Juni und Juli eine andauernd degressive Tendenz. Die schwere wirtschaftliche Depression, die aus vielen Zweigen des hauptstädtischen Arbeitsmarktes tastet, läßt kaum noch Zweifel darüber auftauchen, das; das gesamte Erwerbsleben einer Krise entgegenzngehen scheint. — Es gelang durch die sür alle Teile kostenlose Arbeitsvernnttelnug unseres Vereins, insgesamt 332 Personen, 28 mit Sabbatheiligung, und zwar 90 Kaufleute, 125 Handlungsgehilfinnen und 117 gewerbliche Arbeiter einer Beschäftigung zuzuführen. Das weitaus größere Angebot an Arbeitskräften konnte zu einem Teil in der Schreibstube des Vereins mit Aushilfsarbeiten, Ausschreiben von Adressen usw. beschäftigt werden. Da der Verein für Arbeitsnach- 'weis ausschließlich humane Zwecke verfolgt, richtet er erneut die Bitte an alle Menschenfreunde, ihm neben Aufträgen zur Beschaffung von Personal die Ausführung von Schreib- und Maschineirarbeiten. Ausschreiben von Briefadressen, Versendung von Massenauflagen, die sachgemäß unter billigster Berechnung erledigt werden, übertragen zu wollen. Der Verein kommt dadurch in die Lage, den . Bedürftigsten unter den Arbeitslosen zu einer vorübergehenden Beschäftigung unter gleichzeitiger Auszahlung des Verdienstes zu verhelfen, ihnen in der Not des Augenblicks zur Seite zu stehen und sie vor völligem wirtschaftlichen Verfall zu bewahren. 2X2 Berlin, 12. August. Die Sportabteilung des Jüdischen Turnvereins „Bar - Kochba" veranstaltet am Sonntag den 24. August anläßlich der Gründung einer „Akademischen Sportabteilung und Jugendabteilung" auf dem Platz des Sportklubs Charlottenburg (verlängerter Königsweg) ein großes Sportfest, wo außer akademischen und Jugendwettkämpfen die Meisterschaften dieses Jahres ausgetragen werden. Außerdem werden zwei Vereknsstafetten um zwei Wanderpreise, die von befreundeter Seite im vorigen Jahre gestiftet wurden, starten. Diese Wanderpreise werden von allen jungjüdischen Vereinen Berlins umstritten V. Z. Berlin, 12. August. Die Wohlfahrtspflege Berlins hat durch den Tod der Frau Johanna Abraham einen schweren Verlust erlitten. Gemeinsam mit ihrem Gatten H e r r m a n n Abraham hat sie als erste Vorsteherin unermüdlich sür den Verein für Kindervolksküchen und Volkskinderhorte Berlins, den beide gemeinsam vor zwanzig Jahren begründet haben, gewirkt und dem Verein zu seiner großen Aus-